Topografische Vorkommen in Ostpreußen

Radau, Kreis Heiligenbeil, Ostpreußen

E I N   O R T S N A M E   A L S   F A M I L I E N N A M E 

Für einen Herkunftsnamen ist nur das im Ermland gelegene Dorf Radau (poln. Rodowo) im Kreis Heiligenbeil zu beachten, das 4.5 km nordöstlich von Braunsberg liegt. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist es der Ursprungsort der meisten heute lebenden Namensträger!

Dies darf man wohl aus der starken Verbreitung der Radau in dieser Gegend schließen, wofür im weiteren noch Belege angeführt werden. Nur in dieser Landschaft ist eine ältere bäuerliche Schicht nachgewiesen. Urkundlich ist dieser Ort, der um 1350 entstanden sein dürfte, 1372 erstmals als Rodow erwähnt. 1419 wird er Roddaw genannt. Hiervon könnte vielleicht der Familienname Rodaw abzuleiten sein - in späterer Zeit aber auch Radow. Da der Deutsche den prußischen Doppellaut "ou" ohne Unterschied als "au", "aw" oder "ow" schreibt, kann man daher alle diese verschiedenen Schreibweisen und auch den aus diesen entstandenen Familiennamen zu einer Namengruppe zusammenfassen.


Lage im Deutschen Reich 1922-1939

Das kleine Dorf hatte 1437, aber auch noch 1575 nur 12,5 Hufen (etwa 216 Hektar). Im Jahre 1817 waren es 7 Haushaltungen mit 34 Einwohnern.

In "Die altpreußischen Ortsnamen" von G. Gerullis (1922) wird der Ortsname auf den litauisch-prußischen Wortstamm rudas = rotbraun zurückgeführt und deutet auf ein sumpfiges, rotbraunes Gewässer hin. Die gleiche Deutung gilt auch für Rudau im Kreis Fischhausen. Hierbei ist zu beachten, dass bei den Ortsnamen der Vokal "u" häufig durch "o" ersetzt wurde, was auf die Einwirkung des Deutschen auf das Prußische zurückgeführt wird.

Es ist naheliegend und theoretisch auch in Erwägung zu ziehen, ob der Familienname Radau u.a. nicht auch als Übername aufgefasst werden könnte, da der Wortstamm entsprechende persönliche Eigenschaften zum Ausdruck bringen könnte. Dass der frühe Träger dieses Namens nach körperlichen oder charakterlichen Eigenheiten benannt worden sein könnte, zeigen folgende Beispiele:


das althochdeutsche rat = schnell
das litauisch-prußische raudas = rotbraun (Haarfarbe?)
das slawische rad = froh, Freude oder rada = Rat; poln. radatsch(tz) = raten (in bezug auf Ratgeber)
slaw. radua = fliessen


Die Tatsache aber, dass die entsprechenden Gewässer- und Ortsnamen schon sehr früh belegt sind, legt die Deutung des Namen Radau als Herkunftsname nahe, jedenfalls für die Vorkommen im mitteldeutschen und ehemals prußischen Raum. Eine eindeutige Klärung wird aus naheliegenden Gründen stets sehr schwer sein. Doch nehmen die meisten Namenforscher an, dass eine unmittelbare Ableitung der Familiennamen Radau von einem Eigenschaftswort nach der Lage der Dinge weniger wahrscheinlich ist.


R A D A U   H E U T E :   D A S   P O L N I S C H E   R O D O W O 

©2005 Bubna-Radau Fotos aus dem Jahre 2005 wurden freundlicherweise von der Familie Bubna-Radau zur Verfügung gestellt.




Google Earth 2008 


L A G E 

E 19°51' N 54°25


D I E   P R U ß E N   -   N A M E N S G E B E R   V O N   R A D A U ? 

Der Name Preußen stammt von dem ehemals zwischen Weichsel und Memel ansässigen baltischen Volksstamm der Prußen (Pruzzen) und bezeichnete ursprünglich nur dessen Siedlungsgebiet, etwa das spätere Ost- und Westpreußen umfassend.

Zur Christianisierung und Unterwerfung der Prußen rief der polnische Piastenherzog Konrad von Masowien 1225/26 den Deutschen Orden ins Land, der im Gegenzug in den Besitz der zu erobernden Gebiete kommen sollte. Der Deutsche Orden empfing von Kaiser Friedrich II. (Goldbulle von Rimini) das Kulmerland sowie das übrige, noch zu erobernde Land der Prußen als Lehen und erhielt die Reichsfürstenwürde in Preußen. Dem Orden folgten zahlreiche deutsche Siedler (sog. Ostsiedlung), die um die Burgen herum Städte gründeten. Aber erst 1283 gelang die vollständige Unterwerfung der Prußen.


Ä L T E S T E   N A M E N V O R K O M M E N 

Der älteste nachgewiesene bürgerliche Namensträger Radau ist der 1372 erwähnte de Rodow, der in jenem Jahr als Neubürger der Stadt Braunsberg in Ostpreußen verzeichnet ist. Es ist sicher, dass er aus dem Dorf Radau aus dem Kreis Heiligenbeil stammt. Fraglich hingegen ist, ob der 1259 unter den Bremer Ratsherren an 115. Stelle angeführte Raddaus, der von 1259 bis 1283 nachweisbar ist, zu den Radau zu zählen ist.


U N S E R E   S C H W E R P U N K T E   I M   E I N Z E L N E N 

evangelische Radau Schon seit einigen Jahren forscht und sammelt Boris Radau besonders im Samland und rund um Königsberg.
katholische Radau Hauptsammelpunkt ist das ehemalige Ermland in Ostpreußen.
Adelige Radau Ein früher in Ostpreußen begütertes Geschlecht.


R A D A U   W I R D   Z U   R A U D O N A T 

...Michael Radau aus Heidekrug gründete 1755 mit den Litauern Friedrichsdorf (Kreis Labiau). Er erhielt den Namen Raudonat, viele bekamen dieses Suffix nat...

Quelle: Hubert Woelky, Beitrag in der OWP-Liste im Februar 2004



Im Mai 2004 sind unter "Raudonat" 88 Telefonbucheinträge verzeichnet.

Quelle: www.telefonbuch.de


O R T S F A M I L I E N B U C H   F Ü R   M E M E L L A N D 

Dieses Ortsfamilienbuch auf einer externen Internetseite enthält einige Namensträger Raudonat/e


R A U D O N A T S C H E N ,   K R E I S   T I L I S T ,   O S T P R E U ß E N 

Raudonatschen Schäferei > siehe I n s t e r f e l d e.

I n s t e r f e l d e < Raudonatschen Schäferei,
unter Umwandlung der Landgemeinde in einen Gutsbesitz, Kreis Ragnit, 4. 6. 1907;
seit 30. 9. 1928 Wohnplatz von Landgemeinde Raudonatschen.
Die Schäferei war 1840 als Vorwerk zu Gut Raudonatschen auf gekauftem, separiertem Land von Dorf Raudonatschen errichtet worden.

Quelle: Sonderschrift Nr. 53 des Vereins für Familienforschung in Ost-
und Westpreußen: Neue Ortsnamen in Ostpreußen seit 1800 von Fritz Gause



Raudonatschen

Im Jahre 1779 müssen die Pieragiener Güter für 23000 Rth gekauft worden
sein, denn 1802 wurden sie auf Grund dieses Erwerbwertes mit 11500 Rth
bepfandbrieft.
Der Rittmeister und nachmalige Landschafts-Direktor Johann Leopld Sandes
von Hoffmann errichtete unterm 3.9.1810 ein Testament, nach dem er die
Pieragiener Güter seinem ältesten Sohn dritter Ehe Eugen Sandes von
Hoffmann so vermachte, wie sie nach dem Privileg von 1751 bestehen, und
zwar Pieragienen, Dwarischken, Büttnershofchen alias Abschruten und dem
Pangerwitzer Krug für 45000
Das Vorwerk Tamosischken für 2000 rj
Das Gut Stobingen für 10000 rj
Das Gut Sahautschen für 35000 rj
und den Krug in Schunkern für 1000 rj
Gesamt 93000 rj

Sein Sohn August erhielt das Gut
Raudonatschen für 70000 rj
und Gerwischkehmen für 20000 rj
Gesamt 90000 rj



Seine Tochter Amalie, geboren 13.1.1788, verehelichte von Kendell, Ernst
Florian Heinrich, erhielt Potschkemen für 20000 Rth und seine Tochter
Aurora, Jautecken für 26000 Rth. Kriminal Direktor Flottwell war 1812
Vormund der Kinder, die damals noch alle minoren waren.
Eugen Sandes von Hoffmann hatte durch Testament vom 8.9.1812 seinen
Bruder August zum Erben von Jakautschen und der Pieragiener Güter
eingesetzt, so daß diese und Potschkemen vereinigt wurden, da Eugen
Sandes von Hoffmann schon 1813 tot war.
August Sandes von Hoffmann, Sohn des Eugen S. von H., Leutnant beim
Regiment Garde Husaren, wurde 16.3.1820 großjährig und übernahm die
Bewirtschaftung seiner Güter. Sakautschen verkaufte er sofort an
Steiner. Raudonatschen mußte er, obgleich ungern, seinem Schwager von
Sanden - Tuhsainen zur Befriedigung der Erbansprüche seiner Schwester,
für ein Spottpreis überlassen, wodurch eine lebenslängliche Feindschaft
zwischen ihnen entstand.
Die Pieragiener Güter wurden 1813 landschaftlich taxiert. Damals
inspizierte sie Hauptmann von Milewski. 1820 bei der Großjährigkeit des
August Sanden von Hoffmann wurde diese Taxe recherchiert. Damals
inspizierte sie Leutnant Szepanski.



Tusseinen wurde vom Herzog Albrecht laut Urkunde vom 2. August 1561 vom
Hans Friesen von Tübingen als Besitztum von neuem bestätigt und die
Grenzen genau beschrieben. Die Kriegsrat August Heinrich Cölerschen
Eheleute traten Tusseinen 1798 an ihren ältesten Sohn Heinrich Wilhelm
Coeler laut Kaufvertrag vom 13. März ab (die Frau war Johanne Charlotte
geborene Erdtmann). Damals gehörten dazu die Vorwerke Klagaten, Trasken,
Lumpöhnen. 1800 war Oberamtmann von Sanden schon im Besitze. Coeler
hatte schon 1783 Klagaten für 24000 Rth zugekauft. Am 3. November 1815
war Oberamtmann Bernhard von Sanden schon tot. Lumpöhnen hatte er 1813
verkauft. Von Sanden hatte das Amt Ragudt in Pacht. Vormünder waren:
Justiz Kommissar Behr-Tilsit, Rittmeister von Sanden-Kindschen, Amtsrat
von Sanden. Der älteste Sohn, Leutnant Wilhelm von Sanden war schon
majorenn. Von Sanden hat Tusseinen 1798 für 50000 Rth von Coeler
gekauft. Es waren 46 ha 7 Mrg 183 QR. Gegenwärtig 1213,0376 ha. Baron
Wilhelm von Sanden vermachte ab 19.7.1862 testamentarisch (nicht seinem
Sohn Bernhard von Sanden Raudonatschen) sondern seinem Enkel Johannes
Fritz Carl Eduard Helfegott von Sanden.

Carl Gottvertrau Casimir von Hülsen, Oberst und Kommandeur des 1.
Inf.Reg. aus dem er 26.3.1832 ausschied, wurde 1840 in den Grafenstand
(bei der Thronbesteigung) erhoben. Vater der Frau von
Sanden-Raudonatschen und der Frau von Holzendorf-Proyen.

Raudonatschen, Reuhsen und Thiergart wurden dem General-Leutnant von
Katt verliehen und ihn darüber ein Privilegium d. d. Berlin 16.6.1731
erteilt.
Durch Privileg vom 18.2.1557 über Raudonatschen oder Raudonicken ist das
Dorf Raudonatschen und 6 Zinser dem Asmus Baumgart ohne nähere
Bestimmung der Fläche zu köllmischen Rechten verliehen.- Durch Privileg
vom 11.6.1616 wurden dem Marten Schulz 5 Hufen Übermaß im Dorfe
Pautkandszen verliehen. Katt erhielt auch das Patronat der Kirche
Kraupißken, indessen wurde dasselbe seit 1742 vom Könige ausgeübt. Bis
1721 war sie königl. Patronat gewesen von da ab bis 1742 war
Feldmarschall von Katt Lehnspatron, ihm und seinen Erben war durch
Reskript vom 4.10.1721 das jur patronatus verliehen. Als von Katt
Raudonatschen an den russischen Major von Ozymblowski verkaufte, behielt
er sich das Patronatsrecht vor, nach seinem 1742 erfolgten Tode wurde
die Kirche wieder königlich. Sandes von Hoffmann in Pieraginen mußte
Raudonatschen, das er von seinem Vater ererbt, durch Vertrag vom
2.9.1828 an seine Schwester Aurora, verehelichte von Sanden-Tussainen
für 51.000 Rth verkaufen, weil sie ihm 40.000 Rth die für sie auf
Raudonatschen eingetragen waren kündigte und er das Geld damals
unmöglich beschaffen konnte. Daraus entstand die bitter böse Feindschaft
zwischen Sandes von Hoffmann und von Sanden Tussainen.- Aurora von
Sanden trat es durch Vertrag vom 13.9.1845 ihrem Sohne Leopold Wilhelm
Bernhard von Sanden als Geschenk ab, der es übernahm, jeder seiner
Schwestern Bertha Dorotheavon Sanden, verehelichte Reg. Rätin von
Boddien und der unverheirateten Anna von Sanden 22.222 Rth 20 Sgr.
herauszugeben. Bernhard von Sanden heiratete eine Tochter, Marie
Gottliebe Camilla von Hülsen, des 1840 in den Grafenstand erhobenen
Generals von Hülsen, der durch Heirat, mit Ulrike Ursula von Bodeck, in
den Besitz der ehemals von Bodeck'schen Wieser Güter gekommen war.
Carl Casimir Gottvertrau von Hülsen hatte nur zwei Töchter. Die andere
Emma, war an von Holzendorf-Trimmann verheiratet. Die Wieser Güter, sehr
bedeutend verschuldet, fielen an von Sanden Raudonatschen, kamen bald
zur Subhastation und wurden an Frankenstein verkauft. Raudonatschen kam
1858 zur Sequestration, es umfaßte damals 3349 Mrg. 152 Rut.- Langatten
und Schackwethen hatte Leopold Wilhelm Bernhard von Sanden, gest. 1874,
am 13.9.1845 von seinem Vater Ludwig Wilhelm Eduard geschenkt erhalten,
mit einer Fläche von 1244 Mrg. 164 Rut. Dieser hatte es im Jahre 1829
vom Fiskus für 6.000 Rth gekauft. Eine Tochter des oben erwähnten
russischen Majors von Ozymblowski, Besitzer von Raudonatschen, Anna
Dorothea war an den Hauptmann Carl August von Collwepp, geb. 1720,
vermählt. An ihn kam Raudonatschen, es blieb in der Familie bis es
Sandes von Hoffmann senior kaufte.

In einem Zeitungsausschnitt ohne Datum (um 1886):
"Ragnit, Verkauf des Rittergutes Raudonatschen, Randbemerkung
Der Käufer soll Hegerwald heißen, aus Schöneberg bei Berlin sein, der
durch Verkauf seines Bauerhofes zu Baustellen Millionär wurde."

Quelle: Hartmut Passauer, Beitrag in der OWP-Liste im April 2005
E-Mail: haepass@netscape.net


Ä H N L I C H E   O R T S N A M E N   I N   O S T P R E U ß E N 

Der Vollständigkeit halber soll noch der Ort Rodau (poln. Rodowo) im Kreis Osterode erwähnt werden. Der Ort liegt 2.5 km von Frankenau (poln. Fraknowo) entfernt.

Einen Ort gleichen Namens (1820) gibt es im Kreis Wehlau auf dem Gebiet des heutigen Kaliningrad Oblast. Dieser ist 3 km von dem Ort Goldbach (russ. Slavinsk) entfernt. Dieses Rodau heißt um 1905 auch Roddau (-Perkuiken).



Nähere Informationen siehe www.kartenmeister.com


 

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