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Reiselogbuch, Eintrag Micha:
"10:31.....Jetzt stehen
wir auf der 8 km langen Nationalstraße 354, [der wohl einzigsten
Spaniens in Afrika], am Kilometerstein 4 zwischen Ceuta und Benzu, dem
anderen Ort der Enklave. Eigentlich habe ich ganz gut geschlafen, aber
da laufend irgendwelche Leute zwischen den besagten Orten hin- und herfahren
[wieso auch immer !!?], hab ich auch nur ganz kurz gepennt. Nu aber los
und pünktlich am 11. September in ein arabisches Land einreisen!!!"
Aber erstmal der morgendliche
Tran. Abwechslungsweise ist mal kein Zelt zum Abbauen da. Trotz Nationalstraße
erstmal doof im Schlüppi rumstehn und kieken, wie der Tag so wird,
Zähne putzen, mit Wasser herumplempern, an versteinerten Schrippen-Relikten
von vorvorgestern herumbeißen, losfahrn.
Gegen 11:30 kommen wir an
der marokkanischen Grenze an, die wohl eine der am schärfsten gesicherte
Außengrenze der EU sein soll. Kann man aber auch verstehen.
Jedenfalls labern mich wieder
irgendwelche Typen in zivil an, an denen ich vorbeifahre, einer zeigt mir
dann einen Schalter, wo irgendwelche Zettel auszufüllen sind, unter
anderem auch einer, mit dem ich erkläre, dass ich mit Wagen einreise.
Man macht mich explizit drauf aufmerksam, dass ich ohne dieses Auto nicht
wieder ausreisen darf. Auch nicht bei Totalschaden. Es sei denn, ich finde
irgenwo nen Zollhäuschen mit Leuten drin, den Unfall schriftlich bezeugen
können. Bei meiner Schüssel wird das also zu 'ner Zitterpartie.
Aber immerhin güldet die Grüne Karte hier. |
 
Dann geht die Schranke hoch,
und wir reisen ein. Nebenbei läuft irgendeine triumphale Star-Wars-
Hymne, die gut zur Situation passt.
Auf den Hügeln rund
um die Grenzstation lungern lauter Gestalten herum, wahrscheinlich, um
'ne gute Gelegenheit abzupassen, um rüberzumachen. Ansonsten macht
das Land bis auf die arabische Schrift auf den Werbetafeln (lustigerweise
auch Coca-Cola, MäcDoof und sowas) 'nen recht normalen Eindruck,
aber ein paar Kilometer
weiter geht es von den paar Hotelanlagen weg ins Landesinnere, und kurz
darauf lappt uns ein Motorradfahrer währtend der Fahrt an, überholt
uns grinsend, fährt neben uns her, lässt sich überholen
und macht sonst noch was für spaßige Aktionen, fährt dann
aber winkend weg.
Kurz vor Tétouan
dann noch so'n Mopedfahrer mit komischem Gesicht, der uns an allen roten
Ampeln zutextet..seine Schwester wär wohl in Deutschland (wer't gloobt...)
und er würde sich freuen, mal wieder seine Deutschkenntnisse zu testen,
wir sollen ihm doch bitte folgen. Wir versuchen ihn abzuwimmeln, geht aber
nicht, und als wir anhalten, is er auch gleich zur Stelle, um uns in der
Altstadt herumzuführen. Mehrmals ausdrücklich erklärend,
dass wir ihn nicht brauchen und dass er kein Geld bekommt, latschen wir
dann widerwillig durch die Gassen, ohne ihn loszuwerden. Er würde
sich aus purer Menschenliebe mit uns unterhalten und uns nebenbei irgendeinen
Berbermarkt zeigen wollen, der nur einmal im Jahr is, aber der, wie wir
später mitkriegen, doch nicht ist. Schwupps, sind wir dann auch schon
in 'nem Teppichladen, dem billigsten Marokkos, wie man hoch und heilig
beteuert. Und schwupps, haben wir den Pfefferminztee in der Hand und diskutieren
ca. 20 Minuten mit den Händlern herum, und irgendwann geht mir das
so dermaßen auf den Sack, dass ich die Leute mit ihren eigenen Floskeln
zu bearbeiten versuche (am besten kommt es, jeden Satz mit "Eh, mon ami"
zu beginnen und ihnen ständig auf die Schulter zu klopfen), vergeblich.
Etwas später treten
wir, ohne 'nen Cent ausgegeben zu haben, erleichtert auf die Straße
und finden leider den Schlepper wieder. Schwupps, sind wir auch schon in
einer Naturapotheke, wo wir an irgenwelchen Kräuztern riechen und
sofort grimmig sagen, dass wir arme Studenten sind. Schnell raus aus dem
Laden und Wupp, zerrt der Schlepper uns auf eine der berüchtigten
Dachterrassen-Teppichladen-Kombinationen. Zum Glück ist man dort schon
mit blöderen Touris beschäftigt, so dass wir unsere Fotos machen
und klammheimlich verschwinden. Ohne aber unseren Schlepper loszuwerden,
der an der Tür schon wartet.
Am Auto angekommen, will
er, wie zu erwarten, dann doch Geld haben, freundlicherweise "comme vous
voulez", soviel, wie wir meinen. Ich bin extrem verärgert. Wir setzen
uns ins kochende Auto, der Typ nervt immer noch, ich kurbel die Scheibe
runter und ich hab leider nur 'nen Zwei-Euro-Stück in der Hand, das
ich ihm widerwillig rüberreiche, um ihn loszuwerden. Doch zu meiner
Verwunderung is er so dreist, zu meinen, 20 Eus wären Minimum, alle
anderen würden ihm 30 geben. Ich diskutier wütend rum und fahr
dann weg....so 'ne erbärmliche verlogene Kreatur.....hoffentlich ist
das nur hier so, weil wir kurz hinter der europäischen Grenze sind.
Ich erinnere mich nämlich, dass bei meinem letzten Marokko-Trip alles
extrem billig war. |
 
Jedenfalls fahren wir in
die Neustadt, Geld tauschen, was futtern und dabei eine art inoffizielle
Bushaltestelle beobachten, wo ständig, woher auch immer, Soldaten
angelatscht kommen, um wieder wegzulatschen oder irgendeinen Bus zu nehmen.
Wir fahren weiter nach Chefchaouen
und verfahren uns auf der Suche nach der Altstadt - bei diesem kleinen
Ort peinlich. Logbuch, Zitat Micha:
"Da war im wesentlichen
nichts Besonderes - nur 'ne Moschee, Leute, die rumgenervt haben und für's
Rumnerven auch noch Geld haben wollten, und nen Haschischdealer."
Dort tanken wir dann (Benzin
ist in Marokko wider Erwarten teurer als in Spanien - da Sprit eh unser
größter Ausgaben-Posten ist, wird die Reise etwas teurer) und
fahren nach Ouezzane, einem eher untouristischen Ort, weil er an Sights
nur ein kleines Moscheenminarett aufweist. Daher aber auch recht marokko-typisch
und fast frei von nerveligen Kunden. |
 
Logbuch, Eintrag Micha:
"Ouezzane: Kann man nichts
zu sagen, außer, dass Guntschi (und ich natürlich auch 'n bisschen)
komisch angeguckt wird, und dass Guntschi für'n winziges Stück
Kuchen 3 DH (30 Cent) bezahlt hat." |
 
Nochmal Micha im Logbuch:
"21:43......Zur Zeit sitze
ich auf einem Bett in einem Zimmer im Grand Hotel von Ouezzane (Wäsann,
aber mit kurzem ä und das W als Zwischending von W und U). Heute haben
wir 3 so marokkanische Städte angeguckt (Tetouan, Chefchaouen und
die oben schon genannte Stadt Ouezzane, wo ich immernoch auf meinem Bett
im Grand Hotel sitze)."
Schon wieder Micha:
"22:14......Jetzt werden
wir erstmal auf dem Balkon des Grand Hotel 'n gediegenes Maternus trinken.
Noch'n wichtiger Punkt:
wir haben zum Abendbrot das hier sehr typische SandwichOmlett gegessen."
Logbuch, diesmal Eintrag
von mir:
"11 Uhr nochwat........Soestens,
wir sitzen jetz auf der nur inoffiziell betretbaren Dachterrasse des Grand-Hotels,
die megamäßig verdreckt ist und auf der uns undefinierbares
Personal grade zwei Meter weiter gescheucht hat [wieso auch immer...].
Ebent hat 'nen crazy Araber mich von 'ner Etage höher angemacht, ick
solle ihm doch mal ooch 'nen Jediegenet hochreichen. Da ich aber kein unangefangenes
Bier im Faulsein-Aktionsradius hatte, hab ich ihm nach zugegebenermaßen
unspektakulärer Fassaden- kletterei mein zu 20% gefülltes Pils
hochgereicht. Und genau vor drei Minuten meldet sich los Kundos wieder
und will noch ein neues haben, was ich ihm wegen umständlichen Beschaffungsmaßnahmen
(zum Auto latschen) verweigere. Zitat vom Kunden: "Je l'adore beaucoup"(ich
verehre es sehr [das Bier]). Und so, wa?"
Dann rein und schlafen gehen. |
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