14. Reisetag 15.07.2000
gefahrene Kilometer: 249,0 km
Total: 4732,4 km
Strecke: Ankara-Kirikkale-Bogazkale
Besichtigungen:
 - Museum für Anatolische Zivilisationen
 - Cengel Han
 - Arslanhane-Moschee und Türbe
 - Dingsmoschee
 - Atatürk-Mausoleum
 - Ankara insgesamt
Tagesbewertung:
 
Wir stehen frühs auf, wollen ins Archäologische Museum, finden es aber nicht auf Anhieb, weil in meinem Reiseführer nur ein Kinder-Stadtplan enthalten ist, auf dem nicht alle Altstadtgassen eingezeichnet sind. Wir latschen also dorthin, wo wir das Museum vermuten, dummerweise ist es aber nicht dort. Wir setzen uns in ein Café, trinken einen Tee und fragen nach dem Museum. Dort im Café vergesse ich dann auch spontan mal den Reiseführer mit dem nicht gerade hilfreichen Stadtplan, was mich auch nicht weiter gestört hätte, wäre er nicht von der Bibliothek gewesen. Zum Glück kommt ein kleiner Junge hinter uns hergerannt und bringt uns das Teil zurück.
Wir gehen daraufhin zum Museum, das sich direkt gegenüber von der Zitadelle befindet, was aus unserem Plan allerdings nicht klar wird, und besuchen es. Vom Urschleim an bis zu den Osmanen sind von allen Zivilisationen, die in Anatolien mal ansässig waren, Exponate zu sehen. Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei den vorhelennistischen Völkern, den Hethitern, Assyrern, Urartäern, Phrygern u.s.w., von denen etliche Gefäße aus Ton, Schmuck und kleine Statuen von dicken Frauen (Muttergöttinnen) ausgestellt sind. In einem anderen Saal kann man sich große aneinandergereihte hethitische Reliefs ansehen, was mich jedoch weniger interessiert. Das Museum ist kleiner als erwartet, übersichtlich und alles in allem sehr interessant - eine Empfehlung wert.
Nach dem Museumsbesuch laufen wir eine Straße zur Zitadelle hoch, in deren Befestigungsmauern drolligerweise antike römische Säulenreste, Kapitelle u.s.w. mit eingegliedert worden sind. Wir kommen zu einem Markt, an dessen Seite etwas versteckt der Eingang zum verfallenen Cengel-Han zu finden ist. Es ist die erste Karawanserei, die ich sehe. Zwar nicht sehr beeindruckend, aber es sollten auf dieser Reise noch viel bessere folgen.
Slumviertel in Ankara - Foto CGAnkara, Kursunlu-Moschee - Foto CGAnkara, Altstadt - Foto CGAnkara, Atatürk-Mausoleum - Foto CG Wir latschen weiter zur Arslanhane-Moschee, einer alten seldschukischen Holzsäulenmoschee, die aber leider zu ist, und sehen uns eine in einem benachbarten Hinterhof versteckte Türbe an, einen Zentralgrabbau mit spitzem rundem oder polygonalem Dach. In diesen Türben sind normalerweise Särge aufgebahrt, auf denen sich je ein Turban befindet, merkwürdig anzusehen. Na gut. Da die Moschee geschlossen ist, gehen wir zu einem Straßenimbiss, einen Super-Dönerteller essen. Danach latschen wir rüber zum ehemaligen römischen Theater, wo aber nichts erhalten geblieben ist, außer einer vermüllten Hanglage, die in ihrer Form entfernt an ein Theater erinnert. Wir also weiter zu einer anderen Moschee, die aber nicht sehr interessant aussieht. Ihr gegenüber sollte sich eine römische Ruine befinden, wir sehen aber nur einen kleinen Steinhaufen und gehen enttäuscht, einen penetranten Bettler abwimmelnd, zum Auto zurück, das wir in weiser Voraussicht vorm Hotel stehengelassen haben - wegen des notorischen Parkplatzmangels.
Ankara, Atatürk-Mausoleum - Foto CG
Wir fahren durch den etwas turbulenten Stadtverkehr Ankaras zum Atatürk-Mausoleum, einer weitläufigen gigantischen, in einem Park gelegenen Anlage, deren Architektur entfernt an Albert Speer sowie an stalinistische Formen erinnert. Das Mausoleum stammt ja ebenfalls aus dieser Zeit und hat ebenfalls die Aufgabe, den Stolz einer Nation in Formen zu fassen - also ist die Ähnlichkeit kein Wunder. Glücklicherweise überredet mein Franzose mich zu einem Besuch der kostenlosen Atatürk-Ausstellung (mit dem Füller Atatürks, dem Geschirr Atatürks, den Socken Atatürks!!!). Die Ehrfurcht der fast ausschließlich türkischen Besucher spiegelt sich nämlich in einer amüsanten Weise in deren Gesichtern wider. Lustig zu beobachten.
Spaßeshalber gehen wir auch noch in den Atatürk-Laden, wo man Atatürk-Wandbilder, Atatürk-Büsten aus Kristall, Atatürk-Fähnchen und Atatürk-Schneekugeln erstehen kann. Mit Müh und Not kann ich mir das Glucksen noch verkneifen, bis wir unter uns sind, dann aber legen wir mit unseren Witzchen los.
In Deutschland könnte man sich aufgrund der Vergangenheit solche den Staat oder bestimmte Staatsmänner heroisierenden Bauten wohl nicht leisten. Mein Franzose meint, dass solche Verherr- lichungen unter Mitterand und Pompidou existierten - aber in geringerem Maße. Naja!
Ich als alter Revoluzzer spiele mit dem Gedanken, ganz zeitkritisch hier irgendwo den PKK-Kürzel hinzutaggen, aber da meine Reise nicht auf der berüchtigten Gefängnisinsel Imrali enden soll, verkneife ich es mir lieber.
Wir gehen nach der Besichtigung zurück zum Auto, bekommen am Ausgang des Areals noch ein bisschen Wachablösung zu sehen, fahren dann aber aus der Stadt raus, um über Elmadag und Kirikkale nach Hattuscha zu fahren.
Ankara, Atatürk-Mausoleum - Foto CGBergpiste mit LKW - Foto CGZufällig finden wir auch gleich ein Schild, das nach Elmadag führt, doch die so beschilderte Straße erscheint uns merkwürdig schmal. Da sie gelb ausgeschildert ist, muss das wohl eine Umleitung sein, denke ich. Außerdem sind wir ja in Asien! Ich fahre weiter, über ein Kuhdorf, dann einen Berg hoch, immer höher hinaus, die Straße wird immer schmaler und endet vor einem wintersportausnutzenden Hotel, das derzeit geschlossen ist. Wir ärgern uns, nehmen einen anderen Abzweig dieser Straße und kommen vor einer Wetterstation auf einem kahlen Berg an. Wir ärgern uns erneut, nehmen einen weiteren Abzweig dieser Straße und kommen vor einer Armeestation im Gebirge an. Noch verärgerter fahren wir über das Kuhdorf zurück nach Ankara, weil wir denken, wir hätten uns mit dem Schild geirrt. Stimmt aber nicht. Wir waren schon richtig. Wir sehen also noch mal auf die Karte (eine sehr gute Karte- ADAC MaxiAtlasEuropa) und bemerken, dass es neben Elmadag-Stadt, wo wir hinwollen, auch einen Berg Elmadag gibt, wo wir offensichtlich voreilig hingeheizt sind. Und jetzt kommt mir auch wieder in den Sinn, dass gelbe Schilder in der Türkei ja nicht für Umleitungen stehen, sondern für Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele! Typischer Fall von Angeschmiert!
Dank eines ausgeprägten Orientierungssinns finden wir die richtige Straße und kommen bald in Kirikkale an, da ich ziemlich rase. Danach biegen wir Richtung Samsun ab, die Straße wird etwas unebener und schmaler, da aber keine Schlaglöcher existieren, fahre ich weiter 130. Bei dieser wackligen Straße befürchtet man bei Gegenverkehr dann allerdings, vom Weg abzukommen. Trotzdem überhole ich konsequent und teilweise brenzlig. Ich staune daher nicht schlecht, als ich mal vorsichtshalber in den Rückspiegel blicke und einen Reisebus mit einem Berserker von einem Fahrer drin an meiner Heckstoßstange kleben sehe, der mich dann sogar noch überholt. Die Türken sind stets noch einen Zahn psychopathischer, die Wahnsinnigen!
Irgendwann kommen wir dann am Abzweig nach Hattuscha an, die Straße wird abrupt leerer, schlechter, aber sie ist immer noch racebar. Hier sehen wir auch mal wieder ein paar holländische Touris (merkwürdigerweise ohne Wohnwagen!!!) und kommen dann irgendwann in Bogazköy an.
Es handelt sich dabei um ein Dorf, neben dem zufällig Hattuscha, die größte hethitische Ruinenstadt überhaupt, ausgegraben wurde. Mittlerweise steht in Bogazköy keine Kuhscheune mehr, sondern nur noch billige Hotelbuden und Dorfkneipen. Die Kinder spielen nicht mit Büchsen Fußball, sondern sie basteln blöde Kitschsouvenir-Teile, Löwenköpfchen oder kleine Gesichter mit komischen Mützen in hethitisierendem Stil, kommen angerannt, wenn ein fremdes Auto vorbeikommt und bieten diese Dinger an.
Wir suchen uns ersteinmal ein Hotel, essen popliges Abendbrot aus dem Tresen-Schaufenster (ich denke, die dort stehenden Sachen wären nur beispielartige Auslagen, aber nein, was da liegt kommt auf den Teller!), dann gehen wir in den Dorf-Billiardclub hinüber, bekommen erst einen kostenlosen Tee gereicht, sehen den Billiardspielern zu, lachen uns innerlich tot, spielen dann selber aber zehnmal schlechter als geplant und die anderen lachen sich tot. Hähä! Die spielen ja auch jeden Abend hier, was soll man in diesem Dorf denn auch sonst machen?denke ich mir. Dann spielen wir zu viert in Zweier-Teams, je einer von uns und ein Türke pro Team. Da es hier die Regel ist, dass der Verlierer bezahlt, lege ich drei Mark auf den Tisch und wir gehen zurück zum Hotel, treffen dort eine belgische Touri-Familie, die aus Safranbolu kommt und nach Kappadokien weiterwill.
Wir beide wissen noch nicht, dass unsere Reise auch uns dahin führen soll. Wir gehen müde ins Bett.