Werdenberger & Obertoggenburger Zeitung

Lokalnachrichten

22.05.2004  

 

Der Natur etwas zurückgeben

In Grabs fanden die Bergwaldprojekt-Wochen statt

 

Die Stiftung Bergwaldprojekt hat den Zweck, den Wald und die Kulturlandschaft im Berggebiet zu schützen, zu pflegen und zu erhalten. Teilnehmer aus der ganzen Schweiz widmeten sich eine Woche lang dieser Aufgabe.


Von Thomas Gantenbein


Diese und die letzte Woche nahmen rund zwanzig Personen am Bergwald­projekt teil. Die Gruppen sind jeweils bunt gemischt. 18 Jahre alt sollte man für die Arbeit sein, gegen oben ist die Altersgrenze offen. Die Männer und Frauen bauen in den Projektwochen Wege, schützen die jungen Bäume vor Wild­schäden, erstellen Schneeverbauungen und kümmern sich um die Jungwald­pflege und die Aufforstung. Die Projektwochen finden in der ganzen Schweiz von April bis Oktober statt und werden auch in Deutschland und Österreich ange­boten. Die Teilnehmer stammen aus ganz Europa.

Ausgleich zum Alltag

Viele der Teilnehmer haben in ihrem Beruf kaum die Möglichkeit, mit den Händen und im Freien zu arbeiten. Sie wollen sich in den Wochen einen Aus­gleich schaffen. «Ich arbeite in einer Bank und halte mich in meiner Freizeit sehr gerne im Wald auf. Die Natur gibt mir viel, jetzt will ich ihr etwas zurückgeben», sagt eine Frau mit einem müden, aber zufriedenen Gesichtsausdruck.
Es fühle sich kaum je jemand mit der Arbeit überfordert, sagt Martin Lieberherr, der die beiden Projektwochen in Grabs leitete. «Es kommt schon mal vor, dass sich jemand nicht wohl fühlt und sich etwas vor den steilen Abhängen fürchtet, aber in diesen Fällen finden wir immer eine andere Arbeit an einer flacheren Stelle, so dass jeder seinen Beitrag nach seinen Möglichkeiten leisten kann», so Lieberherr weiter.
So eine Woche bietet auch die Möglichkeit, den Wald einmal etwas eingehender kennen zu lernen. «So sieht man manche Dinge viel klarer, als wenn man sie nur aus der Theorie der Schulstube kennt», sagt Martin Lieberherr.

«Eine tolle Sache»

Die Arbeit des Bergwaldprojekts sei sehr wertvoll, sagt der Grabser Revierförster Andreas Eggenberger. Würde sie nicht von den Freiwilligen erledigt, müsste sie vom Personal der Ortsgemeinde übernommen werden, sofern dazu überhaupt die Kapazitäten vorhanden wären. Die Arbeit wäre so natürlich auch viel teurer. «Normalerweise wohnen wir in einfachen Berghütten mit Wasserfall als Dusche und einem Brunnen als Waschbecken. Dann sind Kost und Logis gratis. Wenn wir wie jetzt in einem Gasthaus wohnen, bezahlen die Teilnehmer einen Unkostenbeitrag», so Lieberherr.
Das Bergwaldprojekt wird etwa zur Hälfte durch private Spender finanziert und zu einem Viertel von Stiftungen und Institutionen. Der Rest des Geldes kommt von den jeweiligen Ortsgemeinden als Entschädigung für die geleistete Arbeit.