Nach einer größtenteils
überflüssigen da schlaflosen Nacht (heiß, laut, ungeduscht
und klebrig) wachen wir morgens recht früh in unserem kleinen Dachbodenzimmer
auf, duschen, die Duschen sind erstaunlicherweise OK und, wie überhaupt
die gesamte Pension, neu (aus Westzeiten), gefliest u.s.w..
Am Vorabend war aber wie
oft hier unten in Bulgarien Wasserausfall.
 
Nun denn, nach einem mittelguten
Frühstück sehen wir uns die Felsformationen
bei dem Städtchen, die etwas ans Elbsandsteingebirge erinnern, an
- hier gibt es kaum Touristen. Die Bulgaren haben kein Geld, die Ausländer
kennen diese Gegend wohl nicht und fahren daher woanders hin. Man sieht
im Zentrum ein paar runtergekommene und ehemals staatliche Hotels, die
geschlossen sind und für die sich höchstens noch Liebhaber sozialistischer
Architektur der 70er Jahre interessieren dürften.

Nach einigen Minuten brechen
wir dann auf, leider ohne die byzantinische Festung, die sich hier irgendwo
befinden soll, gesehen zu haben, aber na gut... es geht weiter Richtung
Sofia.
Auf dem Weg dorthin ist
der krasse Gegensatz zwischen guten und schlechten Landstraßen recht
auffällig. Schilder an den neueren Straßen und Baustellen weisen
darauf hin, dass die EU hier kräftig sponsort. Schön zu wissen,
dass wenigstens dieses Geld ankommt und nicht in irgendwelchen dubiosen
Löchern versickert.
Es macht großen Spaß,
durch diese Gegend zu fahren. Montana - eine Stadt auf unserer Strecke
hat zwar einen eher westlich klingendem Namen, aber dafür sehr östlich
anmutende Schlaglocher in den Straßen, doch auch hier tut sich was.
Danach geht es über
ein längeres Stück Autobahn (Botevgrad-Sofia) durch Tunnel und
über Viadukte durchs üppig bewaldete Balkan-Gebirge - die Landschaft
ist schön - die Tunnel sind unbeleuchtet. Hinzu kommt, dass
unsere elektrische Kühltasche den Scheinwerfern kräftig Strom
wegzapft. Also mit Warnblink durch die Röhren! Übrigens fahren
viele auch ganz ohne Licht.
In
Sofias
Innenstadt, wo man die Ampeln nur mit Mühe den jeweiligen Fahrspuren
zuordnen kann und dementsprechend im Zweifelsfalle mal eben auch bei rot
losfährt, haben wir Probleme, einen Parkplatz zu finden - Ha! Also
nicht nur in Berlin Probleme damit! Wir latschten also los - das übliche
Besichtigungsprogramm. Zu Fuß kann man ohne Schwierigkeiten alles
Interessante erreichen (die Alexander-Nevski-Kathedrale und alle anderen
Kirchen sowie die Moschee und das Archäologische Museum).
Mein Franzose hat in einer
Wechselstube spontan 30 Leva (= ebensoviel Mark) zuviel zurückbekommen
und freut sich wie Bolle.
Touristen gibt es hier ebenfalls
kaum. Die Stadt ist ziemlich sauber, besonders um die Kathedrale herum
- nicht mal Hundehaufen in den Ecken.
Im archäologischen
Museum sind wir, mal abgesehen vom Pförtner, der gleichzeitig auch
Aufpasser ist, die einzigen. Dabei sind dort wahre Schätze ausgestellt,
im kulturell-geschichtlichen wie auch im materiellen Sinne. Beispielsweise
ein Goldschatz aus der Thrakerzeit in Form von Grabbeigaben. Es ließe
sich sagen, dass dieses Museum der völlig kranke Gegensatz zum Tower
in London ist, der ja sehr stark bewacht wird. Eintritt mussten wir komischerweise
nicht zahlen - der Pförtner verlangt noch nicht mal Studentenausweise
oder ähnliches !
Völlig KO kommen wir
am Auto an, was zum einen an der babarstigen Hitze und zum anderen an der
Länge der Route des Stadtrundgangs liegt. Zum Glück sind unsere
im Auto mitgeführten Survival- Gaskartuschen nicht explodiert - die
maximal zulässige Temperatur von 50°C war in dem dunkel lackierten
Wagen mit Sicherheit überschritten.
  Wir
steigen ein. Vom Zentrum aus fahren wir Richtung Süden (Schilder gibt
es kaum, oder aber sie führen ins Nichts - wer keinen inneren Kompass
oder ähnliches hat, kommt garantiert an der falschen Stelle aus der
Stadt). Wir wollten uns eigentlich noch eine weitere Kirche, die
Kirche von Bojana, ansehen, wir fahren sogar am Abzweig dorthin vorbei,
aber wir haben uns ja grad erst sooo bequem ins Auto gesetzt. Also weiter,
endlich aus dem Smog der Stadt raus - doch weit gefehlt. Die stark befahrene
Europastraße geht bergauf und die Laster (Marke Madara, Kamaz, Gaz,
Liaz; Uaz; Kraz; Tatra, Cavdar, Roman, Robur und Konsorten) spucken riesige
dunkelbraune Wolken aus, obwohl sie nur 20 fahren. Irgendwann halten wir
an. Tanken.
Wir biegen kurz vor einer
runtergekommenen Industriestadt namens Pernik Richtung Süden ab. Wir
sehen noch von der Ferne Fabriken und Schornsteine, in deren Umgebung man
direkt mal eine Fotosession mit Bitterfeld-zu-Ostzeiten-Effekten machen
könnte.
Kurz nach dem Abzweig -
wie kann es anders sein - wird wieder ein Straßenstück instandgesetzt.
Will heißen, wir müssen eine Umleitung nehmen und über
verwinkelte Dorfstraßen huppeln. Wegen des starken Transitverkehrs
staut es sich gewaltig.
Irgendwann sehen wir dann
den ersten Gebirgs-Schnee, biegen etwas später Richtung Rilakloster
in ein Gebirgstal rein. Es wird zunehmend bewaldeter, höher, die Straßen
werden eng und man sieht ausnahmsweise sogar Touristen in Form von Campern.
Nach einigen Kilometern kommen wir an schönen alten Gebäuden
vorbei. Dann sehen wir das Rilakloster - die Mauern machen von außen
einen abweisenden Eindruck - na ja, es ist spät, wir fahren erst mal
vorbei und zum Zeltplatz Zodiak (10DM für beide), essen ein Glas Bockwürschte
mit Bautzner Sempf und merkwürdig klebriges und mittlerweile süßlich
schmeckendes Brot, das seit mittlerweile drei Tagen unter der Heckscheibe
in der Sonne liegt. Noch je ein 0,5er Glas frisches Kamenitza-Bier und
ab ins Zelt, wo wir totmüde einschlafen.
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