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Wie schlau macht die Musik ?

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Zwölf Forschergruppen von zehn Universitäten begleiten und untersuchen über mehrere Jahre die Wirkung der Initiative "Jedem Kind ein Instrument", kurz "JeKi".

Auch sie profitieren vom Instrument: musizierende JeKi-Kinder in Hamm. · Foto: Szkudlarek

Noch nie hat es einen so großen musikpädagogischen Forschungsverbund gegeben, der den Musikunterricht in der Schule untersucht. Jedem Kind - ungeachtet seiner ethnischen oder sozialen Herkunft - soll die Möglichkeit gegeben werden, ein Instrument zu erlernen. Die Forscher untersuchen beispielsweise, ob sich der Musikgeschmack der Kinder verändert, ob sie zum Beispiel toleranter gegenüber anderer Musik werden. Oder ob diese Kinder und ihre Eltern größeres Interesse an kultureller Bildung bekommen. Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. Aber es werde auch untersucht, welche Kinder mit welchem Hintergrund teilnähmen oder welche Kinder früher aufhörten. Eine Fragestellung ist, ob Kinder mit Migrationshintergrund sich besser integriert fühlen und ob sie besser integrierbar werden.

Neuropsychologen vergleichen mit bildgebenden Verfahren die Gehirne von Kindern, die weniger musizieren, mit intensiver musizierenden Kindern. "Die Hypothese ,Musik macht schlau` ist sicherlich eine Übertreibung. Es ist falsch, zu sagen: Mach' ich Musik, kann ich besser Mathe." Das Musizieren hat aber mehrere positive Wirkungen: "Ein Instrument zu spielen verbessert zum Beispiel die Disziplin, entwickelt die Persönlichkeit, stärkt das Selbstvertrauen." dpa (AA 04.11.10). "Jeki" scheint in erster Linie außermusikalische Transfereffekte (lat. transferre = übertragen) zu erzeugen - also Einsichten und Fertigkeiten einer bestimmten Lernsituation auf andere Lernsituationen gewinnbringend zu übertragen.

Geeignete Musik kann das Lernen wesentlich unterstützen: sie entspannt und öffnet so für Neues - und schafft nicht nur ein angenehmes Lernumfeld.

Klassische Musik wirkt lernfördernd

Tipp

Ein guter Einstieg in das Thema ist folgende Webseite Lernen mit Musik wirkt lernfördernd und motivierend. Die wunderschönen Musikbeispiele sollte man entspannt geniessen.

Am UC Irvine’s Center for Neurobiology of Learning and Memory wurde eine Studie verfasst, welchen Einfluss Musik auf das Gehirn hat. Dabei wurden 36 Studenten einem standardisierten IQ Test unterzogen, wobei sie vor dem Test Mozarts Sonate für zwei Klaviere in D Major [7'850 KB] für zehn Minuten anhörten.

Beim zweiten Durchgang hörten sie sich unmittelbar vor dem Test Entspannungskassetten an, während sie vor dem dritten Test nur still saßen. Alle Studenten schnitten erheblich besser ab, nachdem sie Wolfgang Amadeus Mozart gehört hatten, konkret waren ihre Ergebnisse um 9 IQ Punkte höher. Die Musik hat die Studenten eindeutig aufnahmefähiger gemacht, so dass sie zu den Ressourcen ihres Hirns besseren Zugang hatten.

Leute, die sich regelmäßig mit Musik beschäftigen, sind die besseren Problemlöser und schneiden bei Tests bis zu 80% besser ab als solche, die sich nicht mit Musik beschäftigen.

"Eine Wellenlänge voraus sein"

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass sich die Gehirnwellen äußeren Impulsen anpassen. Durch bestimmte Musikstücke kann man die Gehirnwellen bei Testpersonen entsprechend verändern. Beispielsweise sind alle Largo- und Adagio-Stücke aus der Zeit des Barock in einem solchen Tempo und Rhythmus komponiert, der die Gehirnwellen zumindest zeitweise in den Alpha-Bereich führt.

Video von Aria zu den Goldberg-Variationen
Johann Sebastian Bach: Aria zu den Goldberg-Variationen
Video von Orchestersuite Nr. 3 in D-dur
Johann Sebastian Bach: Orchestersuite Nr. 3 in D-dur ("Air")

Man muss beide Stücke nur etwas über der Hörbarkeitsschwelle abspielen.

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Der Alpha-Bereich ist der Bereich, in dem Neues optimal aufgenommen werden kann. Alpha-Wellen tauchen in der Entspannung auf, bei geschlossenen Augen und ausgeglichenen Menschen. Typischerweise hat man eine wohlige Empfindung, das Denken wird ruhig und es fliesst, die Stimmung ist zuversichtlich und man hat das Gefühl, dass Kopf und Körper sozusagen "eins sind". Wenn wir gesund und stressfrei sind, produzieren wir eine Menge Alpha. Fehlt die Alpha-Aktivität, kann das ein erstes Signal für Stress, Sorgen oder Krankheit sein.

Wir haben es verlernt, Alpha Wellen zu erzeugen. Denn wir bekommen bereits in der Schule sozusagen abtrainiert, in diesem Bereich zu lernen und lernen stattdessen im Bereich des angestrengten Wachbewusstseins: des Beta Bereichs. Ab dann wird mit Lernen ein unangenehmer Zustand verknüpft.

Musik stimuliert das Gehirn

Die Universität Hamburg hat festgestellt, dass das Gehirn tatsächlich besser lernt, wenn es während des Lernens mit Geräuschen stimuliert wird. Eine gleichmäßige Geräuschkulisse hebt nämlich das Aktivierungsniveau ohne abzulenken und schafft ein konzentrationsförderliches Arbeitsklima. Nicht zuletzt fördert Musik das Lernen mit Hilfe verschiedener Sinne und beschleunigt somit den Aufnahmeprozess.

Bedingung für diesen Effekt ist aber, dass die Musik nicht bewusst wahrgenommen wird und möglichst rhythmisch ist. Rhythmisches weckt die Aufmerksamkeit, während Melodisches hingegen leichter ablenkt. Melodiöses hat zudem einen Entspannungseffekt, den man sich beispielsweise für einen ruhigen Entspannungsschlaf zunutze machen kann.

Für das Lernen besonders hilfreich sei Musik, die 56 bis 64 Schläge pro Minute aufweist, da dies in etwa dem Herzschlag eines Menschen im entspannten Zustand entspricht. Musikstücke, die sich zum Lernen eignen, sind vor allem langsamere klassische Stücke, z.B. von Johann Sebastian Bach oder Wolfgang Amadeus Mozart.

Man kann dies erleben, wenn man die folgenden Stücke nur etwas über der Hörbarkeitsschwelle abspielen:

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Johann Sebastian Bach: Aria zu den Goldberg-Variationen
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Johann Sebastian Bach: Orchestersuite Nr. 3 in D-dur ("Air")