FRIDA.

Nach einer Probefahrt in Rainer Söntgens
selbstgebautem Möll-Kajak während des Schwarzer Faltboottreffens 2004
war ich Feuer und Flamme und es führte nunmehr kein Weg vorbei an einem
selbstgebautem Faltkajak.
Grundlage meines Bootes ist der Möll-Riss aus dem Buch "Eskimokajaks auf Gebirgsflüssen"
von Lorenz Mayr (ISBN 978-3-9811182-4-7). Da der Möll für bewegtes
Gebirgswasser gedacht war, meine Heimatgewässer aber in Berlin und
Umgebung liegen, habe ich den Riss etwas verändert.
Das Boot
ist 15 cm länger, 2cm schmaler, im Vorderschiff etwas höher, damit ich
mit Schuhgrösse 47 unter Deck passe, Bug und Heck sind wie bei
Seekajaks etwas ausgezogen. Der Kielsprung ist etwas verringert. Den
Spant 5 habe ich an meine Körpergrösse von 1,90m angepasst.
Beim
Verändern des Risses bin ich so vorgegangen, wie von Lorenz Mayr
vorgeschlagen: als erstes habe ich die Verlängerung des Bootes
gleichmäßig auf die verschiedenen Spantenabstände verteilt. Danach habe
ich den Faktor aus der neuen Breite und der alten Breite mit alle
Breitenmassen multipliziert. Dann habe ich das Ganze neu gezeichnet und
habe dort, wo die Linien nicht schön strakten, noch mal die Maße
nachgebessert.
Die Beschläge sind aus Alu-Profilen gefertigt, da ich Aluminium selber mit den vorhandenen Tischlerwerkzeugen bearbeiten konnte.
Die
Haut hat ein Baumwollverdeck mit 500gr/m². Das Unterwasserschiff ist
aus Biogasplane von Mehler. Es war meine erste Haut und genäht habe ich
mit einer robusten Bernina Haushaltsnähmaschine.
Herausgekommen ist ein Boot mit folgenden Eigenschaften:
Grunddaten von FRIDA:
Länge = 530cm
Breite = 58 cm
Volumen = 333 Liter (als CAD-Modell gemessen)
Gewicht = 26 kg (fahrfertig, inkl. Sitz, Stemmbock und Seesocke)
Durch
die Veränderungen ist der Querschnitt des Bootes runder geworden, als
beim Original, was zu einer etwas geringeren Anfangsstabilität führt.
Im Vergleich mit anderen Booten würde ich FRIDA eher als ein schnelles
Boot einschätzen, wobei mir klar ist, wie subjektiv so eine Aussage ist.
Die
Anfangsstabilität würde ich als mittelmässig bezeichnen, der Kipppunkt
des Bootes liegt an einem Punkt der ca. 2 cm über dem inneren Rand des
Süllrandes liegt. FRIDA steigt nicht auf die Wellen, sondern fährt eher
mitten durch.
Das Einsteigen ist durch die kleine Luke
etwas wackelig. Der Halt im Boot ist ziemlich gut, da meine Knie genau
zwischen den Decksstab und die Bordleiste passen. Um mich besser
abzustützen zu können, habe ich noch zusätzlich eine Lettmannschiene
mit Stemmbock eingebaut. Das hat auch den Vorteil, dass der Stemmbock
auch mal für andere Paddler eingestellt werden kann. Ein Rückengurt hat
mir nie gefehlt.
Leider ist das Boot luvgierig. Solange, wie
es gegen den Wind geht oder bis halben Wind: keinerlei Probleme. Kommt
der Wind aber von schräg hinten, muss ich öfter korrigieren und kanten.
Bei Gepäckfahrten konnte ich die Luvgierigkeit durch Trimmen
ausgleichen. Bei Fahrten mit dem leeren Boot habe ich gute Erfahrungen
mit einem gefüllten 6 Liter Wasserbeutel gemacht, welchen ich ganz nach
hinten ins Heck geschoben habe. FRIDA ist aber auf jeden Fall deutlich
spurstabiler als das originale Möll-Kajak.
Zu Nachbauten:
Würde
ich das Boot noch mal bauen, würde ich folgende Änderungen vornehmen:
Auf jeden Fall müsste der Sitz 10 cm weiter nach hinten gelegt werden,
um die Luvgierigkeit auszugleichen. Dann würde ich das achterliche Deck
plan bauen. Damit würde das Einsteigen und auch das Rollen erleichtert
und der Abstand zwischen Spant 6 und 7 könnte wieder verringert werden.
Zusätzliche würde ich die Beschläge nicht mehr aus Alu bauen, sondern
salzwasserfestes abgekantetes Edelstahlblech oder Messing nehmen.
Zur Bauzeit:
Am
meisten haben die Vorüberlegungen und Planungen gedauert: welcher Riss
und so, und ob ich überhaupt bauen oder stattdessen nicht lieber
paddeln gehen sollte.
Beim Bauen hatte ich im ersten Schwung 15
Arbeitstage gebraucht. Danach waren alle Beschläge fertig, die Hölzer
ausgehobelt, der Bug und Steven formverleimt, der Presskiel fertig und
die Spanten zugesägt und gerundet. Zwischendurch musste ich auch noch
das Sperrholz, einen Bandschleifer und andere nützliche Dinge
eingekaufen.
Das Aufbauen der Helling und das
Zusammenbauen des Bootes, Schleifen, Lackieren und Beschlagsvernieten
hat dann nochmal 8 Tage gedauert. Was mich danach nochmal ein ganzes
Wochenende Zeit und Nerven gekostet hat, war das Anbringen und
Anfertigen der Riemen, um die Senten in den Spanten festzuhalten.
Für
das Hautnähen habe ich 5 Tage gebraucht, und dann gab es noch
Restarbeiten von 3 Tagen (Sitz bauen, Riemchen annähen, Lukendeckel
einbauen, Stemmbock und Steuerschiene zuschneiden und so weiter)
Da
ich zwischen den einzelnen Bauphasen viele Pausen hatte, habe ich alle
meine Überlegungen in einzelnen Zeichnungen dokumentiert, die ich
anderen gerne zur Verfügung stelle
Masstabellen für den originalen Möll und meinen Umbau
Fotos der Testfahrt mit einer provisorischen Haut aus Verpackungsfolie