Neben den theoretischen Betrachtungen habe ich einige Messungen mit
einem selbstgebauten Datenlogger durchgeführt welche die Theorie
verdeutlichen
sollen.
Mit den Messungen stehe ich allerdings erst am Anfang, d.h. die Seite
wird, sollte ich noch interessantes feststellen, entsprechend
ergänzt.
Sollte jemand Ideen zu interessanten Messaufbauten haben, bin
auch gern bereit, entsprechend meiner Möglichkeiten, Messungen
durchzuführen.
(Der benutzte Datenlogger wurde eigentlich zur Datenerfassung der
Höhe
/ Geschwindigkeit / und von vier RC-Kanälen entwickelt und
gebaut.
Er lässt sich aber natürlich auch für andere Messungen
einsetzen, vergleiche auch Datenlogger.)
aber nun zum Thema:
Achtung: die folgenden Betrachtungen können natürlich
nur einen Teil des Gesamtproblems aufzeigen!
Es geht also um die Frage: Bis zu welcher Entfernung lässt sich ein Flugmodell noch sicher steuern?
Die folgende Abbildung zeigt das mit einem Graupner-C12-Empfänger empfangene Signal und die Impulsbreite eines Kanalimpuls in Abhängigkeit von der Entfernung (auf unserem Modellflugplatz gemessen).

Abb.1 Automatische Verstärkungsreglung (AVR),
Eingangsspannung
des Empfängers und Kanalimpulslänge in Abhängigkeit von
der Entfernung bei senkrechter Empfangsantenne
Messaufbau zu Abb.1:
- Sender (MC-16) am Boden, Sendeantenne ca. 30° nach oben gerichtet
- Empfangsantenne senkrecht nach oben gerichtet (ca. 2m Höhe)
- gemessen wurde die AVR des Empfängers (umgekehrt proportional
zur Empfangsfeldstärke), (je kleiner, desto besserer ist der
Empfang)
- Aus der AVR wurde die jeweils an der Antenne anliegende Spannung
(= Eingangsignal des Empfängers) berechnet, (nachdem die
Abhängigkeit
der AVR von der Eingangsspannung in einem Kalibrierlabor ermittelt
werden
konnte, und Peter Rother daraus eine passende Formel finden konnte).
- RC-Kanalimpuls: 0% bedeutet 1ms-Impulslänge (z.B. Servo
Vollausschlag
rechts) / 100%: 2ms Impulslänge (z.B. Vollausschlag links) / 50%:
1,5ms-Impulslänge
(Mittelstellung Servo)
- die Spitze bei ca. 300m könnte z.B. durch Reflexionen von
Gebäuden
hervorgerufen sein.
In der Abbildung 1 ist erkennbar, daß das Signal im gesamten
Bereich
empfangen wurde (AVR ist stets im Regelbereich (Ende des Regelbereiches
der AVR liegt bei ca. 2,8V), was einem Eingangssignal von < 2uV
entspricht).
Die Qualität des Kanalimpulses wird aber immer schlechter
(Servoposition
bei 0 .. 30m: absolut konstante Impulslänge / bei 100m:
Servozittern
ca. ±0,7% / bei 250m ca. ±1,3% / bei 350m ca. ±4%
bezogen auf Vollausschlag, d.h. bei einem Ruderausschlag von
±2,5cm
zittert das Ruder hier bereits um ±2mm).

Abb. 2 gleicher Messaufbau wie Abb. 1 aber Empfangsantenne
zeigt in Richtung des Senders
Vergleicht man beide Abbildungen aufmerksam, so wird klar, dass
Reichweite nicht gleich Reichweite ist.
Bei gleicher Entfernung ist bei der Abb. 2 die AVR größer
als in der Abb. 1. Bei ca. 320m geht das Servo sogar kurz auf
Vollausschlag.
Bei 380m schaltet der Logger sogar ab, da gar kein Kanal-Impuls mehr
messbar
ist. Die Empfängereingangsspannung muss bei diesem Aussetzer
bei ca. 1,5uV liegen.
Eine vielfach unterschätzte Tatsache, welche sich auf die Reichweite auswirkt, ist durch das Antennendiagramm der verwendeten Sende- und Empfangsantennen begründet.
Die Sendeantenne (l/4-Stabantenne) strahlt das elektromagnetische Feld nicht in alle Richtungen gleichmäßig gut aus. Ebenso empfängt die Empfangsantenne das Feld aus unterschiedlichen Richtungen nicht gleich gut, d.h. es gibt günstige und weniger günstige Antennenpositionen bzw. -richtungen.

Abb. 3 Empfangsbedingungen bei
unterschiedlichen
Richtungen der Sendeantenne zum Empfänger

Abb. 4 Empfangsbedingungen bei unterschiedlichen Richtungen
der Empfangsantenne zum Sender (Empfangsantenne längs nach hinten
eingebaut)
Wie in den Abbildungen zu erkennen verringert sich die Reichweite, wenn man mit der Sendeantenne auf das Modell "zielt" ebenso wie wenn das Modell direkt auf den Sender zu fliegt (oder auch weg).

Abb. 6 AVR und Empfängereingangsspannung beim horizontalen
Drehen der Empfangsantenne
Messaufbau zu Abb. 5 und 6:
- Empfänger und Sender ca. 1m Höhe, Distanz ca. 100m
- Sendeantenne bzw. Empfangsantenne im Kreis gedreht.
- geringere Empfängereingangsspannung wenn Sendeantenne in
Richtung
Empfänger zeigt (bzw. Empfangsantenne in Richtung Sender)
Schlussfolgerung:
Nun kann man sich zwar bemühen, die Sendeantenne nie in Richtung
des Empfängers zu halten, das Modell wird aber mit Sicherheit
während
des Fluges genau in Richtung des Sender fliegen oder von ihm weg. Ist
die
Empfangsantenne dabei gerade nach hinten verlegt, gibt es in geringen
Höhen
mit Sicherheit Reichweitenprobleme.
Dazu habe ich auch eine Messung während des Fluges
durchgeführt:
Auf den Elektroschlepper Huckepack einen
zweiten C-12-Empfänger mit gleichem Quarz geschnallt und dessen
Empfangsantenne
längs nach hinten verlegt (der eigentliche Empfänger hat
L-förmige
Antenne).
Dann ein Flug mit Datenerfassung durchführen, wobei bewusst
in geringen Höhen genau in Richtung des Senders geflogen wurde.

Wie andere Messungen mit einem Speedsensor ergeben haben, fliegt das Modell bei einem solchen Flug mit einer Geschwindigkeit von ca. 30m/s. Da der Aussetzer ca. 4s vor dem Vorbeiflug auftrat, muss sich das Modell in nur ca.120m Entfernung befunden haben!!!
Wie auch dieser Flug zeigt, ist die Reichweite extrem von der Position (Richtung) der Empfangsantenne abhängig.

Abb. 8 veränderte Empfangsbedingungen beim hoch und runter
der Empfangsantenne
Messaufbau zu Abb. 8:
- Empfänger und Datenlogger an einem Holzstab befestigt
und unter einem Modellhubschrauber gehangen.
- Empfangsantenne zeigt senkrecht nach unten.
- Sender in der Hand gehalten Sendeantenne ca. 70° nach oben /
Distanz ca. 150m.
- Hubi macht Standschwebe (-> etwa konstante Entfernung) in
verschiedenen
Höhen.
Wie in der Abb. 8 zu sehen ist, verbessert sich der Empfang deutlich wenn das Modell sich in einer größeren Höhe befindet, oder anders gesagt besonders bei der Landung (geringe Höhe) kann es Reichweiteprobleme geben.
Ja, man kann dies, indem man nie mit der Sendeantenne auf das Modell zeigt und die Empfangsantenne günstig im Modell einbaut.
Aus dem bisher gezeigtem geht hervor, dass der Einbau der Empfangsantenne längs nach hinten nicht unbedingt die günstigste Einbauposition ist, da besonders im Landeanflug (wo auch die Höhe gering ist) die Antenne direkt vom Sender weg zeigt.
Würde man die Antenne längs in die Tragfläche einbauen, hätte man dieses Problem nicht mehr, allerdings zeigt dann die Antenne beim Kreisen möglicherweise auf den Sender. Da dies in der Regel in größeren Höhen geschieht eignet sich diese Einbaulage schon besser.
Die beste Einbauposition der Antenne im Modell ist deshalb senkrecht
nach oben oder unten. Hier würde die Antenne nur in extremen
Fluglagen
auf den Sender zeigen.
Die Realisierung ist allerdings nicht so einfach, da es im Modell keine
Teile gibt, die 1m senkrecht nach oben (unten) zeigen. Die Lösung
hierbei kann aber eine Schleppantenne in langsam fliegenden Modellen
sein,
oder eben eine stabile Stabantenne auf dem Modell.
Die andere, in vielen Fällen einfacher zu realisierende
Möglichkeit
ist die L-förmige Verlegung der Empfangsantenne (z.B. nach
hinten und dann am Seitenleitwerk herauf oder am Höhenleitwerk
entlang).
Diese Verlegung hat den Vorteil, dass beim Anflug direkt auf den
Sender zu das abgeknickte Antennenstück noch genügend
empfängt.
Wer aber glaubt, dies ist der Wesheit letzte Schluß, dem sei gesagt, daß es bei dieser Antennenverlegung ebenfalls bestimmte Winkel gibt, in dem sich das Signal des abgeknickten Antennenstückes mit dem Signal der restlichen Antenne aufheben können. Für mehr Reichweite beim Landeanflug ist die Methode jedoch ganz gut geeignet.

Wenn oben immer wieder von "der Richtung genau zum Sender hin"
gesprochen
wurde, ist dies jedoch nur eine vereinfachte Aussage. Durch die
Reflexionen
am Boden ist diese Richtung in Wirklichkeit die zusammengesetzte
Richtung
aus direktem und reflektiertem Signal.
Die Betrachtungen von oben gehen alle davon aus, dass die Antenne in
einem Holz- oder Plast-Rumpf angebracht ist und sich keine metallischen
Gegenstände in der Nähe befinden.
Was passiert nun aber, wenn leitende Teile (Rudergestänge,
Servokabel
usw.) in der Nähe der Antenne angebracht sind?
Folgend 2 Versuche zu dem Thema:

Abb. 10 Kohlefaserstab parallel zur Antenne
Was kann man nun aus diesem Versuch lernen?
Rudergestänge o.ä. welche parallel zur Antenne angebracht
sind vermindern die Reichweite.
In dem Beispiel wird die Empfänger-Eingangsspannung um ca. 10%
vermindert, was nicht sehr schön aber vielleicht noch vertretbar
ist.
Viel schlimmer sieht es aus, wenn das Rudergestänge auch noch
mit Masse verbunden wird.
In dem Versuch wurde die Empfänger-Eingangsspannung um fast 60%
reduziert, was die max. Reichweite merklich reduzieren würde.

Abb. 11 Servokabel parallel zur Antenne
Messaufbau zu Abb. 11:
Der Messaufbau ist ähnlich wie in Abb. 10.
Anstelle des Kohlestabs wurde ein Servokabel mit angeschlossenem Servo
benutzt.
"Ohne" zeigt das ungestörte Signal.
25% (50%, 90%) bedeutet, dass das Servokabel nur ca. 25% (50%, 90%)
der Antennenlänge lang ist, d.h. das noch ein ungestörtes
Antennenstück
von 75% (50%, 10%) vorhanden ist.
Der Versuch zeigt etwa das gleiche Ergebnis wie das mit dem mit
Masse
verbundenen Kohlestab.
Je mehr ungestörte Antennenlänge übrig bleibt desto
mehr Reichweite wird auch möglich sein.