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| 2. Reisetag |
03.07.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
548,1 |
| Total: |
1657,8 |
| Strecke: |
Mako-Arad-Timisoara-Vidin-Belogradschik |
| Tagesbewertung |
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Morgens um halb acht werden
wir von einem rasselnden, knatternden Geräusch geweckt, das sich dann
als Traktorengeräusch entpuppt, denn direkt gegenüber mäht
ein ziemlich ramponiert aussehender Trecker ein von Unkraut und Gestrüpp
völlig zugewuchertes Stück Land.
Nach einer Dusche fahren
wir dann los. Wir kommen an der rumänisch-ungarischen Grenze an, kaufen
für 50 Mark pro Person jeweils ein Visum und tauschen Geld. Bei der
üblichen Passkontrolle werden selbstverständlich auch die Autopapiere
verlangt, ich gebe sie dem Grenzer und er stutzt. Im Fahrzeugschein steht
ein anderer Name als in meinem Pass. Verständlich, der Wagen gehört
ja auch meinem Vater. Der Beamte schüttelt langsam den Kopf und sagt
in merkwürdig gutem Deutsch: "Vollmacht!". Wohlweislich habe ich meinen
Vater vor der Abfahrt eine selbstformulierte Vollmacht unterschreiben lassen.
Ich ziehe sie triumphierend hervor. Der Beamte sieht sich den Zettel an,
grinst, schüttelt den Kopf, meint:"nich Notar! muss Notar-Stempel!"
und zeigt in die Richtung, wo er Deutschland vermutet. Ich werde bleich,
sehe die Reise wegen meiner Amateurvollmacht bereits gescheitert und erkläre
ihm mit unfreiwillig weinerlicher Stimme, dass der Wagen doch, wie aus
den Nachnamen ersichtlich, meinem Vater gehört. Nach mehrmaligem Kopfschütteln
macht der Mann eine versöhnliche Geste und meint: "ach! 20 Mark! 20
Mark!". Ich verstehe, grinse, gehe zum Auto und hole das Geld. Ich frage
ihn noch, ob ich denn nach Bulgarien einreisen kann, so ganz ohne Vollmacht,
und er meint: "Bulgarien nich Promlem, kein Problem", und winkt mich durch.
Mit Bakschisch klappt eben alles. Irgendwie fühle ich mit trotzdem
ausgenommen, da ich nicht weiss, ob man für die Einreise nach Rumänien
überhaupt eine Vollmacht braucht. Die Frage ist jetzt, ob ich für
die Ausreise wieder eine Vollmacht brauche, ansonsten sitze ich fest.
Die nächste Eventuell-Verarsche
folgt sogleich, da wir aufgrund des hohen Dieselpreises in Ungarn doch
nicht getankt haben und daher kaum noch Sprit besitzen. Also fahren wir
sofort rein in die erstbeste rumänische Tanke. Der Sprit ist dort
extrem billig. Wir fangen an zu tanken, bzw. der Tankwart tut es (in Rumänien,
Ungarn und der Türkei haben wir nur Tankstellen erlebt, in denen der
Tankwart die Säule bediente - vielleicht wegen Spritklau oder so...).
Nun denn, er fängt an zu zapfen, und nach einer halben Minute geht
der Strom aus. Ob das nun ein Stromausfall ist oder eine Touristenfalle,
lässt sich nicht beurteilen, aber die Anzeige der Zapfsäule geht
aus und niemand scheint genau zu wissen, wie viel wir bereits getankt haben.
Wir warten also 20 Minuten, lassen uns von Kitschobjektverkäufern,
deren arme Familie in Moldawien geblieben ist und angeblich sehnsüchtig
auf Geld wartet, vollschwatzen, kaufen aber nichts.
Dann wird es uns zu bunt.
Da ich weiss, dass wir mindestens 16 Liter getankt haben, und der Tankwart
weiss, dass es noch nicht mehr als zwanzig waren, bezahlen wir also 20
Liter und fahren dann sauer und angeschmiert los. Seit dem Zeitpunkt tanken
wir nur noch in Notfällen bei No-Name-Tankstellen. Letztenendes kommen
wir dennoch billiger weg als der Sprit in Deutschland gekostet hätte.
Da wir genug rumänisches
Geld haben und da ich weiss, dass zu schnell Fahren hier nicht viel kosten
kann, fahre ich schnell und komme nach 5 ¾ Stunden Fahrt ohne Unterbrechung
in Calafat an der Donau an. Die Grenzkontrolle rumänischerseits verläuft
ohne Probleme, man muss nur wieder zahlen...für die Fähre, welche
übrigens auch gleich kommt. Wir passen allerdings nicht mehr rauf.
Nach 1 ½ Stunden
kommt sie dann wieder und diesmal passen wir noch rauf. Allerdings sind
die Zustände dort katastrophal. Der Neigungswinkel der betonierten
Uferböschung ist sehr steil, so dass das Heck mancher Sattelschlepper
von lauten Geräuschen begleitet am Boden schleift.
Auf der bulgarischen Donauseite
dann eine lange Wartezeit (etwa nochmal 1 ½ Stunden). Ein Scherzkeks
von einem Zollbeamten kommt vorbei und meint, er würde Cannabis rauchen.
Wahrscheinlich will er damit eine Antwort a la „Ich auch. Ich hab übrigens
was unter den Sitzen versteckt.“ provozieren. Aber nicht mit mir!
Allerdings muss ich bei der Kofferraumkontrolle erstmal erklären,
dass es sich bei meinem Fotostativ nicht um ein Zubehör einer Waffe
handelt! Da ich aufgrund meiner Vorfahren ein bisschen bulgarisch kann,
werde ich natürlich gleich ausgefragt, wo ich denn in Deutschland
wohnen würde, wo ich denn hinfahren will, wo meine bulgarischen Großeltern
denn wohnen und so weiter... diese kurzen Frage-Antwort-Spiele sollten
mich noch einige Tage lang begleiten, bis ich in die Türkei einreise...
Und natürlich gibt
es etliche aufdringliche Zigarettenverkäufer, die meinen, dass wir
ohne Zigaretten nicht durch die Polizeikontrollen kommen würden, aber
ich lasse mich nicht beeindrucken. Nach der üblichen Desinfektion
des Wagens (die Bulgaren meinen, in Rumänien gibt es Epidemien, die
Rumänen sind umgekehrter Ansicht... auf dem Balkan hasst eben jeder
jeden), einer Fahrt durch ein Wasserbad mit angeblichen Chemikalien drin,
sind wir dann endlich drin, im geliebten Bulgarien.
Die Straßen sind auffallend
leer, da das Benzin für viele zu teuer geworden ist.
Mein Franzose meint, dass
laut Reiseführer dort irgendwo ein Campingplatz sein soll, aber wir
finden etwas tiefer im Wald abseits der Straße bei einem Ort namens
Rabischa nur noch ein paar Relikte von ehemaligen Klohäusern. Wir
haben den Campingplatz also gefunden...aber er existiert nicht mehr. Da
mein Franzose nicht wild campen will, weil er Angst vor Überfällen
hat (Ausländer sind ja hier die beste Einnahmequelle), fahren wir
weiter nach Belogradschik, einem Ort etwas fernab
von der Transitstraße im Gebirge versteckt. Dort finden wir nach
einigem suchen ein sauberes neues Hotel für 40 DM für beide,
was wir dann auch nehmen. Es ist aber zu heiß zum gut schlafen. |
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