12. Reisetag 12.09.2002
gefahrene Kilometer: 144 km
Total: 4652 km
Strecke: Ouezzane - Meknes 
Besichtigungen:
 - Moulay Idriss
 - Volubilis
 - Meknes


Tagesbewertung:
 
   
nach Süden - Foto CG

Es ist morgends, wir stehen auf und ich freue mich schon auf den Tag, weil ich heute wieder mit Fahren dran bin. Doch erstmal Duschen! In direktem Zusammenhang dazu die erste Ernüchterung der Morgens: die Etagendusche, die bestimmt für 12 Zimmer bestimmt ist, sieht reudig aus und der Warmwasserboiler ist natürlich nur 'ne Attrappe. Nun denn... Sachen zusammenkramen, dann ein merkwürdiges Check-Out durchführen. Und zwar müssen wir an der Rezeption erst so ca. 2 Minuten warten, bis mal eine Gestalt erscheint, der man die Zeche in die Hand drücken darf. Da wir erst gestern eingereist sind, haben wir nur große Scheine, so dass der Tüp spontan mit unserem Geld verschwindet. Er kommt jedoch weitere 2 Minuten später ehrlicherweise mit dem Wechselgeld zurück. Tja, es handelt sich ja schließlich um das Grand-Hotel Ouezzane.
Wir latschen zum Auto, haben merkwürdigerweise keinen Ärger mit dem Parkplatzwächter, einer alten knorrigen Gestalt mit nettem Gesicht. Hier ist man wirklich noch ehrlich zu den spärlichen Touris.
Kurz darauf befinden wir uns wieder on the road richtung Süden. Es geht durch abgeerntete Getreidefelder, die man nicht in Afrika vermuten würde, und durch hügeliges Terrain. Ich überfahre an einer Kreuzung ein Stopschild mit 50 km/h, was aber nicht sonderlich imponierend ist, da man hier eh meilenweit sehen kann. Umso mulmiger wird mir, als uns ca. 400 m weiter eine Polizeistreife entgegenkommt, aber anscheinend nimmt man solche Vergehen hier eher schwuppich auf die leichte Schulter. In D-Länd wär ich mein Stück Plaste jetz bestimmt fürn Weilchen los.

 
Landschaft bei Ouezzane - Foto MT

Kurz darauf steht an der Straße ein altes Schild mit der Aufschrift "Moulay Idriss". Da wir dahin wollen, schlagen wir diese Straße ein. Diese wird jedoch immer dünner und führt dann als unbefestigter Weg durch zwei Dörfer, wir haben mal wieder Angst um unseren mobilen Schrotthaufen, wie ich ihn liebevoll zu nennen pflege, und die an der Straße stehenden Dörfler winken entgeistert. Auf der Karte sehen wir später, dass es noch einen genehmeren Weg nach Moulay Idriss gegeben hätte.
Nun denn... Moulay Idriss ankieken (man sollte die Kunden, die einem die Große Terrasse zeigen wollen, abwimmeln, und dann einfach den Berg hochgehen [es sei denn, man verspürt den Zwang, wieder Geld für Klimbim auszugeben], um den Ausblick über das Mausoleum des ersten marokkanischen Königs zu genießen --- ist aber eh nicht sonderlich spektakulär).
Dann Volubilis besichtigen (römische Ruinenstätte, die Wichtigste in Marokko. Kann man sich mal ansehen, aber an der Ägäis stehen zweifellos bessere Ruinen rum). Dort gibt es wieder eine kleine Streiterei mit dem Parkplatzwächter, ich handel den Preis herunter, bin aber wegen letztenendes 50 Cent für 'nen Schattenplatz trotzdem verärgert (ja, in Afrika werd auch ich zu nem Schattenparker *schäm*).

 
Volubilis - Foto MT

Danach fahren wir nach Meknes, dort passiert nichts erwähnenswertes, außer dann man ständig in 5-Minuten-Gespräche verwickelt wird, in die man sich ruhig mal einlassen kann. Diesmal wollte man nämlich kein Geld von uns, sondern war nur mal einfach so interessiert. Dann Sights kieken... Schön-schön. Besonders die Marktviertel im Westen und die Medrese.

 
Moulay Idriss, Mausoleum - Foto MTVolubilis, Triumphbogen - Foto CGMeknes, Stadttor - Foto MT

Logbuch, Eintrag Micha:
"20.12..... Wir sind jetz in nem 60DH-teuren Hotel in Meknes, haben wieder diverse Moscheen, Tore und anderes besichtigt und grübeln momentan, über die Marokkokarte gebeugt, der weiteren Tour nach." 

 
Moulay Idriss, irgendeine Moschee - Foto CGMeknes, Medrese - Foto CGMeknes, Stadttor - Foto MTMeknes, Stadttor - Foto MT

Eintrag mal von mir:
"22.05..... Sö, draußen vor der Tür nölen diverse Muezzins schon wieder ihr Zeugs vom Minarett, und wir ham gerade mit Honig bekleckertes und ebenso leckeres Blätterteigjedööns gegessen, echt billig, der Stuff!! Michi hat vorhin probiert, ein paar neue französische Wörter aus seinem Reiseführer zu lernen, dummerweise lag das zur Aufzeichnung solch drolliger Raritäten gedachte Diktiergerät im Auto.
Ich glupsch mal eben so über meine Schulter...jetzt liest er grad mein 1984 von Orwell auf Englisch durch...hatta sich mal vor Monaten entliehen. 
*wiederüberdieschulterguck* jetzt liest er immer noch drin rum. Auf Nachfrage meint er, er sei noch auf Seite 1. Tjaja, das Wetter ist supi, der Golf auch, und ich hab immer noch kein Typhus...so könnt es weitergehn....
22.29....Jetz isser auf Seite 4. "Aba ick hab mir hinten noch wat andret durchjelesen" ,meint er."

 
Meknes, GemüsemarktMeknes, Stadttor von innen - Foto CG

Logbuch, mein Eintrag, allerdings am nächsten Morgen:
"11.34....Beschreibung eines durchschnittlichen marokkanischen Hotels: Regeln:
1) Bei einem Festpreis von 60DH ( 6 €uronen ) für ein Doppelzimmer brauch man gar nicht anzufangen, 
    was runterhandeln zu wollen.
2) Die Zimmer sind mit altem Waschbecken und durchgelegenen Metallbetten ausgestattet.
3) Das Klo ist da wo's stinkt. Weil:
4) Es hat kein Fenster. Aber wenigstens eine Tür. Zum Gang hin.
5) Man kacke in ein Loch im Boden (oder auch nicht, z.B. wegen dem typischen Fall von "kein eigenes
    Klopapier gekauft").
6) Die Duschbrause ist direkt dadrüber (Der Abfluss ist das Kloloch).
7) Das Zimmerfenster ist offen und so weit oben angebracht, dass man es nicht schließen kann. Das hat 
    Auswirkungen auf: 
8) Pünktlich vor Sonnenaufgang (ca. um 5) stimmt ein Fuzzi sein Allaaaahakberrhabarberrabrmmmpfl an.
    Er leiert so etwa 10 min. herum, bis sämtliche andere Gebetsausrufer (und natürlich wir) auch wach 
    sind und nach und nach vergnatzt mit einstimmen. Irgendwann hört der erste auf, die anderen dann 
    auch, aber frühestens an dem Punkt, wo statt Einschlafen nur noch "bis um 8 rumwälzen im Bett und 
    dann Aufstehen" möglich ist.
    Dabei penn ich in der Vorlesungszeit doch immer bis Mittags!
9) Eines dieser Hotels ist das "Hotel de Meknes".