 
Logbuch, wieder Michi:
"13:34....Hm, was soll ich
sagen? So vor 10 Minuten wurde Guntschi von der marokkanischen Polizei
beim Überholen in 'ner Kurve und mit durchgezogener Mittelbegrenzung
(ebent 'ne Sperrlinie) erwischt.
Wir durften dann aber, nachdem
Guntschi und der Polizist sich gegenseitig in 'nen Smalltalk verwickelt
hatten und Guntschi erklärt hat, dass er Meknes und Fes noch besser
als Essaouira fand, weiterfahren, ohne irgendwas zu löhnen.
14:40....Kilometerstand:
287672 (der is aber egal, weila sowieso falsch is) Aber:
Wir sind jetzt 10000 km
oder auch 10000000 m, auf jeden Fall ein Viertel des Erdumfangs gefahren.
Ja....nicht schlecht Herr Specht"
Nach dem nötigen Fotostopp
fahren wir über El Jadida, das ich schon kenne, erst noch mal nach
Moulay Abdallah (oder wie das hieß) zurück, um dort mal kurz
eine alte Moschee zu sehen, die wohl noch ausm Mittelalter stammt (nich
so spektakulär, aber davon gibts in Marokko grad mal 50, wage ich
als Nichkenner zu behaupten). Dann nach Azemmour, wo wir eine diesmal spaßige
Auseinandersetzung mit dem Parkplatzwächter haben und ooch noch von
der Dorfjugend angelabert werden, um dort auf die Stadtmauer zu klettern.
Alles in allem nicht sehr spektakulär.
Eine Stunde später,
es ist noch hell, kommen wir in Casablanca an, verfahren uns in dieser
Megastadt natürlich prompt und fahren vorsichtshalber erstmal immer
geradeaus, um wieder aus der Stadt rauszukommen, damit wir die Orientierung
wiedergewinnen können. Nun ist es allerdings schon dunkel.
Ein Viertelstündchen
später gelangen wir an die Küste, die immer noch heftig bebaut
ist.
Plan B: anhand einer Lichtintensitätsanalyse
des Nachthimmels schlußfolgern wir, dass das Zentrum dieses Geschwürs
theoretisch im Norden sein muss. Diesmal gelingt uns der Vorstoß
ins Zentrum besser, da wir uns streng an der Küste halten, bis wir
an der riesigen Moschee Hassan II. ankümmen. Da ungefähr is dann
das Zentrum.
Als allererstes latschen
wir erstmal zu diesem Höllengebäude, das auf dem Foto ganz oben
vielleicht noch pittoresk aussieht, aber mit 180m das höchste sakrale
Gebäude der Welt sein soll. Ein Prestigeprojekt ohne Gleichen, das
der vorige marokkanische König Hassan II. so in den 80er-90ern bauen
ließ und dessen Baukosten er anders bestimmt besser hätte verwenden
können.
Daraufhin beginnen wir eine
abenteuerliche Hotelsuche. Der Parkplatz ist schnell gefunden und befindet
sich direkt neben der Internationalen Jugendherberge. Also gleich mal die
Lage auschecken! Aber der Typ von der Rezeption verlangt - ich reibe mir
die Augen - wahnwitzige 90 Dirhämmer (9 €) für 'ne Nacht
in einem Zimmer, dass wir obendrein noch mit anderen teilen müssten!
Und das pro Person! Ich bin heute großzügig und biete dem Typen
45 Dh, er beginnt daraufhin, ärgerlich zu werden, worauf wir vergnatzt
den Saftladen verlassen. Und da denkt man, Jugendherbergen wären billig!
Letzten Endes lassen wir
uns von 'nem dreisten Schlepper, mit dem Micha wegen unrationalen Geldforderungen
am Ende auch noch Ärger hat, zu sämtlichen Hotels der Altstadt
führen, aber die sind alle schon voll. Wir befürchten schon fast,
kriecherisch das unverschämte Angebot der Internationalen Jugendherberge
annehmen zu müssen. Aber wir finden zum Glück noch ein Hotel
(von dem unser Schlepper meine, es wäre dreckig, weil hier zuhauf
Neger wohnen würden - offensichtlich ist hier Ausländerfeindlichkeit
stark verbreitet) zu akzeptablem Preis. Ham dort gut geschlafen, mussten
aber 'ne Kakerlake töten.
Unten noch ein nächtlicher
Blick ausm Hotelfenster. Was ich vergessen habe, zu erwähnen: natürlich
trubelten auch hier wieder, wie in Essaouira, Horden von diversen Parteisympathisanten
singend durch die Gassen, um Unmengen von Wahlwerbezetteln in die Luft
zu feuern. |