3. Reisetag 04.07.2000:
gefahrene Kilometer: 363,6 km
Total: 2021,4 km
Strecke: Belogradschik-Botevgrad-Sofia-Rila
Besichtigungen:
 - Felsformationen bei Belogradschik
 - Nevski-Kathedrale in Sofia
 - Sv. Georgi-Kirche in Sofia 
 - Moschee in Sofia 
 - Andere Kirchen in Sofia 
 - Archäologisches Museum in Sofia
Tagesbewertung:
 
Nach einer größtenteils überflüssigen da schlaflosen Nacht (heiß, laut, ungeduscht und klebrig) wachen wir morgens recht früh in unserem kleinen Dachbodenzimmer auf, duschen, die Duschen sind erstaunlicherweise OK und, wie überhaupt die gesamte Pension, neu (aus Westzeiten), gefliest u.s.w..
Am Vorabend war aber wie oft hier unten in Bulgarien Wasserausfall.
Belogradschik - Foto JLRBelogradschik - Foto JLRBelogradschik - Foto CG
Nun denn, nach einem mittelguten Frühstück sehen wir uns die Felsformationen bei dem Städtchen, die etwas ans Elbsandsteingebirge erinnern, an - hier gibt es kaum Touristen. Die Bulgaren haben kein Geld, die Ausländer kennen diese Gegend wohl nicht und fahren daher woanders hin. Man sieht im Zentrum ein paar runtergekommene und ehemals staatliche Hotels, die geschlossen sind und für die sich höchstens noch Liebhaber sozialistischer Architektur der 70er Jahre interessieren dürften. 
Belogradschik - Foto CGBelogradschik - Foto CG
Nach einigen Minuten brechen wir dann auf, leider ohne die byzantinische Festung, die sich hier irgendwo befinden soll, gesehen zu haben, aber na gut... es geht weiter Richtung Sofia.
Auf dem Weg dorthin ist der krasse Gegensatz zwischen guten und schlechten Landstraßen recht auffällig. Schilder an den neueren Straßen und Baustellen weisen darauf hin, dass die EU hier kräftig sponsort. Schön zu wissen, dass wenigstens dieses Geld ankommt und nicht in irgendwelchen dubiosen Löchern versickert.
Es macht großen Spaß, durch diese Gegend zu fahren. Montana - eine Stadt auf unserer Strecke hat zwar einen eher westlich klingendem Namen, aber dafür sehr östlich anmutende Schlaglocher in den Straßen, doch auch hier tut sich was.
Danach geht es über ein längeres Stück Autobahn (Botevgrad-Sofia) durch Tunnel und über Viadukte durchs üppig bewaldete Balkan-Gebirge - die Landschaft ist schön - die Tunnel sind unbeleuchtet.  Hinzu kommt, dass unsere elektrische Kühltasche den Scheinwerfern kräftig Strom wegzapft. Also mit Warnblink durch die Röhren! Übrigens fahren viele auch ganz ohne Licht.

Sv. Georgi, Sofia - Foto CGIn Sofias Innenstadt, wo man die Ampeln nur mit Mühe den jeweiligen Fahrspuren zuordnen kann und dementsprechend im Zweifelsfalle mal eben auch bei rot losfährt, haben wir Probleme, einen Parkplatz zu finden - Ha! Also nicht nur in Berlin Probleme damit! Wir latschten also los - das übliche Besichtigungsprogramm. Zu Fuß kann man ohne Schwierigkeiten alles Interessante erreichen (die Alexander-Nevski-Kathedrale und alle anderen Kirchen sowie die Moschee und das Archäologische Museum).
Mein Franzose hat in einer Wechselstube spontan 30 Leva (= ebensoviel Mark) zuviel zurückbekommen und freut sich wie Bolle.
Touristen gibt es hier ebenfalls kaum. Die Stadt ist ziemlich sauber, besonders um die Kathedrale herum - nicht mal Hundehaufen in den Ecken.
Im archäologischen Museum sind wir, mal abgesehen vom Pförtner, der gleichzeitig auch Aufpasser ist, die einzigen. Dabei sind dort wahre Schätze ausgestellt, im kulturell-geschichtlichen wie auch im materiellen Sinne. Beispielsweise ein Goldschatz aus der Thrakerzeit in Form von Grabbeigaben. Es ließe sich sagen, dass dieses Museum der völlig kranke Gegensatz zum Tower in London ist, der ja sehr stark bewacht wird. Eintritt mussten wir komischerweise nicht zahlen - der Pförtner verlangt noch nicht mal Studentenausweise oder ähnliches !
Völlig KO kommen wir am Auto an, was zum einen an der babarstigen Hitze und zum anderen an der Länge der Route des Stadtrundgangs liegt. Zum Glück sind unsere im Auto mitgeführten Survival- Gaskartuschen nicht explodiert - die maximal zulässige Temperatur von 50°C war in dem dunkel lackierten Wagen mit Sicherheit überschritten.

Nationalversammlung, Sofia - Foto CGSv Sofija, Sofia - Foto CGNewski-Kathedrale, Sofia - Foto CGWir steigen ein. Vom Zentrum aus fahren wir Richtung Süden (Schilder gibt es kaum, oder aber sie führen ins Nichts - wer keinen inneren Kompass oder ähnliches hat, kommt garantiert an der falschen Stelle aus der Stadt).  Wir wollten uns eigentlich noch eine weitere Kirche, die Kirche von Bojana, ansehen, wir fahren sogar am Abzweig dorthin vorbei, aber wir haben uns ja grad erst sooo bequem ins Auto gesetzt. Also weiter, endlich aus dem Smog der Stadt raus - doch weit gefehlt. Die stark befahrene Europastraße geht bergauf und die Laster (Marke Madara, Kamaz, Gaz, Liaz; Uaz; Kraz; Tatra, Cavdar, Roman, Robur und Konsorten) spucken riesige dunkelbraune Wolken aus, obwohl sie nur 20 fahren. Irgendwann halten wir an. Tanken.
Wir biegen kurz vor einer runtergekommenen Industriestadt namens Pernik Richtung Süden ab. Wir sehen noch von der Ferne Fabriken und Schornsteine, in deren Umgebung man direkt mal eine Fotosession mit Bitterfeld-zu-Ostzeiten-Effekten machen könnte.
Kurz nach dem Abzweig - wie kann es anders sein - wird wieder ein Straßenstück instandgesetzt. Will heißen, wir müssen eine Umleitung nehmen und über verwinkelte Dorfstraßen huppeln. Wegen des starken Transitverkehrs staut es sich gewaltig.
Irgendwann sehen wir dann den ersten Gebirgs-Schnee, biegen etwas später Richtung Rilakloster in ein Gebirgstal rein. Es wird zunehmend bewaldeter, höher, die Straßen werden eng und man sieht ausnahmsweise sogar Touristen in Form von Campern. Nach einigen Kilometern kommen wir an schönen alten Gebäuden vorbei. Dann sehen wir das Rilakloster - die Mauern machen von außen einen abweisenden Eindruck - na ja, es ist spät, wir fahren erst mal vorbei und zum Zeltplatz Zodiak (10DM für beide), essen ein Glas Bockwürschte mit Bautzner Sempf und merkwürdig klebriges und mittlerweile süßlich schmeckendes Brot, das seit mittlerweile drei Tagen unter der Heckscheibe in der Sonne liegt. Noch je ein 0,5er Glas frisches Kamenitza-Bier und ab ins Zelt, wo wir totmüde einschlafen.