Wir
wachen irgendwann auf und kriechen versifft, wie das nun mal so ist, ausm
Schlafsack (Micha hat, wie schon zu erwarten gewesen, seine Hängematte
umsonst aufgespannt...im Zelt isses dann doch bequemer...die Hängematte
wurde während der Reise nie benutzt, aber Hauptsache immer alles mitnehmen...).
Micha baut das Zelt ab, räumt die Relikte des gestrigen Gelages auf,
und als Kontrast stehe ich als alter Morgenmuffel mindestens 15 min im
Schlüppi im Wald rum, bis ich mich dann doch entschließe, mir
widerwillig die Zähne zu putzen.
Der Himmel ist trüb,
meine Laune auch. Wir fahren durch eine langweilige, aber südeuropäisch
anmutende flache Waldlandschaft nach Süden, bis, schwupps, die Pyrenäen
ohne Übergang anfangen. Vorher in Tarbes tanken und irgendwelchen
Krempel kaufen, z.B. 'nen Stift zum Strecke in die Karte malen, ein altes
Hobby von mir.
Das Wetter ist immernoch
wolkig, meine Stimmung down, hier oben es ist sehr kalt und in den Touristenorten
ist überhaupt nichts los, Nachsaison. Wir fahren 16 km Serpentinenstraße
(Auto sprötzelt wie noch nie, Angst) nach La Mongie hoch um mal zu
kieken, ob noch 'nen Hotel offen hat, da es zum Zelten zu kalt ist und
wir seit heute morgen eh verfilzt wie Hupatz sind. Hat aber keins offen,
wir also wieder 16 km Serpentinenstraße zurück ins Tal, Billighotel
(trotz allem 30 Euronen) nehmen, duschen, restlichen Tag fernkieken und
Krempel machen (Reiseführer durchblättern, in der Karte rummalen,
rumchillen).
Logbuch, Eintrag Michi:
" 20:37..... So weit ist
es nun schon... Ich hatte heut eigentlich den ganzen Tag Zeit, um 'n paar
sinnlose Zeilen hier reinzuschreiben, aber ich war viel mehr mit Nichtstun,
französisches Fernsehen gucken und in der Gegend rumfahrn beschäftigt.
Jetzt lieg ich eingepfercht in einem Bett, welches eigenartig gemacht wurde
und schaue schon wieder französisches Fernsehen (zurzeit läuft
so was ähnliches wie die "Schönheitsklinik".
Eintrag mal wieder ich:
" nach 20:37 ......wir sind
jetz hier in 'nem Hotel in St. Marie de Dings, morgen wollten wir eigentlich
im Gebirge rumwandern, aber das Wetter ist reudig und wird das nicht zulassen.
{ Debilerweise ist es eins
meiner beiden derzeitigen Lebensziele, einen bestimmten Punkt in den Pyrenäen
zu erreichen. Wenn das also jetzt nicht klappt, dann muss ich später
nochmal her!
Ich definiere mir daher
ein neues Lebensziel: mir nie wieder bekloppte Ziele zu setzen!}
Anmerkung: Texte in geschweiften
Klammern müssen nicht verstanden werden."
|