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Pride & Prejudice
- Meine Interpretation -
Neue Nachbarn - Ein abgelehnter Tanz und seine Folgen |
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Pride & Prejudice (Stolz & Vorurteil) Zusammenfassung und Interpretation anhand von Jane Austens Original Pride and Prejudice, der deutschen Ausgabe Stolz und Vorurteil und
der Original BBC-Verfilmung Pride and Prejudice von 1995 Mit Illustrationen von Charles E. Brock und Fotos der BBC-Verfilmung
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Zwei begehrte Junggesellen Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht, als eine Frau. Mit diesem Satz, einem ihrer berühmtesten und meistzitiertesten Sätze überhaupt, eröffnet Jane Austen ihren wenn vielleicht nicht besten so doch populärsten Roman. Und schon ist in einem Satz alles gesagt, worum es in diesem Buch geht, nämlich: Wer heiratet wen?
Ganz anders seine Frau, Mrs. Bennet, die bei den allgemeinen Charakterisierungen immer sehr schlecht wegkommt. Ok, sie ist eine Frau von schwacher Intelligenz und geringen Kenntnissen, eine dumme Pute sozusagen, doch sieht sie sehr wohl, dass es zwingend notwendig ist, ihre fünf Töchter standesgemäß unter die Haube zu bringen - eine echte Lebensaufgabe, schließlich hat man ja als Gattin eines angesehenen Gutsbesitzers sonst den ganzen Tag lang nicht viel zu tun ... Die
Protagonistinnen dieser Lebensaufgabe könnten unterschiedlicher nicht sein.
Elisabeth, die Zweitälteste, ist ganz eindeutig Mr. Bennets
Lieblingstochter, gescheit, hübsch und an Beweglichkeit und Auffassungsvermögen
ihren Schwestern überlegen. Dennoch wittert Mrs. Bennet endlich eine Chance auf eine gute Verheiratung zumindest eines ihrer Mädchen, als sie die Nachricht erreicht, dass das benachbarte Gut Netherfield gerade neu verpachtet wurde, an einen jungen Mann, Charles Bingley, dazu noch Junggeselle und - das wichtigste! - reich! Ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens .... und was braucht der noch zu seinem vollkommenen Glück? Na eben, siehe oben ... Im Gegensatz zum Buch spannt uns der Film bzw. Andrew Davie's Drehbuch bis zum Kennenlernen der beiden männlichen Protagonisten, Darcy und Bingley, nicht so lange auf die Folter, denn gleich die Eingangsszene gehört den beiden männlichen Hauptcharakteren. Es
ist ein großer Verdienst von Andrew Davies, dass er grundsätzlich für das
Drehbuch die spritzigen Dialoge aus dem Roman hat bestehen lassen und nur, wenn
die Verfilmung es nötig machte, einige feine, pointierte Szenen hinzugefügt
hat (siehe auch P
& P - Die Verfilmung). Ein Musterbeispiel hierfür ist unsere erste
Begegnung mit den beiden Hauptcharakteren. Begeistert beschreibt Bingley Darcy seine neue Heimat, die von der Kamera wirklich allerliebst eingefangen zwischen den Bäumen hervorragt:
Was erfahren wir nicht alles in dieser kurzen Szene!
Gleichzeitig sieht man in dieser Szene die zweitälteste Bennet-Tochter, Elizabeth, durch die Landschaft springen und hüpfen, ein Naturkind also, ein Kind dieser 'wilden Gesellschaft'. Beschwingt vom Anblick der galoppierenden Pferde läuft sie nach Hause um dort von ihrer Mutter die Neuigkeiten von der Verpachtung von Netherfield zu erfahren... Und noch eine entscheidende Szene ist im Film eingefügt, die die konkreten, wenn auch für ihre gesellschaftliche Stellung etwas zu romantischen, Vorstellungen von Jane und Lizzy über Ehemänner und die Liebe verdeutlichen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, der es in erster Linie darum geht, dass ihre Töchter gut versorgt sind, sind sich die beiden sicher, nur dann zu heiraten, wenn Liebe und Respekt zueinander besteht. Wozu Lizzy dann allerdings spöttisch bemerkt: Then I will end up as an old maid ... Das erste große Fest läßt nicht lange auf sich warten und endlich haben die gesamte Familie Bennet und die Dorfgemeinschaft Gelegenheit den so begehrten Junggesellen samt Verwandschaft und Bekanntschaft kennenzulernen. An dieser Stelle sollte einmal erwähnt werden, dass Jane Austen den ersten Entwurf ihres Romanes 'First Impression' genannt hatte, 'Erster Eindruck' also - um nichts anderes geht es auf diesem ersten Ball! Mr. Bingley selbst, der begehrte, reiche, Junggeselle, wird als Mann mit angenehmen Äußeren beschrieben, der sich zwanglos und natürlich gibt. Und Mr. Hurst, Bingleys Schwager, der im Buch kaum drei Worte zu sagen hat und im Film eigentlich nur dadurch auffällt, dass er gerne einen über den Durst trinkt und irgendwo schlafend in der Ecke liegt, sah aus, wie ein Gentleman eben aussieht. Ist das jetzt ironisch gemeint, Miss Austen? Und dann Mr. Darcy, Mr. Bingleys bester Freund! Schnell macht es die Runde, dass er ein sehr vermögender Mann ist und sogleich wird er mit Attributen wie eine schöne Gestalt, edle Züge, viel hübscher als Bingley, stattlich und männlich belegt. Wow! Geld macht sexy - und das auch schon vor 200 Jahren. Aber stopp! Wir wollen nicht so streng mit unserer Dorfgemeinschaft sein! Denn nachdem sie - mit freundlicher Unterstützung von Lizzy - herausgefunden hatte, dass Darcy gleichzeitig auch ein hochnäsiger, stolzer Mann ist, viel zu blasiert, als dass er sich hätte wirklich amüsieren können, und dazu noch Lizzy so schändlich hat abblitzen lassen wandelt sich das Bild sehr schnell. Plötzlich hat er ein unangenehmes Gesicht und war überhaupt der stolzeste und unangenehmste Mann der Welt. Nun, wie es scheint sind die Bewohner von Meryton in der Änderung ihrer Meinungsbilder nicht zimperlich! Und was sollen wir jetzt glauben?
Abgelehnt!
Tja, Mr. Darcy's Benehmen auf diesem ersten Ball - es sollte für ihn ungeahnte Konsequenzen haben ... aber eins nach dem anderen. Bingley amüsiert sich auf diesem Ball köstlich und man merkt besonders, wie sehr ihm Jane, die älteste Bennet-Tochter, die hübscheste und zugleich seinem eigenen Charakter am nächsten, gefällt. Neben dem Amüsement sollte an dieser Stelle auch ein zweiter Aspekt nicht zu kurz kommen, nämlich der, dass Charles Bingley es durchaus darauf anlegt, bei der Dorfgemeinschaft gut anzukommen und Eindruck zu machen. Er möchte sich schließlich auf Netherfield niederlassen und ist darauf angewiesen, dass ihn die Menschen des Städtchens Meryton mögen, in ihrer Gemeinschaft aufnehmen und respektieren. Bingley's Vater hatte das jetzige Vermögen wohl erwirtschaftet und doch fehlt zum Gentleman ein richtiger Landsitz, also setzt Bingley alles daran, gemocht und respektiert zu werden. Etwas, das Mr. Darcy natürlich nicht nötig hat ... Aber liebenswert, wie Bingley nun einmal ist, möchte er auch, dass sein Freund ein wenig Spaß an diesem Abend hat. Er fordert ihn auf, ebenfalls einmal zu tanzen, bekommt aber nur zur Antwort: Du weißt, wie ich es verabscheue, wenn ich mit meiner Partnerin nicht näher bekannt bin. Ach, der reiche, stolze Mr. Darcy ist also schüchtern! Gerade wollen wir Mitleid mit ihm haben, als er in seiner, ja, wir wollen ehrlich sein, manchmal etwas großkotzigen Art hinzufügt: Deine Schwestern sind engagiert und sonst ist keine Frau im Saal, mit der zu tanzen nicht eine Strafe für mich wäre ... Nun wird ein solcher Satz im allgemeinen ja Darcy's Stolz und Vorurteil gegen die Landbevölkerung zugeschrieben ... aber kann es nicht auch sein, dass dieser Satz gar nicht auf hässliche Landpomeranzen gemünzt ist, sondern dass er damit nur ausdrücken will, wie unangenehm es ihm, der doch nur mit ihm bekannten Damen tanzen möchte, wäre? Also gar keine Beleidigung der anderen Damen, sondern einfach: Ich habe überhaupt keinen Bock zu tanzen und es außerdem, im Gegensatz zu dir, auch gar nicht nötig? Es wird wohl sein Geheimnis bleiben... Denn immerhin macht er, vielleicht um seinen Freund ein wenig milde zu stimmen, einen halbherzigen Versuch, schaut zu Jane hinüber und meint: Du tanzst mit dem einzigen hübschen Mädchen im Saal. Will er etwa seinem Freund, der garade dabei ist, sich in Jane Bennet zu vergucken, die Freundin ausspannen? Da hat er aber die Rechnung ohne Bingley gemacht! Denn hier geht wohl die Freundschaft zu weit, und um Darcy von Jane abzulenken, hat er schnell Ersatz parat, indem er auf Janes Schwester Lizzy deutet, die ja auch sehr hübsch und auf jeden Fall sehr nett ist. Da einfach zu wenig Herren auf dem Ball waren, hatte Lizzy mit dem Tanzen aussetzen müssen und überhörte nun unglücklicherweise die Konversationen zwischen den beiden Freunden. Darcy ist jedenfalls, nachdem Bingley seine Aufmerksamkeit von Jane weg und zu Lizzy hingezogen hat, vollends bedient, er möchte seinen Freund loswerden und seine Ruhe haben und antwortet vielleicht etwas schärfer, als er es eigentlich vorgehabt hat: Sie ist nicht schön genug um einen Mann wie mich in Versuchung zu führen und ich bin augenblicklich nicht in der Stimmung, mich um junge Damen zu kümmern, die von anderen Männern sitzen gelassen worden sind.
Und Elis abeth? Was geht in Lizzy vor, die nun undankbarerweise diesen ganzen emotionalen Müll hatte mitanhören müssen? Wir erfahren zunächst einmal nicht sehr viel von Lizzys Gefühlen außer, dass sie beschließt, das ganze ins Lächerliche zu ziehen und mit ihren Freundinnen darüber zu witzeln. So sehen wir im Film zum Beispiel, wie Lizzy mit verschmitztem Lächeln auf ihre Freundin Charlotte Lucas zugeht, ihr etwas zuflüstert, dabei ab und zu einen Blick auf Darcy wirft, und dann beide anfangen zu kichern. Wo doch Lizzy eigentlich garkeine alberne Kichertante wie ihre jüngeren Schwestern ist ... also, was war geschehen?Nun, wir wagen einfach einmal zu behaupten, dass Lizzy Darcy bei diesem ersten Treffen sehr wohl schon einmal unter die Lupe genommen hat. Für eine gescheite, junge Frau, wie sie es war, muss ein junger Mann - gutaussehend, reich und ihr intellektuell ebenbürtig - einfach interessant sein! So reich ist diese Spezies in Meryton und näheren Umgebung mit Sicherheit nicht gesäht. Also, gucken kann man ja mal ...Und
dann der Schlag in die Magengrube! Alles, was Darcy zu Bingley sagt, münzt
unsere Lizzy auf sich, sie fühlt sich augenblicklich zurückgewiesen,
erniedrigt und in ihrem Stolz verletzt! Dennoch hat dieser Ball auch sein Gutes. Bingley und Jane scheinen sich tatsächlich ineinander verliebt zu haben. Lizzy freut sich für Jane, obwohl sie zu bedenken gibt, dass Jane ja immer nur das Gute in allen Menschen sieht. So auch in Bingley 's Schwestern, die Jane schon in ihr Herz geschlossen hat, während Lizzy den beiden doch eher skeptisch gegenübersteht. Sie waren zwar feine Damen aber ihrer Meinung nach auch stolz und eingebildet. Dennoch freut sich Lizzy für Jane und ihre aufkeimende Liebe.
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