7. Reisetag 08.70.2000
gefahrene Kilometer: 131,7 km
Total: 3149,5 km
Strecke: Debeletz-Veliko Tarnovo-Arbanassi-Elena-Debeletz
Besichtigungen:
 - Unabhängigkeitsmuseum von Veliko Tarnovo
 - Zarevetz-Hügel in Veliko Tarnovo
 - St. Peter u. Paul in Veliko Tarnovo
 - Georgskirche in Veliko Tarnovo
 - Demetrios-Kirche in Veliko Tarnovo
 - Kordopulov-Haus in Arbanassi
 - Kirche in Arbanassi
 - Sv-Troiza-Kloster
 - Preobrashenski-Kloster
 - Pantelimon-Kloster
Tagesbewertung:
 
Nach einer recht unruhigen Nacht beschließen wir trotzdem, in dem Hotel in Debeletz noch mal zu übernachten, da wir 1) heute aus dem Gebiet Tarnovo nicht herauskommen - es gibt hier genug zu besichtigen, 2) weil wir keinen Bock haben, ein anderes Hotel zu suchen und 3) weil das Hotel an sich OK ist. Man hat uns aufgrund meiner Beschwerde über die Hitze sogar ein anderes, kühleres Zimmer gegeben - sind ja eh fast alle frei.
Wir brechen also nach Veliko Tarnovo auf, sehen uns dort erst ein totlangweiliges Museum an, das sich im von K. Fitschev erbauten, hübschen Konak befindet. Ich ärgere mich mit einer Kassiererin rum, die nicht auf einen 50-Leva-Schein rausgeben kann und erstmal Geld holen muss. Das Museum soll die bulgarische Unabhängigkeitsbewegung dokumentieren (es sind lediglich Kopien von Fotos von irgendwelchen Generälen und anderer Papierkram zu bestaunen, aber keine wirklich interessanten Exponate. Ausserdem ist alles nur auf bulgarisch erklärt.) Also beschränke ich mich darauf, schnell überall durchzurennen, vielleicht steht ja irgendwo doch noch was vernünftiges, und ich beobachte dann lieber die anderen wenigen Spinner, die sich hierhin verirrt haben und gemächlich-bedächtig durch die Räume schlendern und so tun, als würden sie sich die Texte durchlesen. Einer von ihnen ist ein ganz hartnäckiger Knabe.
Nach etwa einer Viertelstunde sind wir wieder draußen, sogar mein Franzose, der Museumsfetischist, ist zutiefst enttäuscht.
Veliko Tarnovo, Zarevetz - Foto CGVeliko Tarnovo, Patriarchenkirche - Foto CG
Wir also weiter zum Zarevetz (Burgberg), wo ich als Bulgare mit einem Pfennigbetrag an Eintritt davonkomme. So viel, wie ich dachte, gibt es dort aber leider nicht zu sehen - am besten ist immer noch die Patriarchenkirche, die vor etwa 20 Jahren wiederaufgebaut wurde (vorher mal von einem Erdbeben zerstört worden) und innen dementsprechend mit sozialistisch-heroisierenden Darstellungen befreskt ist. Komischerweise sehe ich dort drei japanische Touristen, sonst aber überhaupt keine, nicht mal europäische.
Nun denn. Wir steigen von dort aus ins Tal hinunter, wo sich einige alte Kirchen befinden - eine dicke Schlüsselfrau mit ebensolchem Leberfleck im Gesicht und leichtem Kaffeemundgeruch zeigt uns für etwas Geld zwei der Kirchen. Sie hört gar nicht mehr auf, zu erklären und zu erzählen. Und das, wo ich doch kaum bulgarisch verstehe und mein Franzose erst recht nicht. Fragt sich nur, ob es mich interessieren würde, falls ich es verstünde. Wohl kaum. Nach mehrmaligem dezentem Unterbrechen und Daraufhinweisen, sieht sie ein, dass sie umsonst labert und lässt uns in Ruhe. Aber die Kirchen sind schön und alt.
Wir klettern danach durstig den Berg zum Auto wieder hoch, füllen einige Plasteflaschen an einem Stadtbrunnen ab, ist wohl Trinkwasser, und fahren nach Arbanassi, einem bloß 4 km entfernten Dorf.
Dort honken wir erstmal zum Dorfkiosk, um uns Eintrittskarten für die Sehenswürdigkeiten zu holen. Leider haben nur zwei davon offen. Zuerst besichtigen wir ein altes Haus, welches mir ein paar Ideen für die architektonische Gestaltung meines zukünftigen Hauses bringt (falls ich je eins bauen sollte), dann geht es rüber zu einer von außen sehr schlichten Kirche, die innen aber von prächtigsten Fresken bedeckt ist, und von der aus man zu einer ehemaligen Residenz des einstigen bulgarischen Staatsratsvorsitzenden Shivkov rübersehen kann.
In der Kirche raunzt mich prompt eine alte Frau, die gerade einen Haufen älterer, prolliger deutscher Sieh-mal-einer-an!-Touristen rumführt, auf bulgarisch an und meint, ich solle erstmal draußen bleiben. Ich finds echt toll, dass man mich nicht als ausländischen Touri erkennt. Nun denn.
Veliko Tarnovo, Demetrios-Kirche - Foto CGVeliko Tarnovo, Konak - Foto CGArbanassi, Haus - Foto CGArbanassi, Residenz - Foto CG Als die kurzzeitinteressierten Badeurlaub-mit-Option-auf-Sightseeing-Bucher, die wohl mal meinten: „Ach, ich tu jetz mal was für meine kulturelle Bildung und lerne das Land kennen“,  draußen Postkarten und Bildbändchen kaufen wollen, übersetze ich angeberisch ein bisschen, gebe Ratschläge und komme mir extreem cool vor. Mir fällt wieder einmal auf, wie saublöd einige Leute sind. „Ich will aber ein Buch von der Stadt da drüben, wie hieß die denn bloß?“ „Ist das auch mit dem Ort hier drin?“ „Ach, gibt’s das auch von diesem Ort? Achso, na dann doch lieber das.“
Ich kauf mir ein Arbanassi-Heft und wir fahren zum Sv-Troiza-Kloster, dessen Weg von der Straße zurück nach Veliko Tarnovo abzweigt. Laut Führer soll die Straße grottenschlecht sein, sie wurde aber gerade erneuert. Wir halten vor dem Kloster, dessen Pforte verschlossen ist, ich poche dreimal, wir wollen gerade wieder gehen, da kommt eine verschlafene Nonne und meint, wir kämen ungelegen, da gerade Mittagsruhe herrscht. Sie fragt uns, ob uns das niemand gesagt hat, ich sage nee und wunder mich, sie sagt, ich solle das mit der Mittagsruhe mal den anderen sagen, ich wunder mich noch mehr. Sie meint wohl, dass wir das Kloster nur vom Hörensagen kennen und hat wohl noch nie etwas von Reiseführern gehört und noch nie das Schild unten an der Hauptstraße gesehen, das zu dieser Sehenswürdigkeit führt.
Da ich die Klosterruhe nicht stören will, lenke ich kleinlaut ein, aber sie lässt uns mit einer beiläufigen Geste rein. Wir gucken uns schnell die Kirche an, die innen renoviert und, wenn ich es recht in Erinnerung habe, gefliest (!) wird, und verlassen das Kloster möglichst schnell, da ich mich hier irgendwie nicht willkommen fühle.
Wir fahren weiter zum Preobrashenski-Kloster am gegenüberliegenden Berghang, einem Mönchskloster. Mein Franzose findet es witzig, dass sich die Mönche und die Nonnen vom gegenüberliegenden Kloster sich über das Tal hinweg huhu zurufen und anwinken könnten.
Das Preobashenski-Kloster ist recht verfallen. Die Kirche ist aber sehr schön und einen Besuch wert, wegen der Fresken und dem guten Kirchengeruch.

Mönch im Preobrashenski-Kloster - Foto CGIm Kloster wohnt wohl nur noch ein einziger Mönch, ein winziger, buckliger Tattergreis, der uns in die Kirche hineinlässt. Nach einem kurzen Schwätzchen sehen wir uns die Kirche an, und ich kann nur beteuern, wie schön sie sei. Daraufhin fragt er, wo ich herkomme, ich sage Deutschland, er fragt, wieso ich dann bulgarisch kann, ich sage wegen meinen Vorfahren, er fragt wo mein Vater denn genau herkommt - komisch, jeder fragt hier nach meinem Vater.
Tja, bald wird dieses Kloster wohl völlig vereinsamt sein.
Nach der Besichtigung fahren wir unter Veliko Tarnovo durch (es gibt einen Tunnel) und Richtung Elena weiter. Unterwegs kommen wir am Pantelimon-Kloster im Dorf gegenüber von Debeletz vorbei. Es handelt sich um ein neueres Kloster (voriges Jahrhundert), das in keinem unserer Reiseführer drinsteht und das wir nur zufällig entdecken. Ein Mönch schließt und wiederum die Kirche auf, die diesmal nicht so besonders ist - dafür aber typisch und ganz untouristisch.
Wir honken weiter über irgendwelche Dörfer nach Elena, es ist aber schon spät und wir fahren über eine andere Straße zurück nach Debeletz. Eigentlich müssten wir unterwegs an weiteren Klöstern vorbeikommen, aber wir haben keine Lust mehr zu suchen. Die Straße von Elena nach Debeletz ist landschaftlich schön, sehr schmal, kurvig und oft zugewachsen, daher muss man höllisch aufpassen, ob Gegenverkehr kommt. Dieser taucht aber quasi nie auf. Die Straße ist überhaupt nicht ausgeschildert (!), es gibt lauter Verzweigungen und die Dörfer haben nicht einmal Ortseingangs- geschweige denn Ortsausgangsschilder. Zufällig finden wir aber das völlig unbewohnte und verfallene Erzengel-Michael- Kloster, können von der Straße aus aber keine Kirche ausmachen und fahren daher nach einer kurzen Pinkelpause weiter.
Preobrashenski-Kloster - Foto CGPreobrashenski-Kloster - Foto CGPreobrashenski-Kirche - Foto CGPantelimon-Kloster - Foto CG Wir sind froh, dass wir dann doch ohne Probleme unser Hotel finden, wo wir nochmals eine Abendbrot-Orgie einlegen und dann ins Bett plumpsen.