16. Reisetag 16.09.2002
gefahrene Kilometer: 463 km
Total: 5976 km
Strecke: Ouarzazate - Zagora - Mhamid - Zagora - Agdz 
Besichtigungen:
 - Wüste
Tagesbewertung:
 
 
Canyon des Draa-Flusses - Foto MTWegweiser nach Timbuktu - Foto CG

Frühs stehen wir auf und sind schon regelrecht begeistert, weil es heute nicht in eine dieser Pillepalle-Wüsten mit vereinzelt herumstehenden Grasbücheln oder in die Sanddünen-Wüsten der Reisekataloge gehen soll, sondern in die Hammada bei Mhamid. Eine öde Schotterwüste, wie sie für die Sahara wohl typisch sein soll.
Dieser Ort ist ca 250 km von Ouarzazate, wo wir uns gerade befinden, entfernt und wir müssen uns beeilen, wenn wir hin und wieder zurück wollen. Denn der Zeitplan ist knapp: die Hälfte der Reisezeit ist schon rum und wir wollten uns noch viel ansehen.
Also los. Wir müssen zuerst über irgendein vegetationsloses Steingebirge rüber, durch das der Draa-Fluss einen smoothen Canyon geschnitten hat, der natürlich wieder nach einem Fotostopp schreit.
Die Straßen sind schlechter als erwartet, weil über lange Strecken Ausbesserungsarbeiten durchgeführt werden. Daher ist sie über bestimmt 30 km auf eineinhalb Spuren eingeengt, was die uns entgegenkommenden Laster aber nicht davon abhält, ihre Geschwindigkeit beizubehalten, so das wir immer gezwungen sind, extrem abzubremsen, was auf Dauer ziemlich nervt. Schließlich gewöhnen wir es uns, ebenso wie die Marokkaner, an,  bei Gegenverkehr ohne großes Abbremsen mit 90 km/h halb auf das Schotterbett neben der Straße raufzufahren, wobei es im Radkasten immer ordentlich scheppert. Aber außer anfänglichem Nervenkitzel ist da keine Gefahr weiter bei, es sei denn, das Schotterbett senkt sich plötzlich ab oder da liegen irgendwelche Felsbrocken rum.
Nun denn. Ein bisschen weiter liegt ein kaputter Tanklaster an der Straße, wir geben den daneben rumstehenden Kunden 'ne halbe Wasserflasche, bei der Gelegenheit hält plötzlich ein Geländewagen mit deutschem Nummernschild an (nanu? schon wieder?) und man kommt ins Gespräch. Es handelt dich um ein Ehepaar, das mit dem Wagen schonmal in Algerien, Lybien u.s.w. war und daher meinen vollen Respekt verdient. Die Typen mit dem kaputten Laster bedanken sich und geben uns einen Zettel mit, den wir in der nächsten Stadt Agdz bei irgendwelchen bestimmten Leuten abgeben sollen, damit die 'nen Mechaniker schicken können. 
Breitgekloppt, nehmen wir dann noch 'nen Anhalter mit, der sich auf unserer Rückbank erstmal durch diverses Gerümpel durchboxen muss und der, als wir am nächsten Aussichtspunkt ankommen, fragt, ob wir noch seinen Kumpel mitnehmen können. Wir meinen "nee" und steigen aus, um Fotos zu machen, unser Anhalter steigt auch aus und setzt uns irgendwelche Chamäleons auf die Schulter, wir machen gegenseitig Fotos von uns, um ihn nicht zu beleidigen, und als ein Touri-Minibus anhält, ist der Kunde natürlich anderweitig beschäftigt und wir fahren von dannen.

 
Draa-Oase - Foto CG

Irgendwann kommen wir in Agdz an und finden auch auf Anhieb den Laden, wo wir unseren Zettel abgeben sollen, und werden spontan auf nen Tee eingeladen. Wie schon befürchtet, geht da erstens wieder ordentlich Zeit verloren, und zweitens begibt sich das Gesprächsthema wieder in Richtung Teppiche und Silberschmuck, worauf wir wieder 20 Minuten mit diesem Krempel beschäftigt sind. Wir fachsimpeln ewig rum, lassen uns die einzelnen Symbole erklären, meinen, in Deutschland wären diese Dinger wesentlich teurer, kaufen aber nichts und lassen den enttäuschten Ladenbesitzer zurück. Wahrscheinlich stand auf dem übermittelten Zettel sowieso nur irgendwas von wegen "Ey mann, die Typen sind so doof, ey dreh denen mal unsern billigsten Aluschmuck an...".
Bald kommen wir in einer fotogenen Flachlandoase an, die uns belagernden Kinder werden von einem Soldaten der gegenüberliegenden Kaserne verjagt, dann fahren auch wir weiter.
Dann ein belebtes Wüstenstädtchen namens Zagora. Wir halten an, um Brot zu kaufen, uns labert ein Typ an, ob wir nicht an einer Wüstenexkursion interessiert wären, wir meinen, wir wären eher an Brot interessiert und er führt uns daraufhin, wir ahnen bereits schlimmes, in irgendeinen Hinterhof. Angenehm überrascht, sehen wir dann tatsächlich eine Bäckerei, und zwar eine von der archaischsten Sorte: dunkler verkohlter Raum, Holzfeuer, Bleche mit Teigfladen und etliche Bäcker. Wir koofen Brot so billig wie noch nie und so heiß, dass wir uns alle paar Sekunden mit dem Tragen abwechseln müssen.
Dann schnell weiter, kurzer Stopp am Fake des alten Karawanenschildes "Timbuktu 52 Tage" (siehe Foto ganz oben), und ab jetzt wird die Straße einspurig. Wir heizen mit Tempo 130 (Benzinsparen, eigentlich wäre hier 200 angebracht) auf schnurgeradem Asphalt durch Flugsand, es geht dann einen kleinen Pass hoch, Fotopause.

 
Wüstenfort - Foto MT

Logbuch, Eintrag Michi:
"14:36...."Irgendwie find' ich dit janz lustig" meint der Guntschi gerade....und auf meine Nachfrage "wat'n?": "Naja, 286805 km aufm Tacho und wir schruppen hier durch die Wüste." ...sehr lustige Sache, das.
Aber mal ganz optimistisch gehofft, denke ich, wir kommen mit dem Auto schon wieder zurück, schließlich haben wir heut' auch schon 3 gute Taten vollbracht [siehe oben]."

"14:47....wir sind hier grad igrendwo in der Wüste vor M'hamid und es regnet! Es sind jetzt bestimmt so an die 1000 winzige Tropfen auf unserer Windschutzscheibe."

Wir fahren weiter, müssen teilweise langsam werden, weil die Straße an manchen Stellen von sagen wir 30 cm dicken Sandverwehungen bedeckt ist. Wir kommen in M'hamid an und unser fahrendes Auto wird nur so von komischen Typen umringt, die uns alle zum anhalten überreden wollen, schlimmer als die Geier! Offensichtlich lebt dieses Nest nur von Touristen. Und besonders markant scheint ihnen vorzukommen, dass wir es bis hierher geschafft haben, ohne bereits vorher auf der 200-km-Strecke von Wüstenzeigern abgefangen worden zu sein.

Wieder Logbuch, wieder Michi:

"Wirklich jeder dort lebende Marokkaner wollte uns anhalten und überreden, mit seiner Familie in die Wüste zu fahren, dort in 'nem echten Nomadenzelt zu schlafen und echte Kamele mit Wüste zu fotografieren. 
...das haben wir immer wieder abgelehnt, sind selbst die 100m weiter in die dortige Müll-und Steinwüste gegangen, dann wieder zum Auto zurück, ein bisschen dort rumcruisen und ab auf den Rückweg!
Nicht einen Dirham haben wir in M'hamid gelassen!"

 
Zagora downtown - Foto CGTamegroute downtown - Foto CG

Auf dem Rückweg durch die Wüste hören wir Michis Afrika-Compilation, wo drolligerweise Mike Lehmanns "Reiten bis zum Horizont...", oder wie das heißt, drauf ist, wobei mich vor allem die Dialoge begeistern:

"Hmmmm.............."
"Jepp?.........."
"Najaaa.........."
"Juut!"

und:
"Aiiaiiaiiaiiaii.................janz schön wat loos hier!"
weil sie für unsere momentane Situation außerordentlich zutreffend sind, ebenso wie das nächste Stück:
das Teil von "Spiel mir das Lied vom Tod".

 
Straße nach Mhamid - Foto CGWassertürme in der Wüste - Foto CG
 
hinter Mhamid - Foto CG
 
Rumcruisen in der Hammada - Foto CG

Nun denn, einige Zeit später kommen wir im schon dämmerigen Agdz an und:

Logbuch Micha:
"[...] haben uns dort in dem teuersten Hotel der Stadt (es gab nur zwei: ein sehr schäbiges und ein nicht ganz so schäbiges) einquartiert.
Zum Abendbrot haben wir uns anderthalb Kilo wahrscheinlich viel zu überteuerte Datteln gekauft und Guntschi hat dem Dattelstandbesitzer noch 'nen Brief ins Deutsche übersetzt, woraufhin wir Tee serviert und 'ne Menge Saharaschmuck zu sehen (und abzulehnen) bekamen...."

 
Straße - Foto MTwehender Sand auf der Straße - Foto CGSahara hinter Mhamid - Foto CG