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West Side Story

Das Musical "West Side Story" ist eine tragische Liebesgeschichte. Die Musik von Leonard Bernstein und Stephen Sondheim macht die West Side Story meiner Ansicht nach zu einem der schönsten Musicals. Wer kennt nicht die legendären Songs America, Maria, Somewhere, I feel pretty oder Tonight ? Die Uraufführung der West Side Story erfolgte am 26. September 1957 im Winter Garden Theatre am New Yorker Broadway.

Inhalt

Zwei Straßenbanden liefern sich in den Slums der West Side erbitterte Schlachten: Die Jets sind die Einheimischen, die Sharks sind die zugewanderten Puertoricaner. Riff ist Anführer der Jets. Bernardo ist der Anführer der Sharks. Die Jets wollen die Sharks aus "ihren" Straßen vertreiben.

Auf einem Tanzabend im Turnsaal ihrer Highschool lebt der Streit zwischen beiden Banden erneut auf. Dabei verliebt sich Tony, der früher die Jets anführte, aber inzwischen Abstand zu seinen früheren Freunden gefunden hat, in Maria, der Schwester des Anführers der Sharks. Maria ist gerade aus Puerto Rico gekommen, weil ihr Bruder Bernardo möchte, dass sie seinen Freund Chino heiratet. Im Verlauf der folgenden Auseinandersetzung wird Riff von Bernardo erstochen. Tony, der den Kampf verhindern wollte, rächt im Überschwang seiner Gefühle seinen Freund Riff und tötet Bernardo. Maria bittet ihre Freundin Anita, ihren Geliebten vor den Sharks zu warnen, weil sie glaubt, dass Tony ihren Bruder nicht bewusst tötete. Anita bemüht sich um Kontakt mit Tony. Sie wird aber von den Jets, deren neuer Anführer Ice ist, daran gehindert. Derart gedemütigt behauptet sie wütend, dass Maria von Chino erschossen worden sei. Als Tony dies erfährt, verlässt er verzweifelt sein Versteck, sucht die vermeintlich tote Maria, um sie zu rächen. Plötzlich sieht er Maria lebend. In diesem Moment schießt Chino, und Tony stirbt in Marias Armen. Durch die Sinnlosigkeit des Blutvergießens geschockt und durch die Mahnungen der verzweifelten Maria, die Bruder und Geliebten verloren hat, endet die Zwietracht.

Hintergrund

Zunächst sollte die Geschichte als East Side Story von der tragischen Liebe eines katholischen Jungen zu einem jüdischen Mädchen handeln. Diese Idee wurde allerdings zugunsten der aufkeimenden Probleme mit Ausländern in Manhatten verworfen und es entstand die West Side Story.

Die Handlung der West Side Story lehnt sich an die Tragödie Romeo und Julia von William Shakespeare an. Die Geschichte wurde in das New York der 50er Jahre übertragen. Es ist interessant, die Gemeinsamkeiten zwischen Tragödie und Musical zu untersuchen:

  • Sowohl in der Tragödie als auch im Musical hat die Hauptperson eine Vertraute. In der Tragödie ist es die Gouvernante von Julia. Im Musical ist es Anita.
  • Julia hat einen Verehrer: Paris; Maria hat einen Verehrer: Chino
  • Bei Shakespeare begegnen sich Romeo und Julia auf einem Ball; im Musical begegnen sich Tony und Maria auf einem Tanzabend im Turnsaal ihrer Highschool
  • Sowohl in der Tragödie als auch im Musical gibt es Hass zwischen zwei Familien. Bei Shakespeare sind es die Familien Montagues und Capulets – im Musical sind es die Teenagerbanden: Jets und Sharks
  • Der Balkon bei Romeo und Julia ist die Feuerleiter im Musical
  • Bei Shakespeare tötet Tybalt Romeos Freund Mercutio, worauf Romeo Tybalt umbringt, im Musical ermordet Bernardo Tonys Freund Riff, wodurch sein eigenes Schicksal besiegelt ist

Ein wichtiger Unterschied zwischen Tragödie und Musical ist, dass Julia bei Shakespeare stirbt, während Maria im Musical am Leben bleibt. Dass Leonard Bernstein auf das übliche Happyend verzichtete, war in der Welt des Musicals neu.

Deutschland-Debut

MusikussLinks

Foto von Deborah Sasson

Deborah Sasson verdankt dem Musical viel. Sie spielte nämlich die vielumjubelte Maria in der deutschen Aufführung der West Side Story - Produktion von John Neumeier an der Hamburgischen Staatsoper. Leonard Bernstein selbst empfahl sie übrigens für diese Rolle in der Hamburger Inszenierung.

Im Visier des FBI

Leonard Bernstein

Der Komponist dieses großartigen Musicals Leonard Bernstein (1918-1990) wurde wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe jahrzehntelang vom FBI beschattet. Er wurde seit den 40er Jahren bespitzelt. Es gibt eine 800 Seiten starke Akte, der man entnehmen kann, dass die Behörde den Musiker noch lange nach den Zeiten des "Kommunistenjägers" Joseph McCarthy beschattete.

1953 wurde der Pass Leonard Bernsteins erst verlängert, nachdem er eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte, dass er den Sowjetkommunismus ablehne.

Nach Angaben der Zeitschrift "The New Yorker" warnten die Geheimagenten noch 1971 vor der Uraufführung von Bernsteins "Mass". Der Komponist plane, "den Präsidenten und andere Regierungsoffizielle durch eine Anti- Kriegs-Komposition ... zu blamieren", heißt es. Das Stück gilt als die stilistisch und politisch radikalste Arbeit Bernsteins. Nach den Warnungen nahm der damalige Präsident Richard Nixon an der Premiere nicht teil.(AA 13.08.09)

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