Nach dem etwas spärlichen
Frühstück in einer eigentlich sehr bequemen, folkloristisch eingerichteten
Sitzecke (ohne Stühle, man sitzt im Schneidersitz auf einer Decke
vor einer etwa 20 cm höher gelegenen großen Tischplatte) fahren wir nach Hacibektas, um das dortige Derwischkloster zu besichtigen.
Wer noch keine Türbe von innen gesehen hat, für den mag es noch
recht interessant sein, aber da wir so was schon kennen und da ansonsten
nur irgendwelche alten Reliquien des Gründers von diesem Orden ausgestellt
sind, ist es allerhöchstens für die hier mehrheitlich anzutreffenden
Pilger von Bedeutung. Zumindest architektonisch betrachtet ist das Kloster
uninteressant, und malerisch ist es auch nicht.
 
Wir haben am Vortag, auf der Anfahrt von Ankara, in der Nähe dieses
Ortes von weitem ein interessant aussehendes Gebäude in den Hügeln
stehen gesehen, und wir fahren jetzt hin. Es scheint sich um eine Art Ausflugsziel
der Ortsansässigen zu handeln. Ohne Näheres in Erfahrung bringen
zu können, fahren wir zurück nach Gülsehir, wo wir eine
Moschee, in der wir einen Türken treffen, der mal in Deutschland gearbeitet
hat, und eine benachbarte Medrese oder so besichtigen, in der sich jetzt
anscheinend die Ortsbibliothek befindet. Die Bibliothekarin lässt
uns durch die unspektakulären Räume gehen und wundert sich wahrscheinlich,
dass man sich dafür interessieren kann. Dann lässt sie uns im
schattigen Bibliotheksgarten ein paar Apriköschen pflücken, aber
wir komplimentieren uns dezent selber raus.
  
Von dort aus fahren wir zur ersten kappadokischen Felsenkirche, die wir
besichtigen. Sie heißt „Karsi-Kilise“ und ist auf dem Weg Richtung
Nevsehir ausgeschildert. Dummerweise ist sie abgeschlossen, und der Türschließer
hat offensichtlich Mittagspause. Also treiben wir uns in der merkwürdig
anzusehenden Landschaft von vom Regen geformten Tuffsteinfelskegeln etwa
eine halbe Stunde lang rum. Mein immer noch durchfallgeplagter Franzose
kackt sich durchs Gelände und ich entdecke einen alten, gut erhaltenen
Taubenschlag, einen in den Fels gehöhlten Raum mit etlichen Nischen
in den Wänden, für jede Taube eine! Die wurden damals zur Düngergewinnung
gehalten.
Endlich ist der Türschließer
wieder da, und wir staunen nicht schlecht, als er uns den Besichtigungspreis
nennt. Die Kirche wurde offensichtlich gerade von der Unesco restauriert
man will die Kosten dafür wieder reinkriegen. Nun denn, wir bezahlen.
  
Die in diesem Gebiet aufzufindenden Kirchen sind größtenteils,
so wie diese, in den Fels gemeißelte primitiv wirkende Räume,
teils mit Apsis, Säulen, Seitenschiffen u.s.w., die Räumlichkeiten
sind also oft so wie in normalen Kirchen aufgeteilt. Die Kirchen sind meistens
klein und über und über mit Fresken bemalt.
Die Karsi-Kilise hat zwei
Stockwerke, einiges, u.a. auch die Verbindungstreppe, ist weggebrochen,
daher gelangt man über eine neue Metalltreppe nach oben, wo sich schöne
Fresken befinden. Wir ignorieren das Fotografierverbot und hoffen, dass
der Türschließer in sein Häuschen zurückgegangen ist
und die Fotografiergeräusche nicht hört. Später entwickeln
wir unsere Vorgehensweise dahingehend weiter, dass wir laut husten, um
die Fotogeräusche zu übertönen.
Nach dieser Besichtigung
fahren wir weiter zum Acik Saray, dem „Offenen Palast“, einem Tuffsteinfelskegelgelände,
in welches ebenfalls Kirchen und sonstige Räumlichkeiten hineingemeißelt
wurden, allerdings gibt es kaum Fresken zu sehen. Wir müssen nichts
bezahlen und weisen einen um unsere Gunst und Aufträge bemühten
Führer zurück, um uns alleine durch die mannshohen Schachtelhalmgewächse
zu holzen, die zwischen den Felswänden herumstehen. Höchstwahrscheinlich
sehen wir nicht alles Interessante in diesem sehr weitläufigen Gelände,
da uns eine Karte fehlt, außerdem könnte man in den engen Felstunnels
eine Taschenlampe gut gebrauchen. Haben wir aber nicht! Trotzdem ist es
recht interessant, da ein paar der Felseingänge schöne Reliefs
aufweisen.

Wir fahren über Avanos zum Sari Han, den wir aufgrund gegensätzlicher
Angaben in unseren Reiseführern nicht auf Anhieb finden (er ist von
Avanos aus gesehen auf der anderen Seite des Flusses). Die Karawanserei
ist zwar nicht eine der Größten, aber sie ist frisch restauriert,
ganz aus gelbem Sandstein errichtet, weist ein schönes Portal
und einen sehr hübschen Brunnen auf. Man kann über eine Treppe
auf das Dach des richtig orientalisch anmutenden Bauwerks gelangen. Super!
Danach geht es weiter ins
ehemalige Felshöhlendorf Zelve. Obwohl es hier bloß eine wirklich
interessante Kirche gibt, die Vaftizli Kilise im mittleren Dorftal an der
linken Seite, (die anderen sind nicht mehr als Kirchen auszumachen), ist
die gesamte Anlage recht interessant, und wenn man keine teure Kamera dabeihätte,
könnte man sich super in den engen, teilweise sehr steilen und gefährlichen
Gängen austoben. Manche Gänge gehen fast senkrecht nach oben,
und es sind bloß klinzekleine Nischen für die Füße
in die glatten Wände eingearbeitet, so dass man höllisch auf
seine Bewegungen aufpassen muss. In einem Gang ist es stockdunkel, und
ich falle plötzlich in ein Loch, das mindestens 1m50 tief ist, so
dass ich nur noch mit dem Kopf rausgucke, und ich habe das Gefühl,
dass es vor mir noch sehr viel tiefer runtergeht - vielleicht handelt es
sich sogar um einen Brunnen. Langsam und leicht zittrig klettere ich aus
dem Loch raus, sage stark beeindruckt und ebenso stark erleichtert darüber,
dass nichts passiert ist, „ups“ und grinse leicht verdutzt meinen Kumpel
an. Die Hose ist natürlich dreckig.
 Nach
dem Besuch dieses Höhlendorfes fahren wir, die Touristenbusse hinter
uns lassend, zurück zu unserer Pension.
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