30. Reisetag 31.07.2000
gefahrene Kilometer: 491,5 km
Total: 10310,3 km
Strecke: Egerdir-Denizli-Pamukkale-Aphrodisias-Aydin-Selcuk
Besichtigungen:
 - Salzsee vor Denizli
 - Hierapolis/ Ruinen
 - Pamukkale/ Sinterterassen
 - Laodikeia
 - Aphrodisias
Tagesbewertung:
 
In unserem „Hotel“ gibt es dummerweise weder Handtücher noch Klopapier, so dass am Morgen mein Bettlaken gleich mehrere Funktionen zugewiesen bekommt. Zum Verwischen der Spuren schnell das dreckige Laken in ein leerstehendes Nachbarzimmer verfrachtet und mit dem dort liegenden Sauberen das eigene Bett bezogen, und schon fällt nichts mehr auf. Trotzdem verschwinden wir schnell und fahren klammheimlich weiter zur Küste.
auf einem Salzsee - Foto CGauf einem Salzsee - Foto CG Unterwegs kommen wir an einem weiteren Salzsee vorbei, der diesmal in einem hügeligeren Gebiet liegt. Trotzdem ist der See ausgetrocknet, und er hat eine ebene, von einer weißen Salzkruste bedeckte, teils matschige Fläche hinterlassen. Wir laufen ein bisschen draufrum und fahren dann, natürlich von den obligatorischen Bremskühlungs-Stopps unterbrochen, weiter bis nach Denizli, wo wir nach Norden abbiegen, um nach Pamukkale zu kommen. Es handelt sich dabei um einen Ort, der aufgrund seiner hübschen natürlichen Kalkbecken, durch die ständig Wasser plätschert,  in keinem Reiseprospekt fehlt. Durch diese weißen Badewannen haben sich auch schon die Römer angezogen gefühlt, und sie hinterließen hier die Ruinen von einer Art Kurort: ein Theater beispielsweise und große Thermenanlagen mit eindeutig erkennbaren Wasserleitungen.
Dummerweise sind die Kalkterrassen heutzutage nicht mehr weiß, sondern keimig-grau, was erstens darauf beruht, dass die Touristenhorden, die die Reiseunternehmen hier rund um die Uhr abladen, alles verschmutzt haben. Zweitens kann kein neuer Kalk die Becken nachweißen, da das Wasser, das diesen mit sich bringt, in die Bassins nahegelegener Hotels umgeleitet wird. Und so wird man wohl vergeblich suchen, wo die Kitschpostkartenfotos mit hübschen Badenixen in kalkweißen Becken vor rosa Sonnenuntergang aufgenommen wurden.
Pamukkale im Reisekatalog - Foto CGPamukkale in Wirklichkeit ==> zur FotodokuRuinen in Hierapolis - Foto CG Damit der Geldregen namens Tourismus jedoch nicht versiegt, sind die verkeimten natürlichen Terrassen abgesperrt und wieder unter Wasser gesetzt, damit sie sich erholen und auch in Zukunft noch Mittel einbringen können. Statt dessen latschen jetzt die zwangsbarfüßigen, dickbäuchigen Proll-Touristen in lila Badeanzug bzw. knallgelben Bermudas dichtgedrängt durch künstlich angelegte Betonbecken, die graues Wasser enthalten und die es vergeblich versuchen, architektonisch an ihre natürlichen Vorbilder zu erinnern.
Apollontempel in Hierapolis - Foto CGTheater von Hierapolis - Foto CGTheater von Hierapolis Als Entschuldigung für den Besuch einer solchen Touristenhochburg muss ich anmerken, dass ich dies aus rein völkerkundlichem Interesse mache, denn auch solche Örtlichkeiten gehören zum wahren Bild der Türkei, wie beispielsweise auch die Bronx zu New York gehört.
Hundert Meter weiter, dort, wo die kulturell interessanten Ruinen stehen, ändert sich das Bild völlig. Kaum einer der Pauschalreisenden verirrt sich hierhin. (!!!)
Glücklich darüber, den Auswüchsen des Massentourismus vorerst entkommen zu sein, setzen wir uns ins kochende Auto und fahren zurück nach Denizli, folgen vorerst einem unscheinbaren Schildchen, das zur antiken Ruinenstätte von Laodikeia weist. Leider haben wir keinen Lageplan, so dass wir es gar nicht erst versuchen, die zwischen den Hügeln verstreuten undefinierbaren Steinhäufchen zu suchen. Soll alles schlecht erhalten sein. Steht nämlich noch nicht mal im Reiseführer.
Wir fahren durch Denizli durch, dann Richtung Aphrodisias. In einem mittelgroßen Städtchen wollen wir parken, um uns abgepackte Würstchen und Saft zu kaufen, und ein rumstehender Polizist lädt uns dazu ein, kostenlos auf dem eingezäunten Polizeiparkplatz zu parken. Schon lustig.
Theaterthermen von Aphrodisias - Foto CGStadion von Aphrodisias - Foto CGHadriansthermen in Aphrodisias - Foto CG Ein bisschen später kommen wir in Aphrodisias an, wo wir glücklich darüber sind, dass das Areal noch offen hat, und wir bezahlen den überteuerten Eintrittspreis. Zuerst geht’s ins Museum, das recht nette Sachen ausstellt, die auf dem Grabungsgelände gefunden wurden. Interessant und klein, so dass keine Langeweile aufkommt!
Dann geht es rauf aufs Areal, zuerst am Theater und den Theaterthermen vorbei, hintenrum zu den Hadriansthermen, und zum Tempel, von dem nur noch drei Säulen stehen. Daneben befindet sich etwas versteckt das Odeon, eine Art kleines Theater. Außerdem gibt es noch ein recht großes Stadion, das etwas abgelegen ist und zu den besterhaltensten überhaupt zählt. Nicht schlecht! Am besten ist letztlich aber das Tetrapylon, ein verhältnismäßig kleines Prunktor, das aber ausgezeichnet erhalten und sehr hübsch verziert ist. Auch nicht schlecht. Diese Stadt gefällt mir von den antiken Stätten, die wir in der Türkei gesehen haben, am besten. Sie ist etwa so interessant und schön wie Ephesos, aber es verirrt sich kaum ein Tourist hierher. Wohl zu abgelegen für die Veranstalter.
Theater von Aphrodisias - Foto CGTetrapylon in Aphrodisias - Foto CGKapitell am Tetrapylon - Foto CGTetrapylon - Foto CG Danach leiste ich mir im Museumsladen für eine Riesensumme einen Kodak-Film, dessen Verfallsdatum schon längst überschritten ist, wie ich es draußen merke. Ich beschwere mich, und merkwürdigerweise bekomme ich mein Geld zurück! Sowas müsste man mal mit einem Teppichhändler aus Kayseri versuchen!
Nachts kommen wir, durch die späte Stunde, die Hitze und die ewigen Kühlungsstopps verschwitzt, gereizt und miesgelaunt in Selcuk an, wo wir uns ein Hotel suchen. Dummerweise spricht der Hotelbesitzer dort französisch, so dass viele Franzosen sich dort wohl fühlen. Dadurch hat mein Kumpel ständig irgendwelche Gespräche mit meiner Meinung nach langweiligen Franzosen und vor allem -innen (gibt es auch!) zu führen und ich sitze dumm und gelangweilt daneben. Da wir drei Nächte bleiben und auch einen Wasserpfeifen-Harmonie-Abend mitmachen, bekomme ich schlechte Laune.

Tetrapylon von unten - Foto CGTetrapylon von unten - Foto CG