Kaum ein Format hat das Fernsehen der vergangenen Jahre so geprägt wie das der Castingshow. Nahezu alle großen Privatsender nahmen entsprechende Shows in ihr Programm auf - manche Shows entwickeln sich zu Dauerbrennern, die Jahr für Jahr gute Quoten bringen. Zu nennen ist Deutschland sucht den Superstar, Popstars gesucht, Star-Search. Deutschland ist mit 16 Talentshows sogar Casting-Weltmeister - immerhin gab es erstaunliche 25.000 Bewerber für die Staffel "Deutschland sucht den Superstar" Ende 2008.
Die private Konkurrenz hat in einem langen Prozess die Familie als Publikum entdeckt, was auch damit zusammenhängt, dass das Medium Fernsehen älter wird.Die Fernsehunterhaltung ist dabei, sich neu zu definieren.
Casting-Shows bilden eine starke Konkurrenz für die klassische Samstagabend-Show, die Thomas Gottschalk mit seiner Show "Wetten dass" seit ewigen Zeiten erfolgreich präsentiert.
Der Unterhaltungschef von RTL Tom Sänger analysiert die Situation nüchtern: "Zum einen haben die anderen Sender, ob privat oder öffentlichrechtlich, über Jahre der Show "Wetten, dass..?" nicht ihr normales Programm entgegen gesetzt, sondern nur Ausweichprogramme gesendet. Das hat sich jetzt geändert. Zum anderen schalten die jüngeren Zuschauer Reihen wie "Das Supertalent" und "Deutschland sucht den Superstar" ein, weil sie von der Dynamik der Shows gepackt werden." Sie sprechen eine klare Sprache und sind auf den Punkt spannend. Gottschalks Plaudereien fallen oft zu langatmig aus - flippige junge Leute, die schnelle Dramaturgie brauchen, mögen dies nicht. (AA 19.12.09)
Bei jüngeren Zuschauern bis 49 Jahren erzielte die laufende "Supertalent"-Staffel einen Marktanteil von 33,5 Prozent, "Wetten, dass..?" erreichte obwohl der Gesamtzuspruch höher war nur 27,6 Prozent. Beim unmittelbaren Aufeinandertreffen schaffte Gottschalk bei den jüngeren Zuschauern nur 23 Prozent, "Das Supertalent" 28,2 Prozent, bei den ganz jungen bis 29 Jahre sogar 36,3 Prozent. Diese nüchternen Zahlen belegen, dass RTL den Nachwuchs besser als das ZDF anspricht. Die Kölner haben es geschafft, mit den Castingshows ein neues "elektronisches Lagerfeuer" zu entfachen, auch wenn Chefjuror Dieter Bohlen ein deutlich widersprüchlicheres Image hat als Gottschalk - oder vielleicht gerade deswegen.
Rund 8 Millionen "Treffer" spuckt die Internetsuchmaschine Google für die Worte "Frank Sinatra" aus.
Frank Sinatra war der erste Superstar der Popmusik. In 54 Jahren (1939 bis 1993) nahm er 1300 Lieder auf. 700 bis 800 Millionen Tonträger wurden von "The Voice" verkauft. Sinatra verursachte im Oktober 1944 nach einer Konzertserie in New York die erste Massenekstase der Popgeschichte. "Seine Stimme berührt Menschen wie die keines anderen Popsängers", sagt Charles Pignone, der bis 1995 zehn Jahre Sinatras Tourmanager war. "Selbst heute noch klingen Aufnahmen, die er vor 50 Jahren machte, frisch und neu. Er ist der einzige Künstler, der acht oder neun Jahrzehnte in den US-Billboard-Charts vertreten gewesen ist." Sinatra nahm in den 50er Jahren viele Alben auf, machte zugleich die schwerste Phase seines Lebens durch: Scheidung, gefeuert von der Plattenfirma Columbia und der Filmfirma MGM, eine gescheiterte Beziehung mit Filmstar Ava Gardner. Er blieb mit Radio- und Fernsehauftritten präsent, dann verlor er für 6O Monate durch eine Stimmbandblutung seine Stimme. Das Comeback gelang über den Film: Er bekam eine Rolle in "Verdammt in alle Ewigkeit" und dafür einen Oscar als bester Nebendarsteller.
Die technische Entwicklung zur Langspielplatte nutzte Sinatra, seine Idee von einem musikalischen Konzeptalbum voranzutreiben.
Sinatras Erfolgsgeheimnis sei auch das von den Komponisten in der legendären New Yorker Tin Pan Alley geschriebene Material, das er in verschiedenen Lebensphasen neu interpretierte und zu Standards des "Great American Songbook" machte. Frank Sinatra nahm seine Schallplatten immer live mit dem gesamten Orchester auf.
"Wir haben für "Nothing But The Best" die alten Master-Tapes verwendet. Wir haben beispielsweise "Come Fly With Me" aus dem Tresor geholt und waren verblüfft, Sinatra hören zu können, wie er mit den Fingern zur Musik schnippt. Die Tonwiedergabe dieser alten Aufnahmen ist überwältigend. Ich kann nicht sagen, dass wir seitdem musikalisch Fortschritte gemacht haben. Wenn man das hört, denkt man, besser kann man es nicht machen."
Pignone nennt es das "menschliche Element" im Produktionsprozess, das Sinatras Aufnahmen eine besondere Qualität gebe. "Sobald Sinatra auf die Erfolge Bühne hinausging, schienen die Jahre von ihm abzufallen, wenn ihn diese Welle von Applaus und Emotionen aus dem Publikum erreichte. Dabei sah er sich selbst immer nur als Saloon-Sänger, einer, der im Wirtshaus singt." Frank Sinatra überzeugte seine Zuhörer. Das ist ein Schlüssel zu seinem Erfolg, wie er selbst sagte: ,Was auch immer in meinen Aufnahmen ist, ich strebe nach Ehrlichkeit. Wenn er sich für ein Lied entschieden hatte, brachte er ihm eine eigene Bedeutung bei."
Das lässt sich mit "It Was A Very Good Year" belegen: Sinatra hörte das Folk-Original des Kingston Trios im Radio in seinem Auto und spielte es mit Gordon Jenkins ein. "Wenn man diese beiden Versionen hört, ist das wie Tag und Nacht. Man akzeptiert das Lied nur in der Art, wie Sinatra es gesungen hat.
1971 verkündete Sinatra seinen Abschied von der Showbühne. Auf Drängen seiner Fans ging er dann 1973 wieder auf Konzertreisen, daraus wurden fünf bis sechs Welttourneen bis 1995. Der 1998 gestorbene Sänger ist noch immer eine der bekanntesten und größten Gestalten der Popgeschichte. Vor allem sein musikalisches Vermächtnis ist unvergessen; junge Sänger wie Michael Buble, Robbie Williams und auch Roger Cicero haben mit seinem Material gearbeitet. Die US-Musikindustrie ehrte Frank Sinatra mit zwei Dutzend Grammys.