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| 28. Reisetag |
29.07.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
173 km |
| Total: |
9198,8 km |
| Strecke: |
Avanos-Ürgüp-Kayseri-Ürgüp-Avanos |
| Besichtigungen: |
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| - Kayseri |
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| Tagesbewertung: |
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Nach dem Frühstück
brechen wir nach Kayseri auf, von wo wir eventuell noch zum Erciyes Dagi,
einem unweit gelegenen erloschenen Vulkan fahren wollen. Doch zunächst
liegt Ürgüp auf unserer Strecke. Wir fahren also die uns bereits
bekannte, durch eine pittoreske Tuffsteinlandschaft mit Touristenbussen
am Straßenrand führende Strecke nach Ürgüp. Die Bremsen
funktionieren und man hört keine verräterischen Geräusche
mehr. Als wir durch Ürgüp durchfahren, merken wir, dass etwas
merkwürdig verbrannt riecht. Da solche Gerüche während der
Fahrt unsere Nasen schon öfters erreicht haben, machen wir uns kaum
was draus, aber ein mulmiges Gefühl hat man ja dennoch. Mein Kumpel
lehnt sich mal spaßeshalber aus dem Fenster, vielleicht sind es ja
die neuen Bremsen, die müffeln, aber er kann erstmal nichts erkennen.
Plötzlich meint er „Anhalten, ich glaube wir haben ein großes
Problem.“
Panisch, brennende Reifen
erwartend, halte ich am Straßenrand, wir steigen aus und bemerken,
dass das rechte Vorderrad zischt, dampft und verschmort riecht.
Eh wir uns verdutzt und
planlos ansehen können, kommt aus einem kaum fünf Meter entfernten
Teppichladen der Verkäufer und schüttet eine Flasche Wasser überm
Rad aus, worauf es beängstigend laut brutzelt. Daraufhin murmelt er
auf Türkisch etwas, das sich verdächtig nach „Oh-oh, sieht aber
gar nicht gut aus!“ anhört, und plötzlich kommt ein kleiner Junge
mit einer weiteren Wasserflasche, die vom Verkäufer prompt erneut
zum Kühlen verwendet wird. Ich habe tierische Angst, dass das Metall
aufgrund des Temperaturschocks zerbricht, was es sich glücklicherweise
aber nicht einfallen lässt. Wegen dieser plötzlichen Panne doch
sehr verärgert und in unserem Zeitplan durcheinandergebracht, nehmen
wir gerne das Angebot des Teppichverkäufers an, nämlich dass
er den kleinen Jungen, der sich als sein Sohn entpuppt, mit zu uns ins
Auto setzt, damit dieser uns zu einer nahegelegenen Werkstatt führt
und den Mechanikern das Problem erläutert.
Gesagt, getan! Der Junge
führt uns durch eine Ladenstraße hindurch (!!!) direkt zu einer
schäbigen Garage, die meinen Vorstellungen einer Werkstatt überhaupt
nicht entspricht. Die Leute untersuchen alles, können nichts finden
und erklären uns fünfmal mit Händen und Füssen, es
müssten die neuen Bremsbacken sein, die sich wegen der Hitze (54°
in der Sonne!!!) übermäßig ausgedehnt haben und nun penetrant
auf den Bremsscheiben schleifen würden. Ich solle doch wenig bremsen.
Nachdem der kleine Junge uns denselben Sachverhalt zum besseren Verständnis
ebenfalls ein paar Mal mit Händen und Füßen wiederholt
und sich dabei wohl fürchterlich wichtig vorkommt, fahren wir zurück
zum Teppichladen, wo wir ihn absetzten und ihm zum Dank ein großes
Eis kaufen, welches er höflicherweise ablehnt, bevor er es dann doch
nimmt. Der Teppichhändler will uns zu einem Tee einladen, aber da
wir über türkische Teppichhändler und deren Aufdringlichkeit
schon viel gehört haben, lehnen wir dankbar ab, und nach kurzem Smalltalk
verabschieden wir uns dankend von dem freundlichen, evtl. zu freundlichen
Mann. Vielleicht sind wir auch zu Unrecht misstrauisch.
Wir brechen also nach Kayseri
auf, fahren einen großen Berg hoch und halten oben an, um nach dem
Rad zu sehen, es dampft und stinkt nicht! Wir gießen probeweise unser
teures Trinkwasser rüber, und siehe da, die Ruhe trügt! Es zischt
extrem laut. Dabei habe ich nicht ein einziges mal gebremst, angehalten
habe ich mit Motorbremse und Ausrollen lassen! Angeschmiert! Sehr verärgert
fahren wir weiter nach Kayseri, unterwegs halten wir etwa alle 15 km an,
um die Räder zu kühlen. Zum Glück haben wir genug Wasser
on board. Es ist aber dennoch ausgesprochen nervig, ständig anzuhalten,
und es zu vermeiden, zu bremsen. Im ampellastigen Kayseri angekommen, nervt
das ewige Motorbremsen gewaltig und ist teilweise unmöglich, will
man folgenreiche Unfälle vermeiden. Echt Käse!
Wir suchen uns einen schattigen
Parkplatz, um möglichst schadlos den Tag zu überstehen, und beginnen
unseren Stadtrundgang. Die Stadt ist insgesamt langweiliger als erwartet,
vielleicht liegt’s aber nur an unserer doch stark beeinträchtigten
Laune.
Die Ulu Camii ist wie alle
anderen Ulu Camiis. Der Basar ist groß und voll, aber man verläuft
sich nicht. Ich werde wegen meines Fotoapparates sofort von einem Teppichhändler
angemacht, der wohl mal in Deutschland war, im Ruhrpott. Nach einem kurzen
Gespräch kommt er auch schon zum Punkt. Einem türkischen Sprichwort
zufolge sind die Teppichhändler von Kayseri berüchtigt für
ihre Klettenhaftigkeit, und es macht Mühe, den Mann loszuwerden. Wir
sagen, wir sind schon versorgt, was ja auch nicht erlogen ist, da sich
mein Franzose schon im pensionseigenen Teppichladen bestückt hat.
Wir lassen den Basar also hinter uns zurück, besichtigen ein kleines
Mausoleum und gehen dann zum etwas weiter entfernten, außerhalb des
Zentrums stehenden Döner Kümbet, einem weiteren Grabbau. Wir
haben zwar schon ein paar Türben gesehen, aber diese ist aufgrund
ihrer Ornamente doch die Beste! Glücklich über ein einigermaßen
gutes Foto, gehen wir zum Auto zurück. Unterwegs essen wir noch in
einem verkeimten Laden irgend etwas gar nicht mal so schlechtes. Aber der
Ayran ist irgendwie schimmlig, was zur Freude des Budenbesitzers allerdings
nicht ins Auge fällt, da Ayran ja bekanntlich weiß ist.
 
Am Auto angekommen, verlassen wir die Stadt wieder Richtung Ürgüp,
und noch in der Stadt muss ich wieder die Räder kühlen, ich musste
nämlich ein paar Mal bremsen. Einige Kilometer weiter halten wir erneut
an, und füllen alle unsere Wasserflaschen, etwa 10 Stück, an
einem kleinen Brunnen, von denen überall welche in der Landschaft
rumstehen. Eine peinliche Angelegenheit, da alle Einheimischen, die das
sehen, denken müssen, dass wir entweder sehr geizig oder sehr bescheuert
sind.
Nach ein paar mal Anhalten
und Kühlen sind wir auch schon in Avanos. Unterwegs zuckelten wir
eine Zeitlang hinter einem fünf km/h (!!!) fahrenden alten Laster
hinterher, absichtlich ohne ihn zu überholen, ob wohl er uns vorbeiwinkt.
Zeitgleich haben wir einen Radiosender drin, der in schlechter Ausstrahlungsqualität
den Singsang eines musikalisch untalentierten Mannes ausstrahlt,
so dass wir uns ob der Situationskomik regelrecht totlachen müssen. Dann sind wir auch schon da.
Wir wollen wegen den unzureichend
behobenen Bremsenproblemen zur Werkstatt, um uns zu beschweren, und nehmen
aus unserer Pension und dem dazugehörigen Teppichladen jemanden zum
dolmetschen mit.
An der Werkstatt angekommen,
schrauben die Leute alles wieder ab, sagen, das läge an der Hitze,
nach ein paar Tagen, wenn die Bremsen oft benutzt würden und die Backen
nicht mehr ganz so dick wären, wäre auch das Problem weg. Toll!
Naja, wir glauben das mal und fahren zurück zum Parkplatz. Gute Nacht. |
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