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Toni Luise Delz
Gehen wir dem Zeitnullpunkt entgegen?
Zeit und Raum verkürzen sich immer mehr, aber der Mensch hat es noch
nicht gelernt, seinen Denkprozeß auf die Erfordernisse des Weltraumzeitalters
einzustellen und planetarisch oder gar kosmisch zu denken. Was geschieht,
wenn der Zeitpunkt erreicht wird? Gehen wir einer Dimensionsverschiebung
entgegen?
Die letzten sieben Jahrzehnte brachten der Menschheit mehr Entdeckungen
und Fortschritte als die letzten sieben Jahrhunderte zusammengenommen.
Dieser Fortschritt, der sich nicht nur auf die industrielle Entwicklung
unserer Konsumgesellschaft beschränkt, obwohl er gerade in ihr vielleicht
seinen stärksten Niederschlag findet, hat das Leben des sogenannten
'Kleinen Mannes' von Grund auf verwandelt, von der Waschmaschine über
Kühltruhen, elektrische Rasiergeräte, Schallplatten, Transistorgeräte
und Infrarotbeheizung bis hin zur rasanten Entwicklung der Massenmedien,
die Zeit und Raum zusammenrücken lassen: Tageszeitungen, Radio und
Fernsehen bringen uns die Ereignisse fernster Kontinente ins Haus. Bequem
im Sessel sitzend, sehen wir die Ereignisse ferner Kriegsschauplätze
und die Satelliten-Direktübertragung läßt uns die Abenteuer
der Astronauten miterleben, als seien wir selbst im Weltraum. Flugzeuge
überbrücken in wenigen Stunden die Kontinente, Zeit und Raum
zusammenrückend in Reisen, die noch vor wenigen Jahrzehnten Wochen
und Monate und früher gar Jahre benötigten.
Die Gesetze von Zeit und Raum, jene dem Menschen auferlegten dreidimensionalen
Fesseln, scheinen in Auflösung begriffen zu sein und es hat den Anschein,
als rücke die Erdenmenschheit immer mehr auf den Zeitnullpunkt zu,
jenen Punkt nämlich, von dem die Bibel - ebenfalls in 'zeitlichen'
Begriffen - als dem Jüngsten Tag spricht.
IST DIE MENSCHHEIT AUF DEM WEGE, IN EINE ANDERE DIMENSION ÜBERZUWECHSELN?
Es mag nicht uninteressant sein, einmal die Frage in den Raum zu stellen,
ob die Erreichung dieses Zeitnullpunkts vielleicht mit der Bewußtseinserweiterung
der gesamten Menschheit oder gar ihrer Versetzung in eine völlig andere
Bewußtseinsebene identisch sein wird. Da kein Mensch diesem, durch
die Entdeckung der Einstein'schen Formel eingeleiteten Entwicklungsprozeß
der Zeitverkürzung entgehen kann, ist es nicht nur von wissenschaftlichem,
sondern von allgemeinem Interesse - und im wahrsten Sinn des Wortes 'höchste
Zeit', sich darüber einige Gedanken zu machen. Für diejenigen
unserer Leser, die mit der Mathematik nicht auf dem besten Fuß stehen,
wollen wir versuchen, die Dinge in allgemeinverständlicher Form darzulegen:
Die Einstein'sche Formel besagt, daß die Masse eines Gegenstands,
dessen Geschwindigkeit die Grenze der Lichtgeschwindigkeit erreicht, sich
ins Unendliche ausdehnt. Wir wollen hier diese Formel einmal nur auf abstrakte
Begriffe, wie z.B. das menschliche Bewußtsein und die Zeit, die uns
besonders interessieren, anwenden: Sobald das menschliche Bewußtsein
alle Eigenschaften des Lichts angenommen hat, erreicht es die Lichtgeschwindigkeit
und dehnt sich aus ins Unendliche. Man spricht dann vom Zustand der "Erleuchtung",
den die Inder als 'Satori', die Chinesen als 'tseu jan', die Christen als
'Einssein mit dem Unendlichen oder Unio mystica' bezeichnen. Der neuere
Sprachgebrauch hat dafür das Wort 'Kosmisches Erwachen' geprägt.
Das gleiche Gesetz läßt sich auf die Zeit anwenden: Bei Erreichung
des Zeitnullpunkts wird sich die Zeit ausdehnen ins Unendliche, sie wird
zur immerwährenden Gegenwart oder 'Ewigkeit'.
Vielleicht ist auch hier die Erklärung zu suchen für jenes
eigenartige, immer in der Nähe der Azoren beobachtete Phänomen,
das der amerikanischen Luftwaffe so viele Rätsel aufgibt: Nicht nur
einzelne Flugzeuge, sondern ganze Geschwader haben sich dort plötzlich
- aus irdischer Sicht gesehen - in 'Nichts' aufgelöst. Da die amerikanische
Luftwaffe auf diese Weise in den letzten Jahrzehnten hier bereits eine
ganze Luftflotte eingebüßt hat, bestehen für weite Strecken
dieses Gebiets besondere Vorsichtsmaßnahmen. Man kann sich mit Recht
die Frage stellen, ob hier nicht einfach ein Überwechseln auf eine
andere, unseren irdischen Sinnen nicht mehr feststellbare, Dimension vorliegt,
ähnlich wie wir ja wissen, daß unsere Sinne nicht befähigen,
alle existierenden Farben und Töne wahrzunehmen. Wie dem auch sein
mag, gehen wir lieber zu der uns beschäftigenden Frage des Bewußtseins
und der Zeit zurück:
WIE STEHT ES MIT DEM BEWUSSTSEIN DES MENSCHEN, DER MENSCHHEIT?
Der Mensch erhebt für sich den stolzen Anspruch, die 'Krone der
Schöpfung' zu sein und bildet sich viel ein auf seine Intelligenz,
sein Wissen und die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften,
die er sich erwarb. Tatsache ist jedoch, daß der Mensch zwar über
ein Übermaß an Wissen, aber auch an einem enormen Mangel an
Weisheit verfügt, der ihn hindert, die Errungenschaften seines Geistes
zur eigenen Arterhaltung und zur Erhaltung des Planeten einzusetzen, der
ihn trägt. Und mißt man dieses, oben erwähnte 'Übermaß
an Wissen' an all dem, was dem Menschen noch zu entdecken bleibt, so schrumpft
das Übermaß zu einem doch sehr bescheidenen Maß zusammen:
Er kennt zwar die Bahnen, auf denen sich seine Raketen zum Mond bewegen
müssen, aber die Gesetze, die die Psyche des Menschen und vor allem
seinen Geist regieren, stellen ihn vor immer neue Rätsel. Sein Entdeckerdrang,
der ihn stets nach außen trieb, hat ihn gehindert, den Spruch der
Shinx zu lösen: "Erkenne Dich selbst".
Bewußtsein, also bewußtes Sein, kann sich aber nur da bilden,
wo Erkennen und das schon in der Wortwurzel Be-wußt-sein verborgen
angedeutete 'Wissen' vorhanden sind. (Viele Menschen glauben, etwas zu
wissen, sie 'nehmen etwas an', weil sie es gelesen oder gehört haben.
Wir wollen hier mit 'Wissen' nur das auf eigener - praktischer Erfahrung
gereifte Wissen bezeichnen.) So sind Erkenntnis und Wissen nur die Vorstufen
zum Bewußtsein und erst, wenn dieses sich mit allumfassender Liebe
paart, wird es zur Weisheit, denn nur in diesem Fall wird das Wissen seinem
Zweck entsprechend angewandt. Aber blenden wir jetzt zurück auf die
wissenschaftlichen und technischen Fortschritte der Menschheit, um den
aktuellen Bewußtseinszustand der Menschheit näher unter die
Lupe zu nehmen:
Während früher Fortschritt und wissenschaftliche Errungenschaften
nur wenigen Individuen der begüterten Klassen vorbehalten waren, hat
sich hier die Situation doch recht deutlich verschoben. Der Begriff der
'begüterten Klasse' hat sich auf weite Bevölkerungsschichten
unseres
Planeten ausgedehnt, genauer gesagt, auf ungefähr ein Drittel der
Menschheit, während die restlichen, verbliebenen zwei Drittel nur
geringen Anteil haben an den Vorteilen dieser Entwicklung unserer Zivilisation.
Auch der 'Mann von der Straße' kann - zumindest in unseren Breiten
- sich einen flotten Straßenkreuzer leisten oder, wenn es die Notwendigkeit
erfordert, sich einer Herztransplantation unterziehen. Abgesehen von den
doch im Verhältnis zu anderen Ländern recht beschränkten
Notfällen in unserem Land, führt der deutsche Arbeitnehmer ein
recht behagliches Dasein. Um unserer Erinnerung nachzuhelfen, genügt
es, die jetzigen Zustände mit denen zu vergleichen, wie sie zwischen
den beiden Weltkriegen herrschten oder nach dem letzten großen Krieg.
Diese Fakten sind in unserer Erinnerung verblaßt und wir sind nur
allzu leicht bereit, Bedenken dieser Art mit dem Hinweis auf die "deutsche
Tüchtigkeit" abzutun, vergessen dabei aber ganz und gar, daß
es uns trotz aller Tüchtigkeit wohl kaum gelungen wäre, unserer
Wirtschaft den erlebten Aufschwung zu geben, hätten nicht auch wir
viel Hilfe aus dem Ausland erfahren.
Der türkische, griechische, portugiesische Fremdarbeiter, der vom
Hunger ausgemergelte Inder oder Südamerikaner, der Bewohner des afrikanischen
Buschs oder der Slums aber gehört zu jenen Menschen, denen die Fortschritte
der Zivilisation auch heute noch vorbehalten oder nur beschränkt zugänglich
sind. Alle diese Menschen hören durch die Massenmedien von den wissenschaftlichen
Errungenschaften, Bedürfnisse und Wünsche werden in ihnen geweckt,
die sich aufgrund ihres bescheidenen Lebensstandards aber nur in den seltensten
Fällen verwirklichen lassen. So entstehen immer größere
Herde der Unzufriedenheit; berechtigte Wünsche, aber auch Neid, Habsucht
und materialistisches Denken werden geboren und schaffen politische Krisen,
Aufstände und Kriege. Wie sinnlos ist es dann, auf die Erzeuger solcher
Krisen zu schimpfen, sich also auf die Wirkungen zu konzentrieren, wo es
gilt, die Ursachen zu sehen, die nun einmal in unserem eigenen egoistischen
Verhalten, in unserem materialistischen Denken und in der gewissenlosen
Handhabung der Güter einer uns anvertrauten, für alle Menschen
bestimmten Zivilisation zu suchen sind. Denn wer vermöchte nicht Verständnis
dafür aufzubringen, daß der vom Schicksal benachteiligte Bewohner
der "Dritten Welt" den berechtigten Wunsch verspürt, auch zu jenen
'Privilegierten' zu gehören, denen alle Dinge zur Verfügung zu
stehen scheinen, die er trotz größtem Fleiß auf normalem
Wege nie zu erreichen vermag?
Diese, unsere eigenen, negativen Denkgewohnheiten sind es, das auf uns
selbst konzentrierte, ichbezogene Denken des Menschen, die immer wieder
die gesamte Menschheit und den Planeten Erde an den Rand der globalen Vernichtung
führen. Denn das 'Übermaß' unseres leider nicht mit Weisheit
gepaarten Wissens hat uns die Möglichkeiten und die Mittel der atomaren
Vernichtung des Erdballs in die Hände gespielt. Aber selbst wenn es
der vereinten Macht aller friedliebenden Kräfte der Menschheit vergönnt
ist, den Planeten und seine Bewohner vor diesem Schicksal zu bewahren,
ist die Gefahr der Selbstvernichtung noch nicht gebannt: Die zunehmende
Umweltverschmutzung von Erde, Wasser und Luft setzen eine Frist für
die Überlebensmöglichkeit, die sich genau kalkulieren läßt.
Hinzu kommt der gewissenlose Abbau des Rohstoffmaterials des Planeten,
der in keiner Weise dem Bevölkerungszuwachs, geschweige denn den nach
uns kommenden Generationen Rechnung trägt. Hier läßt sich
kaum noch von 'Abbau' sondern nur noch von 'Raubbau' sprechen.
WANN ENDLICH WERDEN WIR ERWACHEN?
Und der Mensch, die intelligenzbegabte 'Krone der Schöpfung' taumelt
wie schlaftrunken durch das Dasein, sich seiner selbst in Wahrheit kaum
bewußt, mehr oder weniger seinen Wünschen und seinem Wollen,
seinen Trieben und seinen Neigungen frönend, Selbstbewußtsein
mit Selbstüberheblichkeit verwechselnd. Während 'Skylab' im Weltraum
kreist, sind wir im mittelalterlichen Denken steckengeblieben, uns selbst
für den Mittelpunkt des Universums haltend. Würde man dies graphisch
darzustellen versuchen, würde man eine sich auf den Mittelpunkt zubewegende
Spirale erhalten. Wenn es uns nicht gelingt, unseren gesamten Denkprozeß
um 180 Grad herumzuwerfen, d.h. also die Spirale von innen nach außen
laufen zu lassen, uns nicht nur unserer selbst, sondern auch aller anderen
Planetenbewohner bewußt zu werden, rufen wir eine Kathastrophe hervor,
die sich auf unser gesamtes Sonnensystem auswirken wird und unter Umständen
sogar kosmische Ausmaße annehmen kann, denn jede Ursache schafft
eine Wirkung.
Wenn wir nun aus dieser Sicht heraus noch einmal die eingangs geführten
Überlegungen, die Zeit betreffend, betrachten und nur als Hypothese
aufgestellt, den von uns erwähnten Zeitnullpunkt in den Mittelpunkt
einer solchen Kathastrophe hineinsetzen, erhalten wir ganz schlicht und
einfach den biblischen Bericht der Aopkalypse:
Müßte nicht jeder von uns, in dem Augenblick, in dem die
Zeit statisch und zur 'Ewigkeit' wird, in den von ihm selbst geschaffenen
Gegebenheiten weiterleben, Himmel, Hölle, Paradies, Illusion oder
Wirklichkeit? |
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