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22. Reisetag 22.09.2002 gefahrene Kilometer: 722 km Total: 8299 km Strecke: Laayoune - Boujdour - Wendekreis - Dakhla Besichtigungen: - Boujdour
- Landschaft![]()
Tagesbewertung:
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So, und heute geht's dann mal so RICHTIG in den Süden. Absurderweise aber nicht durch die Süd- sondern Westsahara.
Wir stehen früh auf und fahren also los. Das Wetter ist verwunderlicherweise trüb, was sich allerdings im Laufe des Tages änderte. Kochend heiß ist es allerdings nie, aber is ja auch schon September.
Auf dem Weg stehen vereinzelt Schilder, wo in dicken BuchstabenLA VITESSE TUE
draufsteht. Ich übersetz das dem nich ganz so kompetenten Micha:
DIE GESCHWINDIGKEIT TÖTET
Wir finden das ziemlich krass und meinen, so 'ne Kampagne würde in Deutschland vielleicht auch ziehen.
Mir wird zwar ein bisschen mulmig, aber insgesamt kann ich mir das Lachen nicht verkneifen, heize mit 'nem Average von 130 die schnurgeraden menschenleeren Wüstenstraßen weiter und frag mich, was der Scherz denn soll.
Irgendwann sehe ich dann rote Schilder, wo was von wegen "Achtung manchmal Sandverwehungen" draufsteht und Fahrzeuge, die ich in Deutschland für Schneeschieber gehalten hätte.
Solangsam versteh ich: wenn hier son typischer Araber nachts mit seinen rudimentären Bremsen langgeheizt kommt, und auf einmal taucht ein Sandberg auf, dann ist es besser, gegen ein Schild zu brettern als in die spiegelglatte baumlose Ebene. Tolle Hilfe!
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Bald (nach ca. 200 km) kommen wir in Boujdour an, einem Wüstenkaff mit ich schätze mal 10000 Einwohnern. Ich will mal spaßenshalber die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes, den Leuchtturm, fotografieren, aber der wird dummerweise von Militärs bewacht, die mir die Erlaubnis nich erteilen wollen, bis ein Chef aus 'ner Baracke kommt und ich dann doch darf. Kaum sind wir wieder beim Auto, werden wir auch schon von einer Kinderhorde bedrängt, die wohl extrem selten Außerboujdourische Typen sehen und daher auch nur zaghaft nach Kulis, Dirhams und Kaugummis fragen. Micha mischt sich sofort in die Horde und fällt alsbald garnichtmehr auf -- siehe Foto.
Die armen Kinder. Immer in diesem Wüstendorf abhängen, nie auf nen Baum geklettert sein und dann nich mal ordentlichen Fernsehempfang haben!
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Hinter Boujdour kommt zwar 300 km keine Stadt mehr, aber die Landschaft mausert sich. Die endlosen Weiten werden jetzt mit flachen plateauartigen Hügeln aufgelockert, die ein bisschen an die Fotos vom Monument Valley erinnern, obwohl es dort bestimmt wesentlich smoother ist. Außerdem finden wir am Straßenrand in Massen versteinerte Muscheln, Seeigel und ähnliches, obwohl das Meer hier etliche km entfernt ist.
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Wir kommen am Abzweig nach Dakhla, der durch einen Militärposten gesichert ist, an, und weil wir mal auf der anderen Seite des Wendekreises sein wollen, fahren wir erst noch ein erhebliches Stückchen weiter Richtung Nouadhibou (schon Mauretanien), passieren noch einen Militärposten. Die Straße wird einspurig und es folgt ein Abzweig zu irgendeinem meilenweil entfernten Dorf im Hinterland.
Dummerweise steht hier nirgends ein Schild, das den Wendekreis anzeigt, wie mann's ja vom Polarkreis in Finnland her kennt. In unserer Karte ist er auch nicht angezeigt, so dass wir im Reiseführer nachschlagen müssen, wo wir aber nur eine Gradzahl finden. Also rechnen wir doof rum und fahren hinter dem berechneten Ort als Toleranz lieber noch 20 km weiter in den Süden, um auch sicherzugehen, dass wir drüben sind. Irgendwann steigen wir aus, machen ein Foto vom Golf, und fahren wieder zurück, und zwar am Kilometerstein "Laayoune 558 km".
Vielleicht kann mir mal einer 'ne E-mail schreiben, wenn er genauer weiß, wo denn dieser Wendekreis verläuft.
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Es folgt eine Erklärung: der Wendekreis is 'ne Linie. Und zwar die, wo die Sonne genau einmal im Jahr direkt 90 Grad drüber steht (im Fach-Släng auch "Zenit" genannt, is übrigens laut Fremdwörtabuch 'n arabisches Wort). Und das is genau an dem Tag der Fall, wo in Deutschland die Tage am längsten sind, weil die Sonne eben im Norden steht und dann wieder südwärts zieht. Deswegen nördlicher Wendekreis.
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Logbuch, Eintrag Michi:
"16:53....So, da hat der Guntschi grad 'n Wendekreis am Wendekreis hingezaubert. Und zwar sieht das dann wohl ungefähr so aus:ROT - nördlicher Wendekreis der Sonne
BLAU - südlicher Wendekreis des GolfsDas war dann auch der südlichste Punkt der Reise und ab jetzt geht es eigentlich wieder in Richtung nach Hause."
Wir fahren wieder nach Norden, und am ersten Militärposten fragt uns der Checker, wieso wir denn schon wieder zurückkämen, wobei ich ihm natürlich nichts erklären kann, weil: woher soll ich wissen, was Wendekreis auf französich oder arabisch heißt, wenn da kein Schild steht!!!
Jedenfalls fragen wir ihn, ob abseits der Straße Minengefahr is, wie sie's auf der Seite vom Auswärtigen Amt behaupten, wil wir mal zur Küste latschen wollten, die so 2 km neben der Straße verläuft.
Er meint, im Norden nicht, südlich von hier schon, und ich freu mich, dass wir am Wendekreis nicht übermäßig viel herumgelatscht sind.
Jedenfalls gehen wir dann etliche Kilometer weiter nördlich vorsichtig und ängstlich zur Küste, weil ich mir unsicher bin, ob ich eher 'nem deutschen Amt oder 'nem marokkanischen Soldaten Glauben schenken soll. Aber wie ihr seht, is nix passiert, und die Küstenlandschaft is super. Zum Beispiel Sanddünen mitten im Meer (s.o.). Die Wüste ist echt plemplem.
Abstruserweise tauchen im absoluten Nichts zwei Unkunden auf, die wohl Strandgut suchen, wobei der eine bestimmt schon seit Ewigkeiten nen aufgepumpten Lkw-Schlauch mit sich rumträgt.
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Logbuch, Michi:
"ca. 23'00....Da sitzen wir also wieder in unseren Hotelbetten in wieder 'nem anderen Hotel und wieder 'ner anderen Stadt (Dhakla, ex. Villa Cisneros) und schreiben oder lesen. Ich für meinen Teil höre jetzt mit Schreiben auf und probier mal, Guntschi das Buch in die Hand zu drücken..."Logbuch, ich selbst:
"Uiuiuiuiui, dit hatter wohl geschafft. Und zwar. Draußen vor der Hoteltür ist ein unscheinbares Zelt aufgebaut, in dem irgendwelche Beklopptskis so megalaute Musik hören, dass sich 'n vernümpftiger Mensch, wie ick es bekanntlich einer bin, frägt, wesrum da nich mal 'ne Sicherung rausfliegt. Bestimmt verwendense in Marokko gar keine!
Heute sind wir ca. 700 km durch die Wüste gefahren und haben den Leuchtturm von Boujdour sowie die Hauptstraße von Dhakla besichtigt. (Toll!!!)
Ansonsten Terror, weil Soldaten dachten, ich hätte deren Baracke (4 strategisch überaus wertvolle Wände mit Eingangsloch und Dach) fotografiert. Ausgiebige Unterhaltung mit denen:"Vous connaissez l'ennemi? ...l'ennemi du Maroc? ...le front polisario!" - es folgt ein bestätigend- beschwichtigendes Kopfnicken meinerseits, da ich um sämtliche Fotos des Tages fürchte....etcpp.
Letztenendes durfte ich den Film in meiner Cäm lassen und bekam dann sogar noch 'nen Tip für eine Übernachtungsmöglichkeit in Dhakla."
Unten das "böse" Foto...die Baracke liegt genau auf der anderen Seite!!!
Ein Lageplan der Situation wird betimmt demnächst hier zu finden sein.
Auf dem Schild steht in etwa: 1430 km bis Dakar (Senegals Hauptstadt), 904 km bis Nouakchott (Mauretaniens Hauptstadt), das andere müssten Nouadhibou, Lagouira und ein Nest in der Umgebung sein.