Nur wenige Menschen sind wirklich "gute" Beobachter. Diese Fähigkeit vermag aber - wenn man sie im Griff hat - ausgezeichnete Dienste zu leisten, vorausgesetzt, wir wissen bereits unsere Gedanken zu meistern. Denn solange dies nicht der Fall ist, besteht immer die Gefahr, daß der Mensch, der seine Wahrnehmungen beobachtet, sie durch ungewollt aufsteigende, unbewußte - und daher unkontrollierte Gedankengänge - fehlinterpretiert.
Wir haben im Lauf unseres Lebens Erfahrungen gesammelt und unser Denken ist vielfach "festgefahren", auf Bilder fixiert, die der ständigen Entwicklung der Dinge nicht immer Rechnung tragen. Dies können wir am besten sehen, wenn wir z.B. mit einem bestimmten Menschen einmal eine gute oder schlechte Erfahrung gemacht haben: Diese Erfahrung bleibt in unserem Gedächtnis als Erinnerungsbild bestehen. Begegnen wir nun wieder diesem Menschen, dann ruft unser Gehirncomputer sofort dieses Bild auf den Plan, das zeitlich zurückliegend, der inzwischen ebenfalls stattgefundenen Weiterentwicklung des Betreffenden nicht unbedingt gerecht wird.
Die Beobachtung oder Wahrnehmung ist - wie unser Denkvermögen - eine Kraft unseres Gemütes, denn unter Gemüt versteht man den denkenden und wahrnehmenden Teil unseres Bewußtseins. Die Fähigkeit unserer Wahrnehmung ist aber an unsere Sinne gebunden, denn wir nehmen nur das wahr, was wir sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen, solange unser "sechster Sinn", nämlich unser Geist noch nicht zu vollem Bewußtsein erwacht ist. Auch unsere EMPFINDUNGEN wie Freude, Leid, Wohlgefühl, Schmerz, Kälte oder Wärme werden uns durch die äußeren Sinnesreize vermittelt. Sobald wir Empfindungen mit unserem Denkvermögen koppeln, entsteht das, was wir als "EINDRÜCKE" bezeichnen. Wir haben den Eindruck, daß sich das Wetter ändern wird, weil der Sonnenuntergang heute klar war (oder weil wir Rheumaschmerzen fühlen)... Hier haben wir es also mit Empfindungen plus Erfahrungswerten aus früheren Begebenheiten zu tun, die uns durch unser Denkvermögen zugespielt werden. Beide Tätigkeiten, sowohl unsere Wahrnehmung, wie auch unser Denkvermögen sind Bestandteile unseres Gemütes.
Um unser Wahrnehmungsvermögen zu schulen, beginnen wir ganz ähnlich, wie in der Konzentrationsübung, indem wir uns eine Pflanze vornehmen und ihr unsere Aufmerksamkeit widmen. Während wir dieselbe aber bei der früheren Übung auf einen Punkt fixierten, wollen wir jetzt - wie die Chinesen es bildreich ausdrücken - "unseren Affen an einer langen Leine laufen lassen", indem wir das Feld unserer Konzentration etwas erweitern, uns dabei aber völlig passiv verhalten. Es wird sogar geraten, daß man sich so verhalten solle, "wie ein auf dem Berge stehender Mann, der den Flußlauf im Tal beobachtet", meinen die Tchan-Meister. Wir betrachten also unsere Pflanzen ganz genau, bis auf das kleinste Detail. Dann schließen wir für einen kurzen Moment die Augen und lassen nun das Bild der Pflanze vor unserem geistigen Auge neu erstehen, genau bis ins kleinste Detail. Nun konzentrieren wir uns ca. 5 Minuten auf dieses geistige Bild, öffnen dann die Augen und notieren auf einem vorher bereitgelegten Papier alle von uns beobachteten Einzelheiten.
Nun konzentrieren wir uns noch einmal ca. 3 Minuten auf die vor uns stehende Pflanze (und nicht etwa auf das geistige Bild, das wir auslöschen) und versuchen festzustellen,
a) O B überhaupt, und wenn ....
b) W A S sich an der Pflanze verändert hat,
seit wir sie zum Objekt unserer Beobachtung gemacht haben. Wir notieren auch diese Beobachtung.
Pflanzen haben eine niedrigere Schwingungsfrequenz als wir. Dem flüchtigen Beobachter entgeht dies und er hat den Eindruck, daß die Pflanze "still steht" oder, wenn sie im Freien steht "nur vom Wind bewegt wird". Dies ist aber eine irrige - oder zumindest ungenaue Feststellung, denn die Pflanze wächst und reift, verblüht und verdorrt - GENAU WIE JEDES ANDERE LEBEWESEN - IN JEDEM AUGENBLICK. So, wie wir sie in diesem Augenblick sehen, werden wir sie nie wieder sehen, denn die Blütenknospe, die jetzt noch völlig geschlossen ist, kann sich - je nach der Art - in zwei Stunden oder erst morgen - geöffnet haben. Aber gleich, ob sich dieser Erblühungsprozess nun auf zwei oder 24 Stunden erstreckt: Er geht, von den meisten Menschen unbemerkt, vor sich und man sollte ihn daher bei genügender Aufmerksamkeit beobachten können. Man kann es auch. Man kann sogar noch viel mehr.. aber alles kann nicht gesagt werden. Entdecken wird es jeder, der ernsthaft übt.
Der gleiche Vorgang, der sich auf der verhältnismäßig langsamen Schwingungsfrequenz der Pflanze abspielt, läßt sich auch auf die Gattung des Menschen oder des Tieres übertragen und auf jene Schwingungsbereiche, die sehr hohe Frequenzen haben...
Diese Übung ist eines der Einfalltore in jene höheren Schwingungsbereiche.. (wer Ohren hat zu hören, der höre...). Man kann auch einfach sagen: Ein Tor, das in nicht-menschliche Frequenzen führt.
Copyright © 1998, PHOENIX-Freundeskreis, Last Updated - 23.04.1999 23:57:03