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| 6. Reisetag |
07.07.2000 |
| gefahrene Kilometer: |
300,0 km |
| Total: |
3017,8 km |
| Strecke: |
Plovdiv-Kalofer-Schipka-Gabrovo-Boshenzi-Veliko
Tarnovo-Debelez |
| Besichtigungen: |
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| - Altstadthäuser
in Plovdiv |
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| - römisches Theater
in Plovdiv |
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| - russische Kirche
in Schipka |
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| - Häuser in Boshenzi |
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| Tagesbewertung: |
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Die Nacht auf dem Möchtegern-Zeltplatz
hätte für uns beide kaum unterschiedlicher verlaufen können:
ich habe auf dem Asphalt gut geschlafen, da ich mir eine Decke und den
Schlafsack untergelegt habe. Zwar hatte ich abends aufgrund einer lauten
Disko in der Nachbarschaft Probleme einzuschlafen, aber das war’s auch
schon fast.
Mein Franzose hingegen,
der es vorzog, im Auto zu nächtigen, hatte aufgrund der offengelassenen
Dachklappe mit einer riesigen Anzahl aggressiver Mücken zu kämpfen,
hat bis auf einige wenige alle totbekommen, doch die, die er nicht erwischt
hat, die trieben ihn aus dem Auto in mein Anti-Mücken- Zelt. Doch
dort war es ihm zu heiß und zu hart, so dass er ins Auto zurückgekehrt
ist. So ging es mehrere Male hin und her, bis er gegen 5 Uhr morgens auch
in mein Zelt Mücken hineinschleppte, so dass ich wach wurde und sie
leider töten musste, um friedlich weiterschlafen zu können. Letzten
Endes war mein Franzose am Morgen völlig fertig, ich hingegen ausgeschlafen,
aber komplett verschwitzt und von dunkelblauen klebrigen Plastefädchen,
die irgendwie vom Zeltboden stammen mussten, übersät. Der Franzose
war aber auch nicht minder verdreckt als ich.
So kommt es, dass wir uns
gegen 6 Uhr morgens verdreckt, stinkend, hungrig und zur Hälfte totmüde
nach Plovdiv aufmachen. Dies ist eine schöne Stadt, in der es viele
hübsche Studentinnen und auch ebensolche Häuser gibt, außerdem
noch ein römisches Theater. Völlig verkeimt, ich obendrein noch
übellaunig, was allerdings nichts Außergewöhnliches ist,
setzen wir uns nach einem Stadtrundgang in ein Straßencafe, um fast
entgeltlos unseren Hunger und Durst zu mindern. Danach honken wir weiter,
kommen in einer Sackgasse an und lassen uns dort von einer dort wohnenden
Oma vollmotzen, die heute wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden
ist. Danach wollen wir die Stadt verlassen, nehmen aber wegen der fehlenden
Beschilderung den falschen Weg, den nach Rakovski. Dank einer guten Karte
sehe ich, dass ich einen kurzen Abschnitt auf der Autobahn fahren kann,
um zur richtigen Straße zu kommen, ohne in die Stadt zurückzumüssen.
Auf der korrekten Straße
angekommen, fahren wir durch verstaubte Dörfer auf einer recht stark
befahrenen Straße über das Sredna-Gora-Gebirge, wo wir eigentlich
noch Hissaria sehen wollten, Richtung Kazanlak. Die Straße
Sofia-Burgas wird übrigens auch erneuert, ich fahre über noch
dampfenden Asphalt an Planiermaschinen vorbei, auch die Luft ist kochend
heiß und mein Franzose pennt aufgrund seiner verkorksten Nacht neben
mir auf dem Beifahrersitz.
  
Wir fahren dann kurz vor Kazanlak nach Schipka zur russischen Kirche hoch,
wo ich zufällig für einen Bulgaren gehalten werde und umsonst
reinkomme, während mein Franzose Eintritt zahlen muss. Ausländer
müssen in Bulgarien und auch einigen anderen osteuropäischen
Ländern bei vielen Gelegen- heiten mehr bezahlen als Landsmänner,
weil sie offensichtlich für reicher gehalten werden. Stimmt zwar auch
größtenteils, aber dennoch ist diese Diskriminierung etwas unangebracht.
In der Kirche kommen wir
auf Anfrage in die Krypta rein, wo extra für uns Licht gemacht wird.
Da man die russische Kirche nicht alt ist, ist sie mit Marmor ausgekleidet.
Dort befinden sich keine Särge, sondern Gedenksteine für die
russischen Soldaten, die im Bulgarischen Befreiungskrieg auf bulgarischer
Seite gegen die Osmanen gekämpft haben und gefallen sind. Die gesamte
Kirche wurde übrigens als „Dankeschön“ für die russische
Unterstützung im Befreiungskrieg erbaut.
Nach der Besichtigung der
Kirche driveln wir Richtung Kazanlak zurück, um eine Tanke zu suchen,
da mein Franzose befürchtet, nicht mehr über den auf unserer
Strecke liegenden Schipkapass zu kommen. Nach dem Volltanken mache ich
kehrt und fahre den Schipkapass hoch, der uns nach dem Piringebirgspass
landschaftlich nicht mehr sehr beeindrucken kann.
Da mein Franzose die gesamte
Zeit im Auto schläft, ist es auch kein Wunder, dass er das Denkmal
am Schipkapass nicht besichtigen will. Zum Glück! Ich nämlich
auch nicht. Auf der anderen Seite des Balkangebirges geht es durch einen
Buchenwald mit grau schimmernden Stämmen wieder abwärts. Wir
fahren weiter über Gabrovo, wo eigentlich die Altstadt besichtigen
wollten, dann aber doch nicht, nach Boshenzi, einem kleinen abgelegenen
Dorf, das nur aus Häusern der sogenannten Wiedergeburtszeit besteht.
Die enge Straße dorthin ist super und lädt zum rasen ein. Im
Dorf angekommen, laufen wir eine Straße runter und wieder zurück.
Das Dorf ist sehr schön und malerisch. Man bemerkt auch hier, dass
die Leute sehnsüchtig auf zahlungskräftige Touristen warten,
die aber offensichtlich (und zu Unrecht) ausbleiben.
Dummerweise
quengelt mein Franzose rum, er würde Häuser langweilig finden,
zumal wir davon in Melnik und Plovdiv bereits einige gesehen haben, aber
sein Unwille liegt wohl eher an seiner Müdigkeit.
Wir fahren letztendlich
weiter nach Veliko Tarnovo, um dort ein Hotel zu suchen. Zuerst suchen
wir nach einem Campingplatz, der sich laut Reiseführer 2km außerhalb
der Stadt auf der Straße von Sofia nach Varna liegen soll. Leider
steht nicht da, in welcher Richtung. Nach dem Abfahren der beiden potentiellen
Standpunkte lässt sich lediglich feststellen: alles Humbug! Also suchen
wir in der Stadt nach einem Hotel oder einer Pension. Nichts leichter als
das: wir haben ja unsere zuverlässigen Reiseführer! Nach einer
langwierigen Parkplatzsuche (nicht dass es keine gäbe, aber bei der
Hitze bin sogar ich ein Schattenparker) gelangen wir zu einem ollen Hotel,
das aus der guten alten Ost-Zeit stammt. Wir fragen nach, was es kosten
soll. 58! Teuer, aber was sollen wir machen? Nach weiterer Nachfrage stellt
sich heraus, dass es sich um 58$ handelt. Pro Person! Na danke
und tschüss. Weiter geht’s. Wir fahren zweimal in einem großen
Kreis durch die staubige Stadt und finden letztendlich doch noch ein anderes
Hotel, das zwar teuer ist, weshalb wir es auch nicht nehmen, aber dafür
werden wir glücklicherweise weiterverwiesen, zu einem billigeren Hotel.
Dieses finden wir nicht, aber ein anderes, welches verkeimter und verräucherter
ist als die vorigen, aber genauso teuer! Also raus. Zufällig finden
wir dann doch noch ein Schild, das uns zu dem vom zweiten Hotel empfohlenen
Hotel führt. Wir machen die etwas unauffällige Tür auf,
latschen durch ein dunkles Treppenhaus in den dritten Stock hoch, wo sich
das „Hotel“ befindet. Auf ersten Blick sieht es etwas schäbig und
billig aus. Auf zweiten Blick aber ist es sehr schäbig und gar nicht
mal so billig wie schlecht. 16 DM pro Person - und das für eine Hinterhofabsteige
mit keinen Extras (weder Klos im Zimmer noch Waschbecken u.s.w.), die sich
in einem dritten Stock befindet, dazu eine (zum Glück nur eine) übellaunige,
tranige Rezeptionistin, die sich schon bei einer Preisnachfrage genervt
gibt. Und Zimmer, die schlechter aussehen, als ein durchschnittliches obdachlose-Alkoholiker-Heim.
Na toll! Mein Franzose, der schon Angst hat, er müsse wieder im Auto
schlafen, ist schon fast weichgekocht, aber ich erinnere mir zum Glück
noch an meine Menschenwürde und sage mit letztem Entgegenstemmen freundlich:
Nein, das ist uns zu teuer.
Nach zwei verkackten Nachmittagsstunden
im verstaubten und kochend heißen Veliko Tarnovo fahren wir sauer-müde
Richtung Gabrovo zurück, wo ich mich einer einigermaßen okayen
Pension entsinne, doch welch ein Wunder: wir sehen kurz hinter Veliko Tarnovo
ein Schild, das zu einem Hotel führt! Diese Chance lassen wir uns
natürlich nicht entgehen. Dummerweise ist das Schild nicht eindeutig
- wir fahren erst in den richtigen Ort (Debeletz, das erste Dorf Richtung
Gabrovo) rein, finden aber nur ein Freibad. Wir fahren zurück zum
Schild, dann ins Nachbardorf. Dort sagt uns einer, das Teil wäre im
ersten Dorf. Also zurück nach Debeletz. Dort angekommen, fragen wir
einen alten freundlichen aber schwerhörigen Opa, der meint, das Teil
wäre am Fluss. Wir fahren dorthin. Dort ist aber nur das Freibad!
Aber dann zeigt man uns endlich das Hotel (auf der anderen Seite vom Fluss
- ohne Nachfragen unauffindbar).
Nun denn, was soll ich sagen?
Das Hotel ist fast unschäbig (Dusche und ordentliches Klo im Zimmer,
warmes Wasser...) und nur 10 DM pro Kopf. Wir reiben uns verdutzt die Augen,
dann verschmitzt grinsend die Hände und nehmen das Zimmer. Dort angelangt,
brechen wir in euphorisches Gelächter aus, duschen und essen im Hotel
ein üppiges Abendbrot (für bulgarische Verhältnisse teuer,
aber gut, 2 Bier, eine Flasche Wein, ordentliches Essen u.s.w., für
beide insgesamt etwa 20DM).
Leider schlafen wir wegen
Lärm und Hitze nicht gleich ein. Aber trotzdem ein kranker Tag! |
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