Semiotik

Die Semiotik ist die Lehre von den Zeichen. Was aber ist ein Zeichen? Definitionen gibt`s viele:

1. Zeichen nach Peirce:

Peirce unterscheidet drei Arten von Zeichen: 
Name: Art der Beziehung: Beispiele:
INDEX 
 
kausal, ursächlich Rauch - Feuer oder heiße Stirn - Fieber
ICON 
 
Analogie, abbildend, ähnlich Verkehrsschild "Bahnübergang", Icon "Papierkorb" bei Windows 95 auf dem Desktop
SYMBOL 
 
keine: willkürlich, zufällig Verkehrsschild "Vorfahrt", Ampel, sprachliche Zeichen
 
 

2. Das sprachliche Zeichen nach de Saussure

Bei de Saussure wird die Sache schon etwas komplizierter - hier besteht das Zeichen bereits aus 2 Teilen:
  
1. realer, materieller Gegenstand in der Welt, auf den man sich bezieht 
 
 
 2. CONCEPT:  mentales "Bild"(*)  des Gegenstandes 
 <-------------------- Reziproke
3. IMAGE:  mentales "Bild" der Äußerung   (z.B. eines Wortes) 
 Evokation --------------->
4. gesprochene oder geschriebene Äußerung 
  
(*): Das "Bild" ist hier nicht wörtlich zu nehmen, sondern eine Eselsbrücke und fehlerhafte Metapher; tatsächlich handelt es sich hier schlicht und einfach um einen gespeicherten Inhalt - in welcher Form der aber vorliegt, ist bis heute unklar. Daß es sich nicht immer um tatsächliche Bilder handeln kann, wird klar, sobald man sich auf die Suche nach den "Bildern" für Inhalte wie "Moral" oder "Gott" macht. Mehr dazu im Kapitel über  Semantik .

1. und 4. sind Teile der materiellen Realität und nicht Bestandteil, sondern eher Anlaß und Realisation des sprachlichen Zeichens - das ist rein mental und setzt sich aus concept und image zusammen, die kognitive "Abbilder" der konkreten Realitäten sind.

also das "Bild", das einem in den Sinn kommt, wenn man das entsprechende Wort hört. Wenn jemand weiß, was er sagen will, es aber nicht sagen kann, weil ihm der Begriff nicht einfällt, so "liegt es ihm auf der Zunge": das concept ist da, aber das image und dessen materielle Realisation, der Begriff, fehlt. Das also das, was einem in den Sinn kommt, wenn man einen Gegenstand sieht, den dazugehörigen Namen oder Begriff aber nicht ausspricht.
Hört jemand ein Wort, weiß damit aber nichts anzufangen, so ist der umgekehrte Fall eingetreten: das image ist da, aber das concept fehlt.
Doch auch concept und image sind nur Bestandteile des sprachlichen Zeichens, nicht aber das Zeichen selbst: Verbunden werden Vorstellung und Lautbild durch die Beziehung, die zwischen beiden besteht. Diese Beziehung nennt de Saussure "reziproke Evokation", was sich mit "gegenseitiger (automatischer) Hervorrufung" übersetzen läßt: concept und image folgen automatisch auf das jeweils andere. Fehlt eine der beiden Komponenten, so greift die Beziehung ins Leere, und das mentale Zeichen kann nicht entstehen.