11. Reisetag 11.09.2002
gefahrene Kilometer: 181 km
Total: 4508 km
Strecke: Ceuta / E - Tetouan / MA - Ouezzane 
Besichtigungen:
 - Tetouan
 - Chefchaouen
 - Ouezzane


Tagesbewertung:
 
   
Camp 7 in Ceuta - Foto CGStraße von Gibraltar - Foto CGTetouan, Fischmarkt - Foto CG
Reiselogbuch, Eintrag Micha:
"10:31.....Jetzt stehen wir auf der 8 km langen Nationalstraße 354, [der wohl einzigsten Spaniens in Afrika], am Kilometerstein 4 zwischen Ceuta und Benzu, dem anderen Ort der Enklave. Eigentlich habe ich ganz gut geschlafen, aber da laufend irgendwelche Leute zwischen den besagten Orten hin- und herfahren [wieso auch immer !!?], hab ich auch nur ganz kurz gepennt. Nu aber los und pünktlich am 11. September in ein arabisches Land einreisen!!!"

Aber erstmal der morgendliche Tran. Abwechslungsweise ist mal kein Zelt zum Abbauen da. Trotz Nationalstraße erstmal doof im Schlüppi rumstehn und kieken, wie der Tag so wird, Zähne putzen, mit Wasser herumplempern, an versteinerten Schrippen-Relikten von vorvorgestern herumbeißen, losfahrn.
Gegen 11:30 kommen wir an der marokkanischen Grenze an, die wohl eine der am schärfsten gesicherte Außengrenze der EU sein soll. Kann man aber auch verstehen.
Jedenfalls labern mich wieder irgendwelche Typen in zivil an, an denen ich vorbeifahre, einer zeigt mir dann einen Schalter, wo irgendwelche Zettel auszufüllen sind, unter anderem auch einer, mit dem ich erkläre, dass ich mit Wagen einreise. Man macht mich explizit drauf aufmerksam, dass ich ohne dieses Auto nicht wieder ausreisen darf. Auch nicht bei Totalschaden. Es sei denn, ich finde irgenwo nen Zollhäuschen mit Leuten drin, den Unfall schriftlich bezeugen können. Bei meiner Schüssel wird das also zu 'ner Zitterpartie. Aber immerhin güldet die Grüne Karte hier. 

 
Tetouan, Moschee - Foto CGTetouan - Foto CGdurchs Rif-Gebirge - Foto CG
Dann geht die Schranke hoch, und wir reisen ein. Nebenbei läuft irgendeine triumphale Star-Wars- Hymne, die gut zur Situation passt.
Auf den Hügeln rund um die Grenzstation lungern lauter Gestalten herum, wahrscheinlich, um 'ne gute Gelegenheit abzupassen, um rüberzumachen. Ansonsten macht das Land bis auf die arabische Schrift auf den Werbetafeln (lustigerweise auch Coca-Cola, MäcDoof und sowas) 'nen recht normalen Eindruck,
aber ein paar Kilometer weiter geht es von den paar Hotelanlagen weg ins Landesinnere, und kurz darauf lappt uns ein Motorradfahrer währtend der Fahrt an, überholt uns grinsend, fährt neben uns her, lässt sich überholen und macht sonst noch was für spaßige Aktionen, fährt dann aber winkend weg. 
Kurz vor Tétouan dann noch so'n Mopedfahrer mit komischem Gesicht, der uns an allen roten Ampeln zutextet..seine Schwester wär wohl in Deutschland (wer't gloobt...) und er würde sich freuen, mal wieder seine Deutschkenntnisse zu testen, wir sollen ihm doch bitte folgen. Wir versuchen ihn abzuwimmeln, geht aber nicht, und als wir anhalten, is er auch gleich zur Stelle, um uns in der Altstadt herumzuführen. Mehrmals ausdrücklich erklärend, dass wir ihn nicht brauchen und dass er kein Geld bekommt, latschen wir dann widerwillig durch die Gassen, ohne ihn loszuwerden. Er würde sich aus purer Menschenliebe mit uns unterhalten und uns nebenbei irgendeinen Berbermarkt zeigen wollen, der nur einmal im Jahr is, aber der, wie wir später mitkriegen, doch nicht ist. Schwupps, sind wir dann auch schon in 'nem Teppichladen, dem billigsten Marokkos, wie man hoch und heilig beteuert. Und schwupps, haben wir den Pfefferminztee in der Hand und diskutieren ca. 20 Minuten mit den Händlern herum, und irgendwann geht mir das so dermaßen auf den Sack, dass ich die Leute mit ihren eigenen Floskeln zu bearbeiten versuche (am besten kommt es, jeden Satz mit "Eh, mon ami" zu beginnen und ihnen ständig auf die Schulter zu klopfen), vergeblich. 
Etwas später treten wir, ohne 'nen Cent ausgegeben zu haben, erleichtert auf die Straße und finden leider den Schlepper wieder. Schwupps, sind wir auch schon in einer Naturapotheke, wo wir an irgenwelchen Kräuztern riechen und sofort grimmig sagen, dass wir arme Studenten sind. Schnell raus aus dem Laden und Wupp, zerrt der Schlepper uns auf eine der berüchtigten Dachterrassen-Teppichladen-Kombinationen. Zum Glück ist man dort schon mit blöderen Touris beschäftigt, so dass wir unsere Fotos machen und klammheimlich verschwinden. Ohne aber unseren Schlepper loszuwerden, der an der Tür schon wartet.
Am Auto angekommen, will er, wie zu erwarten, dann doch Geld haben, freundlicherweise "comme vous voulez", soviel, wie wir meinen. Ich bin extrem verärgert. Wir setzen uns ins kochende Auto, der Typ nervt immer noch, ich kurbel die Scheibe runter und ich hab leider nur 'nen Zwei-Euro-Stück in der Hand, das ich ihm widerwillig rüberreiche, um ihn loszuwerden. Doch zu meiner Verwunderung is er so dreist, zu meinen, 20 Eus wären Minimum, alle anderen würden ihm 30 geben. Ich diskutier wütend rum und fahr dann weg....so 'ne erbärmliche verlogene Kreatur.....hoffentlich ist das nur hier so, weil wir kurz hinter der europäischen Grenze sind. Ich erinnere mich nämlich, dass bei meinem letzten Marokko-Trip alles extrem billig war.
 
durchs Rif-Gebirge - Foto CGdurchs Rif-Gebirge - Foto CGdurchs Rif-Gebirge - Foto CG
Jedenfalls fahren wir in die Neustadt, Geld tauschen, was futtern und dabei eine art inoffizielle Bushaltestelle beobachten, wo ständig, woher auch immer, Soldaten angelatscht kommen, um wieder wegzulatschen oder irgendeinen Bus zu nehmen. 
Wir fahren weiter nach Chefchaouen und verfahren uns auf der Suche nach der Altstadt - bei diesem kleinen Ort peinlich. Logbuch, Zitat Micha:
"Da war im wesentlichen nichts Besonderes - nur 'ne Moschee, Leute, die rumgenervt haben und für's Rumnerven auch noch Geld haben wollten, und nen Haschischdealer."
Dort tanken wir dann (Benzin ist in Marokko wider Erwarten teurer als in Spanien - da Sprit eh unser größter Ausgaben-Posten ist, wird die Reise etwas teurer) und fahren nach Ouezzane, einem eher untouristischen Ort, weil er an Sights nur ein kleines Moscheenminarett aufweist. Daher aber auch recht marokko-typisch und fast frei von nerveligen Kunden.
 
Kaktusfrüchte - Foto CGChefchaouen, Karawanserei - Foto CGOuezzane, Tischlerviertel - Foto CG
Logbuch, Eintrag Micha:
"Ouezzane: Kann man nichts zu sagen, außer, dass Guntschi (und ich natürlich auch 'n bisschen) komisch angeguckt wird, und dass Guntschi für'n winziges Stück Kuchen 3 DH (30 Cent) bezahlt hat."
 
Chefchaouen, Moschee - Foto CGOuezzane, Moschee - Foto CGwir mit Bier - Foto CG
Nochmal Micha im Logbuch:
"21:43......Zur Zeit sitze ich auf einem Bett in einem Zimmer im Grand Hotel von Ouezzane (Wäsann, aber mit kurzem ä und das W als Zwischending von W und U). Heute haben wir 3 so marokkanische Städte angeguckt (Tetouan, Chefchaouen und die oben schon genannte Stadt Ouezzane, wo ich immernoch auf meinem Bett im Grand Hotel sitze)."

Schon wieder Micha:
"22:14......Jetzt werden wir erstmal auf dem Balkon des Grand Hotel 'n gediegenes Maternus trinken.
Noch'n wichtiger Punkt: wir haben zum Abendbrot das hier sehr typische SandwichOmlett gegessen."

Logbuch, diesmal Eintrag von mir:
"11 Uhr nochwat........Soestens, wir sitzen jetz auf der nur inoffiziell betretbaren Dachterrasse des Grand-Hotels, die megamäßig verdreckt ist und auf der uns undefinierbares Personal grade zwei Meter weiter gescheucht hat [wieso auch immer...]. Ebent hat 'nen crazy Araber mich von 'ner Etage höher angemacht, ick solle ihm doch mal ooch 'nen Jediegenet hochreichen. Da ich aber kein unangefangenes Bier im Faulsein-Aktionsradius hatte, hab ich ihm nach zugegebenermaßen unspektakulärer Fassaden- kletterei mein zu 20% gefülltes Pils hochgereicht. Und genau vor drei Minuten meldet sich los Kundos wieder und will noch ein neues haben, was ich ihm wegen umständlichen Beschaffungsmaßnahmen (zum Auto latschen) verweigere. Zitat vom Kunden: "Je l'adore beaucoup"(ich verehre es sehr [das Bier]). Und so, wa?"

Dann rein und schlafen gehen.

 
Ouezzane - Foto CGMicha - Foto CGIch - Foto MT