Argument
Die Randianer kommen auch gerne mit dem Argument, dass Tausch am Markt einen Grundlage von Eigentumsrechten voraussetze. Sie meinen, wir wären nicht zum guten Tauschen fähig, wenn es keine klare Grundlage für Eigentum gäbe, welche uns über unser Eigentum auch sicher machen würde. Und sie glauben nicht, dass diese Grundlage vom Markt geschaffen würde. Das Eigentumsrecht muss vorher auftreten — sie glauben tatsächlich, dass Eigentum wie von einem unfehlbaren Maschine ausgespuckt werden könnte — es bleibt eigentlich unklar woher Eigentum kommen soll, aber es könne jederfalls nicht aus dem Markt sein.
Antwort
Aber ihre Denkweise ist so, als wenn zunächst das Eigentumrecht fertig definiert sein müsste, bevor irgend jemand eine Tauschaktion wagen würde, also dass niemand etwas unternehmen würde.
Und erst wenn diese Definition von Eigentum stattgefunden hätte, würden alle jubeln und aktiv werden.
Es stimmt sicherlich, dass es ohne ein legales System keinen funktionierenden Markt gäbe;
aber es ist nicht so, dass alles vordefiniert sein müsste, damit die Menschen mit Handel beginnen könnten.
Diese Dinge geschehen zusammen — und zwar an ein einem Platz und einem Ort. Das legale System ist nicht unabhängig von den Aktivitäten, die es repräsentiert. Und ein Rechtssystem ist keine Maschine oder ein Gott, nachdem Eigentumsrechte definiert sind. Ein Rechtssystem bedeutet, dass die Menschen ihm gehorchen, und wenn die Menschen ihm nicht gehorchen, dann ist es bedeutungslos. Deshalb lebt ein Rechtssystem nur dadurch, dass man es befolgt und dieses Befolgen ist freier Wille.
Ein Grund das Menschen vor Anarchie verschrecken, ist, dass sie denken, dass ihnen etwas weggenommen würde, was ein Staat ihnen garantieren könne. 'Anarchie' macht keine Versprechungen. Sie gibt nur Anreize wie es am ehesten funktionieren könnte. Aber die Menschen denken, dass sie 'Garantien' verlieren können und auf etwas Cchlechteres zurückfallen würden.
Es ist also etwa so: wenn Anarchisten sagen, dass Menschen in Anarchie die entsprechenden Anreize haben würden dies und jenes zu tun, dann heißt es: "Nein, das will ich ja gerade nicht bloß als Anreiz zum Wollen. Ich möchte, dass der Staat mir das absolut garantiert."
Aber Staat besteht gerade aus Menschen, die durch Anreize gesteuert sind. Abhängig von dem, was die Verfassung eines Landes vorschreibt, tun Menschen dies oder jenes. Aber die Verfassung eines Landes ändert keine Menschen in der Weise, dass sie sich grundsätzlich anders verhalten. Die Gesetze verbieten bestimmte Dinge. Aber die Menschen suchen sich auch einfach neue Wege wie sie das tun können, wozu sie Lust haben. Aus dieser Sicht bietet 'Anarchie' einfach eine breitere Form der Gewaltenteilung.
Zum Beispiel sagen Leute: "Was garantiert, dass verschiedene Agenturen die Dinge in irgend einer besonderen Weise lösen?" Schön! Die U.S.-Constitution sagt nichts darüber, was passiert, wenn verschiedene Parteien nicht übereinstimmen wollen und wie es dann zu lösen ist. Sie sagt nichts darüber, was passieren soll, wenn das Oberste Gericht etwas als verfassungswidrig erkennt, und die Abgeordneten denken ohne es auszusprechen, "Nein, ist es nicht!" oder "Geht nicht anders!"
Und dann treffen sie sich in irgend einem Ausschuss, suchen einen Workarround, und tun dann irgendwie doch das, was sie wollten.
Die US-Constitution besagt auch nichts darüber, wenn es einen Streit zwischen einem Staat und der Bundesbehörde ("federal government") gibt. Der Supreme Court (Verfassungsgericht) kann etwas als verfassungswidrig erklären, der Kongress und der Präsident befolgen es einigermaßen, aber in einem US-Staat tut man so, als wäre das unwirksam.
Das Verfassungsgericht sagte z.B., Andrew Jackson tue etwas Verfassungswidriges, und als US-Präsident (1829-1837) erwiederte Jackson: "Gut, ihr habt eure Entscheidung getroffen. Dann seht zu, wie ihr sie durchsetzt."
Die US-Constitution verhindert nicht die Missachtung des Obersten Gerichts, wenn die Politik es anders will.
