On the Top of Afrika

- Kilimanjaro : Uhuru Peak (5895 m) -

Ein Bericht zur Tour vom 16. bis 22. Februar 2001

Teilnehmer :

Heike und Frank Thom und Stefan Zwingenberger aus Marienberg
Reinhard Walther und Jens Tetzner aus Lichtenstein

Im Kleinbus unserer Trekkingagentur fahren wir von der Mount Meru Game Lodge, die nahe des gleichnamigen Berges bei Arusha liegt, in Richtung Moshi zum Kilimanjaro. Endlich ist es so weit, obwohl auch die letzten beiden Tage unseres Aufenthaltes in Tansania sehr erlebnisreich waren. Im Tarangire- Nationalpark konnten wir viele Tiere Afrikas in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Auch unser Besuch in einem abgelegenen Dorf der Massai war sehr eindrucksvoll aber auch schockierend. Die Massai hier leben zwar ganz bewußt auf traditionelle Weise in ihren Rundhütten aus Lehm und ernähren sich von der Viehzucht, aber sie leben in großer Armut .

Unser Bus verläßt die Landstraße und fährt jetzt durch die Savanne Richtung Machame. Wir halten Ausschau nach dem Kilimanjaro und als die Wolken aufreißen sehen wir ganz hoch oben über dem Regenwald und über den Wolken das schneebedeckte Dach Afrikas. Die schmale Straße führt jetzt durch Kaffee- und Bananenplantagen aufwärts und geht in einen holprigen Weg über. Schließlich erreichen wir das Eingangstor zum Kilimanjaro- Nationalpark auf 1800 m Höhe. Hier lassen wir uns registrieren und treffen unseren Bergführer David, seine Helfer, den Koch und die Träger. Unsere Begleiter gehören zur Volksgruppe der Chagga. Während David den Transport der Zelte, Ausrüstung und Nahrungsmittel organisiert, gehen wir mit Ason los.

Unterwegs im Bergregenwlad zwischen Park Gate und Machame-Hütte

Nach wenigen Schritten tauchen wir ein in den Bergregenwald. Der Pfad wird bald schmaler und die Vegetation um uns herum immer dichter. Bäume, Büsche, riesige Farne, Lianen und niedere Pflanzen bilden eine undurchdringliche grüne Wand. Auf dem nur mäßig ansteigenden Pfad kommen wir gut voran bis Schlamm und Moorast die Oberhand gewinnen. Nach 6 ¼ h mühsamen Aufstiegs erreichen wir den Lagerplatz und sind froh, dass das Gruppenzelt schon steht, denn die letzte halbe Stunde sind wir im Regen gegangen. Bei anhaltendem Regen können schon mal knietiefe Schlammlöcher entstehen, wie uns andere Bergfreunde berichteten. Wir hatten also Glück. Schon bald nach dem Essen, das der Koch in bewunderungswürdiger Weise unter einfachsten Bedingungen zubereitet, kriechen wir in unsere Schlafsäcke, können aber trotz Müdigkeit nicht gleich einschlafen, da eine der Frauen einer anderen Gruppe im benachbarten Zelt ununterbrochen redet.

Licht schimmert durch die Zeltwand, es ist 6.30 Uhr und Zeit aufzustehen. Nach dem Frühstück mit sehr viel Tee wird unser Lager abgebrochen. Jeder der Begleitmannschaft weiß genau was er zu tun hat und nach bereits einer Stunde begeben wir uns auf die zweite Tagesetappe. Heute geht es von der oberen Grenze des Regenwaldes in 3000 m Höhe hinauf auf das 3800 m hohe Shira-Plateau. Das Gelände wird steiler und auf den zerklüfteten Lavarücken finden nur noch wenige Bäume und große Heidepflanzen Halt und Nährstoffe. Wir gehen langsam, wir haben Zeit. Es dauert nicht lange und die Träger überholen uns. Es ist schon erstaunlich wie mit scheinbarer Leichtigkeit die in stabile Plastiksäcke verpackte Ausrüstung freischwebend auf dem Kopf getragen wird. Zur Begleitmannschaft von uns 5 Bergwanderern gehören 18 Personen. Als Letzter schließt David auf und bleibt bei uns. Nach 4 h erreichen wir das Shira- Plateau und ich bin froh pausieren zu können, denn ein verschleppter Infekt macht sich bemerkbar und wirkt sich drastisch auf meine Kondition aus. Nach einer weiteren halben Stunde Gehzeit ziehe ich mich mit leichtem Fieber ins Zelt zurück und beschließe den Infekt mit Antibiotika zu bekämpfen. Drei Stunden später geselle ich mich wieder zu den anderen und wir spazieren über das steinige Plateau, das den Kibo vom Shiragipfel trennt. In der Abenddämmerung genießen wir den Blick auf die westseitigen Gletscher des von der untergehenden Sonne hell erleuchteten Kibo. Auch der Blick über unseren einsamen Lagerplatz hinweg zur aus dem Wolkenmeer aufragenden Pyramide des Mount Meru, wo 19.00 Uhr die Sonne untergeht, ist sehr eindrucksvoll.

Lager auf dem Shira-Plateau, im Hintergrund der Kibo

Am nächsten Morgen ist es deutlich kälter. Der Boden ist gefroren und mit großen, stäbchenförmigen Eiskristallen übersät. Auf einem langgezogenen Lavarücken gehen wir, den Kibo stets vor Augen, bis auf eine Höhe von 4500 m. Die Vegetation wird immer spärlicher. Den Lava- Tower umgehen wir südlich, queren mehrere Täler und Bergrücken und steigen schließlich ins Barranco- Tal ab. In diesem geschützten Tal, wo bis zu 4 m hohe Riesenkreuzkräuter wachsen, schlagen wir unser Lager auf. Hier gibt es auch einen klaren Gebirgsbach. Ein Bad im kalten Wasser kostet etwas Überwindung aber anschließend fühlt man sich so frisch wie noch nie. An den vorherigen Tagen hatten wir für fünf Personen nur eine kleine Schüssel mit Waschwasser. Wie jeden Tag wird ausgiebig diniert und Sancho bringt eine Kanne Teewasser nach der anderen.

Am 4. Tag queren wir auf dem South Summit Curcuit ins Karangatal. Auf dieser kurzen Etappe geht es zunächst 400 Höhenmeter etwas steiler im felsigen Gelände aufwärts und dann weniger steil genau so weit wieder nach unten. Wir erreichen das Tal, unser Lager schlagen wir aber erst nach Bewältigung des Gegenanstieges auf einem Bergrücken auf. Es ist neblig- trüb und von den Südgletschern des Kibo sehen wir leider nichts. Aber wie üblich lösen sich die Wolken eine Stunde vor Sonnenuntergang auf, nur über dem Regenwaldgürtel halten sie sich hartnäckig und wir sehen ein Gewitter von oben. Es wird dunkel. Jetzt sehen wir weit unter uns die Lichter der Stadt Moshi. In der Savanne brennen viele Feuer. Über uns breitet sich ein großartiger Sternenhimmel aus. Es ist schön hier.

Heute wandern wir bis zur Kibo- Hütte auf 4750 m Höhe. Kurz nach Sonnenaufgang gehen wir los und verbringen die nächsten 2 h damit einen Bergrücken nach dem anderen zu überqueren. Wir kreuzen unsere vorgesehene Abstiegsroute und rasten hier bei den letzten großen Felsblöcken. Dann ändert sich der Charakter der Landschaft erneut und wir erreichen die Hochwüste. Nur einzelne Steine liegen verstreut im Sand. Kalter Ostwind bläst uns ins Gesicht. Nach weiteren 2 h treffen wir am Kibo- Sattel auf die Marangu- Route. Hier ist es mit der Einsamkeit vorbei. Viele Bergwanderer mühen sich über die mit Hütten erschlossene Route herauf aber von Massentourismus, wie manche geringschätzig behaupten, kann man nicht sprechen. Auf dem jetzt breiten Weg gehen wir flach ansteigend in 1 ¾ h zur Kibo- Hütte. Eigentlich sind es drei Hütten, eine große für die Bergtouristen, eine kleinere für die einheimischen Begleiter und eine winzige, wie bei allen Lagerplätzen grün gestrichene, für den Lagerplatzverwalter. Hier herrscht nun doch etwas Rummel und wir sind froh, dass wir unsere Zelte haben. Einige Bergwanderer aus anderen Gruppen sind bereits am Ende ihrer Kräfte und werden von ihren Begleitern wieder in tiefere Regionen eskortiert. Am späten Nachmittag gehen wir noch ein Stück am Osthang des Kibo hinauf. Wir versuchen das richtige Tempo zu finden und achten darauf, dass unsere Pulsfrequenz nicht zu hoch wird. Nach vielleicht 200 Höhenmetern kehren wir um, natürlich nicht ohne vorher den Blick über die weite Hochfläche zum zerklüfteten Mawenzi, dem kleinen Bruder vom Kibo, genossen zu haben. Wir fühlen uns gut und sind zuversichtlich.

Stufengletscher auf dem Kibo

Nach dem Essen gehen wir 19.00 Uhr in unsere Zelte um noch etwas zu ruhen. An Schlaf ist nicht zu denken. 23.00 Uhr stehen wir auf und rüsten uns für den letzten Anstieg. Bis zum Gipfel sind immerhin noch 1145 Höhenmeter zu überwinden. Um Mitternacht gehen wir los und steigen im Schein unserer Stirnlampen in engen Serpentinen den Hang hoch. Heute gibt es keinen Sternenhimmel. Es ist stark bewölkt und leichter Schneefall sorgt für eine dünne Schneedecke. Ich zähle sieben Gruppen am Berg, zwei vor uns und vier nach uns. Nach kurzer Zeit geht es Heike schlecht. Die fünf Kekse zum nächtlichen Frühstück waren offenbar doch zu viel. Aber sie überwindet ihre Übelkeit und wir steigen bis zur 5101 m hoch gelegenen Hans- Meyer- Höhle auf, wo wir rasten. Die vor uns gestarteten japanischen Bergfreunde haben wir überholt. Zielstrebig führt uns David den zunehmend steiler werdenden Hang hinauf. Für unseren Bergführer ist es die 216. Besteigung des Kibo. Er kennt nur zwei Leute, die häufiger oben waren. Starkes Schneetreiben setzt ein, das Thermometer zeigt -10°C. Unsere dicke Kleidung ist gerade ausreichend. Auf 5400 m Höhe bekomme ich Kopfschmerzen, die schnell stärker werden. Sind wir etwa doch zu schnell gegangen? Wir drosseln das Tempo. Livingstone übernimmt vorsorglich meinen Rucksack. Weiter geht es in endlosen Kehren. Nun habe ich auch noch mit Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen und ich muss mir gut zureden durchzuhalten. Auch Jens und Reinhard haben Probleme, nur Heike und Stefan fühlen sich munter. Der Hang wird noch steiler und manchmal müssen wir die Hände beim Aufstieg im schrofigen Gelände zu Hilfe nehmen. Ziemlich überraschend stehen wir plötzlich am Kraterrand vor einem Schild mit der Aufschrift Gillman's Point 5681 m. Geschafft.

Gipfelfoto : Uhuru Peak (5895m)

Es ist erst 5.15 Uhr und wir müssen nicht lange überlegen um uns zum Weitergehen zu entscheiden. Es ist eisig kalt, aber Schnee fällt keiner mehr. Auf wackligen Beinen gehe ich hinter David her. Der Druck in meinem Kopf wird langsam unerträglich. Am Stella Point gehen wir rechts vorbei. Hier wird es eng auf dem Kraterrand. Links die Felswand, rechts ein steiler Abbruch zum Krater und der Schnee in der Pfadspur ist hart gefroren. Langsam wird es hell und wir erfassen die Größe des Kraters. Bis zum Uhuru Peak ist es noch ein ganzes Stück. Also weiter. Über die Mweka- Route kommen drei Frauen herauf und liegen sich freudig in den Armen, als sie den Kraterrand erreichen. Wir sind noch 100 m vom Gipfel entfernt als über dem Mawenzi die Sonne aufgeht. Dieses Foto wollte ich unbedingt machen, lasse es aber jetzt bleiben, ich will zum Gipfel. Um 6.30 Uhr stehen wir fünf gemeinsam mit unseren drei tansanischen Begleitern auf dem 5895 m hohen Uhuru Peak, dem höchsten Punkt Afrikas. Langsam setzt sich ein tiefes Glücksgefühl durch und erst jetzt bin ich in der Lage die Schönheit der Landschaft zu erfassen. Im Licht der Morgensonne glänzen die senkrechten Wände der Gletscher ganz wunderbar. Der Schatten des Stella Point liegt auf dem hell erleuchteten Wolkenmeer unter uns. Auf dem gegenüberliegenden Kraterrand liegen einmalig bizarr die Stufengletscher und das nördliche Eisfeld. Die Konturen des Reusch Kraters sind bei dem vielen Schnee nur schwer zu erkennen. Licht, Eis und der Gipfel prägen sich tief in mir ein.

Nach einiger Zeit, Heike meint nach viel zu kurzer Zeit, beginnen wir den Abstieg. Wir gehen ein Stück zurück und nehmen dann den Weg über das steile Geröllfeld im South East Valley. Im feinen Geröll kann man schnell absteigen und langsam werden die Kopfschmerzen weniger. Es hat bis weit herunter geschneit und bis zur Barafu- Hütte bläst ein starker Wind. Langsam machen sich die Anstrengungen des Tages in den Beinen bemerkbar und irgendwie haben wir das Gefühl es sei schon spät, aber es ist erst früher Vormittag. Wir Unsere Mannschaft singt das Lied vom Kilimanjaro müssen heute noch weit absteigen. Am Rastplatz auf 3500 m Höhe treffen wir auf unsere Träger, die von der Kibo- Hütte direkt hierher abgestiegen sind. Sie sind erstaunt, dass wir schon da sind. Der Koch bereitet uns eine wohlschmeckende Suppe und zur Feier des Tages gibt es keinen Tee, sondern Limonade. Wir schnüren die Schuhe fester, denn wir müssen noch weiter absteigen. Nach nochmals 2 h erreichen wir unseren Lagerplatz für die Nacht an der Mweka- Hütte und sind froh nach 14 h die Wanderschuhe ausziehen zu können.

Vor dem letzten Abstieg beschenken wir unsere Begleiter reichlich und alle singen für uns gemeinsam das Lied vom Kilimanjaro. In 3 ½ h gehen wir wie am ersten Tag auf einem schlammigen Pfad durch den Regenwald. Am Tor erhalten wir nach der Registrierung aus den Händen von David unsere Urkunden für die Besteigung des Kilimanjaro. Gemeinsam mit unserer Mannschaft fahren wir im Bus nach Moshi. In einigen Jahren könnte man vielleicht ...

Frank Thom.

Bericht Bilder von Frank Thom, Bearbeitung fürs Internet durch Th. Frank Chemnitz, den 28. April 2001