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| 5. Reisetag |
06.07.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
336,0 km |
| Total: |
2717,8 km |
| Strecke: |
Pamporovo-Smoljan-Srednogorci-Arda-Smoljan-Plovdiv-Pazardshik-Plovdiv |
| Besichtigungen: |
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| - Aguschev-Konak |
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| - Konak in Bukata |
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| - Kirchen in Smoljan |
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| - Batschkovo-Kloster |
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| - Kirche bei Asenovgrad |
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| Tagesbewertung: |
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Nach einem ranzigen Frühstück,
das auch nicht gerade sehr üppig ausgefallen ist, fahren wir los,
über Smoljan direction Smiljan. Unterwegs leiste ich mir spontan mal
eine brenzlige Situation, indem ich eine Kurve zu schnell nehme und zwangsläufig
eine Fast-Vollbremsung hinlege, aber trotzdem noch in die Gegenfahrbahn
gerate, und in Smoljan City werde ich mangels Fahrstreifenmarkierung zum
Geisterfahrer, zum Glück kommt mir keiner entgegen.
Den
Abzweig nach Smiljan verpasse ich , also nehme ich den Umweg über
Rudozem und eine absolut schlechte, unasphaltierte, aber dafür von
Felsbröckchen übersäten Kackstraße, die sich von der
übers Pirin-Gebirge nur des fehlenden Anstiegs wegen unterscheidet.
In Smiljan angekommen, geht
es erst mal zum Aguschev-Konak in Mogilitza, einem Dorf in der schon erwähnten
„Border Area“ zu Griechenland.
Glücklicherweise finden
wir den Konak und den Mann, der den Schlüssel dazu aufbewahrt, auf
Anhieb. Es handelt sich hierbei um ein großes Herrenhaus, das aus
der späten Türkenzeit stammt, ein Haus eines reichen Gutsherrn
mit Schlafräumen, Wohnräumen, Arbeitsräumen, Gästeräumen
u.s.w., insgesamt kommen 78 Räume zusammen, die sich um drei Innenhöfe
gruppieren. Es ist wie die Häuser in Melnik einfach aber schön
eingerichtet. An der Rückseite befindet sich ein Turm, der Fresken
aufweist.
Nachdem der Mann uns rumgeführt
hat (überflüssig zu erwähnen, das es außer uns keine
anderen Besucher gab), fahren wir einen anderen Konak suchen, den wir nicht
auf Anhieb finden, da in unserem Guide der Ortsname des Dorfes, wo der
Konak steht, falsch abgedruckt ist. Nach kurzem Rumfragen finden wir das
Dorf (Bukata), das man nur über eine einspurige Bergstraße erreichen
kann, und nach weiterem Rumfragen auch den Konak selbst. Die Hoftür
steht offen, aber die Haustür nicht. Das Gebäude wurde offensichtlich
bis vor kurzem als eine Art Rathaus bzw. Gemeindehaus genutzt, es ist sogar
noch ein Schild mit dem altem Ost-Wappen an der Fassade zu sehen, überhaupt
hat sich hier offensichtlich seit Jahren nichts verändert. Ein alter
Saporosch rostet vor dem Konak vor sich hin. Wir machen Witze darüber,
dass wir die einzigen Touristen seit Jahren sind, die sich in dieses abgelegene
Bergkaff hier verirren. Man wird sich in Jahrzehnten wohl noch an uns erinnern
und von den seltsamen Gästen erzählen.
  
Danach fahren wir über Smiljan und eine bessere Straße zurück
nach Smoljan, sehen uns dort zwei Kirchen aus dem vorigen Jh. an und essen
Mittag.
Weiter geht es durchs Gebirge
und an einem Flusstal entlang bis nach Batschkovo. Die Gegend ist touristisch
erschlossen, auf der Straße herrscht verhältnismäßig
viel Verkehr und wir kommen nur langsam voran.
In Batschkovo parken wir
natürlich auf dem Parkplatz, der am weitesten vom Kloster entfernt
ist und müssen erst eine Art Rampe, die von Kitschsouvenir (in Bulgarien
keine Gartenzwerge sondern Pseudofolklore) -Buden gesäumt wird, hochlatschen
und die bettelnden Zigeuner vorm Kloster abwimmeln. Dann bemerken wir,
dass man die Rampe auch hätte hochfahren können, um direkt vorm
Kloster zu parken. Tritt man dann durch das Klosterportal, betritt man
eine andere Welt. Im Innenhof ist es ruhig und grün, und es laufen
viele bärtige Mönche herum. Das Kloster und besonders die Kirche
sind sehr schön, die Architektur außen sowie die Fresken und
Reliquien innen. Die Kirche im zweiten Klosterhof ist leider nicht zu besichtigen.
  
Es gibt auf dem Klosterhof sogar ein kleines Bächlein, das von einem
hübschen Brunnen gespeist wird, von dem man trinken kann - es handelt
sich ja um Gebirgswasser. Im Gebirge trifft man übrigens oft auf solche
Brunnen, die wie der Klosterbrunnen aus einer verzierten Wand bestehen,
in der ein Rohr steckt, aus dem Trinkwasser in ein kleines Becken plätschert.
An der Wand hängen manchmal kleine metallene Trinkschüsseln mit
Henkel. Da es solche Brunnen besonders häufig an den Straßen
gibt, kann man unterwegs seine Flaschen voll füllen, was wir auch
tun, um Geld für Getränke zu sparen. Nach einem Durchfall verdächtigt
mein Franzose dann dieses Wasser und wir steigen auf 1,5-Liter-Mineralwasser-
Plasteflaschen um, von denen
sich im Laufe der Reise über 20 leere Exemplare im Auto ansammeln,
da wir die während der Fahrt entleerten Stücke bedenkenlos auf
die Rückbank schmeißen, wie auch leere Tüten u.s.w. In
diesem Zusammenhang hat mein Franzose den Begriff „poubelle en roulette“
geprägt (rollender Mülleimer).
Hätten wir die Rückbank
nicht ab und zu entleert, hätten sich etwa 100 Plasteflachen angesammelt
- die Hizte verursacht eben einen verhältnismäßig starken
Wasserverbrauch.
Nun denn, wir latschen nach
dem Klosterbesuch zum Auto und fahren mit ihm die Budenrampe zum oberen
Parkplatz hoch, wo wir dann noch mal ein paar Pfennige Parkplatzgebühr
bezahlen und noch mal die Zigeuner abwimmeln müssen. Dann füllen
wir im Kloster unsere Wasserflaschen auf, schießen noch ein paar
Fotos und driveln dann direction Plovdiv weiter.
In Asenovgrad finden wir
zufällig einen Abzweig zum Krepost (Fesung) und fahren spontan auch
dort hin. Auf der Straße hat man kurzzeitig einen Super-Ausblick
auf eine Kirche, die mit der Festung auf einem Bergrücken steht. Sie
ist doppelstöckig und entpuppt sich als ziemlich alt und gut erhalten.
Da es schon spät ist, sind wir die Einzigen dort und die Kirche ist
schon zu. Die Festung ist leider nur in Ansätzen vorhanden, aber sie
ist wenigstens nicht verschlossen, so dass wir in ihren Ruinen umherwandeln
können.
Von Asenovgrad aus gibt
es eine gut ausgebaute Straße Richtung Plovdiv, ich kann mich nur
mit Mühe zügeln, nicht mehr als 20 zuviel zu fahren. In Plovdiv
angekommen, suchen wir ein Hotel, fahren zweimal im Kreis, finden letztendlich
aber trotzdem nichts billiges und suchen dann einen Campingplatz auf der
Straße nach Pasardshik, der im Reiseführer steht, finden ihn
aber nicht. Auf halbem Wege finden wir ein altes Motel, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis
allerdings unverständlich bleibt, wir hotten also weiter, rasen an
einer Polizeistreife vorbei aber es passiert nichts, in Pasardshik (einer
potthässlichen Stadt, die wegen genau dieser Eigenschaft bei uns zu
einer Redewendung beiträgt: hässlich wie Pasardshik. Hier würde
ich ungern im Krankenhaus liegen, so wie es von außen aussieht.)
finden wir ebenfalls nichts zum übernachten, also zurück nach
Plovdiv. Vorsichtshalber dicht hinter einem Lada hinterher, damit die vorhin
passierte Polizeistreife ihn statt uns zur Kontrolle rauspickt. Aber sie
ist glücklicherweise weg.
 
Kurz vor Plovdiv finden wir dann doch noch einen Zeltplatz. Besser: einen
jungfräulich-urwüchsigen Wald, der in den späten Sechzigern
vielleicht mal ein Campingplatz war - keine Duschen, Klos nur in der Nachbarkneipe
an der Schnellstraße, und dafür 5DM pro Kopf - na gut, sag ich.
Dann fahren wir auf den Platz (den ich vorher nicht gesehen hab). Hier
übernachtet außer uns kein anderer (!!!) - wir sind wirklich
alle Wege langgefahren - echt keine Anderen! Wegen dem wuchernden Unterholz
finden wir keinen Platz zum Zeltaufbauen (!!!), außer einem 5x5 m
großen Wiesenareal direkt am Eingang neben der Kneipe. Allerdings
hätten wir uns dieses Areal mit einem böse kläffenden Wachhund
teilen müssen. Also fahren wir wieder tiefer in den Platz, halten
irgendwo an, der Franzose beabsichtigt, im Auto zu schlafen. Da ich dazu
nicht in der Lage bin, baue ich das Zelt auf dem (übrigens asphaltierten)
Weg auf. Genauer gesagt nur das Unterzelt gegen die Mücken. Obwohl
es bewölkt ist und nach Regen aussieht, lasse ich die Überplane
weg - aus Protest. Wir lassen noch ein Feuerwerk an Galgenhumor-Witzen
ab, verpesten mit Absicht den Platz mit vergammelten Lebensmitteln aus
Deutschland, beispielsweise mit einer geschlossenen, prall aufgeblähten
Packung Kartoffelsalat, die ich in weiser Voraussicht lieber nicht öffne,
und mit denaturierten verklumpten Schokoladentafeln - wir haben die Kühltasche
seit Tagen nicht mehr benutzt, seit dieser Reise haftet ihr übrigens
ein merkwürdiger Geruch an.
Nun denn, ein typischer
Fall von Angeschmiert. Aber ich habe keinen Bock mehr, mich aufzuregen.
Zudem kann man diese Situation auch als Survival-Herausforderung betrachten. |
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