24. Reisetag 25.07.2000
gefahrene Kilometer: 157,3 km
Gesamt: 8477,6 km
Strecke: Avanos-Hacibektas-Gülsehir-Sari Han-Zelve-Avanos
Besichtigungen:
 - Derwisch-Kloster in Hacibektas
 - Moscheekomplex in Gülsehir
 - Felskirche bei Gülsehir
 - Acik Saray
 - Sari Han bei Avanos
 - Freilichtmuseum Zelve
Tagesbewertung:
 
Nach dem etwas spärlichen Frühstück in einer eigentlich sehr bequemen, folkloristisch eingerichteten Sitzecke (ohne Stühle, man sitzt im Schneidersitz auf einer Decke vor einer etwa 20 cm höher gelegenen großen Tischplatte) fahren wir nach Hacibektas, um das dortige Derwischkloster zu besichtigen. Wer noch keine Türbe von innen gesehen hat, für den mag es noch recht interessant sein, aber da wir so was schon kennen und da ansonsten nur irgendwelche alten Reliquien des Gründers von diesem Orden ausgestellt sind, ist es allerhöchstens für die hier mehrheitlich anzutreffenden Pilger von Bedeutung. Zumindest architektonisch betrachtet ist das Kloster uninteressant, und malerisch ist es auch nicht.
Hacibektaskloster, Friedhof - Foto CGHacibektaskloster, Türbe - Foto CGHacibektaskloster, Moschee - Foto CG Wir haben am Vortag, auf der Anfahrt von Ankara, in der Nähe dieses Ortes von weitem ein interessant aussehendes Gebäude in den Hügeln stehen gesehen, und wir fahren jetzt hin. Es scheint sich um eine Art Ausflugsziel der Ortsansässigen zu handeln. Ohne Näheres in Erfahrung bringen zu können, fahren wir zurück nach Gülsehir, wo wir eine Moschee, in der wir einen Türken treffen, der mal in Deutschland gearbeitet hat, und eine benachbarte Medrese oder so besichtigen, in der sich jetzt anscheinend die Ortsbibliothek befindet. Die Bibliothekarin lässt uns durch die unspektakulären Räume gehen und wundert sich wahrscheinlich, dass man sich dafür interessieren kann. Dann lässt sie uns im schattigen Bibliotheksgarten ein paar Apriköschen pflücken, aber wir komplimentieren uns dezent selber raus.
Gülsehir, Moschee - Foto CGTaubenschlag bei Gülsehir - Foto CGGülsehir - Foto CGGülsehir - Foto CG Von dort aus fahren wir zur ersten kappadokischen Felsenkirche, die wir besichtigen. Sie heißt „Karsi-Kilise“ und ist auf dem Weg Richtung Nevsehir ausgeschildert. Dummerweise ist sie abgeschlossen, und der Türschließer hat offensichtlich Mittagspause. Also treiben wir uns in der merkwürdig anzusehenden Landschaft von vom Regen geformten Tuffsteinfelskegeln etwa eine halbe Stunde lang rum. Mein immer noch durchfallgeplagter Franzose kackt sich durchs Gelände und ich entdecke einen alten, gut erhaltenen Taubenschlag, einen in den Fels gehöhlten Raum mit etlichen Nischen in den Wänden, für jede Taube eine! Die wurden damals zur Düngergewinnung gehalten.
Endlich ist der Türschließer wieder da, und wir staunen nicht schlecht, als er uns den Besichtigungspreis nennt. Die Kirche wurde offensichtlich gerade von der Unesco restauriert man will die Kosten dafür wieder reinkriegen. Nun denn, wir bezahlen.
Karsi-Kirche, Fresken - Foto JLRich in einem Felsloch - Foto JLRAciksaray - Foto CGAciksaray - Foto CG Die in diesem Gebiet aufzufindenden Kirchen sind größtenteils, so wie diese, in den Fels gemeißelte primitiv wirkende Räume, teils mit Apsis, Säulen, Seitenschiffen u.s.w., die Räumlichkeiten sind also oft so wie in normalen Kirchen aufgeteilt. Die Kirchen sind meistens klein und über und über mit Fresken bemalt.
Die Karsi-Kilise hat zwei Stockwerke, einiges, u.a. auch die Verbindungstreppe, ist weggebrochen, daher gelangt man über eine neue Metalltreppe nach oben, wo sich schöne Fresken befinden. Wir ignorieren das Fotografierverbot und hoffen, dass der Türschließer in sein Häuschen zurückgegangen ist und die Fotografiergeräusche nicht hört. Später entwickeln wir unsere Vorgehensweise dahingehend weiter, dass wir laut husten, um die Fotogeräusche zu übertönen.
Nach dieser Besichtigung fahren wir weiter zum Acik Saray, dem „Offenen Palast“, einem Tuffsteinfelskegelgelände, in welches ebenfalls Kirchen und sonstige Räumlichkeiten hineingemeißelt wurden, allerdings gibt es kaum Fresken zu sehen. Wir müssen nichts bezahlen und weisen einen um unsere Gunst und Aufträge bemühten Führer zurück, um uns alleine durch die mannshohen Schachtelhalmgewächse zu holzen, die zwischen den Felswänden herumstehen. Höchstwahrscheinlich sehen wir nicht alles Interessante in diesem sehr weitläufigen Gelände, da uns eine Karte fehlt, außerdem könnte man in den engen Felstunnels eine Taschenlampe gut gebrauchen. Haben wir aber nicht! Trotzdem ist es recht interessant, da ein paar der Felseingänge schöne Reliefs aufweisen.
Sari Han - Foto CGZelve, Felshöhlen - Foto CG Wir fahren über Avanos zum Sari Han, den wir aufgrund gegensätzlicher Angaben in unseren Reiseführern nicht auf Anhieb finden (er ist von Avanos aus gesehen auf der anderen Seite des Flusses). Die Karawanserei ist zwar nicht eine der Größten, aber sie ist frisch restauriert, ganz aus gelbem Sandstein errichtet, weist ein schönes Portal  und einen sehr hübschen Brunnen auf. Man kann über eine Treppe auf das Dach des richtig orientalisch anmutenden Bauwerks gelangen. Super!
Danach geht es weiter ins ehemalige Felshöhlendorf Zelve. Obwohl es hier bloß eine wirklich interessante Kirche gibt, die Vaftizli Kilise im mittleren Dorftal an der linken Seite, (die anderen sind nicht mehr als Kirchen auszumachen), ist die gesamte Anlage recht interessant, und wenn man keine teure Kamera dabeihätte, könnte man sich super in den engen, teilweise sehr steilen und gefährlichen Gängen austoben. Manche Gänge gehen fast senkrecht nach oben, und es sind bloß klinzekleine Nischen für die Füße in die glatten Wände eingearbeitet, so dass man höllisch auf seine Bewegungen aufpassen muss. In einem Gang ist es stockdunkel, und ich falle plötzlich in ein Loch, das mindestens 1m50 tief ist, so dass ich nur noch mit dem Kopf rausgucke, und ich habe das Gefühl, dass es vor mir noch sehr viel tiefer runtergeht - vielleicht handelt es sich sogar um einen Brunnen. Langsam und leicht zittrig klettere ich aus dem Loch raus, sage stark beeindruckt und ebenso stark erleichtert darüber, dass nichts passiert ist, „ups“ und grinse leicht verdutzt meinen Kumpel an. Die Hose ist natürlich dreckig.

Sari Han - Foto CGZelve, Vaftizli-Kirche - Foto CGNach dem Besuch dieses Höhlendorfes fahren wir, die Touristenbusse hinter uns lassend, zurück zu unserer Pension.