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| 41. Reisetag: |
11.08.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
1207,6 km |
| Total: |
13126,6 km |
| Strecke: |
Primorsko-Varna-Russe-Bukarest-Pitesti-Sibiu-Szeged-Kiskunfelegyhaza |
| Tagesbewertung: |
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Wir stehen morgens sehr
früh auf, weil wir eine weite Strecke vor uns haben. Wir packen unsere
Sachen ins Auto und brechen dann gegen fünf Uhr morgens optimistisch
auf, fahren durch das schlafende Touristenstädtchen durch und biegen
auf die Küstenstraße nach Norden. Ich freue mich riesig, weil
ich es mag, lange Strecken ununterbrochen zu fahren. Bald kommen wir auch
schon durch Burgas, fahren dann am Sonnenstrand vorbei und über die
östlichsten Ausläufer des Balkangebirges nach Varna. Dort biegen
wir Richtung Schumen ab und finden dummerweise die Autobahn nicht sofort,
nehmen also weiterhin erstmal die Landstraße.
Irgendwann finden wir eine
Autobahnauffahrt. Da nirgends Schilder zu sehen sind, muss ich mich aus
dem Bauch heraus ganz spontan für eine Richtung entscheiden. Ein paar
Kilometer später steht ein leicht verwaschenes Schild an der Autobahn,
aus welchem sich schlussfolgern lässt, dass ich zufällig die
richtige Richtung gewählt habe. Die Autobahn ist fast vollkommen leer.
Der Straßenbelag ist etwa so wie der auf den alten DDR-Autobahnen,
teilweise gibt es auch kleinere Schlaglöcher, so dass Jean-Louis mich
dazu überredet, nicht konstant 140 zu fahren. Zwischenzeitlich wird
die Autobahn ausgezeichnet und Schilder am Straßenrand besagen, dass
die EU hier finanziert hat.
Irgendwann biegen wir ab
auf eine Landstraße nach Russe, einer Grenzstadt an der Donau. Auf
dem Grenzübergang herrscht nicht viel Betrieb, so dass ich vermute,
die Abfertigung könne etwas schneller als normalerweise gehen. Doch
weit gefehlt: eine Grenzerin nimmt uns die Papiere ab, tuschelt mit einem
Grenzer, wundert sich, wieso ich als Ausländer gebrochen bulgarisch
kann, geht in ihr Büro, kommt nach zehn Minuten mit den abgestempelten
Pässen wieder und lotst uns mit Handzeichen in ein Hallengebäude.
Ich ahne schlimmes, denn
als ich in die Halle reinfahre, sehe ich, dass es sich um eine Werkstatt
handelt. Ich muss mittig über einen etwa 80cm breiten Schacht fahren,
der wohl dazu da ist, dass Mechaniker mühelos den Boden des draufstehenden
Fahrzeugs untersuchen können. Dann müssen wir sämtliches
Gepäck u.s.w. auspacken, was bei unserer willkürlichen Annsammlung
von Tüten recht nervig ist. Diese werden dann wie in einem Flughafen
geröngt, ich muss stark aufpassen, dass meine Fototüte nicht
mit in den Kasten gerät. Sogar das Reserverad wird gescannt.
Danach beginnt ein Zöllner,
unters Auto zu kriechen und die Reifen abzuklopfen, um sich ein paar Minuten
später mit dem Ausbau diverser Armaturen im Innen- und Motorraum zu
befassen.
Mir wird mittlerweile leicht
mulmig, da ich Stories gehört habe, in denen ahnungslosen Touristen
gewisse Pulvertüten unters Auto geklebt wurden, damit diese die Drogen
über die Grenze bringen, so dass die Schuld auf sie fällt, falls
der Stoff gefunden wird.
Außerdem habe ich
antike Scherben aus der türkischen Ruinenstadt Ani im Auto versteckt,
die mir eventuell Probleme bereiten könnten, da die Ausfuhr solcher
Gegenstände verboten ist.
Nichts desto trotz findet
der Zöllner nichts, baut glücklicherweise die Armaturen wieder
ein, wobei er versehentlich einen Knick in eine Plasteverkleidung macht.
Derweil
räumen wir das Reserverad und unser Gepäck wieder ins Auto. Uns
fällt auf, dass der Zöllner nicht den Aschenbecher im Auto geöffnet
hat, in dem die antiken Scherben deponiert sind.
Froh darüber, gehen
wir auf die Scherze ein, mit denen uns der Zöllner die hier verlorene
Dreiviertelstunde so angenehm wie möglich machen will.
Dann dürfen wir aus
der Halle raus und fahren über die Donaubrücke zu den rumänischen
Grenzern. Diese stehlen uns nicht so viel Zeit, aber dafür Devisen:
Desinfektion, Visum u.s.w. müssen bezahlt werden, teilweise werden
nur Dollar akzeptiert, die wir glücklicherweise dabeihaben.
An einem Häuschen kurz
hinter der Grenze hält uns ein Typ in Zivil an und verlangt 20DM von
uns, meint es würde sich um eine Autobahngebühr handeln. Da in
meinem Autoatlas eine Autobahn eingezeichnet ist, glaube ich ihm und gebe
ihm das Geld, wobei ich einen unverständlichen Zettel erhalte. Ich
fahre auf einer Landstraße weiter und sehe von der Autobahn nicht
viel, es stehen bloß irgendwelche Bagger in der Gegend rum. Also
wird entweder die Baustelle von meinem Geld finanziert, oder aber man hat
uns wieder mal abgezockt.
Irgendwann kommen wir in
Bukarest an, ich fahre über einen unausgeschilderten "Stadtring",
den ich bereits von anderen Fahrten her kenne, nach Nordwesten, bis ich
zur Autobahn nach Pitesti komme.
Der besagte Stadtring ist
in einem desolaten Zustand, ich muss teilweise im Schritttempo Schlangenlinien
fahren, weil es von 2m breiten und 20cm tiefen Schlaglöchern nur so
wimmelt. Es geht an so pittoresken Stadtelementen wie vor sich hinrostenden
alten Bahnanlagen, Kasernen und illegalen Mülldeponien mit herumstreunenden
Hunden vorbei. Erfahrungsgemäß ist dieser Ring jedoch besser,
als durch das Zentrum von Bukarest zu fahren, da dort überhaupt keine
Schilder stehen, so dass man sich ständig verfährt, mal abgesehen
von den bettelnden Kindern, die einem an roten Ampeln schmutziges Seifenwasser
über die Windschutzscheibe kippen, um für diesen "Dienst" auch
noch Geld zu verlangen.
Froh, aus diesem Moloch
rausgekommen zu sein, nehmen wir die für rumänische Verhältnisse
gute Autobahn nach Pitesti. Auf dieser monotonen Strecke muss ich mich
mit Mühe wach halten. Die Landschaft ist extrem flach, und etwa 20
km vor Pitesti erscheinen am Horizont flackernde Lichter, die sich nach
und nach als züngelnde Flammen einer riesigen Ölraffinerie entpuppen.
Dieses Panorama begleitet einen etwa 15 Minutel lang.
Hinter Pitesti geht es über
Landstraßen durch eine bergige Landschaft, man kann schwer überholen
und die Strecke zieht sich. Irgendwann kommen wir in die Karpaten, ein
Hochgebirge. Die Landschaft ist schön, aber man kommt langsam voran,
zumal es sich um eine Transitstrecke handelt, auf der lauter LKWs zu überholen
sind.
Ich höre am Auto recht
laute merkwürdige Geräusche aus dem Heck oder vom Hinterrad.
Ich bin beunruhigt, und da die Geräusche immer bedrohlicher zu werden
scheinen, halte ich mehrmals an, um zu sehen, woran das liegen könnte.
Ich finde nichts, bemerke aber, dass der Auspuff wackelt, wenn man ihn
berührt. Beängstigt fahre ich weiter, und irgendwann hören
die Geräusche auf.
  
Wir fahren durch Sibiu weiter nach Deva, es beginnt, dunkel zu werden.
Wir wollen versuchen, heute noch die ungarische Grenze zu erreichen, weil
wir (eventuell unbegründeterweise) nicht in Rumänien übernachten
wollen. Bis zur Grenze sind es noch etwa 200 km, bei den Landstraßen
etwa 5 Stunden.
Mir wird etwas mulmig, da
man öfters mal etwas von nächtlichen Überfällen auf
fahrende Autos gehört hat, außerdem habe ich auch keinen Bock
auf Wildunfälle mitten in Rumänien.
Irgendwann so gegen halb
12 kommen wir an der ungarischen Grenze an, die Schlange ist etwas lang,
aber es geht recht schnell, dann sind wir in Ungarn...endlich wieder in
Mitteleuropa, keine Angst mehr vor Kriminalität u.s.w....aber dafür
wieder Angst vor überhöhten Strafgeldern fürs Rasen.
Ich freue mich, einen neuen
familieninternen Rekord aufgestellt zu haben, da es meinem Vater trotz
mehrmaliger Versuche noch nicht gelungen ist, ganz Rumänien und Bulgarien
in einem Ritt zu durchfahren. Dadurch beflügelt, nehme ich mir vor,
ohne zu schlafen bis Berlin weiterzufahren, zumal ich mich gerade extrem
munter fühle. Das wären ja bloß noch 1100km, davon fast
alles Autobahn. Aber etwa eine Stunde später übermannt mich die
Müdigkeit, und ich stelle mich bei Kiskunfelegyhaza an den Straßenrand
und schlafe ein. Schade, dass Jean-Louis noch keinen Schein hat, das wäre
jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Fahrerwechsel.
Trotzdem, insgesamt 20 Stunden
wach, davon 18,5 Stunden Auto gefahren...nicht schlecht, sag ich mir.
Merkwürdigerweise trotzdem nur 1200km geschafft. Muss wohl an den
Gebirgsstraßen gelegen haben. |
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