27. Reisetag 28.07.2000
gefahrene Kilometer: 142,9 km
Total: 9025,8 km
Strecke: Avanos-Soganli-Avanos
Besichtigungen:
 - Kirchen in Soganli
 - Kloster bei Cemil
 - Pancarlik-Kirche
 - Kirchen bei der Pancarlik-Kirche
Tagesbewertung:
 
Am nächsten Morgen fahren wir nach dem üblichen Früstük über Ürgüp nach Soganli, einem weiteren Dorf mit lauter Höhlenkirchen.
Gespannt lausche ich, ob ich nicht wieder dieses merkwürdige schrammelnde Geräusch am Rad höre, und tatsächlich ist es wieder da. Jean-Louis hört erst nichts und probiert mich für verrückt zu erklären, doch allmählich kann man es nicht mehr überhören. Besonders in den Kurven schuppert es gewaltig. Kurz vor Soganli halte ich dann mitten auf einer wenig befahrenen Straßenkreuzung an, um nach visuellen Auffälligkeiten am Rad zu suchen, von wo das Geräusch kommt, und wir sehen, dass sich eine millimetertiefe, ringförmige Kerbe auf der ansonsten glatten Bremsscheibe befindet. Muss wohl ein abgenutzter Bremsklotz sein, sagen wir uns. Abends werden wir dann in Avanos nach einer Werkstatt fragen. Ein bisschen beruhigt darüber, dass wir die Ursache wissen, fahren wir mit lädierten Bremsen weiter. Ehe wir’s uns versehen, sind wir auch schon im Soganli-Tal angelangt, in das wir nur nach einem Ticketkauf einfahren können. Man gibt uns außerdem einen Lageplan, damit wir sämtliche Kirchen finden können. Erstmal schlagen wir dem Weg dach links ein. Sich einmal auf diesem Weg befindend, findet man linkerhand am Berghang die Geyikli-Kilise, die kaum Fresken aufweist, aber mich als Fanatiker trotzdem interessiert. Wenn man den Weg ein paar Meter weiter fährt, kann man rechts den Bach überqueren, und man findet sich vor der Barbara-Kirche wieder. Diese sieht aufgrund ihrer Wandmalereien interessanter aus.
Geyikli-Kirche in Soganli - Foto CGKarabasch-Kirche in Soganli - Foto CGBarbara-Kirche in Soganli, Detail - Foto CG Wenn man, am Ticketschalter stehend, geradeaus weiterfährt, gelangt man zu vier weiteren Kirchen, die den beiden bereits Erwähnten in nichts nachstehen. Da fast alle Kirchen im Tal ausgeschildert sind und da man zusätzlich noch über einen Plan verfügt, kommt man sehr gut zurecht. Meiner Meinung nach sind die Kirchen genauso interessant wie die von Göreme, allerdings sind sie viel unbekannter, so dass man selten anderen Touristen begegnet und ungestört Fotos machen kann.
Sakli-Kirche in Soganli - Foto CGYilanli-Kirche in Soganli, Detail - Foto CGKirche in Soganli, Detail - Foto JLRTokali-Kirche in Soganli - Foto CG Wenn man das Tal wieder verlässt, kommt man am Schild zur Tokali-Kilise vorbei, die wohl etwas älter ist und daher sehr primitive Fresken aufweist.
Auf dem Rückweg nach Ürgüp kommen wir durch den Ort Taskinpasa, wo sich ein kleines Schlösschen aus dem 14.Jh am Straßenrand befindet, von dem wir allerdings annehmen, es wäre nur eine der vielen Karawansereien.
Wenn man weiterfährt, weist ein kleines gelbes Schildchen zum Keslir-Manastir, dem Erzengelkloster, wo sich ein gelangweilter alter Opa über die anscheinend ersten Besucher des Tages freut und ihnen die billigen Eintrittskarten andreht. Es handelt sich um eine weitere, innen ganz schwarze Höhlenkirche, deren Fresken man ohne Taschenlampe kaum erkennen kann. Ansonsten sind einige Nachbarfelsen so durchlöchert wie ein Schweizer Käse, es muss sich dabei wohl um Schlaf- und Speiseräume der Mönche gehandelt haben. Nichts ist sonderlich gut erhalten.
Kirche in Cemil - Foto CGbei Ürgüp - Foto CGPancarlik-Kirche bei Ürgüp - Foto CG Von dort aus fahren wir, nach wie vor von schlurfenden Geräuschen begleitet, ins nahegelegene Cemil weiter, wo wir eine Kirche aus dem vorigen Jahrhundert besichtigen, die abwechslungsweise mal nicht in einen Felsen gehauen ist. Sie ist, seit kaum mehr Griechen in dem Ort wohnen, leerstehend und verfällt langsam.
Von dort aus geht es weiter nach Mustafapasa, einem netten gepflegten Ort, in dem sich eine ähnliche Kirche befinden soll, die wir aber nicht finden. Dafür gelangen wir aber zum Eingang einer weiteren Höhlenkirche, vor der ein Vorhängeschloss hängt, aber leider ist kein Wächter da. Pech.
Also fahren wir zur letzten Sehenswürdigkeit des Tages, der Pancarlik-Kilise, die sich, wenn man Richtung Ürgüp fährt, rechterhand etwas von der Straße entfernt befindet. Die Kirche ist etwa 1000 Jahre alt, weist sehr gut erhaltene Fresken auf und ist, wie auch anders zu erwarten, in einen Tuffsteinfels gehöhlt.
Pancarlik-Kirche bei Ürgüp - Foto CGPancarlik-Kirche bei Ürgüp, Detail - Foto CGPancarlik-Kirche bei Ürgüp, Detail - Foto JLR Ein weiterer alter Opa steht davor und lässt uns für ein paar Pfennige rein, und wir machen etliche Fotos. Mein Franzose, der sich bei den Bibeldarstellungen offensichtlich sehr gut auskennt, fotografiert sämtliche Fresken, um sie, wie er meint, zuhause zu einem Comic zusammenzufügen, da man auf ihnen die Bibelgeschichte recht gut und lückenlos verfolgen könne. Er versucht mir einiges zu erklären, aber ich winke ab.
Auf dem Rückweg zur Hauptstraße kommen wir an zwei Schildern vorbei, die in der näheren Umgebung weitere Kirchen vermuten lassen. Wir steigen aus dem Wagen und klettern auf eine kalkige kleine Anhöhe, von der aus wir zwei halb eingestürzte Felskegel sehen, die Einblick in die in ihnen enthaltenen Kirchenräume lassen. Recht interessant.
Außerdem finden wir ein Loch, in das wir reinkriechen. Dort ist es stockdunkel, ich mache vorsichtshalber ein Flash-Foto, und zuhause entpuppt sich bei der Fotobetrachtung das ganze als ein mehrschiffiger Kirchenraum mit Wandbemalung!
In der näheren Umgebung befinden sich Getreidehalme und wilde Aprikosensträucher, so dass wir nicht sofort aufbrechen. Irgendwann fahren wir dann dennoch zurück nach Avanos.
Kirche bei Ürgüp - Foto CGKirche bei Ürgüp - Foto CGKirche bei Ürgüp - Foto CGKirche bei Ürgüp - Foto CG In unserer Pension angekommen, fragen wir nach einer Werkstatt, da mein Wagen mittlerweile schon durchgängig schrammelt. Diese ist zum Glück nicht weit entfernt, also sind wir auch gleich da. Man kommt uns gleich entgegengelaufen, wir weisen auf das Rad, und die Mechaniker fangen auch gleich an, alles aufzuschrauben. Von der gegenüberliegenden Wasch“anlage“ kommt auch gleich ein Typ rüber, der Deutsch kann und hilfsbereit tut, sich aber insgeheim wohl nur cool vorkommt, da er mal seine Deutschkenntnisse anwenden kann. Aber die Mechaniker wissen eh schon, was Sache ist, und so verschwindet der Vogel bald. Die Mechaniker mühen sich ab, wechseln auf beiden Seiten die Bremsklötzchen aus, die sie glücklicherweise auf Vorrat dahaben, aber die Klötzchen kommen mir merkwürdig dick vor. Die Leute kriegen sie auch nur mit Gewalt ran. Wir bedanken uns, bezahlen, und fahren geräuschlos und zufrieden zur Pension zurück, wo uns glaube wieder einer dieser mir unangenehmen Abende erwartet. Vorher aber machen wir noch ein bisschen am Auto rum, beispielsweise macht mein Kumpel das Luftfilter auf, um es sauberzumachen, aber bei dem staubigen Parkplatz ist es beim Wiedereinbau wohl dreckiger als zuvor. Alles in allem macht der Wagen einen erschreckenden Eindruck. Vielleicht aber auch nur, weil er seit Berlin nicht mehr gewaschen wurde.