Schnipsel einer Reise
| Im Juni 2008 war ich mit Virginie und Tobias in Norwegen, dem Land der
Mitternachtssonne, der zahllosen Wasserfälle und Seen, der Stechmücken
und des unermüdlichen Dauerregens unterwegs.
Obgleich es häufig heißt, die Norweger seien ein zurückhaltendes und mürrisches Volk, empfanden wir sie als sehr freundlich und kontaktfreudig. Jederzeit und überall kommt man mit diesen unkomplizierten Menschen leicht ins Gespräch, sei es bei einem Plausch übers Wetter oder über das Tagesgeschäft. |
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| Es rauscht der wilde Wasserfall vom Berg hinab ins tiefe Tal. |
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| Vom Berge rauscht der Wasserfall. Wenns nicht mehr rauscht, ist 's Wasser all. |
| ... und weil ein Wasserfall ohne Wasser ein bißchen albern aussieht,
haben die Norweger den Dauerregen erfunden. Das heisst nun aber nicht, dass
es ständig ununterbrochen regnet. Es regnet ständig mit kleinen Unterbrechungen. Manchmal scheint auch kurz die Sonne, aber nicht so lange. Dann regnet es wieder fleissig, damit die vielen Wasserfälle nicht austrocknen. Im südlichen Norwegen ist es klimatisch einigermaßen auszuhalten. Doch wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Die Norweger haben dafür im südlichen Landesteil die Hochebenen Hardangervidda und Dovrefjell. Hier bleibt es ganzjährig schön frisch und weil hier nicht so viele Menschen leben, gibt es hier in diesen Regionen sogar Rentiere und Moschusochsen, die ansonsten nur viel weiter nördlich vorkommen. Wenn man die Gegend im Sommer sieht, will man gar nicht wirklich wissen, wie das hier im Winter ist ... |
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| Das Ren springt hoch, das Ren springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit ... |
| Das Rentier und der Moschusochse sind ziemlich scheu und äußerst
selten zu sehen. Häufiger ist in den tieferen Waldgebieten angeblich
der Elch zu finden, vor dessen Auftauchen auch auf zahlreichen Verkehrsschildern
gewarnt wird, doch der Elch ist eine faule Sau. Er liegt wahrscheinlich den
ganzen Tag rülpsend im Unterholz und haut sich die Wampe voll. Erst
im Winter sieht man ihn gelegentlich, wenn er überheblich mit seiner
riesigen Schneeschaufel rumprotzt, während man selbst gerade mal wieder
sein Auto im meterhohen Schnee festgefahren hat. Im Sommer sieht man höchstens ab und zu ein ELchhörnchen von Ast zu Ast springen ... |
| Im Westen gibt es viele interessante Fjorde. Wer sich für die Entstehungsgeschichte der Fjorde interessiert, liest bitte bei "Per Anhalter durch die Galaxis" oder Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Personen_und_Lebewesen_aus_dem_Roman_Per_Anhalter_durch_die_Galaxis#Slartibartfa.C3.9F) nach (das hier ist schließlich kein Ersatz für die seinerzeit geschwänzten Erdkundestunden). Slartibartfaß hat für die knifflige Gestaltung der norwegischen Westküste zu Recht einen Preis bekommen, auf den er stolz sein kann. Einer der bekanntesten Fjorde ist der Lysefjord. | ||
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| Die markanteste Stelle im Fjord und die wohl meistfotografierte Stelle
Norwegens ist der Preikestolen. Die Felswände um die fast quadratische
Plattform fallen 600 Meter senkrecht ins Meer hinab. Das ist praktisch. Man
hat dadurch eine gute Aussicht und der von Touristen weggeworfene Müll
verschandelt nicht die umliegende Landschaft. Da hat sich Slartibartfaß
offensichtlich etwas dabei gedacht. Und wenn man noch ein wenig höher kraxelt, was nur noch ein überschaubarer Personenkreis tut, kann man sich den Preikestolen von oben anschauen. Man sollte allerdings aufpassen, dass man nicht abschmiert, denn sonst sieht man nicht den Preikestolen von oben, sondern die Radieschen von unten und da ist die Aussicht eher begrenzt. |
| Auf dem etwas beschwerlichen Weg zum Preikestolen kann man schöne Landschaften bestaunen. Man muss aber nicht, sondern kann mit nach unten gerichtetem Blick versuchen, den Weg so schnell wie möglich zurückzulegen. Viele bevorzugen diese Variante. Schade eigentlich um die viele schöne Landschaft, die es in dieser Gegend gibt ... | ||
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| Styrkeproven | |
| Der kurze Reisebericht ist nun bereits fast zu Ende und es kam
überraschenderweise noch kein Fahrrad vor. Es wird doch nicht etwa ...?
Nein, natürlich nicht. Während die Raddistanz bei einem Ironman-Triathlon mit 180 km fast noch zu den Sprintdistanzen zählt und auch die längste Etappe der diesjährigen Apothekenrundfahrt Tour de Farce bereits nach übersichtlichen 230 km zu Ende geht, meldeten wir uns für eines der weltweit längsten "Eintagesrennen" an (in Anführungsstrichen deshalb, weil es über mehr als einen Tag geht, aber in einer Etappe am Stück durchfahren wird). Die Styrkeproven von Trondheim nach Oslo geht über die dreifache Ironman-Raddistanz von 540 km und über 3.500 Höhenmeter. Ein Kalorienverbrauch von etwa 15.000 wird für die Veranstaltung angegeben, was den Vorteil hat, dass man sich am Vorabend keine allzu großen Gedanken darüber machen muss, ob man nun noch einen Nachtisch zu sich nimmt oder besser nicht. Wir starteten um 23 Uhr in die drei Grad kalte Nacht, bevor am folgenden Vormittag auf dem Dovrefjell Wind und Regen, später sogar Hagel einsetzte. Nach 100 km durch die Kälte habe ich den Einsatzbereich der wärmenden Rheumasalbe von den Knien auf die Oberschenkel ausgedehnt und an der Verpflegungsstation nach 190 km nochmal nachgeschmiert. Die Oberschenkel waren zwar knallrot, aber ein rechtes Wärmegefühl wollte dennoch nicht einsetzen. Aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse hatten die ersten Teilnehmer bereits vor Erreichen der 100km aufgegeben, andere schliefen in der Verpflegungsstation -vor Kälte, Wind und Steigungen erschöpft- ein. Auch Tobias und ich kämpften natürlich gegen die Müdigkeit, da zu diesem Zeitpunkt bereits die größten Steigungen und die widrigsten Umstände überstanden waren. Hügelig blieb es jedoch über die gesamte Distanz. Obwohl wir ab km 190 bis ca. km 250 richtig gutes Tempo fahren konnten, bekam ich zunehmend Knieprobleme und konnte anschließend kaum noch Kraft schmerzfrei auf die Pedale bringen. Bei km 275 habe ich das Rennen dann leider beenden müssen, da mir klar war, auch bei reduziertem Tempo und einer längeren Pause höchstens noch 100 km durchzuhalten und dafür den Preis zu zahlen, die nächsten Tage mit erheblichen Schmerzen zu verbringen. Tobias hat sich über den zweiten Teil der Distanz dann wacker alleine durchgekämpft und das Ziel deutlich innerhalb des Zeitlimits erreicht. Nach 12 Jahren Rennradabstinenz und Knieproblemen bereits in der recht kurzen Vorbereitungszeit war die Strecke von 540 km für mich einfach zu lang. Einen Versuch war es dennoch wert und Spaß gemacht hat es trotzdem ... |
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