Das Klavier ist eines der jüngsten Tasteninstrumente. Es hat sich im Laufe seiner Entstehungsgeschichte zu einem weit verbreiteten Haus- und Begleitinstrument entwickelt.
Die Spuren der Vorläufer des Klaviers lassen sich weit bis ins 14. Jahrhundert hinein zurückverfolgen. Während dieser Zeit entstand beispielsweise das Klavichord, das im l7. und 18. Jahrhundert zu einem der beliebtesten Instrumente wurde. Die Tonerzeugung erfolgte über Tastenhebel durch Anreißen der Saiten mittels eines Federkiels oder eines Metallstiftes. Das Klavichord hatte einen sehr zarten Ton.
Ein Blick in ein Klavichord
Aus dem Klavichord entwickelte sich das Cembalo, ein Tasteninstrument mit Stahlsaiten, die mit Rabenfedern angerissen wurden. Besonders hinsichtlich der Dämpfung zeigt sich bei diesem Instrument die enge Verwandtschaft mit den späteren Klavieren. Kleinere, tragbare Nebenformen des Cembalos sind das Spinett und das Virginal (vgl. Abb.13)

Abb.13: Form und Saitenanordnung von Klavichord, Cembalo und Spinett [12]
Bei diesen lnstrumenten mussten die Tasten jedoch mit verschiedenem Druck angeschlagen werden, was für ein gleichmäßiges Spiel nachteilig war. Man sann nach Abhilfe und fand heraus, dass ein gleichmäßiger Tastendruck erzielt werden konnte, wenn die Saiten der Länge nach gespannt wurden. Aus dieser Saitenanordnung entstand die bis heute bekannte Flügelform.
Erste Ansätze dafür, die Saiten mit Hämmerchen anzuschlagen, zeigten der Instrumentenbauer H.A.v.ZWOLLE (gest. 1466) und der Klavierbauer PALIARINO (1598), in dessen Briefen wir von einem Instrument lesen, das er "pian e forte" nannte. Es sollte aber noch weit über zweihundert Jahre dauern, ehe 1709 dem Konservator der Instrumentensammlung des Fürsten Ferdinand von MEDICI (Florenz) , Bartolomeo CRISTOFORI, der entscheidende Fortschritt gelang (Die Hammerklaviere von CRISTOFORI und SILBERMANN)
In diesem Kapitel soll erläutert werden, welchen Einfluss die fortschreitende technische Entwicklung des Klaviers auf die Klaviermusik der jeweiligen Zeit ausübte.
Bis gegen 1600 fasste man unter Klaviermusik alle Werke für Tasteninstrumente zusammen. Gemeinhin machte man zwischen Kompositionen für Cembalo, Virginal, Spinett und Klavichord keinen Unterschied.
Insbesondere war die Klaviermusik stets eng verbunden mit der Musik für das ältere Schwesterinstrument, für die Orgel. Die Komponisten dieser Zeit machten nur sehr selten Angaben darüber, auf welchem Tasteninstrument ihre Werke gespielt werden sollten. Die Klangfarbe eines Instrumentes spielte in der Phantasie der Tonsetzer noch keine Rolle. Diese Auffassung geht beispielsweise aus dem Titel der Sammlung von P.Attaignant, dem ersten Notendrucker in Paris (1330) hervor : "En tabulature des Orgues Espinettes et Manicordions" (In der Tabulatur der Orgeln, Spinette und Klavichorde) .
Die Spieler konnten allerdings dem Notenbild entnehmen, für welches Instrument die Komposition geeignet war. Töne, die lang angehalten werden sollten, ließen auf die Orgel schließen. Dagegen empfahl sich das Cembalo oder das Spinett, wenn Töne mit Trillern oder Verzierungen gespielt werden mussten.
Selbst Johann Sebastian Bach machte in seinem Werk "Klavierübung" keinen Unterschied zwischen Kompositionen für Klavier und Orgel [34]. Oft wurde die Bestimmung der Stücke aus ihrem Gehalt ersichtlich. Choralartige Kompositionen wurden selbstverständlich auf der Orgel gespielt, Tänze und Bearbeitungen weltlicher Lieder dagegen auf den anderen Tasteninstrumenten. Aber auch solche Unterscheidung ist nicht hieb- und stichfest.
In den Bürgerhäusern gab es kleine, tragbare Orgeln (Portative), auf denen gewiss nicht nur geistliche Musik gespielt wurde. Aus heutiger Sicht amüsant ist die folgende Beschreibung von Walter Georgii :
"So trug der damalige Organist seinen ganzen Notenbedarf in einem einzigen Buch unter dem Arm, einerlei, ob er die Schritte zum Dienst in der Kirche lenkte, oder ob er dem notwendigen Nebenerwerb durch Aufspielen bei bürgerlichen und behördlichen Festlichkeiten nachging .[36]
Die frühesten Quellen der Klaviermusik sind Umarbeitungen mehrstimmiger Vokalsätze. Die Orgel- und Klavierspieler dieser Zeit schrieben sich aus den sogenannten "Chorbüchern" der Sänger die Stimmen in bequem spielbarer Form zusammen, das heisst, sie stellten sich nach heutigen Begriffen einen Klavierauszug her.
Erste Ansätze für eine eigentliche Klavierliteratur findet man Anfang des 17. Jahrhunderts in England bei den sogenannten Virginalisten. Die Virginalmusik erfreute sich in England zur Zeit Königin Elisabeth I. größter Beliebtheit. Eine riesige Menge von Klavierstücken aus dieser Zeit liegt noch heute ungedruckt in englischen Bibliotheken.
Eine der umfangreichsten und wichtigsten Sammlungen ist das "Fitzwilliam Virginal Book" (um 1625), in dem 297 Klavierstücke der bedeutendsten Tonsetzer dieser Zeit enthalten sind.
Die Bedeutung von J.J.FROBERGER (Übertragung der Suite auf das Klavier) und von Domenico Scarlatti (Klaviersonaten) sei hier nur erwähnt.
Die Entwicklung des Klavierspiels erreichte in Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel einen ersten, entscheidenden Höhepunkt.