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| 17. Reisetag |
18.07.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
463,1 km |
| Total: |
5715,3 km |
| Strecke: |
Sivas-Erzincan-Tercan-Erzurum |
| Besichtigungen: |
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| - Medresen in Sivas |
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| - Ulu Camii in Sivas |
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| - Sivas insgesamt |
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| - Landschaft vor Erzincan |
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| - Karawanserei und
Türbe in Tercan |
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| - Landschaft bei Erzurum |
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| Tagesbewertung: |
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Morgens stehen wir gut gelaunt
mit dem Schlachtruf „Go East“ auf. Heute werden wir das Gebiet meines Europa-Atlasses
verlassen und so weit gen Osten fahren, wie wir es noch nie zuvor waren
- bis nach Ostanatolien, nach Erzurum. Diese Stadt klingt schon nach Entlegenheit,
nach erzkonservativem fundamentalistischem Islamismus. Sie hat sich in
unseren Köpfen schon als Sinnbild von Kargheit und Tristesse eingenistet.
Sie liegt zehnmal näher am Iran als von der deutschen Grenze entfernt.
Heute ist der Tag gekommen.
Doch vorher machen wir von
unserem Hotel aus einen Stadtrundgang durch Sivas. Zum Glück ist das
Zentrum ja nicht weit entfernt. Auch Sivas ist ein kleiner Höhepunkt
der Reise, man kann hier prachtvoll verzierte seldschukische Medresen finden,
vier Stück an der Zahl, allesamt mit Stalaktitenportal, dennoch grundverschieden
anzusehen aufgrund der verschiedenen Baumaterialien. Eine Medrese wird
von zwei Backsteintürmen flankiert, eine andere besteht aus normalen
grauen Steinen, die dritte ist teilweise an den Wänden türkis
gefliest, die vierte besitzt ein prächtiges Marmorportal.
Abgesehen von den Medresen
gibt es noch ein paar Hans und Moscheen zu sehen, von denen die Ulu Cami,
eine Säulenmoschee mit schiefem Backsteinminarett und die Yeni Camii,
eine größere Moschee, unter der kurioserweise eine Ladenstraße
hindurchführt und die aus den 60er Jahren stammt, hervorzuheben sind,
aber Moscheen dieser Art kann man auch woanders finden.
  
Auf schwer nachzuvollziehbaren Wegen finden wirzu unserem Auto zurück.
Dann fahren wir ostwärts,
durchs anatolische Hochland hinein ins Pontusgebirge. Wir kommen an hohen
Bergen vorbei, fahren durch vegetationslose Täler, die einerseits
endlos und monoton erscheinen, aber andererseits wechselt die Landschaft
dennoch ständig, so dass die Fahrt schnell vergeht. Kurz vor Erzincan
befindet sich der landschaftlich spektakulärste Abschnitt, der alles
Bisherige übertrifft.
Flugs sind wir auch schon
100 km von Erzurum. So furchtbar lang und abenteuerlich, wie wir es vermutet
haben, ist eine Fahrt hier im Osten nicht, und außerdem wurden wir
noch nicht mal Zeuge eines kurdischen Anschlags oder ähnlichem. Schade
eigentlich!
In Tercan, das sich nicht
mehr im Einzugsgebiet meines Reiseführers befindet, folgen wir spontan
einem Schild, das uns zu einem frisch restaurierten großen Han und
einer reliefverzierten Türbe führt. Nicht schlecht und dazu noch
unerwartet, diese Sehenswürdigkeit!
Auf
unserer Weiterfahrt begegnet uns dann aber der Osten: beispeilsweise in
Form eines ausgebrannten Reisebusses im Straßengraben, oder in Form
von Armeecamps, die sich offen zur Schau gestellt am Straßenrand
befinden, in denen die Panzer demonstrativ (und provokativ?) sehr gut sichtbar
geparkt sind. Die Barackenfenster sind vorsorglich mit Sandsäcken
verbarrikadiert. Ich gehe davon aus, dass das Militär hier gegen mögliche
Anschläge gewappnet ist und nicht gerade zimperlich mit mir umgehen
würde, hätte ich eine PKK-Fahne aus dem Auto zu hängen.
Und so ist es auch kein
Wunder, dass uns im Osten nicht die Polizei, sondern die Army unterwegs
anhält, um nach den Ausweisen zu fragen (nicht etwa nach Fahrzeugpapieren
oder dem Führerschein).
So langsam beginnt die Landschaft
sich merklich zu ändern. Das Hochgebirge verschwindet, und wir finden
uns auf einer menschenleeren, gottverlassenen und weiten, kärglich
mit Gras bewachsenen Hochebene wieder, am Horizont und an den Seiten sieht
man weit entfernt noch die Silhouetten der Bergketten. Die Landschaft ist
regelrecht trist. Würde man sich die in dieser Leere besonders auffälligen
Strommasten wegdenken, käme man sich vor wie in der mongolischen Steppe.
Die Einöde pur! Als dann auch noch erstmals auf dieser Reise eine
riesige dunkle Wolkenfront aus dem Nichts aufzieht, als es anfängt,
wie aus Eimern zu gießen, als es gewittert, ist die Trostlosigkeit
perfekt. Überwältigend!

Nachmittags kommen wir im verregneten Erzurum an, wo es laut Statistik
kaum mehr als einmal pro Jahr regnen soll. Nach einer üblen Parkplatzsuche
(es gibt hier unerwartet viele Autos, der Lebensstandard erscheint gar
nicht mal so tief wie vermutet, es gibt hier auch etliche Restaurants und
teure Hotels) finden wir ein einigermaßen vernünftiges Hotel.
Es ist verhältnismäßig teuer, aber mit Farbfernseher, Dusche
und Klo für jedes Zimmer ausgestattet, und alles ist neu gefliest.
Super. Ich, der seit gestern ein wenig rumkränkelt, bin leicht vergnatzt
und müde, aber wir gehen dennoch noch mal in einem mopligen Resto
essen. Danach schleife ich mich mit le Franzmann zurück ins Hotel,
wir ziehen uns noch das Programm des lokalen TV-Amateursenders Dogu-TV
rein und lachen uns ob der trashigen Aufnahmen komplett tot. Dieser Sender
strahlt sowohl völlig kaputte Werbung als auch kranke Nachrichten
mit spaßig-hallender Akustik und durchgehend unscharfen verwackelten
Bildern aus. Wir schalten, als wir bemerken, dass sich das Psycho-Programm
ständig wiederholt, um, das nächste Programm wirkt etwas professioneller,
aber es läuft gerade eine Folk-Pop-TV-Sendung, die ebenfalls eine
Dauerkontraktion meines Zwerchfells hervorruft. Drolligerweise ist zusätzlich
dazu in sämtlichen Nachrichten aller Kanäle ständig ein
türkischer Politiker zu sehen, der uns mit seinem komischen Schnurrbart
im noch komischeren Gesicht völlig aus der Fassung bringt.
Ich kann nicht einschlafen,
weil meine Nase verstopft ist, und mein Franzose kann aufgrund der daraus
resultierenden Schnaubgeräusche auch kein Auge zubekommen. So schlagen
wir uns verärgert die Nacht um die Ohren. |
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