Rufen - Eine
Chronik
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von Rufen
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Das Elternhaus meines Vaters in Rufen
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Diese Chronik wurde von dem Lehrer Hellmuth Kaldun aus Rufen 1944
begonnen und von seinem Sohn Günther Kaldun in Frankfurt a. M. 1988
fortgeführt.
Brauchtum
Ich danke für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung, bitte aber
um Verständnis, daß hier nur Auszüge dargestellt werden können.
Daß die Chronik gerettet wurde, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Die
damals noch in Rufen weilende Christel Kastner hat sie in dem geplünderten
Haus der Kalduns gefunden und in Verwahrung genommen. Erst nach vierzig
Jahren gelangte die Chronik in die Hände von Günther Kaldun, der sie
vervollständigt hat.
Das Dorf Rufen (verfaßt 1944)

Eine bis in die Steinzeit hineinreichend germanische Siedlung, von Wald
umgeben, im nordwestlichsten Zipfel des Kreises Soldin gelegen, nach
Norden an den Gau Pommern, nach Westen an den Kreis Königsberg,
Nm. grenzend, ist auch heute das, was es seit Jahrhunderten unter der
Herrschaft der pommerschen Herzöge, des Templer- und
Johanniterordens und der Markgrafen von Schwedt gewesen ist, ein
Bauern- und Waldarbeiterdorf.

Die Bauern waren bis zur Bauernbefreiung erbuntertänig. Einige
Bauerngeschlechter sind bis 1700 - weiter zurück reichen die Urkunden
nicht - nachweisbar. Das Dorf Rufen, das, soweit bisher festgestellt
werden konnte, 1337 zum ersten Male genannt wird, hatte im Jahre
1718 10 Bauernhöfe und 4 Kossätenwirtschaften. Die 4 Kossäten
hatten außer ihrer Hufe (30 Morgen) noch eine Hufe gemeinsam. Ferner
war 2 Filialhufen vorhanden.

Fast unverändert haben sich die Bauernhöfe durch die Jahrhunderte
erhalten. Durch Zukauf von Land, Kultivierung von Oedland, Waldrodung,
Entwässerung von Sümpfen, durch Teilung und Besiedlung des Guten
Rufen sind weitere 8 Bauernhöfe seit 1900 entstanden, so daß zur Zeit
18 Bauernhöfe (Erbhöfe) vorhanden sind. Weitere Bauernhöfe könnten
nicht mehr geschaffen werden, da sonst die Höfe zu klein werden
würden.

Die Bewirtschaftung der Höfe geschieht im allgemeinen durch die
Bauernfamilie und die ledigen familienfremden Arbeitskräfte. Nur in den
Haupternte-Zeiten, Getreide-, Kartoffel- und Rübenernte, werden die
Familien der in den Werkwohnungen wohnenden Arbeiter oder kleinere
Hausbesitzer, für die der Bauer die Fuhren besorgt, herangezogen.

Die vorhandenen Werkwohnungen sind besetzt. Für die Haupternte-
zeiten kann der Bauer auf Mithilfe seiner Einwohner rechnen. Für die
täglich zu leistende Arbeit ist seine Lage aber in den meisten Fällen
außerordentlich schwierig.

In einem Bericht von 1714 heißt es vom Rufener Boden:

"Mittelmäßiger, dem Hirschfraß ausgesetzter Acker, kein Wiesen-
wuchs, notdürftige Hütung in der herrschaftlichen Heide, etwas
Eichenholz und Mastung, keine Fischerei".

Mittelmäßig ist auch heute noch der Boden, auch die Äcker sind wie vor
Zeiten dem aus den umliegenden Wäldern austretendem Wild (Hir-
schen, Rehen und Wildschweinen) ausgesetzt, das oft beträchtlichen
Schaden anrichtet. Die Hütung in der Heide erfolgt nicht mehr und ist
abgelöst. Die Fischerei ist ganz gering. Durch die Bodenkultur der
Neuzeit ist der Acker wohl ertragreicher geworden, auch die Wiesen
bringen höhere Erträge. Trotzdem sind die Erträge als sehr mittelmäßig
zu bezeichnen.

Die Verkehrsverhältnisse sind gut. Es besteht eine örtliche Spar- und
Darlehenskasse.

Im Jahre 1926 wurde in Rufen eine Schneide- und Mahlmühle errichtet.
Die Holzzufuhr aus den nahen Wäldern ist bedeutend. Andere
Industrien, die Arbeitskräfte an sich ziehen könnten, befinden sich nicht
in der Nähe.

Abschließend sei folgendes gesagt:

Die Bevölkerung von Rufen, ob Bauer, Land- oder Forstarbeiter oder
Handwerker, ob Mann oder Frau, arbeitsfähiges Kind oder Greis, sie alle
sind Menschen, die am Schaffen ihre Freude und Befriedigung haben,
die sparsam das in schwerer Arbeit erzeugte Gut und Geld verwenden
und nicht müde werden, erst recht nicht in dieser Notzeit des
schwersten aller Kriege. Mögen auch zukünftige Geschlechter werden
wie ihre Ahnen, dann wird es nie Sorge geben!
Diese Seite wurde zuletzt geändert am 27.03.01