Inhaltsangabe und Interpretation des 7. Bildes
von Melanie Böhm
Das Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht handelt von Anna Fierling, genannt Mutter Courage, die im 30-jährigen Krieg als Marketenderin umherzieht.
Mutter Courage zieht mit dem Feldprediger und ihrer Tochter umher; sie trägt eine Kette aus Geldstücken und zählt die positiven Seiten des Krieges auf: Die Schwachen, die im Krieg umkommen, wären auch im Frieden, schwach, wobei man im Krieg nur besser versorgt sei. Dann beginnt sie ein Lied zu singen, während sie weiterziehen.
Der Feldprediger und Kattrin wollten Mutter Courage offenbar davon überzeugen, dass der Krieg schädlich ist, denn sie widerspricht und sagt, sie lasse sich den Krieg nicht „madig machen“(S. 75). Die Äußerung „es heißt“ (S. 75) verdeutlicht, dass Mutter Courage keineswegs der Meinung ist, der Krieg sei schlecht für schwache Menschen, zu denen sie ja selbst gehört. Das Lied im siebten Bild besteht aus zwei Strophen, von denen die erste 4 und die zweite 8 Zeilen hat. Das Reimschema ist ein Kreuzreim.
In der ersten Strophe sagt Mutter Courage, wem der Krieg zu stark sei, der müsse damit leben und sei dann „beim Sieg halt nicht dabei“ (S.75). Sie vergleicht den Krieg mit ihren Geschäften, die ihre Existenzgrundlage sind; so wird der Krieg positiv dargestellt.
Der folgende Einschub deutet die Sehnsucht nach einem Zuhause und festen Wohnsitz an: Sie sagt zwar, dass Sesshaftigkeit nutzlos sei und die Sesshaften zuerst „hin“ (S. 75) sind, aber mit dem Hintergrund der vorhergehenden Szene klingt das, als ob sie sich selbst überzeugen will.
In der zweiten Strophe ist die Anrede sehr allgemein gehalten, während Mutter Courage in der ersten Strophe direkt anspricht („du“, „deine“, vgl. S. 75): Es ist nur von „so manchem“, „ihm“ bzw. „er“ die Rede. Zuerst singt Mutter Courage von zu großen Erwartungen: „so mancher wollt so manches haben, was es für manchen gar nicht gab“. Auch Schutzmaßnahmen sind ihrer Meinung nach fehl am Platz; wer sich zur Sicherheit „ein Schlupfloch graben“ will (S. 75), schießt häufig über das Ziel hinaus und verliert sein Leben, d.h. alles Lebenswerte. Sie stellt auch dar, wie unsinnig es ist, „in Eil nach einer Ruhestatt“ zu suchen (S. 75), was ja totale Gegensätze sind. Und wenn man sie dann endlich gefunden hat, stellt man fest, dass man sich viel mehr Zeit hätte lassen können.
Dies trifft auch auf Mutter Courage zu: Sie wollte ihre Kinder aus dem Krieg heraushalten und trotzdem Profit machen, was ein unmögliches Unterfangen war; dadurch, dass sie sich überall anpasste und so ein wenig Sicherheit gewinnen wollte, hat sie zwei ihrer Kinder verloren; und Mutter Courage zieht ruhelos mit dem Planwagen umher, um genug Geld zu machen, sich später einmal irgendwo niederlassen zu können. Durch den Handel hat sie aber nur Ärger.
Das 7. Bild stellt scheinbar
einen Gegensatz zum vorigen Bild dar: Darin hat Mutter Courage den Krieg noch
verflucht, nun singt sie ein Loblied auf ihn. Schaut man sich das Bild aber
genauer an, erkennt man, dass alles nur ein Selbstbetrug ist und die Courage in
Wirklichkeit doch erkannt hat, dass der Krieg ihr nur Schaden bringt, auch wenn
es im Moment durch die Kette mit Geld so aussieht, als würde er ihr ungeahnten
Reichtum (und damit Glück) bescheren.