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| 35. Reisetag |
05.08.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
456,4 km |
| Total: |
11745,0 km |
| Strecke: |
Canakkale-Troja-Kirklareli-Malko
Tarnovo-Primorsko |
| Besichtigungen: |
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| - Troja |
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| Tagesbewertung |
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Wir stehen morgens auf,
bringen unser Gepäck ins Auto und fahren optimistisch los, weil wir
heute nach Hause fahren werden, das heißt zu Papas Ferienwohnung
an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Außerdem werden wir vorher
noch das berühmte Troja besichtigen.
Wir versuchen, durch die
engen Gassen Canakkales zur Hauptstraße zu finden, biegen spontan
nach links in eine besonders enge Straße, wo wir dummerweise ein
Auto entgegenkommen sehen. Als Geste der Völkerverständigung
will ich Platz machen und biege schnell rückwärts in meine Ursprungsgasse
zurück, durch die selbstauferlegte Hektik bremse ich aber 50 cm zu
spät, so dass es klirrt und gleichzeitig ein wenig ruckelt. Entgeistert
und das schlimmste ahnend glotze ich wohl eine Sekunde dämlich herum,
ich muss gegen eine Hauswand gerauscht sein. Ich steige dann aus, um mir
den Schaden anzusehen. Am Auto ist merkwürdigerweise nicht der geringste
Kratzer. Statt dessen ist eine kleinere Scheibe der sich in der Hauswand
befindlichen Ladentür zerbrochen. Offensichtlich von meiner Stoßstange
zerdrückt. Erleichtert, dass nichts mit dem Auto ist, sehe ich mich
um, ob überhaupt einer die Aktion mitbekommen hat, ob ich mich nicht
klammheimlich fortschleichen kann.
Dummerweise kommt aber gerade
ein Mann aus dem Nachbarladen heraus, dem ich die kaputte Scheibe dann
auch zeige. Der, dem die Glastür gehört, ist zu so früher
Stunde wohl noch nicht in seinem Laden.
Der Typ vom Nachbarladen
holt uns in seinen Shop, ich druckse herum und schäme mich kleinlaut,
aber der Mann ist anscheinend ganz smooth, er schenkt uns sogar einen Tee
ein. Völlig absurd, diese Gastfreundlichkeit! Eine Viertelstunde später
kommt ein anderer Typ (wohl ein Glaser), misst die zerbrochene Scheibe
aus und schreibt einen Preis auf seinen Zettel, der 30 DM entspricht. Nochmals
erleichtert, dass alles so unkonventionell geregelt werden kann, zahlen
wir und verziehen uns schleunigst.
Auf dem Weg nach Troja,
wundern wir uns über den billigen Preis, aber es handelte sich ja
auch nur um eine Tür der Marke selbstgeschweißter Eigenbau.
Wir sind froh, dass wir so glimpflich davongekommen sicht, aber ich bin
dennoch betrübt, da ich ab heute nicht mehr sagen kann, ich wäre
unfallfrei . Außerdem haben wir jetzt bedenklich wenig Lira in der
Tasche, die ja noch für die Besichtigung von Troja und die Fähre
über die Dardanellen reichen müssen.
In Troja angekommen, stelle
ich das Auto wieder direkt vor den kostenpflichtigen Parkplatz, so dass
wir ein Stückchen laufen müssen. An der Kasse schmuggel ich mich
als falscher Student durch.
Die
Ruinen selbst sind sehr spärlich gesät, an sich ist der Ort langweilig.
Aber dafür ist er berühmt, von Schliemann ausgegraben und schließlich
noch durch sein Alter bemerkenswert. In Anlehnung an Homers Erzählung
über die Trojanischen Kriege ist ein großes Holzpferd gebaut
worden, dass jetzt zur Freude sämtlicher Proleten, die sich gegenseitig
davor fotografieren, am Eingang des Areals steht.
Mehr oder minder enttäuscht
fahren wir zurück nach Canakkale, um nach Europa überzusetzen.
Ein paar Leute in Zivil quatschen einem penetrant ins Autofenster, verlangen
irgendwelches Geld und verteilen dafür unverständlich bedruckte
Zettelchen. Man könnte das alles auf ersten Blick für Abzocke
von ahnungslosen Touristen halten, aber glücklicherweise kommen wir
mit den unscheinbaren Zettelchen tatsächlich auf die Fähre. Und
überdies waren die Zettel auch nicht sonderlich teuer. Insgesamt kostet
die Fährüberfahrt nicht mehr als die Bosporusbrücke in Istanbul.
Auf der europäischen
Seite der Türkei angelangt, fahren wir direkt zum Grenzübergang
bei Kirklareli, bei den dazwischenliegenden Bremskontrollstopps muss ich
feststellen, dass sich die Bremsscheiben nicht mehr so übermäßig
erhitzen wie noch vor ein paar Tagen, so dass ich die Stopps endlich einstellen
kann.
Eigentlich wollten wir uns
unterwegs noch Edirne ansehen, wo eine Top-Moschee vom Architekten Sinan
stehen soll, aber wir befürchten, dass unser Grenzübergang abends
nicht mehr offen hat, so klein, wie er ist.
Kurz vor der Grenze verprassen
wir unser Restgeld, indem wir uns ein paar Kekse kaufen, für mehr
reicht es zum Glück nicht mehr.
An der Grenzstation angekommen,
die uns bei der Einreise viel Zeit und Nerven gekostet hat, meinen wir,
es könne ja jetzt nur besser gehen. An dem ersten Grenzerhäuschen
mit Schranke wollen wir vorbeifahren, ich zeige dem drinsitzenden Beamten
die Autopapiere und Pässe vor, aber er verlangt einen Zettel, den
wir bei der Einreise bekommen haben müssen und ohne welchen wir nicht
ausreisen dürfen.
Verdammt! Irgendwie
habe ich so was bereits unterbewusst geahnt. Ich weiß, dass ich diesen
Zettel irgendwo haben muss, da ich erstens diese Grenzproblematiken zu
kennen glaube und daher immer alle Grenz-Zettel aufhebe, und zweitens handelt
es sich um das besondere Exemplar mit den drei Stempeln, die ich mir bei
der Einreise wie Ostereier zusammensuchen musste, so dass ich ihn schon
aus Souvenirgründen aufgehoben haben muss.
Ich fahre also zurück
auf den Parkplatz vor der Grenzanlage und beginne zu suchen. Zuerst in
einer Klarsichthülle, in der ich sämtliche Papiere aufhebe. Merkwürdigerweise
steckt der verhängnisvolle Zettel nicht drin, so dass ich beunruhigt
in den Armaturen, unter den Sitzen, schließlich sogar verzweifelt
im Kofferraum weitersuche. Schließlich suche ich noch mal die Klarsichthülle
durch, und nach mehrmaligem Blättern in den Papieren finde ich das
Teil. Ich fahre zum Grenzerhäuschen zurück und gebe das gepriesene
Objekt schweren Herzens ab. Am nächsten Grenzerhäuschen, immer
noch ein türkisches, zeige ich nochmals alles vor und kann dann die
Türkei verlassen. Das nächste Häuschen ist ein bulgarisches,
man zeigt die Papiere vor und fährt weiter bis zum nächsten,
wo man die übliche "Autodesinfektion" bezahlt, in etwa 3 Mark, dann
fährt man durch ein Wasserbad, da der Wagen hier sogar abgesprüht
wird, schließen wir die Fenster.
Danach kommt man zum Zoll
und zeigt nochmals alles vor. Die Beamten wundern sich darüber, dass
in einem deutschen Wagen ein stockend bulgarisch sprechender Typ sitzt.
Da die Leute offensichtlich nichts zu tun haben, verlangfen sie unsere
Pässe und holen ihren Drogenhund, einen großen Schäferhund,
herbei und lassen ihn an dem aus dem Kofferraum geholten Gepäck schnuppern
und ihn kurz ins Auto sehen. Da diese Aktion erfolglos bleibt, unterhält
sich einer der Beamten kurz mit mir und wir stellen fest, dass er das Dorf
meiner Großeltern kennt und am dortigen Stausee ab und zu angeln
geht. Schon lustig. Dann kommt ein Anderer mit den Pässen, die jetzt
ein paar Stempel mehr enthalten, zurück und kurbelt die letzte Schranke
hoch.
Wir fahren durch den trostlosen,
kaum besiedelten Grenzwald und dann zum Meer, anderthalb Stunden später
sind wir in Primorsko, wo wie immer Ferientrubel herrscht. Abends zu meinem
Kumpel Thomas, der dort wohnt, wo wir mit ein paar Fragen über den
Trip begrüßt werden. |
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