Der Erste Geologische Lehrpfad von Jena - Eine kleine Beschreibung dieses Weges 

In Jena - Ost befindet sich der Erste Geologische Lehrpfad von Jena, der Aufschlüsse vom Chirotheriensandstein (Mittlerer Buntsandstein) bis zum Unteren Muschelkalk (Unterer Wellenkalk) in einer Profillinie aufschließt. Er zeigt also die wichtigsten Gesteinsschichten der Trias um Jena. Man wandert sozusagen vom " Buntsandstein zum Muschelkalk ".
Der Weg wurde vom früheren Kulturbund der DDR und einer Schülergruppe im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft „Junge Geologen“ vor 20 Jahren angelegt und ist mit einem blauen GL auf orange Quadrat als Wegemarkierung gekennzeichnet:

Logo

(zum Vergrößern anklicken)

Er führt von Jena -Ost (Schillstraße) über die Wilhelmshöhe, am Nordhang des Hausberges entlang bis zu den Steinmalen hinter dem Fuchsturm (zum Vergrößern anklicken).   
Plan 2003

                                                

Nach etwa 100 Metern nach der Straßenbahnhaltestelle "Geschwister-Scholl-Straße" in der Schillstraße kommt man an einen Felsen. Dieser besteht im unteren Bereich aus einem hellen Sandstein. Diese Felsen gehören noch zur Formation des Mittleren Buntsandsteins der Trias. Dabei handelt es sich um den Chirotheriensandstein (Solling-Formation) der diesen Namen nach den örtlich darin vorkommenden Fährtenabdrücken von Chirotherium ("Handtier" s. Bilder rechts unten) bekam.

Schillstraße03

 Hessbergfaehrtenplatte   Faehrtenplatte

                               Modell vom Chirotherium angefertigt von Marianne Linde                       Chirotherienfährten (Fundorte: Hessberg links, *Schillstraße rechts)
                                                                                                                                                                                

                                                             

Diese Sandsteinplatte mit Tetrapodenfährten fand ich 1980 zwischen Schiebelau und Großbockedra. Sie stammt aus dem gleichen Horizont wie die Neufunde nach dem Felsabbruch am Aufschluss in der Schillstraße. Aus Platzmangel verschenkte ich sie 1990 an einem meiner AG Schüler. In einer Diplomarbeit von S. Lang entdeckte ich sie dann zu meiner Überraschung im Jahre 2001 wieder.

Auch im Stadtgebiet von Jena sind schon solche Fährtenabdrücke gefunden wurden (z. Bsp. *an der Mündung des Gemdenbaches in die Saale, ** in der Nähe der heutigen Hügelstraße und in neuerer Zeit bei Lobeda -Ost).
*...Chirotheriumsandstein: Einmündung Gemdenbach in die Saale: Fährten und Wirbel ...  (S.Passarge: "Über das Röth...")
**...In diesen Schichten hat R. Wagner auf dem nahen Hügelberg Chirotherienfährten gefunden... (E.Kirste: "Geol....." S.174/175) 
Nach einen Felssturz im Juli 2004 bestanden auch unmittelbar am Beginn des Geologischen Lehrpfades am Aufschluss in der Schillstraße Fundmöglichkeiten für Fährtenabdrücke (*s. Bild) und Oszillationsrippeln (Wellenfurchen).
Das Besondere an dem Aufschluss in der Schillstraße sind nun aber die kleinen, deutlich zu erkennenden Karneoleinschlüsse (Halbedelsteine) an der Basis des Felsens.
Weiter erkennt man die darüber liegenden Fossilfreien Gipse (Basis des Oberen Buntsandsteins), welche etwas links von den Erläuterungstafeln direkt auf dem Sandstein aufliegen (linkes Bild):

   

   

Aufschluss 1 a  "Übergang": Klassischer Aufschluss des Übergangs Sandstein/Gips (Erklärungen s. Text)

Diese Grenze Chirotheriensandstein / Fossilfreie Gipse markiert den Übergang vom meist limnisch - fluviatil (durch Flussläufe gebildet) abgelagerten Mittleren Buntsandstein zum eher im Brackwasserbereich (Meereseinfluss) gebildeten Oberen Buntsandstein. Der Aufschluss am Beginn des Geologischen Lehrpfades wurde im Jahr 2001 als Typuslokalität für die Abfolge des Thüringer Chirotheriensandsteins (i. e. S.) in Jena erkannt.
Auch an anderen Stellen in Jena - Ost ist dieser markante Übergang vom mittleren Buntsandstein (Chirotheriensandstein) zum oberen Buntsandstein (Fossilfreie Gipse) gut zu sehen. So z. B. an den "Terrassen" in der K. Liebknecht-Straße (Privatgrundstück nicht frei zugänglich - siehe Chronik Teil 4), am Aufschluss 1 a am Geologischen Lehrpfad (ebenfalls auf Privatgrund), am unteren Burgweg und auch sehr schön an der Basis der Teufelslöcher. Hier treten sogar Quellen aus, weil das Wasser sich auf den wenige cm - starken tonigen Schichten zwischen Gips und Sandstein staut (siehe Zweiter Geologischer Lehrpfad). Bei Niedrigwasser der Saale, besonders in trockenen Sommern, konnte man früher übrigens auch den Chirotheriensandstein direkt im Flussbett der Saale ca. 100 m flussabwärts der Camsdorfer Brücke bemerken. Er trat hier als einziger anstehender Fels in der Saale zwischen Maua und Steudnitz auf. Historisch wäre noch von Bedeutung, dass der Sandstein als Stubensand (Scheuersand) abgebaut wurde. Zahlreiche Höhlen (heute z. T. als Keller genutzt) erinnern noch daran. Auch rechts und links des Aufschlusses in der Schillstraße kann man die Höhleneingänge erkennen (Privatgrund). Die rechte Höhle kann bei Führungen besichtigt werden:

Höhleninnenraum

Blick in die rechte, kleinräumige Höhle am Aufschlusspunkt 1 des Geologischen Lehrpfades mit gestreiften Sandsteinen (oben). Diese Ausbildung wird auch als "Tigersandstein" bezeichnet (zum Vergrößern anklicken).

Wir folgen dem in einem kleinen Tal verlaufenden Fuchsturmweg bis kurz vor einer Kindertagesstätte rechts. Unterhalb eines Neubaues (auf dem früheren Gelände der Schule von Karl Brauckmann) sieht man den Aufschluss 1 a des Geologischen Lehrpfades. Hier stehen in klassischer Weise die freigelegten obersten Schichten des Chirotheriensandsteins mit Wellenfurchen (Oszillationsrippeln) und die unmittelbar darüber liegenden Fossilfreien Gipse der Salinarrörfolge an. Dieser Aufschluss von MÄGDEFRAU als "Klassischer Übergang vom Mittleren zum Oberen Buntsandstein" bezeichnet, wurde erst 2006 in den Geologischen Lehrpfad mit eingebunden (s. rechtes Bild oben und Lehrpfadplan). Er ist leider nicht mehr frei zugänglich (Privatgrund). Wir folgen nun dem weiteren Verlauf des Fuchsturmweges, an der Kindertagesstätte mit Spielplatz vorbeigehend bis zu dessen Ende. Während wir links auf markiertem Wilhelm - Pitt - Weg nach wenigen Metern an einen interessanten Aufschluss mit zonar gefärbten Fasergipslagen (s. Bild und Lehrpfadplan) gelangen (Aufschluss 1 b), halten wir uns nach der Rückkehr von diesem Aufschluss nun an der Orientierungstafel nach rechts ansteigend.

          Fasergips       

           Zonar gefärbter Fasergips am Aufschluss 1 b des Geologischen Lehrpfades

Bald erreichen wir nun den zweiten Aufschluss des Geologischen Lehrpfades. Wir sehen rechts unterhalb des Weges die Obergrenze der schwach wasserlöslichen Fossilfreien Gipse (Salinarrötfolge des Oberen Buntsandsteins). Diese sind mit spaltenartigen Auswaschungen durchzogen (sogenannte "Schlotten"). In diesem Aufschluss war kaum Überdeckung vorhanden, es entstand ein kleiner Erdfall. Charakteristisch sind der runde Umriss und die steilen Wände der Gipsfelsen. Die Erosion zeigt sich zum Beispiel an kesselförmigen Auskolkungen, von denen mehrere Kesselchen hintereinander aufgereiht sind. Dies belegt in dem gezeigten Fall die hohen Fließgeschwindigkeiten und Durchflüsse in turbulenter Strömung. Man kann sehr gut eine Abrisskante erkennen, die später ausgelaugt wurde. Hier konnten unbehindert durch Windungen oder Hindernisse große Wassermengen, wie in einem Rohr fließen. Die bankigen Gipse im Aufschluss bildeten die Grenze zum darüber folgenden Pelitröt (Oberer Buntsandstein). In Niveau der Baumwurzel ist die darüber liegende Tenuisbank, in der erstmalig ein muschelkalkähnliches Gestein auftritt, zu erahnen.
In den vergangenen Jahren wurde der Aufschluss wieder freigelegt. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten und nach Literaturstudien wurde festgestellt, dass es sich bei diesem Gelände im Flurstück "An der Leite" um einen ehemalig terrassenartig angelegten parkähnlichen Garten gehandelt hatte. Vermutlich beim Anlegen des Schulgrundstückes (s. Aufschluss 1 a) hatte man im Sommer 1908 die interessanten Gipsfelsen "zufällig freigelegt". Noch heute kann man Wege die einst zu den einzelnen Terrassen führten, erkennen. Dieser Aufschluss wird bereits in der Beschreibung zur Geologischen Karte Blatt Jena durch NAUMANN (1929) gezeigt. Im Jahre 1931 erfolgte eine zweite Erwähnung  in der Zeitschrift "Die Thüringer Höhlen" von HESS  V. WICHDORF (S. 124):

...In den Gipslagern, die an der Sohle des oberen Buntsandsteins (Röt) unmittelbar über den Chirotheriumschichten des mittleren Buntsandsteines an der Erdoberfläche anstehen, hat der preußische Landesgeologe Prof. Dr. E. Naumann typische Karsterscheinungen auf der Oberfläche des Gipses schon im Jahre 1908 beobachtet, freilich ohne ihre eigentliche Karstnatur infolge des geringen Umfangs der betreffenden Aufschlüsse feststellen zu können.....Ältere trockengelegte Schlotten im Gips wurden im Garten des Herrn Direktor Brauckmann am Fuchsturmweg in Wenigenjena im Sommer 1908 zufällig freigelegt....Die gletschertopfartigen Auskolkungen des Gipsfelsens sind hier zwei Meter tief, doch sind es oft auch tiefere spaltenartige Auswaschungen....

Später geriet er aber dann besonders in neuerer Zeit in Vergessenheit. Erst 1986 wurde das total verwilderte Gelände wieder so bearbeitet, dass der ursprüngliche Zustand des Gipsfelsens gut erkennbar wurde. Ähnliche, aber viel kleinere Gipsfelsen findet man auch in der benachbarten Hausbergstraße in einer Stützmauer.
Auf Beschluß der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Jena wurde dieser Aufschluss mit Wirkung vom 03.05.01 als Geotop ausgewiesen.

(aus Hess von Wichdorf : Zustand 1908)                                (97 Jahre später: 2005)

                  

 Tafeltext                                                                                  "Gingkoschlotte" 2005

Gehen wir weiter durch die Wilhelmshöhesiedlung den Markierungen nach, so gelangen wir kurz unterhalb der Wilhelmshöhe zu einem Stein, der aus Wellenkalk (Unterer Muschelkalk) besteht. Es handelt sich dabei um das so genannte "Schmiddenkmal" der Fuchsturmgesellschaft (Privatgrund). An der Gaststätte Wilhelmshöhe sind mehrere Meter violette, rote und graue Mergelsteine aufgeschlossen gewesen. Außerdem konnte früher eine Dolomitbank mit kleinen Malachiteinschlüssen (Kupferkarbonat) festgestellt werden. Immer stärker macht sich nun der Einfluss des Muschelkalkmeeres bemerkbar. Leider ist dieser Aufschluss heute stark zugewachsen und man kann die bunte Folge der Mergelsteine und Dolomitbänkchen nur noch in einem kleinen Anschnitt erkennen. Direkt oberhalb der Wilhelmshöhe etwa 100 m vom hier beschriebenen Aufschluss entfernt, kann man noch einen winzigen Aufschluss mit einer Knollen- und Fasergipsbank im Wurzelbereich eines Baumes erkennen. Dieser kleine Aufschluss stellt das Hangende des Aufschlusses an der Wilhelmshöhe dar. Er wurde erst 2005 mit in den Lehrpfad einbezogen (Bild s. Chronik Teil 4).

                               

 

 

 

 

 

 

                                              

Nun geht es weiter am Nordhang des Hausberges entlang. Wir verlassen den Wanderweg mit der blau-weißen Markierung sowie den Thüringenweg (blauer Kreis) und bleiben an der Weggabelung auf dem unteren Weg. Bald gelangen wir zu dem weit über Jenas Grenzen bekannten Aufschluss bei "Ulmers-Ruh", der den Übergang vom Buntsandstein zum Muschelkalk sehr anschaulich zeigt. Schon der bekannte Jenaer Geologe Karl Mägdefrau bezeichnete diese Stelle als "vorzüglichen Aufschluss der Grenze Sandstein (s) / Muschelkalk (m)" in seinen Veröffentlichungen. Zunächst sieht man einige Zentimeter der Strohgelben Kalke, welche noch zum Buntsandstein gehören. Darüber befindet sich die etwa 0,6 m mächtige "Gelbe Grenzbank". Diese ist für Ostthüringen sehr bezeichnend. Leider ist sie aber nur selten so deutlich wie hier bei Ulmers Ruh zu sehen. Das liegt daran, dass sie, wie auch die darunter liegende Myophorienfolge, meist von Muschelkalkgeröll überrollt ist. Nun konnte sich aber auch hier die obere Myophorien - folge in einem kleinen Aufschluss unterhalb des Weges im Schutz von Bäumen sichtbar erhalten. Ein kleiner Pfad führt links nach unten, so dass dieser Aufschluss zugänglich ist. Auch der Aufschluss "Ulmers-Ruh" wurde auf Beschluss der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Jena mit Wirkung vom 03.05.01 als Geotop ausgewiesen.

  
                                                         Erläuterungstafel  
                                                         Quelle: Umweltamt Jena

Eine Besonderheit wäre noch zur Myophorienfolge zu bemerken. Diese schon sehr muschelkalkähnlichen Schichten gehören dem obersten Buntsandstein an und führen lokal begrenzt ein blaues, faseriges Mineral, den Fasercoelestin. Dieser wurde am gegenüberliegenden Jenzigsüdhang bergmännisch im vergangenen Jahrhundert abgebaut. Am Aufschluss "Ulmers-Ruh" wurden die entsprechenden Bereiche, die "Myophorienplatten", allerdings ohne Coelestinführung angetroffen, weil hier nur die obere Abfolge aufgeschlossen ist. Wer Belegstücke von diesem Mineral sammeln will, wird bei Lobeda fündig werden, wo die Myophorienfolge wesentlich besser aufgeschlossen ist (im Himmelreichsgraben). Aus dem Jahre 1912 wird  aber auch oberhalb der Wilhelmshöhe (siehe Aufschlusspunkt 3) ein sehr guter Aufschluss in den coelestinführenden Myophorienbasisschichten beschrieben. Der ehemalige kleine Steinbruch befand sich etwa 500 m südwestlich des Aufschlusses "Ulmers Ruh" und nur knapp 80 m oberhalb der Gaststätte Wilhelmshöhe.

In einem Geologischen Wanderbuch von E. KIRSTE (1912) wird folgendes über diesen kleinen Aufschluss berichtet (Auszug):

...Wir sehen zunächst von der Sohle des Steinbruches aus eine 1 m mächtige abbauwürdige Kalkbank, die als Grenzbank dem Röt aufsitzt...... Auf der oberen Seite der Kalkplatten liegen oft die Schalen von Myophoria vulgaris in großen Mengen. Aus diesem Grunde hat man die Schichten auch Myophoriaschichten genannt...1,2 m über der Oberkante der festen Kalkbank liegt eine
feine Schicht, die ähnlich der des Fasergipses quer zur Schichtung gefasert ist. Sie ist nicht gleichmäßig dick, hell - bis himmelblau, an den Rändern oft leicht gerötet. Es ist Cölestin, der früher auch für technische Zwecke gewonnen wurde (Fig. 74):

Übrigens liegt 1 1/2 m über der unteren Cölestinschicht eine zweite Schicht, die stellenweise noch dicker ist. Diese Cölestinschichten werden im Anfang leicht übersehen, zu einem sicheren Auffinden hilft weiter nichts, als ein sorgfältiges und systematisches Absuchen der Kalkwand in senkrechter Richtung. Wenn man die Schichten aber einmal hat, dann kann man sie nach beiden Seiten hin leicht verfolgen, zuweilen nimmt die Schicht an Dicke ab, um dann stellenweise ganz zu verschwinden. Sie keilt aus (Fig 75):

Die Myophoria- und Cölestinschichten sind überall im ganzen Kalkgebiet um Jena vertreten und bilden darum einen wichtigen Horizont. Die Myophorienschichten sind 14 m mächtig. In der oberen Hälfte sind sie wieder etwas toniger...

Quelle: Ernst Kirste "Geologisches Wanderbuch für Ostthüringen und Westsachsen" Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart, S.175 - 176 , 1912

Eine Aufschürfung dieses kleinen Steinbruches würde natürlich den Geologischen Lehrpfad um einen äußerst attraktiven Aufschluss bereichern, denn gerade dieser interessante untere Bereich der Myophorienfolge ist am Aufschluss "Ulmers Ruh" leider von Muschelkalkgeröll überdeckt. Das Vorhaben, den Geologischen Lehrpfad gleich hinter der Wilhelmshöhe auf dem noch vorhandenen historischen Serpentinenweg nach rechts an diesem Aufschluss vorbeizuführen, konnte aber bislang nicht realisiert werden. Zum einem ist der kleine Steinbruch heute total zugewachsen (nur noch als Böschungskante innerhalb der Umzäunung sichtbar - 2005 markiert) und befindet sich außerdem im nichtzugänglichen Privatbesitz (oberhalb der Wilhelmshöhe, oberhalb des Wasserbehälters an der Südwestkante des Hausberges):

  Heutiger Zustand des ehemaligen Steinbruches (Privatgrund).

      Die Grenzbank der Myophorienplatten (s. Text) als Einfassung für eine Bank im Bereich des ehemaligen Steinbruchgeländes:


   
Fasercoelestin                                     Myophorienschichten unterhalb des Weges        Gesamtansicht

Entlang des weiteren Weges kann man noch zahlreiche Aufschlüsse des unteren Muschelkalkes (Unterer Wellenkalk) erkennen. Hier sind die Zeugnisse mehrerer submariner (Paläo-) Erosionsrinnen zu beobachten.

Kurz vor dem Fuchsturm geht es nach rechts auf die Südseite. Nach Überquerung des Wirtschaftsweges hält man sich links und wir steigen einen kurzen, steilen Weg hinauf (Wegweiser).

Rechts haltend kommen wir nun zu den Steinmalen wo der Lehrpfad endet. Wir befinden uns an der bekannten Gedenkstätte der Fuchsturmgesellschaft, der Weihestätte mit einer geologischen Steinsammlung.
Die verschiedenen Erdzeitalter des Thüringer Beckens und des Thüringer Waldes werden hier durch 33 Gedenksteine weitgehend dargestellt. Außerdem entsprechen sie den im Wesentlichen in Thüringen eingesetzten Werksteinen (SEIDEL 1993). Leider sind sie nicht nach geologischen Gesichtspunkten geordnet aufgestellt worden. Die Namen entsprechen den Gemeinden, die die Steinmale stifteten. Am häufigsten sind die Gesteine der Trias vorhanden, der Buntsandstein, der Muschelkalk und der Keuper. Die Eruptivgesteine, die im flüssigen Zustand (Magma) als Granit und Porphyr unter oder über die Erdoberfläche gelangten, sind ebenfalls vertreten. Die zwei ältesten Gesteine haben das stattliche Alter von 250 bis 300 Millionen Jahren. Sie stammen aus dem Erdaltertum und gehören dem oberen und unteren Karbon (Siles u. Dinant), auch Steinkohlenformation genannt, an. Es ist der verkieselte Baumstamm einer Araukarie aus der Rathsfelder Gemeinde bei Bad Frankenhausen (Kyffhäuser): Stein Nr. 7(Bild) und die Kulmsche Grauwacke, ein Sedimentgestein von Vollersdorf bei Gera: Stein Nr. 26.
Zwischen den ältesten und jüngsten Gesteinen liegt der Braunkohlenquarzit von Ernsee bei Gera: Stein Nr.16. Er gehört zum Tertiär, der Neuzeit der Erdgeschichte, die einen Zeitraum von 60 Millionen Jahren umfasst. Die geologische Stellung und Herkunft aller Steine hinter dem Fuchsturm kann man der aufgestellten Tafel an der Weihestätte entnehmen (siehe auch Verzeichnis und Lageplan nach SEIDEL 1993, LINDE erg. 2006).
So sind diese 33 Steinmale Zeugen der Vergangenheit, die mehreren hundert Millionen Jahren umfassen und uns einen Einblick in unsere Heimatlandschaft gewähren. Sie sind es wirklich wert, beim Besuch des Hausberges und dem Fuchsturm das Interesse für die Geologie zu wecken.
Damit sie uns noch lange erhalten bleiben, wird darum gebeten, Beschädigungen an den Steinmalen unbedingt zu unterlassen.

             
Plan der Steinmale                                                                           Stein Nr. 7

Geologische Stellung und Herkunft der Werksteine in der Nähe des Fuchsturmes bei Jena

Nr.           Gestein                         Herkunft                                     Geologisches Alter

 1            Terebratulakalkalkstein    Fuchsturm Jena                          Trias Unterer Muschelkalk
 2            Schaumkalk                   Lobdeburg Jena                           Trias Unterer Muschelkalk
 3            Terebratulakalkalkstein    Jenzig Jena                                Trias Unterer Muschelkalk
 4            Terebratulakalkalkstein    Kunitzburg Jena                          Trias Unterer Muschelkalk
 5            Terebratulakalkalkstein    Rudelsburg Bad Kösen                Trias Unterer Muschelkalk
 6            Trochitenkalkstein           Possen Sondershausen               Trias Oberer Muschelkalk
 7            verkieselter Baumstamm  Rathsfeld Frankenhausen             Siles
 8            Trochitenkalkstein           Kapellendorf                                Trias Oberer Muschelkalk
 9            Rätsandstein Burg           Gleichen Wandersleben               Trias Oberer Keuper, Rät
10           Rätsandstein                   Eschlebener Berg Gotha              Trias Oberer Keuper, Rät
11           Quarzporphyr                  Großer Inselsberg                        Perm Rotliegendes
12           Granit                             Bad  Liebenstein                          Siles
13           Sandstein                        Kloster Paulinzella                      Trias Unterer Buntsandstein
14           Sandstein                        Kreyenburg Tiefenort                   Trias Unterer Buntsandstein
15           Trochitenkalkstein            Ettersberg Weimar                      Trias Oberer Muschelkalk
16           Braunkohlenquarzit           Pottendorf Ernsee Gera               Tertiär
17           Schaumkalk                    Wachsenburg Gossel Arnstadt     Trias Oberer Muschelkalk
18           Quarzporphyr                   Dachsberg Friedrichroda              Perm Rotliegendes
19           Sandstein                        Hundskopf Leimbach                   Trias Unterer Buntsandstein
20           Granit                              Joel Suhl                                    Siles
21           Granit                              Ruppberg Zella-Mehlis                 Siles
22           Quarzporphyr                   Regenberg Zella-Mehlis                Perm Rotliegendes
23           Sandstein                        Falkenstein Bad Salzungen          Trias Unterer Buntsandstein
24           Quarzporphyr                   Spießberg Friedrichroda               Perm Rotliegendes
25           Granit                              Heinrichsbach Zella-Mehlis           Siles
26           Grauwacke                      Vollersdorf Gera                           Dinant
27           Rätsandstein                   Löns Seebergen                           Trias Oberer Keuper, Rät
28           Travertin                          Greußen                                      Quartär
29           Rätsandstein                   Boxberg Gotha                             Trias Oberer Keuper, Rät
30           Rätsandstein                   Düppel Gotha                               Trias Oberer Keuper, Rät
31           Rätsandstein                   Seeberg Siebleben                       Trias Oberer Keuper, Rät
32           Trochitenkalkstein mit      Hörselberg Waltershausen            Trias Oberer Muschelkalk
               Hornstein                                                                                                                                                                                                                                                                                       33           Gneisglimmerschiefer(?)   Mommelstein                               (240 - 285 Mio. Jahre alt)

1938 2006

Der rechte Stein Nr. 33 ist erst im Sommer 2006 neu hinzugekommen.

Literaturhinweise und Chronik

C. Linde 27/28.08.02 (zuletzt aktualisiert am 28.01.2012, 1028 x 768)

 Eine neuere Version findet man unter: http://geojena.billert.de/index.php?page=erster-geologischer-lehrpfad-von-jena

zurück

zurück zur Hauptseite