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| 8.-12. Reisetag |
09.07.2000 und folgende |
| gefahrene Kilometer: |
503,8 km |
| Total: |
3653,3 km |
| Strecke: |
Debeletz-Schumen-Madara-Varna-Burgas-Primorsko |
| Besichtigungen: |
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| - Tombul-Moschee in
Schumen |
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| - Madara |
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| Tagesbewertung: |
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Frühmorgens nach dem
Aufstehen geht es zum letzten Mal den staubigen Schlenker nach VT-Neustadt
hoch, quer durch die Stadt und dann über ein neues Schnellstraßenkreuz,
das sich im Bau befindet und eine Stadtumfahrung möglich machen wird,
aus der Stadt heraus. Über Targoviste, das einen recht ossigen Eindruck
macht mit seinen Platten, geht es nach Schumen, wo eine sehr schöne
Moschee steht, wohl die schönste und größte in Bulgarien,
wenn man wenigstens in diesem Falle dem Führer Glauben schenken darf.
Aber selbst in der Türkei werden wir nur wenige sehen, die noch schöner
sind, da wir nicht nach Istanbul fahren werden.

Wir kommen drolligerweise
ohne Eintritt in die Moschee rein, weil wir uns in eine Touristengruppe
mischen. Es fällt auf, dass wir uns der Küste nähern, von
wo aus die Sehenswürdigkeiten in einem Tagesausflug locker zu bewältigen
sind. Hier handelt es sich wohl um eine Gruppe von Schweden oder so. Nach
dem Moscheebesuch, natürlich barfuß und in langen Hosen, trinken
wir gegenüber unseren ersten türkischen Tee, der uns noch weiterhin
zu allen möglichen Gelegenheiten begegnen soll, für ein paar
Pfennige in einem kleinen Türkencafé mit Türken drin.
Dann fahren wir weiter nach
Madara, wo es viele Touris gibt, aber wenig zu sehen. Es handelt sich um
eine Felswand, die wohl schon zu Urzeiten besiedelt worden sein soll und
dementsprechend ein paar Wohnhöhlen aufweist, die aber allesamt gänzlich
unspektakulär sind.
Etwas interessanter hingegen
ist ein Felsrelief, das wohl aus dem 1. Bulgarischen Reich stammt, uns
zwar ein Reiter mit Hund - der berühmte Reiter von Madara. Dummerweise
ist dieser kleiner als ich mir die ganze Geschichte vorgestellt habe. Und
das soll nun so ein wichtiges Nationalsymbol sein, dass es sogar die neuen
bulgarischen Münzen schmückt? Naja... Und dann ist dieses Teil
auch noch von einer völlig unfotogenen rostigen Metallplattform für
die Restauratoren verdeckt, und zwar in der Weise, dass man zwar noch den
Reiter sehen kann, aber ohne einen Bärenzoom kein anständiges
Foto hinbekommt.
Etwas enttäuscht fahren
wir über die Autobahn, die die EU jetzt teilweise erneuert hat, nach
Varna, über eine Huppelstraße am leicht heruntergekommenen Hafen
lang und dann über die Hafenbrücke nach Süden und siehe
da, das kurze Autobahnstück nach Burgas ist gesperrt - wird wohl auch
erneuert - ich muss einen großen Umweg über die alte Landstraße
nehmen, die ich noch nie gefahren bin. Es geht nach diesem Umweg mit einigem
Abstand zum Meer, in dessen Nähe wir nur bei Obzor kommen, Richtung
Süden weiter. Nach dem Überqueren der serpentinenhaltigen östlichen
Ausläufer des Balkans hat man einen guten Ausblick auf den Sonnenstrand
und die Halbinsel des sehr hübschen Städtchens Nessebar, welches
ich schon öfters gesehen habe.
An der Küstenstraße
wird schon wieder gebaut, und wir nehmen nochmals einen Umweg übers
Hinterland. Dann fahren wir durch das von Hochhaus-Plattenbauten geprägte
Burgas Richtung Primorsko. So langsam komme ich in heimatliche Gefilde
und werde schon ganz unruhig.
Endlich kommen wir in Primorsko
an, wo ich ein paar Lebensjahre im Kindergartenalter verbracht habe. Ich
hole bei ein paar alten Bekannten den Schlüssel für unser Appartement
ab und gehe nach dem Gepäckauspacken gespannt zu Thomas, einem alten
bulgarisch-deutschen Freund, der dort wohnt, the same procedure as every
year. Begrüßung-erzählen-u.s.w.
Die
nächsten paar Tage verbringen wir entweder mit bulgarischen Kumpels
zusammen, beispielsweise beim Videogucken oder in westlich anmutenden Discos,
die unter anderem von verhältnismäßig vielen Pseudohiphoppern
Marke Eminem-Fan bevölkert sind. Da der Ort nicht in westlichen Reisekatalogen
steht, treiben sich im Ort und in der Disco (glücklicherweise) fast
nur bulgarische Urlauber oder Tschechen und Ukrainer rum, außerdem
ist es billiger als in den großen Zentren.
Oder aber wir tauchen mit
ein-zwei Kumpels nach Miesmuscheln, die sich an den örtlichen Felsen
finden lassen, um die zu grillen und zu essen. Dummerweise knirschen die
meisten aufgrund ihres hohen Sandgehaltes.
Ansonsten verbringen wir
die paar Tage bis zur Weiterfahrt zu Hause im Appartement oder bei meinen
Großeltern, zwei Dörfer weiter im Hinterland.
Den Großeltern geht
es für mitteleuropäische Verhältnisse recht schlecht. Beiden
steht insgesamt eine Rente von 100DM im Monat zur Verfügung, aber
sie haben einen großen Garten, Schweine, Hühner, Ziegen u.s.w.,
sind also quasi nicht auf Hilfe angewiesen, für Brot, Strom, Wasser
und Medizin reicht das Geld. Im Gegenteil: sie können sogar noch 50DM
Geburtstagsgeld für den lieben Enkel aus Deutschland sparen. Es ist
verrückt, aber da kann man nichts machen. Sie verweigern die finanzielle
Unterstützung der Kinder und überleben auch so.
Nun denn, nach dem für
sie sehr überraschenden Wiedersehen, dem anschließenden Begrüßungsritual
und einem knappen Stündchen Unterhalten fahre ich wieder zurück
nach Primorsko, da meinem Franzosen nun auch schon langweilig wird.
Nach 4 Tagen Aufenthalt
packen wir unsere Taschen, verabschieden uns, um am nächsten Morgen
früh aufzubrechen. |
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