| |
| 20. Reisetag |
21.07.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
359,7 km |
| Total: |
6850,2 km |
| Strecke: |
Yusufeli-Ispir-Beypazari-Meryemana |
| Besichtigungen: keine |
|
| Tagesbewertung: |
 |
Am nächsten Morgen
geht es mir merkwürdigerweise wieder gut, obwohl ich nicht geschlafen
habe, und auch dem Franzosen geht es besser. Wir stehen irgendwann auf,
gehen in ein schäbiges Hinterhof- restaurant, in dem es merkwürdig
schimmlig schmeckende Sachen gibt. Als wir das beanstanden und unser Geld
zurückverlangen, verzieht der Wirt sein Gesicht noch nicht mal, im
Gegenteil, er wirkt regelrecht gelangweilt. Statt dessen beginnt er zu
handeln: nein, die Bouletten wären nicht schimmlig, höchstens
der Salat... schon spaßig, dieses Völkchen.
Nun denn. Nicht sehr satt
geworden, fahren wir weiter Richtung Ispir, es geht eine schmale Straße
lang, auf der man selten 50 km/h fahren kann, da man aufgrund der Wegbiegungen
den Gegenverkehr nicht rechtzeitig sehen würde. Außerdem finden
wir wieder eine der armenischen Kirchen, die hier irgendwo stehen müsste,
nicht, und dementsprechend gedämpft ist meine Stimmung. Endlich kommen
wir irgendwann in Ispir an und fahren von dort aus weiter Richtung Bayburt.
Anfangs ist diese Straße gut, dann aber müssen wir von der guten
Straße abzweigen und eine kleine Straße langfahren, die zu
einer Schotterpiste wird.
Wir fahren durch ein menschenleeres
langes Flusstal, die Landschaft und die Berge sind grau und steinig, die
pure Einöde.
Die Schotterpiste ist kurvig
und es macht irgendwie Spaß, hier rallyemäßig langzuheizen.
Hinter einer Kurve liegt plötzlich ein mittelgroßer Stein auf
der Straße. Ich kann ihm gerade noch so ausweichen, dass er nicht
die Räder trifft, damit kein Reifen platzt. Daher fahre ich mitten
rüber in der Hoffnung, dass er flach genug ist. Trotzdem knallt es
laut und ich halte an, um zu sehen, was los ist. Ich bücke mich und
sehe einen dünnen Dieselstrahl unten rausspritzen. So ein Müll!
Der Kraftstoffschlauch ist offensichtlich angerissen. Panisch hole ich
ein Handtuch, um das Loch zuzuhalten und mir eine kurze Denkpause zu verschaffen.
Ausgerechnet hier, ewig weit von der nächsten Siedlung entfernt, eine
Panne! Hier, wo wir keinen Handyempfang haben und alle Stunde mal ein Eselwagen
vorbeikommt. Son Kack! Ich hole ein Fläschchen, um den ausfließenden
Kraftstoff aufzufangen, während los Franzmanos die Ritze zuhält.
Dann hole ich aus dem extra neu gekauften Erste-Hilfe-Kasten ein Klebeband,
welches ich meinem Kumpel runtergebe, damit er es um den Schlauch rumwickelt.
Das Resultat ist verblüffend. Es tropft jetzt nicht mal mehr. Glücklicherweise
ist der Tank noch recht voll, weil wir erst in Yusufeli getankt haben.
Ich fahre recht schnell
weiter bis Beypazari City, wo wir eine Werkstadt suchen wollen. Ich bezweifle,
dass es hier vernünftige Werkstätten mit vorrätigen VW-Ersatzkraftstoffschläuchen
gibt. Nach etwa 15 min. verzweifeltem Rumfragen finden wir eine Werkstatt.
Höchste Zeit, denn das Loch tropft schon wieder, weil das Klebeband
durchnässt ist. Nun aber der Hammer: Ein Mechaniker kriecht unters
Auto, das noch auf der Straße steht, holt ein kleines Schlauchstückchen,
klemmt, klammert und schnippelt dort fünf Minuten rum, und das Auto
ist fertig. Die ganze, recht primitiv aussehende Reparatur sollte noch
Monate halten, und das alles kostete uns knapp 15 Mark! Babarstig! Hä!
Recht skeptisch schauen
wir uns das Wunder an, die provisorisch wirkende Neuverschlauchung aber
scheint zu halten. Nun gut, die Kraftstoffanzeige am Tacho ständig
misstrauisch beäugend, fahren wir also auf einer großen Straße
weiter Richtung Trabzon, von unbefestigten Rallye-Tracks haben wir itzo
erstmal genug.
Die Landschaft hat sich
jetzt dahingehend verändert, dass die Erde jetzt goldbraun in der
tiefstehenden Nachmittagssonne glänzt und häufig von grünen
Sträuchern bedeckt ist. Wir fahren dem Pass entgegen, der übers
Pontusgebirge führt, und als wir dort oben ankommen und den Abstieg
zur Schwarzmeerküste beginnen, tauchen wir in eine in dieser Region
auch im Hochsommer nicht ungewöhnliche dichte Wolkendecke ein. Dementsprechend
ist die Vegetation an den Pontus-Nordhängen auch sehr üppig,
hier soll sogar Tee angebaut werden. Mit dem Abstieg nach Trabzon kehren
wir wieder in die Zivilisation zurück. Das hat den Vorteil, dass man
weiteren eventuell noch auftretenden Pannen gelassener entgegentreten kann.
Andererseits sollten sämtliche Preise, beispielsweise die Hotelpreise
sprunghaft ansteigen, wie sich bald herausstellen sollte.
Wir biegen kurz hinter dem
Pass in ein Gebirgs-Seitental ein und bemerken, dass die Gegend hier recht
touristisch ist, da wir uns einerseits in einer zum Wandern gut geeigneten
Gebirgslandschaft befinden, in der auch ein berühmtes Kloster zu finden
ist, das Sumela-Kloster, andererseits mangelt es hier weder an Ausflüglern,
noch an Touristen, da wir uns sowohl bei einer reicheren Großstadt,
als auch bei der unter den einheimischen Touris begehrten Schwarzmeerküste
befinden. Diese ist nämlich billiger als die am Mittelmeer.
Die billigste in der Schnelle
aufzufindende Pension kostet uns 15 DM pro Kopf, allerdings ist das Frühstück
inklusive. Nehmen wir natürlich. Ein paar Minuten später kann
man zwei komische Personen beobachten, die in ihren nach Diesel stinkenden
Klamotten und mit noch aus deutschen Beständen stammenden Büchsensuppen
auf ihr ordentlich eingerichtetes Zimmer hochschleichen.
Meine Büchse ist merkwürdigerweise
noch genießbar, obwohl sie seit mittlerweile drei Wochen im Auto
vor sich hinbrütet. Mein Franzose verzichtet verständlicherweise
aufgrund seines chronich-penetranten Durchfalls auf die dubiose Speise.
Ich nehme eine eiskalte Dusche, weil ich mich nicht traue, an der Propangasflasche
rumzuhantieren, die den Boiler speist. Mein Kumpel lacht mich anfangs aus,
muss aber später kleinlaut gestehen, er könne den Boiler auch
nicht aktivieren, so dass er lieber komplett verzichtet. Das dieselgetränkte
Handtuch versuche ich zu waschen, mit dem Resultat, dass sich am Zustand
und Geruch des Handtuchs selbst nichts geändert hat, aber dass das
Etagenklo samt Flur jetzt auch noch nach Diesel stinkt. Letzten Endes hängen
wir den Übeltäter auf den Balkon und schließen die Tür,
um nicht vorzeitig auf dumme Weise umzukommen. Nacht auch! |
|