26. Reisetag 27.07.2000
gefahrene Kilometer: 277,9 km
Total: 8882,9
Strecke: Avanos-Ihlara-Güzelyurt-Avanos
Besichtigungen:
 - Ihlara-Tal
 - Kirchen in Güzelyurt
 - Kizil-Kilise bei Güzelyurt
Tagesbewertung:
 
Am nächsten Morgen fahren wir nach dem üblichen käsigen Frühstück los, über Nevsehir ins über 100 km entfernte Ihlara, einem kleinen durchschnittlichen Dorf, welches gänzlich unspektakulär wäre, würde es nicht an einer schmalen, canyonartigen Schlucht liegen, die sich von dort aus bis zum 8 km entfernten Dorf Belirisma (oder so) hinzieht. In den steilen, braunen Felswänden der Schlucht sind - was sonst - wieder etliche in den Stein geschlagene Kirchen zu finden, die teilweise schöne Fresken aufweisen. Da das Tal landschaftlich sehr schön - geradezu idyllisch - ist, sind auch sehr viele einheimische Ausflügler zu sehen, die im Schatten der Pappeln ein Picknick veranstalten.
Agatschalti-Kirche in Ihlara - Foto CGWasserfall in Ihlara - Foto CGIhlara-Tal - Foto CG Wir jedoch haben es etwas eilig, da wir das gesamte Tal durchwandern wollen, um alle Kirchen zu sehen. Da die Kirchen sich beiderseits des Baches, der das Tal in voller Länge durchfließt, befinden, müssen wir nicht nur die 8 km nach Belirisma hin und wieder zurück wandern, sondern auf der anderen Seite des Baches auch noch mal ein paar Kilometer, da nur an einer Stelle eine Brücke existiert. Mein Kumpel hat es zwar versucht, über ein paar Steinchen auf die andere Seite des Baches zu gelangen, aber aufgrund der glitschigen Steine pelzte er sich schon beim ersten Stein fast ins Wasser, und mit meiner Cam kann ich mir das nicht leisten. Also mindestens 20 km latschen.
Aufgrund fehlender Schilder finden wir nicht alle Kirchen, aber der Canyon lohnt sich allemal. Einerseits wegen der Landschaft, andererseits, weil unter all den Wanderern wenig Touris und wenn dann nur in Form von Individualisten zu finden sind. Außerdem sind die Kirchen nicht weniger interessant als die von Göreme, zusätzlich kommt aber Entdeckerlaune auf, da sie teilweise versteckt sind, und man kann fotografieren, was das Zeug hält. Das Tal macht Spaß, könnte man sagen.
Kokar-Kirche in Ihlara - Foto CGYilanli-Kirche in Ihlara - Foto CGGregorios-Kirche in GüzelyurtGregorios-Kirche in Güzelyurt - Foto CG Nachdem wir am Ende der kleinen Wanderung keuchend dem Canyon entstiegen sind, fahren wir erstmal nach Belirisma zurück, wo wir irgend eine Kirche wohl übersehen haben, finden sie aber trotzdem nicht, und verlassen das Dorf, über deren „Straßen“zustand ich mich ärgere, Richtung Güzelyurt. Dort besichtigen wir noch ein paar andere Kirchen, u.a. sogar eine Nicht-Felsenkirche, die Elemente aus den Anfängen der byzantinischen Zeit aufweist, die also steinalt ist. Ansonsten sind die Kirchen dieses Ortes nicht so spektakulär, aber wo wir einmal hier sind...
Sivischli-Kirche in Güzelyurt - Foto CGKlosterkirche in Güzelyurt - Foto CGKizil-Kirche - Foto CG Danach fahren wir zur Kizil-Kilise, die wirklich super ist. Es handelt sich hierbei um eine alte Nicht-Felsenkirche aus dem 6. Jahrhundert, also auch aus der Byzantinerzeit. Sie ist rot und weist sogar noch vereinzelt Freskenreste auf. Sie ist eine ziemlich gut erhalten gebliebene Ruine, die bullig mitten in einer kleinen Hochebene liegt, mitten in einem Getreidefeld.
Kizil-Kirche - Foto CGKizil-Kirche - Foto CGKizil-Kirche - Foto CG Man kann sie finden, indem man von Belirisma kommend Güzelyurt durchfährt und dahinter seinen Blick links der Straße in der Ferne schweifen lässt, bis man etwas weinrotes sieht. Der Feldweg dorthin ist so schlecht, dass ich wegen meiner Track-Erlebnisse lieber beschließe, hinzulaufen. Es lohnt sich, und unterwegs kann man mit seinem Interesse sogar ein paar Bauern verwundern.
Kizil-Kirche - Foto CGKizil-Kirche - Foto CGKizil-Kirche - Foto CG Dann jedoch fahren wir zurück zur großen Straße zwischen Aksaray und Nevsehir. Unterwegs kann man immer wieder einen Blick auf einen kahlen Vulkan, den Hasan Dagi, werfen. Auf der Transitstraße angelangt, kommt man Richtung Nevsehir an drei Hans vorbei, von denen der Agzikarahan mit Abstand am besten erhalten ist. Da er Eintritt kostet und innen vermutlich alles so aussieht, wie in anderen Hans, fahren wir weiter, aber schon alleine von außen ist er nicht schlecht anzusehen.
In Nevsehir fällt mir ein merkwürdig schrammelndes Geräusch auf, das irgendwie wohl vom Vorderrad kommen muss. Mir wird leicht mulmig. Da es dann wieder weg ist, mache ich mir keine Gedanken weiter.
Vulkan Hassan Dagi - Foto CG Der Abend in der Pension wird wieder folkloristisch. Ich trinke zwar ein bisschen Raki, aber glücklicherweise sinkt meine Hemmschwelle nicht, und wir zwei verlassen die furchtbar aufgeschlossene Gesellschaft, als diese beginnt, zu gut gelaunt zu werden.