29. Reisetag 30.07.2000
gefahrene Kilometer: 620 km
Total: 9818,8 km
Strecke: Avanos-Nevsehir-Aksaray-Sultanhan-Kinanbeyli-Konya-Egridir
Besichtigungen:
 - Hans vor Aksaray
 - Sultanhan
 - Landschaft am Tuz Golu
 - Mevlana-Kloster in Konya
Tagesbewertung:
 
Nach dem letzten Frühstück in der Pension packen wir unser Zeugs ins Auto und fahren besorgt los, da wir nicht wissen, ob die Bremsen sich kooperativer verhalten werden als gestern. Ich lasse versehentlich wieder mal den Zimmerschlüssel mitgehen, aber ich fühle mich deswegen keineswegs schlecht, da mir die Pension und die in ihr herrschende Atmosphäre irgendwie unangenehm war. Endlich wieder on the road. Natürlich mit etwa 20 großen Plasteflaschen voll Kühlwasser an Bord.
Jean-Louis has uns vor der Abfahrt ein Ultimatum gestellt, welches besagte, dass wir, falls es weiterhin Probleme mit den Bremsen gibt, auf direktem Wege nach Bulgarien zurückfahren, um dort alles richtig durchchecken zu lassen, anstatt die unserer Meinung nach interessantere Route an der Ägäis lang zu nehmen.
Nach der Abfahrt stellt sich heraus, dass die Bremsen sich nach wie stark erhitzen, selbst wenn ich sie nicht benutze. Aber mein Kumpel meint, alles wäre ein bisschen besser als gestern. Wahrscheinlich meint er das nur, um nicht inkonsequent zu erscheinen, da auch er die Route am Meer lang nehmen will.

Alay-Karawanserei - Foto CGÖresin-Karawanserei - Foto CGSultan-Karawanserei - Foto CG Nun denn: jede Viertel- bis halbe Stunde fahren wir an den Straßenrand, um die Bremsen mit unserem Wasserdepot zu beschütten, wobei es stets fies zischelt.
Falls möglich, legen wir diese Stopps an strategisch günstige Stellen, beispielsweise an verfallene Hans oder fotogene Landschafts-Panoramen, so dass die Stopps nicht allzu nervig sind.

Sultan-Karawanserei - Foto CGSultan-Karawanserei, Innenhof - Foto CG Irgendwann kommen wir am Sultan-Han, einer frisch restaurierten, sehr großen Karawanserei an, die aus der Seldschukenzeit stammt und dementsprechend aussieht (Stalaktitenportale u.s.w.).
Da der Han zu den schönsten Anatoliens zählt, sind wir nicht die einzigen Touris: es handelt sich wieder um eine der Massenabspeisungs-Locations, wo die Touristenbusse im Minutentakt halten, um sich zu entleeren und nach 10min wieder vollbesetzt weiterzufahren, es sei denn, Tante Martha hat sich im Gewimmel verlaufen oder Meiers Kinder lungern noch am Postkartenstand rum. Der Han ist gut, aber leider sind Fotos kaum möglich, wenn man keine älteren Damen in rosa Radlerhose (etc.) draufhaben will. Aber ich als unabhängiger Autotourist fühle mich in solchen Situationen doppelt cool.
Wir fahren weiter durch die kaum vorhandene Botanik gen Konya, biegen aber im nächsten Ort nach Norden ab, um zu einem großen Salzsee zu gelangen. Die Landschaft ist flach wie aus der Frico-Werbung, aber es wächst kein üppig-grünes Gras, sondern die mickrigen Hälmchen, die in kleinen Büscheln rumstehen, haben allerhöchstens eine graugrüne Farbe.  Wir erklären uns das durch den stark erhöhten Salzgehalt des Bodens, der dadurch zustande gekommen sein muss, dass der Salzsee früher bis hier reichte und sich dann aralseemäßig zurückgezogen haben muss. Das Gebiet kann kaum trostloser sein, zumal wir uns ja nun auch auf einer kaum befahrenen Nebenstraße befinden.

Landschaft am Salzsee - Foto CGLandschaft am Salzsee - Foto CGLandschaft am Salzsee - Foto CGAusläufer des Salzsees - Foto CG Ab und zu kommen wir durch verstaubte Kleinstädte, in denen man sich merkwürdigerweise sogar verfahren kann, aber man merkt das dann sehr früh, weil man in solchen Fällen nach einer Minute im absoluten Nichts dasteht, das nicht mal mehr von einem Feldweg durchschnitten wird. Es gibt ja keine Felder. Die Leute müssen hier anscheinend nur von der Salzgewinnung leben.

Jean-Louis und Golf im Niemandsland - Foto CG
Landschaft am Salzsee - Foto JLR
Landschaft am Salzsee - Foto JLR
On the Road to nowhere. Irgendwann kommen wir dann zu einer Siedlung, die mittels einer Schranke mit ein paar drumherumstehenden Soldaten abgeschottet ist. Wohl 'ne Sträflingskolonie zur Salzbeschaffung oder so. Da können wir nicht durchfahren, also kommen wir auch nicht zum Salzsee hin.

Ausläufer des Salzsees - Foto CG Dafür gelangen wir zu einer Fläche, wo der Salzsee noch im Frühling gewesen sein muss: dort wächst nichts, der weiche feuchte Boden, in den man beim Laufen etwa 2cm tief einsinkt, ist von einer teils nassen Salzkruste bedeckt. Eine weite weiße Fläche also.
Nachdem wir genug gesehen haben, latschen wir zum Auto zurück und fahren Richtung Konya. Unterwegs kommen wir durch eine verschlafene Kleinstadt, in der uns einer der häufig zu beobachtenden hupenden Autokorsos begegnet. In manchen Autos sitzen als Prinzen verkleidete Schuljungen. Es handelt sich dabei um ein Fest, das Beschneidungsfest. Ein Glück, dass ich kein Türke bin.

Selimiye-Moschee in Konya - Foto CGMevlana-Kloster in Konya - Foto CGMevlana-Kloster in Konya - Foto CGInnenraum der Kapu-Moschee in Konya - Foto CG Nach ein paar weiteren Kühlstopps sind wir via Schnellstraße von Ankara in Konya angekommen. Konya ist eine große, einigermaßen moderne Stadt, die sogar einen neuen, metallisch schimmernden Wolkenkratzer rumzustehen hat.
Wir aber parken in der Altstadt und laufen zum Mevlana-Komplex, einem ehemaligen Kloster des gleichnamigen Derwisch-Ordens, das in ein langweiliges, überfülltes Museum umgewandelt wurde. Nach der Besichtigung gehen wir zum Auto zurück und besichtigen unterwegs ein paar Moscheen, von denen eine recht barock erscheint, was bei islamischen Gotteshäusern irgendwie drollig aussieht.
Durch irgendwelche Hinterhöfe gelangen wir zufälligerweise direkt zum Auto, dafür finden wir nur mit Umwegen aus der Stadt heraus. Wir nehmen die Straße nach Beysehir, die zunächst bergauf geht, so dass wir im Rückspiegel ein ganz hübsches Stadtpanorama zu schimmern haben. Bei Beysehir angelangt, fahren wir an zwei recht großen Seen zwischen mittelhohen Bergen vorbei nach Egridir, wo wir in der späten Nacht ankommen. Unterwegs habe ich jedoch noch ein nicht schlechtes Stativfoto von Egridir& Egridir-See by night gemacht.
Die Unterkunftssuche erweist sich als unproblematisch, da es sich um einen recht billigen Touristenort handelt. Allerdings versucht ein penetranter Schlepper mich zu einem dubiosen Hotel zu führen, und außerdem fahre ich beim Einparken einen Mülleimer um, der so klein war, dass ich ihn im Rückspiegel nicht sehen konnte. Der Eimer fiel scheppernd um, aber am Auto war nicht der geringste Kratzer.
Irgendwie übelgelaunt und müde ziehen wir uns nen schlechten Döner rein und gehen schlafen.

Beysehir-See - Foto CGbei Beysehir - Foto CGEgerdir-See bei Nacht - Foto CG