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Einwände gegen Anarchie

Roderick T. Long:

"Der Staat ist kein erzwungenes Monopol"

2005

Argument

Nun, der Einwand, der eingebracht wird, ist nicht so sehr ein Einwand gegen Anarchismus; es ist vielmehr ein Einwand gegen das Moralargument von Anarchismus. Das Argument beinhaltet auch keine pragmatische Frage, ob dieser Staat gerade am besten ist oder nicht.

Nehmen wir an, Du gehst in ein Restaurant, setzt dich dort hin und sagst: "Ich möchte ein Steak haben". Damit hast Du noch nicht explizit Dein Einverständnis gegeben Dein Essen zu bezahlen; es wird nur so verstanden. Aber durch das Hinsetzen und Bestellen eines Steaks in einem Restaurant hast Du implizit Dein Einverständnis gegeben es zu bezahlen.

Man argumentiert etwa so: "Heh, langsam! Das Monopol ist nicht wirklich erzwungen. Die Leute haben zwar nicht direkt in den Konsent eingestimmt, aber die Menschen leben innerhalb der Grenzen eines besonderen Territoriums und nutzen damit die Vorteile, die eine Regierung anbietet. Sie haben sich also durch ihr Verhalten indirekt trotzdem für das existierende System entschieden, d.h. also im im Effekt haben sie zugestimmt."

Ähnlich funktioniert das Argument mit Staat: Wenn Du Dich in einem Staatsterritorium aufhältst, hast Du die Vorteile des Schutzes der Polizei oder etwas anderes genossen -- also hast Du implizit auch den gegebenen Umständen zugestimmt.

Antwort

Aber es ist trotzdem mit dem Argument etwas nicht in Ordnung. Es ist sicherlich richtig, wenn ich das Grundeigentum jemandes anderen betrete, dann scheint es so, als wäre dort eine Erwartung, dass solange ich auf diesem Eigentum stehe, ich zu tun hätte, was man mir sagt. Ich hätte die Regeln zu befolgen. Wenn ich die Regeln nicht will, dann müsste ich gehen.
Also ich lade Dich in mein Haus ein, und wenn Du herein kommst, sage ich: "Setz Dir den lustigen Hut auf."
Dann sagst Du: "Was soll ich?"
Und ich sage: "Tja, so ist das bei mir zu Hause. Jeder hat den lustigen Hut zu tragen. Das sind meine Regeln."
Dann kannst Du nicht sagen: "Ich setze mir Deinen Hut nicht auf, aber ich bleibe trotzdem."
Dies wären meine Regeln -- sie mögen bescheuert sein, aber das wäre meine Sache.

Nun angenommen, Du wärest bei Dir zu Hause beim Abendessen und ich wäre Dein nächster Nachbar, und ich käme an Deine Haustür.
Du öffnest die Haustür und ich würde sagen "Zieh den lustigen Hut auf."
Und Du sagst: "Warum das?"
Und ich sage: "Tja, Du bist mein neuer Nachbar, oder nicht? Damit hast Du sozusagen zugestimmt."
Und Du sagst: "Moment mal. Wann habe ich das getan?"

Offensichtlich sind die Personen, die dieses Argument machen, bereits in der Annahme, dass die Regierung irgendwelche legitimen Rechte über das Territorium hätte. Und dann sagen sie: "Siehste, jeder, der das Territorium benutzt, stimmt automatisch und apriori den geltenden Regeln zu." Aber sie nehmen die Sache, mit der sie etwas prüfen wollen eben nur an -- nämlich dass die Herrschaftsrechte über das Territorium legitim seien. Wenn sie nicht legitim sind, dann ist die Regierung nicht mehr als wie jede andere Gruppe von Leuten, die innerhalb irgendwelcher geographischen Grenzen lebt.
Aber ich habe mein Eigentum. Was die genauen Absprachen der Regierung sind, kann ich nicht wissen. Ich bin hier auf meinem Eigentum. Es gehört dem Staat nicht!
Und letztlich hat man mir kein Argument gegeben, warum sie so handeln können.
Die Tatsache, dass ich in "diesem Land" lebe, bedeutet nur, dass ich in einer bestimmten geographischen Region lebe. über die sie bestimmte Ansprüche erheben. Aber die Frage ist, ob diese Ansprüche legitim sind, was aber eigentlich niemand ernsthaft behauptet. Der Punkt ist auf jeden Fall: Man kann keine Annahme zu einer Prüfung machen.

Und noch eine andere Sache stimmt nicht: Eines dieser vielen Probleme mit diesen "impliziten Sozialverträgen" ist, dass nicht klar ist, was denn überhaupt der Vertrag sein soll. Im Fall der Bestellung von Essen in einem Restaurant kann jeder ziemlich genau wissen, was der Vertrag ist. Deswegen funktioniert der implizierte Konsens hier auch. Aber niemand würde annehmen, dass dann Deine Nachbarn zusätzliche Ansprüche erheben, wenn Du Dir ein Haus kaufst.

Es gibt natürlich etliche Versionen dieser Problemstellung. Wenn es etwas kompliziert wird, sagt niemand: "Du stimmst eigentlich schon dadurch zu, dass Du Deinen Kopf an irgend einem Punkt nickst" oder ähnliches. Also musst Du selber rausfinden, was der eigentliche Vertrag ist, dem Du zugestimmt haben sollst.

Diese Argumentation vermag einen Anarchisten natürlich nicht zu überzeugen.

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