In Jena - Ost befindet sich der Erste Geologische Lehrpfad von Jena, der Aufschlüsse vom Chirotheriensandstein (Mittlerer Buntsandstein) bis zum Unteren Muschelkalk (Unterer Wellenkalk) in einer Profillinie aufschließt. Er zeigt also die wichtigsten Gesteinsschichten der Trias um Jena. Man wandert sozusagen vom " Buntsandstein zum Muschelkalk ".Der Erste Geologische Lehrpfad von Jena - Eine kleine Beschreibung dieses Weges
Er führt von Jena -Ost (Schillstraße) über die Wilhelmshöhe, am Nordhang des Hausberges entlang bis zu den Steinmalen hinter dem Fuchsturm (zum Vergrößern anklicken).(zum Vergrößern anklicken)
Nach etwa 100 Metern nach der Straßenbahnhaltestelle "Geschwister-Scholl-Straße" in der Schillstraße kommt man an einen Felsen. Dieser besteht im unteren Bereich aus einem hellen Sandstein. Diese Felsen gehören noch zur Formation des Mittleren Buntsandsteins der Trias. Dabei handelt es sich um den Chirotheriensandstein (Solling-Formation) der diesen Namen nach den örtlich darin vorkommenden Fährtenabdrücken von Chirotherium ("Handtier" s. Bilder rechts unten) bekam.
Modell vom Chirotherium
angefertigt von Marianne
Linde
Chirotherienfährten (Fundorte: Hessberg links, *Schillstraße rechts)
Diese Sandsteinplatte mit Tetrapodenfährten fand ich 1980 zwischen Schiebelau und Großbockedra. Sie stammt aus dem gleichen Horizont wie die Neufunde nach dem Felsabbruch am Aufschluss in der Schillstraße. Aus Platzmangel verschenkte ich sie 1990 an einem meiner AG Schüler. In einer Diplomarbeit von S. Lang entdeckte ich sie dann zu meiner Überraschung im Jahre 2001 wieder.
Auch im Stadtgebiet von
Jena sind schon solche Fährtenabdrücke gefunden wurden (z.
Bsp. *an der Mündung des Gemdenbaches in die Saale, ** in der
Nähe der heutigen Hügelstraße und in neuerer Zeit bei
Lobeda -Ost).
*...Chirotheriumsandstein:
Einmündung Gemdenbach in die Saale: Fährten und Wirbel
... (S.Passarge: "Über das Röth...")
**...In diesen
Schichten hat R. Wagner auf dem nahen Hügelberg
Chirotherienfährten gefunden... (E.Kirste: "Geol....."
S.174/175)
Nach einen Felssturz
im Juli 2004 bestanden auch unmittelbar am Beginn des Geologischen
Lehrpfades am Aufschluss in der Schillstraße
Fundmöglichkeiten für
Fährtenabdrücke (*s. Bild) und Oszillationsrippeln
(Wellenfurchen).
Das Besondere an dem
Aufschluss in der Schillstraße sind nun aber die kleinen,
deutlich zu erkennenden Karneoleinschlüsse (Halbedelsteine) an der Basis des
Felsens.
Weiter erkennt man die
darüber liegenden Fossilfreien Gipse (Basis des Oberen
Buntsandsteins), welche etwas links von den Erläuterungstafeln
direkt auf dem Sandstein aufliegen (linkes Bild):
Aufschluss 1 a "Übergang": Klassischer Aufschluss des Übergangs Sandstein/Gips (Erklärungen s. Text)
Diese Grenze
Chirotheriensandstein / Fossilfreie Gipse markiert den Übergang
vom meist limnisch - fluviatil (durch Flussläufe
gebildet) abgelagerten
Mittleren Buntsandstein zum eher im Brackwasserbereich (Meereseinfluss)
gebildeten Oberen Buntsandstein. Der Aufschluss am Beginn des
Geologischen Lehrpfades wurde im Jahr 2001 als Typuslokalität
für die Abfolge des Thüringer Chirotheriensandsteins (i. e.
S.) in Jena erkannt.
Auch an anderen Stellen in
Jena - Ost ist dieser markante Übergang vom mittleren
Buntsandstein (Chirotheriensandstein) zum oberen Buntsandstein
(Fossilfreie Gipse)
gut zu sehen. So z. B. an den "Terrassen" in der K.
Liebknecht-Straße (Privatgrundstück nicht frei zugänglich - siehe Chronik Teil 4), am Aufschluss 1 a am Geologischen Lehrpfad
(ebenfalls auf Privatgrund), am unteren Burgweg und auch sehr schön
an der Basis der Teufelslöcher. Hier treten sogar Quellen aus,
weil das Wasser sich auf den wenige cm - starken tonigen Schichten
zwischen Gips und Sandstein staut (siehe Zweiter Geologischer Lehrpfad). Bei
Niedrigwasser der Saale, besonders in trockenen Sommern, konnte man früher übrigens auch den Chirotheriensandstein direkt im Flussbett der Saale ca. 100 m
flussabwärts der Camsdorfer Brücke bemerken. Er trat hier
als einziger anstehender Fels in der
Saale zwischen Maua und Steudnitz auf. Historisch wäre noch von
Bedeutung, dass der Sandstein als Stubensand (Scheuersand) abgebaut
wurde. Zahlreiche Höhlen (heute z. T. als Keller genutzt) erinnern
noch daran. Auch
rechts und links des Aufschlusses in der Schillstraße kann man
die
Höhleneingänge erkennen (Privatgrund). Die rechte Höhle
kann bei Führungen besichtigt werden:

Blick in die rechte, kleinräumige Höhle am Aufschlusspunkt 1 des Geologischen Lehrpfades mit gestreiften Sandsteinen (oben). Diese Ausbildung wird auch als "Tigersandstein" bezeichnet (zum Vergrößern anklicken).
Wir folgen dem in einem kleinen Tal verlaufenden Fuchsturmweg bis kurz vor einer Kindertagesstätte rechts. Unterhalb eines Neubaues (auf dem früheren Gelände der Schule von Karl Brauckmann) sieht man den Aufschluss 1 a des Geologischen Lehrpfades. Hier stehen in klassischer Weise die freigelegten obersten Schichten des Chirotheriensandsteins mit Wellenfurchen (Oszillationsrippeln) und die unmittelbar darüber liegenden Fossilfreien Gipse der Salinarrörfolge an. Dieser Aufschluss von MÄGDEFRAU als "Klassischer Übergang vom Mittleren zum Oberen Buntsandstein" bezeichnet, wurde erst 2006 in den Geologischen Lehrpfad mit eingebunden (s. rechtes Bild oben und Lehrpfadplan). Er ist leider nicht mehr frei zugänglich (Privatgrund). Wir folgen nun dem weiteren Verlauf des Fuchsturmweges, an der Kindertagesstätte mit Spielplatz vorbeigehend bis zu dessen Ende. Während wir links auf markiertem Wilhelm - Pitt - Weg nach wenigen Metern an einen interessanten Aufschluss mit zonar gefärbten Fasergipslagen (s. Bild und Lehrpfadplan) gelangen (Aufschluss 1 b), halten wir uns nach der Rückkehr von diesem Aufschluss nun an der Orientierungstafel nach rechts ansteigend.
Zonar gefärbter Fasergips am Aufschluss 1 b des Geologischen Lehrpfades
Bald erreichen wir nun
den zweiten Aufschluss des Geologischen Lehrpfades. Wir sehen rechts
unterhalb des Weges die Obergrenze der schwach wasserlöslichen
Fossilfreien Gipse (Salinarrötfolge des Oberen Buntsandsteins).
Diese sind mit spaltenartigen Auswaschungen durchzogen (sogenannte
"Schlotten"). In diesem Aufschluss war kaum Überdeckung vorhanden,
es entstand ein kleiner Erdfall. Charakteristisch sind der runde
Umriss und die steilen Wände der Gipsfelsen. Die Erosion
zeigt sich zum Beispiel an kesselförmigen Auskolkungen, von denen
mehrere Kesselchen hintereinander aufgereiht sind. Dies belegt in dem
gezeigten Fall die hohen Fließgeschwindigkeiten und
Durchflüsse in turbulenter Strömung. Man kann sehr gut eine
Abrisskante erkennen, die später ausgelaugt wurde. Hier
konnten unbehindert durch Windungen oder Hindernisse große
Wassermengen, wie in einem Rohr fließen. Die bankigen Gipse im
Aufschluss bildeten die Grenze zum darüber folgenden Pelitröt
(Oberer Buntsandstein). In Niveau der Baumwurzel ist die
darüber liegende Tenuisbank, in der erstmalig ein
muschelkalkähnliches Gestein auftritt, zu erahnen.
In den vergangenen Jahren wurde
der Aufschluss wieder freigelegt. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten
und nach Literaturstudien wurde festgestellt, dass es sich
bei diesem Gelände im Flurstück "An der Leite" um einen
ehemalig terrassenartig angelegten parkähnlichen Garten gehandelt
hatte. Vermutlich beim Anlegen des Schulgrundstückes (s.
Aufschluss 1 a) hatte man im Sommer 1908 die interessanten Gipsfelsen
"zufällig freigelegt". Noch heute kann man Wege die einst zu den
einzelnen Terrassen
führten, erkennen. Dieser
Aufschluss wird bereits in der Beschreibung zur Geologischen Karte
Blatt Jena durch NAUMANN (1929) gezeigt. Im Jahre 1931 erfolgte eine
zweite Erwähnung in der Zeitschrift "Die Thüringer
Höhlen" von HESS V.
WICHDORF (S. 124):
...In den Gipslagern, die an der Sohle des oberen Buntsandsteins (Röt) unmittelbar über den Chirotheriumschichten des mittleren Buntsandsteines an der Erdoberfläche anstehen, hat der preußische Landesgeologe Prof. Dr. E. Naumann typische Karsterscheinungen auf der Oberfläche des Gipses schon im Jahre 1908 beobachtet, freilich ohne ihre eigentliche Karstnatur infolge des geringen Umfangs der betreffenden Aufschlüsse feststellen zu können.....Ältere trockengelegte Schlotten im Gips wurden im Garten des Herrn Direktor Brauckmann am Fuchsturmweg in Wenigenjena im Sommer 1908 zufällig freigelegt....Die gletschertopfartigen Auskolkungen des Gipsfelsens sind hier zwei Meter tief, doch sind es oft auch tiefere spaltenartige Auswaschungen....
Später geriet er
aber dann besonders in neuerer Zeit in Vergessenheit. Erst 1986 wurde
das total verwilderte Gelände wieder so bearbeitet, dass der
ursprüngliche Zustand des Gipsfelsens gut erkennbar wurde.
Ähnliche, aber viel kleinere Gipsfelsen findet man auch in der
benachbarten Hausbergstraße in einer Stützmauer.
Auf Beschluß der
unteren Naturschutzbehörde der Stadt Jena wurde dieser Aufschluss
mit Wirkung vom 03.05.01 als Geotop ausgewiesen.


(aus Hess von Wichdorf : Zustand 1908) (97 Jahre später: 2005)
Tafeltext "Gingkoschlotte" 2005
Gehen wir weiter durch die Wilhelmshöhesiedlung den Markierungen nach, so gelangen wir kurz unterhalb der Wilhelmshöhe zu einem Stein, der aus Wellenkalk (Unterer Muschelkalk) besteht. Es handelt sich dabei um das so genannte "Schmiddenkmal" der Fuchsturmgesellschaft (Privatgrund). An der Gaststätte Wilhelmshöhe sind mehrere Meter violette, rote und graue Mergelsteine aufgeschlossen gewesen. Außerdem konnte früher eine Dolomitbank mit kleinen Malachiteinschlüssen (Kupferkarbonat) festgestellt werden. Immer stärker macht sich nun der Einfluss des Muschelkalkmeeres bemerkbar. Leider ist dieser Aufschluss heute stark zugewachsen und man kann die bunte Folge der Mergelsteine und Dolomitbänkchen nur noch in einem kleinen Anschnitt erkennen. Direkt oberhalb der Wilhelmshöhe etwa 100 m vom hier beschriebenen Aufschluss entfernt, kann man noch einen winzigen Aufschluss mit einer Knollen- und Fasergipsbank im Wurzelbereich eines Baumes erkennen. Dieser kleine Aufschluss stellt das Hangende des Aufschlusses an der Wilhelmshöhe dar. Er wurde erst 2005 mit in den Lehrpfad einbezogen (Bild s. Chronik Teil 4).
Nun geht es weiter am Nordhang des Hausberges entlang. Wir verlassen den Wanderweg mit der blau-weißen Markierung sowie den Thüringenweg (blauer Kreis) und bleiben an der Weggabelung auf dem unteren Weg. Bald gelangen wir zu dem weit über Jenas Grenzen bekannten Aufschluss bei "Ulmers-Ruh", der den Übergang vom Buntsandstein zum Muschelkalk sehr anschaulich zeigt. Schon der bekannte Jenaer Geologe Karl Mägdefrau bezeichnete diese Stelle als "vorzüglichen Aufschluss der Grenze Sandstein (s) / Muschelkalk (m)" in seinen Veröffentlichungen. Zunächst sieht man einige Zentimeter der Strohgelben Kalke, welche noch zum Buntsandstein gehören. Darüber befindet sich die etwa 0,6 m mächtige "Gelbe Grenzbank". Diese ist für Ostthüringen sehr bezeichnend. Leider ist sie aber nur selten so deutlich wie hier bei Ulmers Ruh zu sehen. Das liegt daran, dass sie, wie auch die darunter liegende Myophorienfolge, meist von Muschelkalkgeröll überrollt ist. Nun konnte sich aber auch hier die obere Myophorien - folge in einem kleinen Aufschluss unterhalb des Weges im Schutz von Bäumen sichtbar erhalten. Ein kleiner Pfad führt links nach unten, so dass dieser Aufschluss zugänglich ist. Auch der Aufschluss "Ulmers-Ruh" wurde auf Beschluss der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Jena mit Wirkung vom 03.05.01 als Geotop ausgewiesen.
Erläuterungstafel
Quelle: Umweltamt Jena
Eine Besonderheit wäre noch zur Myophorienfolge zu bemerken. Diese schon sehr muschelkalkähnlichen Schichten gehören dem obersten Buntsandstein an und führen lokal begrenzt ein blaues, faseriges Mineral, den Fasercoelestin. Dieser wurde am gegenüberliegenden Jenzigsüdhang bergmännisch im vergangenen Jahrhundert abgebaut. Am Aufschluss "Ulmers-Ruh" wurden die entsprechenden Bereiche, die "Myophorienplatten", allerdings ohne Coelestinführung angetroffen, weil hier nur die obere Abfolge aufgeschlossen ist. Wer Belegstücke von diesem Mineral sammeln will, wird bei Lobeda fündig werden, wo die Myophorienfolge wesentlich besser aufgeschlossen ist (im Himmelreichsgraben). Aus dem Jahre 1912 wird aber auch oberhalb der Wilhelmshöhe (siehe Aufschlusspunkt 3) ein sehr guter Aufschluss in den coelestinführenden Myophorienbasisschichten beschrieben. Der ehemalige kleine Steinbruch befand sich etwa 500 m südwestlich des Aufschlusses "Ulmers Ruh" und nur knapp 80 m oberhalb der Gaststätte Wilhelmshöhe.
In einem Geologischen Wanderbuch von E. KIRSTE (1912) wird folgendes über diesen kleinen Aufschluss berichtet (Auszug):
...Wir sehen
zunächst von der Sohle des Steinbruches aus eine 1 m mächtige
abbauwürdige Kalkbank, die als Grenzbank dem Röt
aufsitzt...... Auf der oberen Seite der Kalkplatten liegen oft die
Schalen von Myophoria vulgaris in großen Mengen. Aus diesem
Grunde hat man die Schichten auch Myophoriaschichten genannt...1,2 m
über der Oberkante der festen Kalkbank liegt eine
feine Schicht, die
ähnlich der des Fasergipses quer zur Schichtung gefasert ist. Sie
ist nicht gleichmäßig dick, hell - bis himmelblau, an den
Rändern oft leicht gerötet. Es ist Cölestin, der
früher auch für technische Zwecke gewonnen wurde (Fig. 74):
Übrigens liegt 1 1/2 m über der unteren Cölestinschicht eine zweite Schicht, die stellenweise noch dicker ist. Diese Cölestinschichten werden im Anfang leicht übersehen, zu einem sicheren Auffinden hilft weiter nichts, als ein sorgfältiges und systematisches Absuchen der Kalkwand in senkrechter Richtung. Wenn man die Schichten aber einmal hat, dann kann man sie nach beiden Seiten hin leicht verfolgen, zuweilen nimmt die Schicht an Dicke ab, um dann stellenweise ganz zu verschwinden. Sie keilt aus (Fig 75):
Die Myophoria- und Cölestinschichten sind überall im ganzen Kalkgebiet um Jena vertreten und bilden darum einen wichtigen Horizont. Die Myophorienschichten sind 14 m mächtig. In der oberen Hälfte sind sie wieder etwas toniger...
Quelle: Ernst Kirste "Geologisches Wanderbuch für Ostthüringen und Westsachsen" Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart, S.175 - 176 , 1912
Eine Aufschürfung dieses kleinen Steinbruches würde natürlich den Geologischen Lehrpfad um einen äußerst attraktiven Aufschluss bereichern, denn gerade dieser interessante untere Bereich der Myophorienfolge ist am Aufschluss "Ulmers Ruh" leider von Muschelkalkgeröll überdeckt. Das Vorhaben, den Geologischen Lehrpfad gleich hinter der Wilhelmshöhe auf dem noch vorhandenen historischen Serpentinenweg nach rechts an diesem Aufschluss vorbeizuführen, konnte aber bislang nicht realisiert werden. Zum einem ist der kleine Steinbruch heute total zugewachsen (nur noch als Böschungskante innerhalb der Umzäunung sichtbar - 2005 markiert) und befindet sich außerdem im nichtzugänglichen Privatbesitz (oberhalb der Wilhelmshöhe, oberhalb des Wasserbehälters an der Südwestkante des Hausberges):
Heutiger Zustand des ehemaligen
Steinbruches (Privatgrund).
Die Grenzbank der Myophorienplatten (s. Text) als Einfassung für eine Bank im Bereich des ehemaligen Steinbruchgeländes:
Fasercoelestin
Myophorienschichten unterhalb des
Weges Gesamtansicht
Entlang des weiteren Weges kann man noch zahlreiche Aufschlüsse des unteren Muschelkalkes (Unterer Wellenkalk) erkennen. Hier sind die Zeugnisse mehrerer submariner (Paläo-) Erosionsrinnen zu beobachten.
Kurz vor dem Fuchsturm geht es nach rechts auf die Südseite. Nach Überquerung des Wirtschaftsweges hält man sich links und wir steigen einen kurzen, steilen Weg hinauf (Wegweiser).
Rechts haltend kommen
wir nun zu den Steinmalen wo der Lehrpfad endet. Wir befinden uns an
der bekannten Gedenkstätte der Fuchsturmgesellschaft, der
Weihestätte mit einer geologischen Steinsammlung.
Die verschiedenen
Erdzeitalter des Thüringer Beckens und des Thüringer Waldes
werden hier durch 33 Gedenksteine weitgehend dargestellt.
Außerdem entsprechen sie den im Wesentlichen in Thüringen
eingesetzten Werksteinen (SEIDEL 1993). Leider sind sie nicht nach
geologischen Gesichtspunkten geordnet aufgestellt worden. Die Namen
entsprechen den Gemeinden, die die Steinmale stifteten. Am
häufigsten sind die Gesteine der Trias vorhanden,
der Buntsandstein, der Muschelkalk und der Keuper. Die Eruptivgesteine,
die im flüssigen Zustand (Magma) als Granit und Porphyr unter oder
über die Erdoberfläche gelangten, sind ebenfalls vertreten.
Die
zwei ältesten Gesteine haben das stattliche Alter von 250 bis 300
Millionen Jahren. Sie stammen aus dem Erdaltertum und gehören dem
oberen und unteren Karbon (Siles u. Dinant), auch Steinkohlenformation
genannt,
an. Es ist der verkieselte Baumstamm einer Araukarie aus der
Rathsfelder Gemeinde bei Bad Frankenhausen (Kyffhäuser): Stein Nr.
7(Bild) und die Kulmsche Grauwacke, ein Sedimentgestein von Vollersdorf
bei Gera: Stein Nr. 26.
Zwischen den ältesten
und jüngsten Gesteinen liegt der Braunkohlenquarzit von Ernsee
bei Gera: Stein Nr.16. Er gehört zum Tertiär, der Neuzeit der
Erdgeschichte, die einen Zeitraum von 60 Millionen Jahren umfasst.
Die geologische Stellung und Herkunft aller Steine hinter dem Fuchsturm
kann man der aufgestellten Tafel an der Weihestätte entnehmen
(siehe
auch Verzeichnis und Lageplan nach SEIDEL 1993, LINDE erg. 2006).
So sind diese 33 Steinmale
Zeugen der Vergangenheit, die mehreren hundert Millionen Jahren
umfassen und uns einen Einblick in unsere Heimatlandschaft
gewähren.
Sie sind es wirklich wert, beim Besuch des Hausberges und dem Fuchsturm
das Interesse für die Geologie zu wecken.
Damit sie uns noch lange
erhalten bleiben, wird darum gebeten, Beschädigungen an den
Steinmalen unbedingt zu unterlassen.
Plan der
Steinmale
Stein Nr. 7
Geologische Stellung und Herkunft der Werksteine in der Nähe des Fuchsturmes bei Jena
Nr. Gestein Herkunft Geologisches Alter
1
Terebratulakalkalkstein Fuchsturm
Jena
Trias Unterer Muschelkalk
2
Schaumkalk
Lobdeburg
Jena
Trias Unterer Muschelkalk
3
Terebratulakalkalkstein Jenzig
Jena
Trias Unterer Muschelkalk
4
Terebratulakalkalkstein Kunitzburg
Jena
Trias Unterer Muschelkalk
5
Terebratulakalkalkstein Rudelsburg Bad
Kösen
Trias Unterer Muschelkalk
6
Trochitenkalkstein
Possen
Sondershausen
Trias Oberer Muschelkalk
7
verkieselter Baumstamm Rathsfeld
Frankenhausen
Siles
8
Trochitenkalkstein
Kapellendorf
Trias Oberer Muschelkalk
9
Rätsandstein
Burg
Gleichen
Wandersleben
Trias Oberer Keuper, Rät
10
Rätsandstein
Eschlebener Berg
Gotha
Trias Oberer Keuper, Rät
11
Quarzporphyr
Großer
Inselsberg
Perm Rotliegendes
12
Granit
Bad
Liebenstein
Siles
13
Sandstein
Kloster
Paulinzella
Trias Unterer Buntsandstein
14
Sandstein
Kreyenburg
Tiefenort
Trias Unterer Buntsandstein
15
Trochitenkalkstein
Ettersberg
Weimar
Trias Oberer Muschelkalk
16
Braunkohlenquarzit
Pottendorf Ernsee
Gera
Tertiär
17
Schaumkalk
Wachsenburg Gossel Arnstadt Trias Oberer
Muschelkalk
18
Quarzporphyr
Dachsberg
Friedrichroda
Perm Rotliegendes
19
Sandstein
Hundskopf
Leimbach
Trias Unterer Buntsandstein
20
Granit
Joel
Suhl
Siles
21
Granit
Ruppberg
Zella-Mehlis
Siles
22
Quarzporphyr
Regenberg
Zella-Mehlis
Perm Rotliegendes
23
Sandstein
Falkenstein Bad
Salzungen Trias
Unterer Buntsandstein
24
Quarzporphyr
Spießberg
Friedrichroda
Perm Rotliegendes
25
Granit
Heinrichsbach
Zella-Mehlis
Siles
26
Grauwacke
Vollersdorf
Gera
Dinant
27
Rätsandstein
Löns
Seebergen
Trias Oberer Keuper, Rät
28
Travertin
Greußen
Quartär
29
Rätsandstein
Boxberg
Gotha
Trias Oberer Keuper, Rät
30
Rätsandstein
Düppel
Gotha
Trias Oberer Keuper, Rät
31
Rätsandstein
Seeberg
Siebleben
Trias Oberer Keuper, Rät
32
Trochitenkalkstein mit Hörselberg
Waltershausen
Trias Oberer Muschelkalk
Hornstein
33
Gneisglimmerschiefer(?)
Mommelstein
(240 - 285 Mio. Jahre alt)
1938
2006
Der rechte Stein Nr. 33 ist erst im Sommer 2006 neu hinzugekommen.
C. Linde 27/28.08.02 (zuletzt aktualisiert am 28.01.2012, 1028 x 768)
Eine neuere Version findet man unter: http://geojena.billert.de/index.php?page=erster-geologischer-lehrpfad-von-jena