Der PHÖNIX
Toni Delz

DIE MEDITATION ALS WEG ZUR TRANSZEDENZ -

Es gibt in jedes Menschen Leben Momente, in denen die eigene Begrenzung spürbar und das Bedürfnis wach wird, diese Grenzen zu durchstoßen, um den Durchbruch zu finden zu jener transzedenten Wirklichkeit, die - über alle unsere Begriffe erhaben und alle uns bekannten Dimensionen sprengend - von uns immer nur höchst unzureichend bezeichnet werden kann..

Daß dies transzedente Wirklichkeit immer nur 'relativ' erfahren werden kann, je nachdem auf welcher Ebene des Daseins oder der Dimension des Bewußtseins sich der Erkenntnissuchende selbst befindet, ist wohl einleuchtend. Jede dieser verschiedenen Daseinsebenen, grobe und feinere, hat ihre eigene Gesetzmäßigkeit und mit dem Grad ihrer Verfeinerung wächst ihre potentielle Energie. Dies können wir bereits erkennen, wenn wir die mechanische, die chemische und die atomare Ebene miteinander vergleichen. Die in der feineren Ebene der Chemie herrschende Energie ist weit mächtiger, als die grobe und begrenzte der mechanischen Energie. Beide aber werden übertroffen von der feineren, subtileren atomaren Energie, die doch als die mächtigste der Stoffwelt gilt. Wirklich die Mächtigste? Ist nicht der Geist noch feiner, noch mächtiger, da er die Kernenergie zu lösen und zu fesseln weiß? Aber weder diese Kernenergie, noch unser Geist, haben 'universalen' Charakter. Selbst wenn diese Feinheitsnuancen in der Energieskala auf ein noch mächtigeres Universales hindeuten, kann diese universale Energie unser Denken nur als Hypothese beschäftigen: Grundlage alles Seienden, entzieht sie sich jeder relativen Erfahrung. Alle 'denkerisch-experimentelle' Erfahrung ist relativ. Absolute Erfahrung in einem universalen Bereich des Seins - den wir als Arbeitshypothese akzeptieren wollen - kann nur durch eine progressive Verfeinerung des Geistes selbst, als Subjekt der Erfahrung zustande kommen. Nach der von uns im stofflichen Bereich erkannten Ordnung, müßte ein derart verfeinerter Geist an potentieller Energie zunehmend, fähig sein, höhere Seinszustände wahrzunehmen.

Durch die 'Heisenberg'sche Unschärfe-Relation' wurde wissenschaftlich nachgewiesen, daß es eine Seinswirklichkeit jenseits unserer sinnlichen Erfahrung gibt, die damit auch jenseits der wissenschaftlichen Beobachtungsmethode und des Experimentes liegt.

Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker gab bereits 1943 in seiner Schrift "Zum Weltbild der Physik" folgende Definition: "Meditation ist eine Aneignung einer Wahrheit durch das Bewußtsein, bei der nicht nur der Inhalt, sondern auch die Struktur des Bewußtseins verändert wird." - So wurde bereits vor 30 Jahren (Anm: inzwischen vor über 50 Jahren) die durch die Praxis der Meditation bedingte Strukturveränderung des Bewußtseins wissenschaftlich zur Debatte gestellt.

Der Mensch, vielschichtiges, auf der Erde lebendes und wirkendes Wesen, hat auf den unteren Ebenen seines Naturells gewöhnliche Wesenszüge mit den bescheidensten Lebewesen und den rohesten Substanzen gemein. Auf der anderen Seite seines Wesens hat er am Göttlichen essentiellen Teil und ist selbst Teil der göttlichen Essenz. Und so steht es ihm frei, im Haus seiner Persönlichkeit auf den unteren oder oberen Sprossen seiner Leiter zu tanzen, Abgründe oder Höhen seines Seins zu betonen. Nichts in der allgemeinen Verfassung des Menschen ist an und für sich übel oder verkehrt. Da der Mensch aber ein moralisches Wesen ist, entscheidet er durch die Art, auf die er seine Wahlfreiheit im Rahmen seines Verstehens anwendet in weitem Umfang über seine Entwicklung und deren Tempo.

Entscheidender als alle Großtaten in der Evolution der Menschheitsgeschichte war für den Menschen der Augenblick, als er sein Augenmerk wieder auf seinen göttlichen Ursprung lenkte. Diese Entdeckung, die jeder selbst machen muß, ist die einzigste Grundlage für eine echte Lebensphilosophie.

Die meisten Menschen möchten zwar eine Meisterung ihres Lebens erlangen, nur wenige aber sind bereit, die dafür notwendigen Mittel an Energie und Zeit aufzuwenden. Nur in dem Maße, wie ein Mensch im Einklang steht mit dem Göttlichen Gesetz, wird er das Ziel der Lebensmeisterung erreichen.

Wer sich aber nun wirklich entscheidet, planvoll einen solchen Weg zu beschreiten, der wird sich bald der Tatsache bewußt, daß der abendländische Mensch auf diesem Gebiet seit geraumer Zeit in einem himmelschreienden Dilettantismus verfallen ist. Das geistige Abendland, während der letzten Jahrhunderte auf die groben Bereiche der Stoffwelt konzentriert - in der unbestreitbare Meisterschaft erreicht wurde - schaut heute erneut wieder nach dem Osten. Hier trieb eine geistige Elite ihre Suche in umgekehrter Richtung voran und erwarb sich die Meisterschaft über jene Seinsbezirke, die uns bestenfalls gerade noch 'denkmöglich' sein mögen, über deren Erfahrbarkeit wir aber zumeist in Unkenntnis verharren. Es mag daher zweckmäßig erscheinen, sich über feinere und mächtigere Energie-Ebenen und den Zugang zu ihnen dort Antwort zu holen, wo eine solche erwartet werden kann. Sofern fernöstliches Wissen heute noch bestätigt werden muß, mag man über die zuverlässigen Bezeugungen gewissenhafter Berichterstatter hinaus, die von einer alle unsere Begriffe übersteigenden Beherrschung biologischer, psychischer und geistiger Kräfte künden, noch die Tatsache in Erwägung ziehen, daß es im Fernen Osten schon in ältesten Zeiten Auskünfte über Grundstrukturen des Seins gegeben hat, deren Richtigkeit die abendländische Forschung gerade in den letzten Jahrzehnten bestätigt fand.

Noch bis vor wenigen Jahren war es fast unmöglich, mit authentischem fernöstlichem Wissen real in Kontakt zu kommen, da die Exklusivität streng gewahrt wurde. Heute nun, da im physikalischen Bereich unseres Denkens feinste und mächtigste Energien erschlossen wurden, öffnen sich auch die Schleusen des Geistigen, um mächtige Energien und damit größte Chancen frei zu machen.Solche Chancen müßten sich, um für uns echt zu sein, im Rahmen unserer Wesensart auftun und dürften unser geistiges, religiöses, wissenschaftliches und gesellschaftliches Sein nicht überfremden; sie müßten unserem Mangel abhelfen ohne uns zu zwingen, Teile unserer Lenebserfahrung aufzugeben; ohne das anzutasten, was uns (geistig) reich macht.

Eine solche dynamische Chance bietet sich uns in der Meditation in Form von jahrtausendealten Techniken von unfehlbarer Wirkung, deren Kenntnisse man unter bestimmten Bedingungen erreichen kann.

Sie machen es dem menschlciehn Geist möglich, sich zu verfeinern und schließlich am Punkt der subtilsten Spitze den Zustand jener Zranszedenz zu erreichen, der für unsere relative Vorstellungswelt völlig unzugänglich ist und bleiben wird. Es ist nicht möglich, sich eine absolute Erfahrung vorzustellen, z.B. eine Struktur des Bewußtseins, bei der der Unterschied zwischen Subjekt und Objekt der Erfahrung aufgehoben ist, indem der Erfahrende und der Gegenstand der Erfahrung sich vereinen.

Die Folgen einer auch nur zeitweilig und kurzfristig erreichten Verwirklichung dieses Zustandes sind weitreichend - bedeutet er doch den tatsächlichen Kontakt mit universaler Energie, die identisch ist mit universaler Harmonie. Denn Unordnung und Disharmonie haben keinen universellen Charakter und müssen in den Grenzen der Relativität zurückbleiben.

So sind denn auch Energie und Harmonie die Begriffe, unter denen sich die mannigfachsten Wirkungen der Meditation im persönlichen Leben manifestieren und da, wo der eine oder andere dieser Begriffe fehlt, herrscht Diskrepanz zwischen der universalen Harmonie oder göttlichen Gesetzmäßigkeit und dem Meditierenden. Meditation ist keine Flucht vor der Realität des Lebens, sondern vielmehr eine Einbeziehung der Innenseite des Daseins, dieses zu seiner Gesamtheit vervollständigend und ihm seine eigentliche Fülle gebend.

Die vollkommene Ruhe des Geistes in der Transzedenz ist der erforderliche Gegenpol zu den Anforderungen eines Lebens, dessen Aktivität sich täglich steigert. Von dieser Kraft und Ruhe des Absoluten trägt der Geist bei jeder Meditation etwas in den äußeren Lebensbereich, läßt es dort anwachsen und stärkt des Menschen Denken, Fühlen, Reden und Handeln unter dem Hauch der transzedenten Wirklichkeit.

So wird die Wissensquelle des Fernen Ostens schließlich auch für den abendländischen Geist zur Begegnung mit der Transzedenz, in der er seinen Ursprung hat. Vollziehen muß freilich jeder diese Begegnung selbst - jeder Einzelne aus freier Entscheidung - indem er sich entschließt, die Praxis der Meditation zum konkreten Bestandteil seines Lebens zu machen.

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Wolfgang Dietermann

PHOENIX-Freunde@tchan.de

Copyright © 1998, PHÖNIX-Freundeskreis, Last Updated - 26.04.1999 21:03:01