Die Tugenden der Kinder

 

von Katharina Engbers, Inga Brünink, Linda Zwafink

 

Jeder Mensch hat seine eigenen Tugenden, sie sind notwendig, sie  machen den Charakter des Menschen aus.

Im Drama "Mutter Courage und ihre Kinder"  von Bertolt Brecht wird gezeigt, dass man sich im Krieg keine Tugenden leisten kann, sie sind eher gefährlich.

Dies wird dadurch deutlich, dass die Tugenden der drei Kinder ihnen in der Geschichte zum Verhängnis werden. Wir beginnen mit dem ältesten Sohn Eilif, der durch seine Tugenden Übermut und Risikofreudigkeit stirbt, denn er hat keine Angst vorm Krieg, auch wenn seine Mutter ihn warnt:" Ich fürchte keinen Krieg und möchts schon werden."(S.14/15). Außerdem wird er oft als kühn und schlau beschrieben, wie auch vom Feldhauptmann (S.10) nach seinem geglückten Raubzug: "Das war klug von dir". Seine Kühnheit wird von seiner Mutter belegt, die ihrem zweiten Sohn klar machen will, warum er Schatzmeister geworden ist und nicht Soldat: "Vergiss nicht, dass sie dich zum Zahlmeister gemacht haben, weil du redlich bist und nicht etwa kühn wie dein Bruder und vor allem weil du so einfältig bist".(S.30).  Kühnheit ist eine Tugend, die im Krieg als gut bezeichnet wird, wiederum im Frieden wird ihm diese Tugend zum Verhängnis: "Im Krieg haben sie ihn dafür geehrt, zur Rechten vom Feldhauptmann ist er gesessen. Da war's Kühnheit!". "Einem Bauern sein Vieh nehmen, was wär daran kühn?". "Das war wohl eine Dummheit."(S.87).

Schweizerkas, der zweite Sohn, der oben schon von Mutter Courage als Vergleich für Eilif herangezogen wurde, stirbt durch seine Redlichkeit. Seine Aufgabe, die Regimentskasse zu verwahren, bei der er zuverlässig und verantwortungsbewusst sein muss, nimmt er zu ernst und setzt dadurch sein Leben aufs Spiel. Doch er ist zu aufrichtig und ehrlich, dadurch aber auch schon wieder zu dumm, weil er die Kasse weiterhin behüten will: "Schweizerkas, deine Gewissenhaftigkeit macht mir fast Angst. Ich hab dir beigebracht, du sollst redlich sein, denn klug bist du nicht, aber es muss seine Grenzen haben."(S.41) So stirbt auch er später an seinen Tugenden, weil er die Regimentskasse nicht an den Feind herausgegeben hat.

Kattrin, die Tochter von Mutter Courage, ist seitdem sie von Soldaten als Kind misshandelt wurde, stumm, deswegen ist sie auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen. Trotz allem ist sie gutherzig und hilft gegen den Willen ihrer Mutter verwundeten Bauern. Außerdem rettet sie ein Säugling aus einem brennenden Bauernhaus und wiegt es in ihren Armen, denn sie ist mitleidig, menschlich und mütterlich: "Hast du glücklich wieder einen Säugling gefunden zum Herumschleppen? Auf der Stell gibst du es der Mutter, sonst hab ich wieder einen stundenlangen Kampf, bis ich dir herausgerissen hab, hörst du nicht?"(S.63) Auch an diesen Beispiel erkennt man, dass Kattrin das genaue Gegenteil von ihrer Mutter ist, sie ist sehr kinderlieb. Zuletzt versucht Kattrin, weil sie Gefahren erkennt eine ganze Stadt zu retten, indem sie die Bürger wach trommelt. Das zeigt nochmals ihre Aufopferungsbereitschaft und große  Menschlichkeit, denn sie trommelt so lange bis sie von einem Soldaten erschossen wird. "Aber die letzten Schläge Kattrins werden von den Kanonen der Stadt abgelöst"; "Sie hats geschafft"(S.105)

An diesen Beispielen erkennt man, wie jedem einzelnen Kind in diesem Krieg Tugenden zum Verhängnis geworden sind, obwohl es unter normalen Lebensverhältnissen eigentlich gute Tugenden waren.