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"Zeru.Eine siebentägige Geschichte" von Anant Kumar

rezensiert von Jürgen Suberg (Dipl. Math.), Institut für Philosophie Universität Magdeburg

Erzählkunst oder Afrika?!

Wer jemals den Schriftsteller Anant Kumar in voller Leidenschaft aus seinen Werken hat vortragen gehört, der wird zustimmen, dass der Kern seiner Arbeit die Erzählung ist. Mit "Zeru - Eine siebentägige Geschichte" eröffnet uns Kumar einen tiefen Einblick in seine Fähigkeit sprachliche Dichte mit erzählerischer Tiefe zu vereinen.

Die Rahmenhandlung, eine Schulwoche in Ghanaischen Accra, gibt dafür nur den Hintergrund. Der Autor hätte nahezu jeden anderen Ort und jede beliebige Zeit wählen können. Das zeitgenössische Afrika dient als bloße Parabel, als eine von vielen möglichen Formen gelebter Geschichten. So macht uns Kumar schon in seinem epischen Vorwort deutlich, woran er eigentlich interessiert ist:

Zeru Abuka kam zur Welt/ in so einem Land,/ wo der Abstand/ zwischen den Rechthabenden/ und den Rechtlosen/ mal/ ein wenig geringer/ dann wieder mal viel größer wird./ Ja, strapazierbar, belastbar - wie das/ Spielchen mit dem Kaugummi. (S. 9)

Es sind Kinder, mit den einfachen und ernsten Problemen ihres Alters, um die Kumar seinen Roman webt. Der vaterlose Junge Zeru, dem seine Mutter abends die Geschichte des magischen Mambos, des Zauberkönigs, erzählt. Der indische Händlersohn Vishal, der aus seinen Schulferien die Sage des bösen Dämons Bakasur mitbringt. Und die kecke Cecile, deren Vater ihr einredet, dass die Afrikaner keine Geschichte hätten, sondern nur eine falsche von den Weißen.

Es ist nicht der Kontinent Afrika, auf dem das Augenmerk von Anant Kumar liegt. Sondern er besinnt sich auf das Geschäft des Erzählers, der mit dem feinsten Werkzeug des Menschen mühelos buntes Leben entstehen lassen kann. Und als erster Autor seit Alfred Döblin wagt es Kumar wieder auf die archaische Sprachgewalt des Epos zurückzugreifen, wenn er fern des Alltags in den Geschichten in der Geschichte verweilt.

So spielt der Autor mit unterschiedlichen Ebenen. Es fließen die Erzählung der alltäglichen Schulgeschichte und die epische Sprache der Kindermythen zu einem untrennbaren Geflecht zusammen. Er erzählt uns Geschichten.

Dann sah die Mutter/ein sternförmiges Muttermal,/das auffallend groß war./Ein Muttermal auf der linken Brust./Sie schrie auf: >Er hat ein wnarra-ndaema! /Ein Zeichen des Unglücks!/Vielleicht bringt er uns Unglück. Das Unglück!/ Wenn er das Unglück bringt,/ bringen wir es schon jetzt zu Dsivoa. Zum Dsivoa, zum Fluss,/ der gigantisch strömt -/ dröhnend rasend. Und sie nahmen das Kind mit./Nahmen es mit -/ Zum Nganga. Nganga, der Priester./ Nganga, der Zauberer./ Priester und Zauberer./ Das Gute und das Böse/ In einem! (S.19-20)

Verlag: Wiesenburg, Schweinfurt 2005
ISBN:3937101780
Seiten:158
16 Grafiken
Preis:18,40 €

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Fotos: oben © Panorama Quartz Mountain Oklahoma, Brandon (bmckinney)
links © Bücherrücken, Susanne Lenhard