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Logbuch, Eintrag Michi:
"7.50.......Der Wecker hat,
wie gestern auch, um 8:30 geklingelt. Nach Duschen und anderem hygienischen
Schnickschnack ist Guntschi 9:00 zur Rezeption gegangen, um den "Unkunden"
aus dem Schlaf zu klopfen, weil zu dieser Uhrzeit Frühstück sein
soll. [Der Rezeptionskunde sagt: "Nee um neun!" Ich mein: "Naja, is neun".
Er zeigt auf die Uhr, wo sieben draufsteht, solangsam dämmerts bei
mir und ich fass mir an den Kopf...hab mich eh schon gewundert, dass es
hier immer so früh hell und dunkel wird].
Tja, Frühstück
gibt's natürlich um 9 marokkanischer Zeit, was auf unseren Uhren um
11.00 entsprechen würde. Wir sind dann heute also krankerweise um
6.30 aufgestanden.
Um die zwei Stunden jetzt
totzuschlagen, begeben wir uns in die noch schläfrige Stadt, in der
es von zerknautschten Gesichtern nur so wimmelt (eigentlich wie in D-Länd),
und kaufen Sidi Ali und Bäckerzeugs zu irgendwelchen willkürlichen
Preisen, da zu dieser frühen Stunde weder wir noch die Unkunden zum
Handeln in der Lage sind." |
Logbuch, Eintrag Michi:
"9:50......Und der Sonne
entgegen Richtung Süden..." |
 
Die Route führt durch
megasmoothe abwechslungsreiche Landschaften, durch kleine Wälder,
ein paar Pässe, steppenähnliche Landschaften und gestrüpphaltige
Wüsten nach Tineghir. Allerdings kann das bei diesen winzigen Internet-Bildchen
natürlich nicht rüberkommen.
Wir kommen an "Barriere
de Neige"-Schildern vorbei, die davon künden, dass in dieser jetzt
so heißen Gegend im Winter wegen saftigen Schneemassen die Straßen
temporär gesperrt werden müssen. Krassman!
Die knapp 500km Landstraße
nehmen wegen zahlreichen Fotostopps den ganzen Tag ein, kurz vor Tineghir
müssen wir schnurgerade nach Westen, und die Sonne steht so megaflach,
dass sie so extreem blendet, wie ich es in Europa noch nie erlebt habe.
Aber hier stehen ja auch keine Schattenspender rum. Da die Scheibe nach
wie vor verdreckt ist [merke: wenn die Reise dann irgendwann zu Ende ist,
bringts auch nichts mehr, da etwas wischen zu wollen!], sehe ich nur mit
äußersten Schwierigkeiten die Straßenränder, muss
langsamer fahren, die Seitenscheibe runterkurbeln und alle paar Sekunden
mal den Kopf raushalten, woraufhin meine Haare natürlich sowas von
zerzausen, dass ich sie nach sämtlichen südmarokkanischen Duschvorgängen
(weil in der Wüste nun mal immer Wind war) mindestens dreimal so lange
wie sonst kämmen musste. |

Abends in Tineghir angekommen,
lassen wir uns von nem Schlepper in ein Hotel schleppen, das recht OK ist,
allerdings eins von dieser familiären Sorte, wie sie mir eigentllich
überhaupt nicht gefallen. Ging aber, wir labern mit Typen rum, erkundigen
uns, ob man mit Auto übern Djebel Saghro, ein unwegsames Gebirge im
Süden, wo ich unbedingt mal hinwill, kommt, wir trinken Freitee, geben
warmes deutsches Freibier aus (war für'n ungleicher Handel, wenn ich
gewusst hätte, das Aldi das gute Maternus ausm Programm nimmt, hätt
ich mir das zweimal überlegt!). Labern mit irgendwelchen unhübschen
deutschen Alternative-Rasta-Mädels aus Leipzig, die mit Rucksack rumreisen,
drei Monate zeit haben und, was ich überhaupt nicht begreifen kann,
schon seit mehreren Wochen in diesem Nest Tineghir rumhängen. Die
verstehen ihrerseits nicht, wie man am dritten Marokkotag schon so weit
im Süden sein kann. Dann trommeln wir auf der nächtlichen und
soft mit Teppichen ausgestatteten Dachterrasse bestimmt ne Stunde mit irgendwelchen
Buschtrommeln herum, kriegen das auch einigermaßen hin, bis dann
ein Typ vom Hotel kommt und so megavirtuos loslegt, dass wir n Ooge kriegen.
Selbst mit zwei solchen Drums kann man so vielseitiges Zeugs machen, dass
Micha meint, sowas bräuchte man auch zu Hause. Dann ins Zimmer Karte
lesen und recht bald einpennen, weil letzte Nacht gab's irgendwie nicht. |
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