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Tja, wir stehen auf, und
da wir kein Geld haben, um das Hötel zu bezahlen, suchen wir irgend
ne Bank, aber haben natürlich alle zu, wegen Sonntag. Toll. Irgendson
Kunde vom Hotel kommt dann mit mir mit, sucht seinen Kumpel auf, er kann
aber gerade auch nicht tauschen, und so lädt uns der Hotelbesitzer
zu 'ner kleinen Wanderung ins Berberviertel ein, wo er angeblich jemanden
kennt, der Geld tauschen könnte, wobei wir nebenbei mal eine typische
Berberfamilie sehen sollen. Naja, wir ham weder wirklich Lust noch wirklich
Zeit, aber was solls, wir haben keine Wahl und es kann ja doch interessant
werden.
Nach 5 Minuten kommen wir
da an und werden freundlich empfangen, müssen aber die Schuhe ausziehen,
wobei ich fast wieder Komplexe kriege. Denn: ich habe unlängst faulheitsbedingt
und die Folgen nicht ahnen könnend das Anziehen von Socken verworfen,
so dass sich in meinen Schuhen mit den Tagen eine gewisse Aura entwickelt
hat, die anfangs lediglich die Innensohlen löste (welche dann auf
dubiose Weise verschwanden). Dann aber ließen sich die Gerüche
irgendwann nicht mehr weglüften, so dass sie nun im Schuh festsitzen
und sich binnen weniger Sekunden Tragzeit auf die Füße zurückübertragen.
Das als kurzer Exkurs.
Nun denn...ich stinker dort
also die Bude voll, wir kriegen zum Dank dafür Minztee mit Zucker,
kriegen das Geld getauscht, es setzt ein Smalltalk ein, dessen Inhalt sich,
für grobschlächtige Waldschrate wie uns fast unbemerkt, slighty
dem Thema Teppiche und Kilims (auch Teppiche, bloß anders) nähert.
Irgendwie werden wir dessen gewahr, bemerken, dass die Teppiche, die bereits
auf dem Fußboden herumlagen, eh schon eine Pseudobehaglichkeit mit
subtil-unterbewusster Vorahnung in uns aufgebaut haben, da kommt auch schon
ein weiterer Unkunde ins Zimmer und rollt irgendwelche Teppiche vor uns
aus, für die wir einen Preisvorschlag unterbreiten sollen. Nachdem
wir 15 Minuten lang versuchen, den schmalen Grat zu finden, der zwischen
der Beleidigung der Leute und dem Sich-Übern-Tisch-Ziehen- Lassen
liegt (eine für Europäer höchst unbehagliche Situation),
lassen die Berber von uns ab, weil es ja doch nichts zu holen gibt, und
wir machen uns jetzt schleunigst auf den Weg. |
 
Zuerst geht es zur Todhra-Schlucht,
die ich schon vom vorigen Jahr kenne, die Micha aber noch sehen will. Auf
dem Weg dorthin kommen wir an einer Stelle vorbei, die einen soften Ausblick
auf die Oase Tineghir bietet, so dass wir foto-stop-mäßig anhalten,
wohlweislich, dass irgendwelche Araber, die Knete für Nichts (bestenfalls
für Klimbim) haben wollen, nicht weit sein können. Und schon
kommen sie angelaufen, wir probieren, uns zu beeilen, aber die Typen sind
schneller und wickeln uns blaue Beduinentücher um den Kopf, ein Vorgang,
den wir freundlicherweise nicht ablehnen. Wir wissen letztenendes nicht
wirklich, ob man uns die Dinger käuflich andrehen wollte, ob man uns
zu sich im Nachhinein als kostenpflichtig herausstellenden Fotos verleiten
wollte, oder ob das nur eine Einfach-So-Verarsche uns gegenüber war.
Jedenfalls sah Micha mit dem Tuch echt drollig aus.
Unbehelligt fahren wir weiter.
Irgendwann fahren wir durch eine asphaltierte kleine Furt, über die
die Touri-Busse nicht mehr rüberkommen, so dass wir öfters Latsch-Touristen
überholen. In der Schlucht steigen wir kurz aus und wollen ein Action-Foto
vom Golf machen, der von den Fluten des Gebirgsbaches umspült wird,
doch leider ist das Teil zu tief und wir trauen uns nicht richtig, in das
Bett reinzufahren. Naja, blöde Aktion!
Dann zurückfahren und
durch amüsant anzuschauenden Flugsand nach Westen. Stop bei einer
eher uninteressanten Kasbah. Der Wind ist so abstrus, dass meine Haare
noch verzottelter sind als ohnehin schon, und bei Gegenwind fliegt einem
die halbe Sahara ins Auge! Aber wenigstens kommen uns auch dementsprechend
wenig Klimbim-Händler in die Quere, nämlich null.
Ein bisschen weiter westlich
inszenieren wir an einem der zuhauf herumstehenden Torbauten, deren Sinn
sich nicht wirklich erschließt, unseren Golf mitten auf der Straße.
Es ist schwieriger als erwartet, den Wagen direkt mittig auf die Strichellinie
zu stellen, wir brauchen bestimmt drei Minuten dafür. Das sollte man
mal auf der B1 versuchen! |
Weiterfahren. Wir wollen
im Süden über das Massiv des Djebel Saghro! Die Straße
ist auf unserer Karte weiß und gestrichelt! In irgendeinem Reiseführer
steht, ohne Geländewagen sei die Strecke unmöglich.
Ich vermute, dass der Abzweig
wegen Unwichtigkeit nicht ausgeschildert ist, und zähle auf dem Tacho
die Kilometer. Und siehe da, an der ausgerechneten Stelle ist ein Abzweig,
der mit dem unscheinbaren Schildchen "Ikniounn", nur für entgegenkommende
Fahrzeuge lesbar, versehen ist.
Also auf ins vermeintliche
Abenteuer. Wir sind von einem zugegebenermaßen uneuropäisch
asphaltierten einspurigen Fahrweg angenehm überrascht. Typischer Fall
von Zu-Früh-Gefreut. Nach ca. 10 km wird die Straße zu einem
immer reudiger werdenden Weg, der irgendwann allen Ernstes Schritttempo
verlangt, wenn man nicht aufsetzen will. Zudem geht es relativ serpentinenlastig
einen Berg hoch, rechts geht es steil runter, es wäre reichlich dumm
vom Gegenverkehr, aufzutauchen. Aber ehrlicherweise muss ich hinzufügen,
dass ich in Bulgarien schon schlechtere Gebirgswege erlebt hab.
Nun denn, nach insgesamt
ca. 30 km passiert das Unvermeindliche: das Auto fängt an, wild herumzublinken.
Auf den Punkt gebracht, beginnt die Batterieanzeige, zu leuchten, und eine
Öl-Sonstwas-Warnlampe fängt gleichzeitig zu blinken an. Toll!
Wir halten an, Michi macht
die Motorhaube auf, kiekt blöd und macht die Motorhaube zu. Bei solchen
Aktionen ist es immer hilfreich, von Technik keine Ahnung zu haben.
Ich blätter im Golf-II-Reparaturbuch
herum, diese Blinkkombination steht aber nicht drin! Möglicherweise
liegt es daran, dass wir intelligenterweise einen Benziner-Golf, aber ein
Diesel-Golf-Reparaturbuch mitgenommen haben. Wie unlängst erwähnt:
Bei solchen Aktionen ist es immer hilfreich, von Technik keine Ahnung zu
haben.
Wir sitzen also blöd
im Auto, gucken verdattert in das schlaue Buch. Da wir die letzten 30 km
keiner Menschenseele begegnet sind, entschließen wir uns dazu, vor
dem Djebel Saghro zu kapitulieren und zur Hauptstraße zurückzufahren,
da das Auto ja als gleichberechtigte Persönlichkeit angesehen wird,
die hiermit ihre Meinung zu dieser Piste hier kundgetan hat.
Aber auf einmal kommen aus
ein paar verlassen geglaubten Häusern in einiger Entfernung
5 Kinder angelatscht. Na super, auch das noch. Ich hoffe spontan, dass
die Leute in dieser Einöde noch nicht vom Tourismus verdorben sind,
aber weit gefehlt. Nach ein paar Kaugummis weniger, die ich, um Zwietracht
zu säen, so ungerecht wie möglich verteilt habe, schwirren die
Kinder ab, der Motor springt an, und wir fahren so 500m zurück, parken
und kraxeln auf einen der naheliegenden Hügel hoch.
Von weitem sehen wir, wie
sich ein Typ, aus dem nichts kommend, neben unser Auto setzt, etwas später
noch einer. Ich mache mir wenig Sorgen, weil wir unseren Zündkerzen-Entstöpsel-Trick
angewendet haben. Irgendwann ist das Auto aus dem Blickfeld verschwunden,
wir stehen auf einem höchst windigen Gipfel und sehen in der Ferne
die schwarze Gebirgskette. Schade! Aber bis hier war's trotzdem schön. |
Wir latschen zurück,
das Auto ist noch da, die Typen aber weg, als hätten sie nur sehen
wollen, ob wir's auch bis auf den Hügel schaffen. Als wir beim Auto
angelangen, taucht abrupt ein Geländewagen auf, noch dazu mit deutschem
Nummernschild.
Der Fahrer bleibt natürlich
stehen, und wir erfahren, dass es sich um einen Geo-Studenten aus Leipzig
handelt, der hier irgendein Projekt behandelt. Er meint, dass selbst mit
einem Geländewagen die Überquerung des Djebel Saghro außerordentlich
schwierig sei, so dass wir weitaus weniger enttäuscht dreinkieken.
Wir ziehen dann unserer
Wege, das Auto verhält sich normal, und zum Dank dafür, dass
wir die strapaziöse Piste vermeiden, fängt es merkwürdigerweise
wieder an, zu hupen, wenn man auf das maternus-getunte Lenkrad drückt.
Äußerst wichtig in Marokko! Denn: selbst wir alten Mitteleuropäer
haben es uns zur Angewohnheit gemacht, sowie eine Ampel von Rot auf Gelb
schaltet, zu hupen, falls einer vor uns steht; in Deutschland kommt der
Gag sogar noch wesentlich lustiger! |
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