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Jane Austen's Romane
- Sense & Sensibility -
mit Illustrationen von C. E. Brock und Hugh Thomson |
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Im Jahre 1811, sechzehn Jahre nach ihrem ersten Entwurf, den sie noch 'Elinor und Marianne' nannte, finanzierte ihr Bruder Henry die Veröffentlichung des Romans - als Autor wurde 'By a Lady' genannt. Bücherschreibende Frauen galten in dieser Zeit nicht gerade als schick. Es ist das leidige Jane-Austen-Thema, das auch diesem Roman den Stempel aufdrückt: Heiraten aus Liebe? Oder um versorgt zu sein? In 'Verstand und Gefühl'wird die Geschichte zweier ungleicher Schwestern erzählt. Elinor und Marianne Dashwood stammen zwar aus guter Familie, sind aber nach dem Tod des Vaters ohne eigenes Vermögen.Um ihren Lebensstandard zu sichern ist es eigentlich zwingend notwendig, eine 'gute Partie' zu machen. Während die eine, Elinor, eine sensible aber rational klug denkende Frau ist ist ihre Schwester, Marianne, von wild-romantischer, empfindsamer Natur. Eine Tatsache, die Jane Austen viel Platz für ihre satirischen Randbemerkungen aber auch für wohlwollendes Mitgefühl gibt. Zum Inhalt: Als einziger Sohn und männlicher Erbe tritt John Dashwood sein Erbe, Norland Park, an und treibt damit quasi die nach dem Tode des Mannes und Vaters mittellos dastehende zweite Ehefrau von Dashwood senior samit ihren drei Töchtern aus dem Haus. John Dashwood hatte seinem Vater zwar versprochen, seine Stiefmutter und Halbschwestern gut zu versorgen, aber seine hochnäsige und geldgierige Frau Fanny schafft es schließlich, ihn nach und nach davon zu überzeugen, dass diese Frauen überhaupt keine Unterstützung brauchen, ja gar verdienen. John und Fanny einigen sich schließlich darauf, der Verwandschaft eine Art von nachbarschaftlicher Hilfe angedeihen lassen, mehr sei ja wohl nicht nötig für ein paar Frauen, die kein Personal, keine Kutschen kein großes Haus zu versorgen hatten und keine großen Gesellschaften geben könnten. John und Fanny richten sich also in Norland Park ein und gerade Fanny kann es kaum erwarten, die arme Verwandtschaft endlich aus dem Haus zu jagen. Einziger Lichtblick für Mrs. Dashwood senior und ihre Töchter ist die Ankunft von Edward Ferrars, Fannys Bruder. Edward stellt sich als bescheidener, schüchterner junger Mann heraus, der sehr darunter leidet, dass seine Mutter ihn, als Erstgeborenen, für eine höhere Laufbahn auserkoren hat, wo er selber doch wesentlich bescheidener ist, was seine Zukunftsträume anbelangte. Alle seine Wünsche richtetn sich auf häusliche Behaglichkeit und ein geruhsames Leben als Privatmann. Nett, aber ein ziemlicher Langweiler also - zumindest in den Augen der romantischen Marianne. Elinor aber kommt die ruhige, kluge Art Edwards entgegen und sie verliebt sich in ihn. Jedoch spürt sie, dass Edward irgendein Geheimnis umgibt. Sie bemerkt eine seelische Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit, die ihn seinerseits davor zurückschrecken läßt, seinen Gefühlen für Elinor Ausdruck zu verleihen. Und auch Fanny macht die Situation nicht besser als sie verlauten läßt, dass von Edward eine standesgemäße Heirat erwartet wird, sonst würde seine Mutter ihn enterben. Somit ist Elinor natürlich aus dem Spiel. Wie gerufen kommt da der Brief eines Cousins von Mrs. Dashwood senior, Sir Middleton, der den Damen Barton Cottage, ein kleines Haus auf seinem Anwesen Barton Park, als Bleibe anbietet. Auch der bevorstehende Umzug nach Devonshire bringt Edward nicht zum Reden, und so scheint es zwischen ihm und Elinor bei einer Freundschaft zu bleiben. Und wenn Elinor vielleicht immer noch von mehr träumt, so läßt sie sich das nicht anmerken, denn in erster Linie steht bei ihr immer noch die Vernunft und ihr kühler Kopf wird gebraucht, als sie in Barton Cottage einziehen und gleich zwei wohlhabende Junggesellen Marianne den Hof machen.
Dieser junge Mann entsprach genau dem Bild, das sie sich in ihrer Phantasie schon immer von dem Helden einer ihrer Lieblingsgeschichten gemacht hatte.
Elinor unterdessen leidet mit Tapferkeit und ohne viel Aufhebens davon zu machen wegen Edward Ferrars. Dieser ist nämlich, wie sie erfährt, heimlich mit seiner Jugendliebe Lucy Steele verlobt und darum für sie unerreichbar. Lucy Steele, eine hübsche, aber dumme - wenn auch bauernschlaue - Person, hat Elinor aus Eifersucht dieses Geheimnis anvertraut, denn sie weiß, wie sehr Edward Elinor bewundert und schätzt. Da Elinor Lucy versprochen hat, mit niemandem über diese heimliche Verlobung zu reden, trauert Elinor nun im Stillen und kann Edward nur bedauern, der sich aus einer Jugendlaune heraus an eine oberflächliche und - dies wird seine Mutter besonders freuen - mittellose Person gebunden hat. Wenn ihre Lage bemitleidenswert war, so war seine hoffnungslos. Mrs. Jennings, Sir Middletons Schwiegermutter, lädt Elinor und Marianne ein, den Winter mit ihr in London zu verbringen. Die beiden Schwestern akzeptieren die Einladung, denn Marianne hofft, in London endlich Willoughby wiederzusehen und eine Erklärung für seine überstürzte Abreise zu erhalten und Elinor bleibt nichts anderes übrig, als die Schwester zu begleiten und ein wachendes Auge über sie zu haben.
Colonel Brandon eröffnet weitere unliebsame Tatsachen über Willoughbys Charakter. Dieser war nämlich mit Brandons Mündel durchgebrannt und hatte Eliza dann schwanger sitzengelassen. Er hat sie mit dem Versprechen, er käme wieder, im Stich gelassen. Er kam weder zurück, noch schrieb er ihr, noch half er ihr in der Not. Marianne hilft das in ihrem Kummer allerdings nicht sehr. Sie weiß jetzt, dass Willoughby sie tatsächlich geliebt hat und, wäre es nicht um des lieben Geldes Willen, auch geheiratet hätte. Nun sitzen also zwei unglückliche Schwestern in London. Zu allem Überfluss kommen jetzt auch noch die Steele-Schwestern zum Besuch zu den Middletons und auch John und Fanny Dashwood treffen in London ein. John erzählt Elinor, dass Edward bald eine Miss Morton heiraten wird, eine reiche Frau aus gutem Hause - genau so, wie seine Mutter es für ihn geplant hat. Lucy Steele schließt, nicht uneigennützig, Freundschaft mit Fanny und vertraut dieser an, dass sie mit Edward verlobt ist. Dies ist aber so garnicht in Fannys Sinne und so wirft sie die Steele-Schwestern im hohen Bogen aus dem Haus.
Hilfe erscheint in Gestalt von Colonel Brandon, der, obwohl er Edward kaum kennt, diesem die Pfarre auf seinem Anwesen Delaford anbietet. Da der Colonel Edward kaum kennt bittet er Elinor, Edward sein Angebot zu überbringen. Welch’ eine furchtbare Situation für Elinor! Nicht nur, dass sie zusehen muss, wie ihr Gelieberter eine ungeliebte Frau heiratet, nein, nun soll sie auch noch diese Hochzeit mit der Übergabe von Colonel Brandons Angebot möglich machen! Elinor leidet Höllenqualen aber sie überbringt das Angebot und Edward willigt ein - einer Hochzeit mit Lucy steht nun nichts mehr im Wege. Elinor und Marianne treten den Heimweg an, begleitet von Mrs. Jennings und Colonel Brandon, der ein besorgtes Auge auf die noch immer unter großem Liebeskummer leidende Marianne hat. In Cleveland, dem Haus der Palmers, Mrs. Jennings Tochter und Schwiegersohn, legen sie einen Zwischenstop ein und hier wird Marianne ernstlich krank. Sie bekommt starkes Fieber und ihr geht es so schlecht, dass Colonel Brandon sogar davoneilt, um Mrs. Dashwood von Barton Cottage zu holen.
Elinor denkt nun an ihn nicht mehr ganz so schlimm, sieht sie doch, wie sehr er sich mit der Entscheidung für das Geld und gegen die Liebe selbst gestraft hat. Und auch Marianne erkennt: Auf mein Glück kam es ihm nie an. Mrs. Dashwood und Colonel Brandon, der ihr auf der Reise seine Liebe zu Marianne gestanden hat, treffen endlich in Cleveland ein und Mariannes Zustand bessert sich zusehends. Und nicht nur das. Ihre unglückliche Liebe zu Willoughby und die schwere Krankheit haben aus einem wild-romantischen Mädchen eine erwachsene, ruhigere Frau gemacht und endlich schenkt sie auch Colonel Brandon die Aufmerksamkeit, die er verdient.
Und auch Marianne gibt schließlich dem Werben Colonel Brandons nach, auch wenn sie zuerst nur Freundschaft und Hochachtung für ihn empfindet. Aber dass sie ihr eigenes Glück finden würde, indem sie das seine begründete, davon waren alle überzeugt. 'Verstand und Gefühl' ist ein gesellschaftliches Porträt darüber, wie wichtig es für Anstand und Lebensqualität einer jungen Dame war, eine vorteilhafte Ehe einzugehen. Der Stellenwert von Liebe und Respekt kam hier erst in zweiter Linie. Dies soll natürlich nicht heißen, dass Frauen aus finanziellen Gründen heiraten sollen. Ganz im Gegenteil. Jane Austen formt ganz klar Charaktere, wie hier Elinor und Marianne Dashwood, für die es unmöglich wäre, einen Idioten, den man nicht respektieren kann oder einen ungeliebten Mann zu heiraten. Marianne Dashwood steht zwar kurz davor, sich von Schönheit verblenden zu lassen, aber als sie dabei fast ihr Leben verliert wird auch sie geläutert und heiratet schließlich den 'Richtigen'. Jane Austen zeigt hier einmal mehr, wie wichtig es in ihren Augen ist, ein vernünftiges Mittelmaß zwischen Vernunft und Romantik zu finden, um letztendlich in einer glücklichen Ehe zu enden.
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