DAV Chemnitz : Infoheft 1. Halbjahr 2002 (Heft 23)

Übersicht

Aus der Geschichte der Sektion - Vom Ende des 1. bis Ende des 2. Weltkrieges (1918-1945) : Die Jahre 1918 bis 1932 (11. Fortsetzung)
Zum Jahr der Berge: Die Sektion Chemnitz im 120. Jahr
Wir gratulieren / Wir stellen vor : Heinz Günther
Was brachte die Jahreshauptversammlung 2002
Aus dem Sektionsleben : Freundschaftliche Beziehungen Chemnitz - Rüsselsheim fortgesetzt
Auf in die Berge ... mit der Familiengruppe
Kurzmitteilungen : R. Engelmann wird 65 / 100 Jahre Südgrat am Turnerkamp
Aus dem Tourenbuch der Sektion
Zur Gestaltung unserer "Mitteilungen" - Anmerkung der Redaktion
Infos - Termine - Neuigkeiten
Sommersonnenwende
Termin-Übersicht des 2. Halbjahres 2002
Stiftungsfest / Fotowettbewerb
Stammtischabende mit Vorträgen von September 2002 bis Mai 2003
Mitteilungen des Vorstandes
Mitgliedsbeitr&aum;ge
Kletterregelungen / Gebietsbetreuung
Tourenberichte :
Die Ortsgruppe "Oberes Erzgebirge" berichtet
Jahresausklang - Berichte zur Jahresendwanderung rund um Harthau
Klettern in Sachsen : Klavier direkt
Das Rofan - Sportklettern überm Aachensee
Rund um die Annapurna und andere Touren in Nepal und Tibet
Über das Dach Europas
Zwönitzer Bergsteiger berichten: Eine Bergtour in den Berner Alpen
Trekking zum Elbrus
Die Alten vom Berge erzählen: Wie ich vor drei Jahrzehnten zum Elbrus kam
Impressum

Zum Jahr der Berge: Die Sektion Chemnitz im 120. Jahr

Von Wolfgang Mann
Die Ama Dablam (6856 m), Nepal, gilt als schönster Berg der Welt (Foto: Emil Feigl)

Da unser Heft 1 eines Jahrganges immer erst am Ende des ersten Halbjahres erscheint, kommen wir mit dem Eingehen auf das Internationale Jahr der Berge etwas spät und brauchen nicht zu erläutern, was die UNO mit dieser Festlegung beabsichtigte. Dass wir uns als eine der Sektionen des weltweit größten Bergsteigerverbandes, des DAV, diesen Absichten verpflichtet fühlen, kann man als selbstverständlich betrachten. So wird die von unserer Herolder Gruppe in diesem Jahr zum 20. Male organisierte Herbstwanderung "Durch die Reviere des Carl Stülpner" nicht nur ein Höhepunkt im 120. Jahr der Sektion Chemnitz sondern auch ein Beitrag zur vielfältigen Gestaltung des Veranstaltungskalenders des DAV sein. Dazu gehörte aber auch eine Unternehmung der Sektion, die schon im April stattfand, nämlich der freiwillige Arbeitseinsatz in erzgebirgischen Klettergebieten, an unserer Kletteranlage im Sportforum und in der Geschäftsstelle. Da der Termin nach Redaktionsschluss lag, wird im nächsten Heft ein Bericht darüber erscheinen. Man konnte aber wiederum feststellen, dass die dabei waren, die immer dabei sind, wenn es was für die Sektion zu tun gibt und darüber hinaus für alle, die ihre Freude in der Bergnatur finden. Besonders ihnen sei an dieser Stelle ein Dank ausgesprochen.

Eine besondere Aktivität unserer Sektion in diesem Jahr ist es auch, dass wir im September Gastgeber für den Ostdeutschen Sektionentag sind.

Nachdem 2001 unsere Sektion auf fünf Kontinenten vertreten war, begann auch das Jahr 2002 interkontinental mit Afrika und Südamerika, wurden wieder Erlebnisse an und auf Bergen und in Tälern durch internationale Verbindungen möglich. Unser Beitrag zum Jahr der Berge in heimischen Gefilden soll darin bestehen, dass wir sinnvolle Vereinbarungen zum Schutz der Natur konsequent einhalten und damit die Grundlagen und Voraussetzungen für das von uns geliebte Tun in freier Natur erhalten. Das bedeutet z. B. auch das Anerkennen und Einhalten von Regeln und Kletterverboten.

Was brachte die Jahreshauptversammlung 2002

Von Wolfgang Mann

An den Abstimmungen, die alle einstimmige Zustimmung ergaben, beteiligten sich 39 Damen und Herren der Sektion. Das sind etwa 3,3 % unserer Mitgliedschaft, die sich 2001 um sage und schreibe 200 Mitglieder vergrößerte.

In dem familiären Rahmen der Treuesten der Treuen ging die Versammlung ohne viel Federlesens vor sich, eingeleitet mit einer Gedenkminute und dem Dank an einige der Fleißigsten im Geschäftsbereich. Dr. Frank Tröger, 2. Vorsitzender, konnte im Rückblick auf 2001 als besonders positiv die Zusammenarbeit mit der hiesigen Unteren Naturschutzbehörde hervorheben. So wurde bei einer Begehung des Gebietes im Tal der Schwarzen Pockau Einvernehmen erreicht, dass hier neben den Wanderern auch die Kletterer ihr Betätigungsfeld behalten sollen. Da uns bekannt ist, dass in anderen deutschen Landen eher gegeneinander gearbeitet wird, hat dieses Miteinander durchaus Vorbildcharakter.

Es war aber auch nötig, von bestimmten Nöten zu reden und unsere gesamte Mitgliedschaft anzusprechen, nicht nur die, die anwesend waren. Nach wie vor ist Mitarbeit gefragt. Spontan erklärte sich Emil Feigl, der seit Heft 22 die Druckvorlage für unsere "Mitteilungen" erstellt, bereit mit Werner Klotz am PC die Mitgliederdatei zu führen. Was uns aber ganz besonders unter den Nägeln brennt, ist die Suche nach einem neuen Schatzmeister. Ingo Röger, der sich gerade richtig in die Aufgabe eingearbeitet hatte, ist seit einiger und für unbestimmte Zeit aus beruflichen Gründen weit entfernt von Chemnitz. Darum musste nun (zum wievielten Male eigentlich?) unser Altmeister Rudolf Hannß wieder voll ins Geldgeschäft einsteigen. 2003 sind wieder Vorstandswahlen. Bis dahin sollte sich die Frau oder der Mann eingearbeitet haben, die sich eine Mitarbeit im Vorstand auf dem Sektor Finanzen vorstellen können. Es ist nicht nur Stress und Mühe, ehrenamtlich tätig zu sein. In der Gemeinschaft macht es auch Spaß und zufrieden mit der Aufgabe. Würden sonst einige Leute nicht schon über zehn Jahre dabei sein?

Beschlossen wurde die Änderung des § 9 der Vereinssatzung, der sich mit dem Austritt aus der Sektion Chemnitz befasst. Es gilt jetzt folgender Wortlaut (Siehe auch Seite 12 des gedruckten Mitteilungsheftes !):

  1. Der Austritt eines Mitgliedes ist dem Sektionsvorstand schriftlich bis spätestens 30. September des Vereinsjahres mitzuteilen. Er wirkt zum Ende des laufenden Jahres.
  2. Ein Mitglied, das seinen Beitrag nicht bis zum 10 April des laufenden Vereinsjahres bezahlt hat, gilt als ausgeschieden und wird vom Vorstand aus der Mitgliederliste gestrichen.

Zu begründen ist diese Änderung damit, dass die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle und die Sektionskasse nicht unnötig über Gebühr belastet werden.

Auch der Kassenbericht, letztmalig über Deutsche Mark, fand die Zustimmung der Versammlung. Über 95.000 DM waren zu verwalten. Trotz einer unvorhergesehenen Ausgabe für einen neuen Drucker und einer Preiserhöhung bei der bisherigen Druckerei der "Mitteilungen" mussten unsere Reserven nicht angerissen werden, wurden schwarze Zahlen geschrieben.

Infos - Termine - Neuigkeiten

Stammtischabende mit Dia-Vorträgen von September 2002 bis Mai 2003

Von Dr. Thomas Frank

Unsere Stammtischabende finden wie gewohnt am jeweils letzten Dienstag im Monat in den Räumen der Geschäftsstelle in der Zieschestraße statt. Die Geschäftsstelleist an den Stammtischabenden jeweils ab 18:30 Uhr besetzt. Bis zum Beginn der Diavorträge um 19:30 Uhr besteht Gelegenheit zum Gedankenaustausch, zum Klönen, zur Planung und Vorbereitung von Fahrten und allem anderen, was eben zu einem Stammtisch gehöhrt.

Für die Diavorträge wurden aus den vorliegenden "Wortmeldungen" und Angeboten die folgenden Themen ausgewählt. Wegen der festen Anzahl von Terminen und der somit begrenzten Vortragszeit bitte ich alle, die mit ihrem Vorschlag diesmal keine Berücksichtigung im Vortragsprogramm finden konnten, um Verständnis.

Es sind bisher (Änderungen natürlich immer vorbehalten) folgende Vorträge und Erlebnisberichte vorgesehen :

Stammtisch-Abende 2. Halbjahr 2002 und 1. Halbjahr 2003
24. September 2002 Emil Feigl :
Neuseeland - Natur pur erleben !
Streifzug durch die Landschaften der Nord- und Südinsel Neuseelands
29. Oktober 2002 Kerstin u. Thomas Frank, Jörg Helbig :
Patagonien (Torres del Paine, Perito Moreno und Fitz-Roy-Nationalpark)
und die mittelchilenische Seen- und Vulkanregion (Osorno, Villarica, Conguillo-NP)
26. November 2002 Ingo Röger :
Mt. Kenia und Besteigung des Kilimandscharo auf einer ungewöhnlichen Route
28. Januar 2003 diverse Vortragende : Alpentouren, Sommer 2002
Steffen Oehme : Sektionstour zur Neuen Chemnitzer (Rüsselsheimer) Hütte /
Eisklettern am Brochkogel und Geigenkamm
Ingo Röger : Sektionstour in die Schladminger Tauern (September 2002) /
Gosaukamm-Umrundung mit Besteigung der Bischofsmütze
Emil Feigl : Allein über die Alpen - auf dem Traumpfad von München nach Venedig
25. Februar 2003 Olaf Wolters :
Vulkane - von Hawaii bis nach Sizilien
25. März 2003 Emil Feigl :
Die Anden zwischen Argentinien, Chile, Bolivien und Peru
29. April 2003 Gert Scheffler :
Eine Wüsten- und Bergtour in Jordanien
27. Mai 2003 Stefan Bengs : Eine Rundtour durch die Sahara mit Jeep und Zelt

Der Terminplan für die Stammtischabende im Frühjahr 2003 ist noch nicht endgültig festgelegt. Es ist daran gedacht, wieder Stammtischabende für Kurzvorträge (ca. 1h) über interessante Sommerunternehmungen in den Alpen oder in sonstigen bergigen Urlaubsregionen vorzusehen. Vortragsideen und Vorschläge hierzu könnenwie immer an den Vortragswart herangetragen werden :

Vortragswart : Dr. Thomas Frank, Tel.: 0371/ 4 02 95 41, E-Mail: drth.frank@arcor.de.

PS : Die Unstimmigkeiten im gedruckten Mitteilungsheft bei den Terminen für 2003 bitte ich zu entschuldigen. Die hier genannten Stammtischtermine stellen die korrigierte Fassung dar und werden laufend ergänzt, sobald mir Vortragsangebote vorliegen. (Th. Frank)

Tourenberichte

Herbstwanderung der Ortsgruppe "Oberes Erzgebirge"

Von Eckhard Schiefer

Am 13. September 2001 trafen wir uns in der Talhütte der Sektion Regensburg in Zwieselstein im Ötztal. Weil die Hütte eine Selbsversorgerhütte ist, suchten wir am Abend die benachbarte Gaststätte "Zum Brückenwirt" auf. Wegen des Neuschnees konnten wir tags darauf die Ramolhütte in 3.140 m Höhe nicht ansteuern. So machten wir die auf 2.710 m liegende Siegerlandhütte zum Tagesziel. Wir wanderten zuerst in Richtung Sölden durch die Kühtreienschlucht und weiter ins Windachtal. Es ging bergauf und bergab, wobei natürlich bergauf überwog. Anfangs war das Wetter noch erträglich, dann begann es zu regnen und über 2.450 m wurde der Regen zu Schnee. Mittagspause machten wir in "Fiegls Gasthaus". Auf dem Weiterweg gingen wir mehr und mehr auf Schnee. Wir erreichten die Materialseilbahnen zur Hildesheimer und dann zur Siegerland-Hütte. Von hier aus ging es direkt zur Hütte hinauf, aber der Weg war schwer auszumachen, denn die Zeichen waren vom Schnee bedeckt. Steinmänner halfen uns, verhinderten aber nicht, dass wir einen Abzweig verpassten und in die falsche Richtung marschierten. Also ging es wieder zurück bis zur Weggablung und dort auf dem richtigen Pfad weiter. Nachdem wir nach 16 Uhr an der Hütte waren und später auch die Nachzügler, die erst an diesem Tag zu Hause abgefahren waren, eingetroffen waren, wurde es ein sehr gemütlicher Hüttenabend.

So gemütlich war der nächste Tag wettermäßig nicht. Wegen des dichten Nebels wurde die von drei Gruppenmitgliedern geplante Tour zum Gletscher aufgegeben; sie stiegen ab. Dabei besserte sich das Wetter zusehends. Nun konnten wir so manche gute Sicht genießen, was uns am Vortag verwehrt war. Beim "Brückenwirt" und in der Talhütte wurde der Abend verbracht, ehe es am nächsten Tag, Sonntag, dem 16. 09., in Richtung Heimat ging mit der Zuversicht, dass auch 2002 wieder eine solch schöne Wanderung stattfindet.

Jahresausklang - Bericht zur Jahresendwanderung rund um Harthau

Von Ingrid Patzsch

Jörg Helbig hatte im Heft 21 alle Wanderfreudigen der Sektion zur Jahresendwanderung am 29.12.2001 eingeladen. Ihr folgten mehr als dreißig Mitglieder. Erfreulich dabei war die Mischung aller Altersgruppen, auch Kinder waren dabei. Pünktlich 9 Uhr wurde vom Parkplatz Kaufland gestartet. Erster Anlaufpunkt war Jörgs Garten am Försterwinkel, wo uns Brigitte, seine Frau, mit Glühwein und Pfefferkuchen überraschte. Beschwingt und durchgewärmt führte uns Jörg zur alten Harthauer Kirche. Dort berichtete Herr Flemming über die bisherigen Rekonstruktionsmaßnahmen seit der Wende. Diese Kirche soll einmal Stätte für Konzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen werden. Mit Interesse wurde zugehört und gern ein kleiner eigener Beitrag für den weiteren Ausbau gespendet.

Als Nächstes zeigte uns unser Wanderleiter das frühere Johanneum, später Geschwister- Scholl- Heim. Nun ist es eine attraktive Wohnanlage. Auf leichten Winterwegen gelangten wir hungrig zum Harthauer Waldhaus. Die gemütliche Einkehr war uns sehr willkommen. Das Essen schmeckte prima. Der Rückweg fiel bei sanftem Schneefall und ausgiebigen Gesprächen nicht schwer. Ist doch so eine Wanderung am Ende des Jahres eine gute Gelegenheit, sich noch einmal über ein aktives Bergjahr auszutauschen, neue Aktivitäten zu planen und sich ein gutes neues und erlebnisreiches Jahr zu wünschen. Dank gilt Jörg, der uns immer wieder auf stadtnaher Strecke Neues entdecken lässt und Interessantes vermittelt.

Jahresausklang - Bericht zur Jahresendwanderung des Alpenvereins 2001

Bericht und Foto von Familie Rode
Teilnehmer an der Jahresendwanderung des Alpenvereins 2001 rund um Harthau, im Vordergrund links unser Wanderleiter Jörg Helbig

Mit 29 Teilnehmern gut besucht war am 29. Dezember 2001 die Jahresendwanderung, zu der Herr Helbig an die Endhaltesstelle der Linie 49 eingeladen hatte. Wie es sich für eine zünftige Winterwanderung gehört, gab es viel Schnee und kalte Nasen. Doch zum Frieren gab es keinen Grund, denn unser Wanderleiter lud uns alle in seine Gartenlaube ein, die noch im tiefen Winterschlaf steckte. Doch das täuschte, drinnen wartete schon seine Frau mit einem heißen Glühwein. An dieser Stelle auch noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an Fam. Helbig für diese schöne Geste. Anschließend ging es frohen Mutes weiter durch den Harthwald in Richtung Harthau. Am Waldrand oberhalb des Ortes bot sich uns ein schöner Blick auf das Würschnitztal und den bei Autofahrern berüchtigten Harthauer Berg. Herr Helbig wusste viel Wissenswertes zu erzählen, schließlich stammt er aus Harthau. Dann ging es weiter zur unter Denkmalsschutz stehenden kleinen Kirche, die zur Zeit restauriert wird. Einer der fleißigen Helfer informierte uns über den Stand der Arbeiten und das zukünftige Nutzungskonzept dieses Kleinods.

In den vergangenen Jahren wurden alles daran gesetzt, die Außenerneuerung einschließlich der Dachinstandsetzung vorzunehmen. Da ja bekanntlich die Mittel für solche Aufwendungen immer sehr knapp sind, wurde sehr viel in Eigenleistung erbracht. Jetzt kann man daran gehen, den Innenraum weitestgehend wieder herzustellen. Weiter ging unsere Wanderung durch den Ort zum Johanneum (heute Eigentumswohnungen) und den ehemals bestimmt sehr schönen Park zum "Waldhaus" in der Alten Harth, wo wir gut zu Mittag essen konnten. Leicht einsetzender Schneefall auf dem Rückweg ließ diesen Wandertag fröhlich ausklingen und stimmte uns ein auf den bevorstehenden Jahreswechsel. Auch in Zukunft wünschen wir uns wieder so schöne und interessante Wanderungen und bedanken uns bei unserem Wanderleiter Herrn J. Helbig.

Klettern in Sachsen : Klavier direkt

Bericht von Karsta Maul, Fotos von Wolfgang Mann
Der Daxenstein im Bielatal, Sächsische Schweiz, vom Kiosk aus

Oft träumt man von berühmten Bergsteigern, von Männern, die in vergangenen Zeiten mit den damals wenigen Sicherungsmöglichkeiten und dem aus heutiger Sicht dürftigen Material und bescheidener Ausrüstung Unglaubliches geleistet hatten. Einige Gipfel oder Wege von bekannten Erstbesteigern wie zum Beispiel Oliver Perry Smith wurden in die Beliebtheitskala eingeordnet. Es gibt Felsen oder auch nur Routen, die man einfach erklettern muss, um in der Klettergilde mitreden zu können. Dazu gehören z.B. der Überfall an der Lok in Rathen, der Talweg am Höllenhund oder der Teufel am Elbleitenweg und viele andere. Zu jenen beliebten Routen zählt auch das Klavier am Daxenstein im Bielatal. Da wir oft das Wochenende in diesem Gebiet verbringen, bin ich schon mehrfach gefragt worden: "Hast du das Klavier schon gemacht? Das musst du unbedingt probieren."

In den Tasten des Klaviers

An einem heißen Augustwochenende suchten wir uns vorwiegend schattige Wege. Doch die Sonne war erbarmungslos, so dass wir erst gegen Abend noch ein paar Wege klettern wollten. Wir gingen zum Kiosk, setzten uns in den Schatten und beobachteten das bunte Treiben. Unser Blick fiel dabei auch auf den Daxenstein.

Felix, mein Sohn, meinte: "Den Weg steig ich heute noch vor, aber direkt." Gegen 19.00 Uhr machten wir uns wieder auf. Felix war hoch motiviert, musste aber bald feststellen, dass sich die Wand am Tag fürchterlich aufgeheizt hatte und nun die ganze Wärme wieder abgab. Seine Hände wurden sehr schnell feucht und rutschig. Am zweiten Ring gönnte er sich eine Pause, um seine Hände einigermaßen wieder trocken zu bekommen. Bald darauf stand er strahlend und jubelnd auf dem Gipfel. Lachend rief er herunter: "Los Mutti, jetzt bist du dran!" Ich schaute mich um, aber keiner war mehr da, der als Nachsteiger in Frage kommen konnte. Tino, mein Mann, und Jens hatten sich für einen anderen Weg entschieden.

Ich versuchte meine Hände trocken zu reiben und stieg los. Die kleinen Griffe und Bänder ließen sich mit feuchten Fingern sehr schlecht halten. Auf den wenigen Tritten rutschte ich oft ab. Am zweiten Ring endlich angekommen, musste ich erst einmal verschnaufen. In Ruhe betrachtete ich den Weiterweg. Felix gab mir einige Hinweise und erklärte mir die nächsten Griffe. Ziemlich weit rechts eine Mulde mit einem großen Henkel. Aber wie sollte ich dahin gelangen? An kleinen äußerst wenigen Löchern musste man hinüberqueren. Die Füße standen nur auf Reibung. Zwei Versuche schlugen fehl. Ich hängte mich wieder in den Ring und schüttelte die Arme aus. Aufgeben kam eigentlich nicht in Frage, aber wir hatten an diesem Tag schon einige schwere Wege geklettert und meine Finger waren ziemlich lahm. Der dritte Versuch gelang, den Griff hatte icherreicht. Die Wand ist leicht überhängend, dass bekommt man erst oben so richtig zu spüren. Ich hangelte mich von einem Griff zum anderen, bis ich endlich kraftlos keuchend und völlig durchgeschwitzt auf dem Gipfel lag. Felix feixte nur: "He, Mutti, so schlimm war das doch gar nicht!"

Das Rofan - Sportklettern überm Aachensee

Bericht und Fotos von Michael Meier
Klobenjochspitze-Südwand (8), Rofan, Topo Klobenjochspitze-Südwand, Rofan

Es ist der letzte Urlaubstag im August. Gestern waren wir das erste Mal in diesem Urlaub am Fels aktiv, zum Einklettern sozusagen. Im Klettergebiet "Dschungelbuch" bei Zirl in der Nähe von Innsbruck. Nach mehreren Tagen mit teilweise sehr starken Niederschlägen hat es nun doch noch geklappt. Die dunkelgrauen und tiefliegenden Wolkenmassen waren endlich verschwunden. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. In den Fingern kribbelte es schon gestern so richtig, nach über einer Woche Regen und ohne Felsberührung. Heute scheint ein Tag mit idealem Wetter fürs Gebirge zu kommen. Ein fast wolkenloser blauer Himmel mit vereinzelten kleinen Wölkchen gibt uns Auftrieb. Aus Zeitgründen, weil ich am Abend noch zu Hause sein muß, nehmen wir die Seilbahn bis zur Erfurter Hütte. Von dort gehen wir zu Fuß in aller Ruhe zur Wand. Meine beiden österreichischen Führer, Hans- Peter und Darshano haben mir versprochen, dass ich heute eine besonders schöne Route klettern kann. Unser gemeinsames Ziel ist die Klobenjochspitze-Südwand. Einige wenige Seilschaften sind schon vor uns in der Wand. Sie sind nur als kleine Punkte zu sehen. Als Berg eigentlich unbedeutend steht eine äußerst kompakte ca. 100m hohe Wand vor uns. Ein Traum für jeden Kletterer, dem es mehr ums klettern, als um den eigentlichen Gipfel geht. Hans-Peter war hier vor vielen Jahren an einer Erstbegehung beteiligt. Diese Route möchten wir heute durchsteigen. Sie heißt "Hokuspokus" und führt durch einen besonders glatt und abweisend aussehenden Plattenpanzer im rechten Wandteil. Sie ist sportklettermäßig abgesichert, dafür aber durchgängig sehr schwer, wie sich bald zeigen sollte.

Klobenjochspitze-Südwand (8), Rofan, Topo

Tief unter uns breitet sich das grünliche Band des Achensees aus, den wir uns vor einigen Tagen beim Gleitschirm-Tandemflug aus der Vogelperspektive angesehen haben. Das klare Wasser läßt deutlich alle Bodenstrukturen am Seegrund erkennen. Überm See strecken sich die Berge der Karwendelgruppe in den Himmel und dahinter die der Wettersteingruppe. Weit im Süden reihen sich die Gipfel der Zillertaler Alpen wie eine Perlenkette auf. Ihre schneebedeckten 3000-er leuchten im Sonnenlicht. Wir genießen beim Umziehen den phantastischen Rundblick an diesem Tag.

Über uns zieht die grauweiße Kalkmauer in den Himmel und vereinzelt kann ich die in der Sonne blitzenden Bohrhaken erkennen. Angeschriebene Namen erleichtern mir das Auffinden des Einstieges. Mit zwei 70m-Halbseilen und einer Menge Expressschlingen ausgerüstet geht es los. Bereits die ersten Meter haben es in sich. Das Abheben vom Boden fordert sofort die volle Konzentration und jeder Zug will gut überlegt sein. Nur sehr wenige kleine Löcher und kleinste Kanten ermöglichen das Höhersteigen. Mit dem Einhängen des 1. Hakens ist jedoch das Sicherungsproblem erst einmal gelöst. Von nun an kann ich der blinkenden Reihe von Edelstahl-Bohrhaken folgen und mich voll auf meine Kletterbewegungen konzentrieren. Leicht rechts ansteigend geht es an Fingerlöchern und feinen Rippen zum ersten bequemen Standplatz auf einer großen Rippe. Erst die letzten Meter vorm Standplatz waren deutlich leichter, dafür behinderte das Gewicht der beiden Halbseile. Während ich Darshano nachhole, wandert mein Blick nach oben. Leicht überhängend, glatt, fast grifflos scheint der Weiterweg zu sein. Nur die Bohrhaken lassen ahnen, dass hier bereits geklettert wurde. Im Gedanken versuche ich mir eine Kombination der oft recht winzigen Löcher und Leisten zurechtzulegen, denn schließlich will ich den guten Ruf von sächsischen Kletterern im Ausland nicht ruinieren. Darshano gibt mir noch ein paar Tipps, als er bei mir ist. Die nächsten 10 Meter stellen die Hauptschwierigkeit dar. Hervorragend vom Seilgefährten gesichert, beginne ich loszusteigen. Die winzigen, aber teilweise messerscharfen Griffe schneiden in die Fingerkuppen. Jeder Meter will hier erkämpft sein. Mein gesamter sportlicher Ehrgeiz erwacht. Das Problem der relativ langen Route besteht darin sich die Kräfte gut einzuteilen. Hoffentlich reichen meine Ausdauer und meine Kraft. Erst geht es kurz nach links und dann gerade hoch. Schon nach wenigen Metern spüre ich wie die Unterarme schwer werden. Ich versuche die Arme zu schütteln, damit das Blut wieder zirkulieren kann. Ich probiere mehrfach eine winzige Mulde zu fixieren, finde aber nicht den richtigen passenden Tritt für meinen linken Fuß, um zum nächsten Griff zu gelangen Langsam fangen die Finger an zu rutschen. Es scheinen mehrere Minuten zu vergehen, in Wirklichkeit sind es jedoch nur Sekunden. Ein gewagter dynamischer Zug zu einem Fingerloch und ich bin wieder ein Stück höher. Darshano hilft ab und zu mit einem kleinen Tip. Leicht linkshaltend erfasse ich endlich einen richtig guten Griff. Die kleine Rippe ermöglicht eine kurze Verschnaufpause. Nach weiteren schwierigen Klettermetern kann ich endlich den nächsten Standhaken einklinken. Langsam entspanne ich mich. Ich habe die Hauptschwierigkeit hinter mir. Der Rest ist nur noch Genußkletterei.

Darshano gratuliert mir schon jetzt zur Begehung. Die nächsten Seillängen bis zum Abschlußüberhang legt sich die Wand langsam zurück. Der Fels hat eine sehr gute Reibung. Ein Spiel der Bewegungen, balancieren in ausgesetzter Kletterposition. Ich genieße den Tiefblick durch die Beine. Die durch abtropfendes Wasser gebildeten Sinter auf dem Fels drücken nach so vielen Klettermetern schmerzhaft in die Fingerkuppen. Aber die Euphorie über den Erfolg unterdrückt dieses Gefühl. Bald ist der letzte Standplatz erreicht. Wir gratulieren uns und freuen uns über diesen wunderschönen Tag. Über den Bergen schweben viele Gleitschirmflieger. Ihre bunten Schirme schweben wie Blätter im Herbstwind zu Tal. Wir bewundern ihren geschmeidigen Bögen am blauen Himmel. Beim Abseilen über die Aufstiegsroute kann ich nochmals einen Großteil des Aufstieges ansehen.

Am Boden wartet schon Konrad unser Fotograf. Er hat einige Schnappschüsse von uns gemacht. Leider ist unser Urlaub damit zu Ende, aber das Klettern im Rofan hat uns sehr gefallen und wir kommen bestimmt wieder.

Trekking zum Elbrus

Bericht und Fotos von Emil Feigl
Trekkingtour zum Elbrus - Zeltlager im Angesicht des Elbrus

Als ich in München eine russische Maschine bestieg, um in den Kaukasus zu fliegen, nach Minwod, wie Mineralnye Wody kurz genannt wird, hatte ich auch als ehemals passionierter Segelflieger gemischte Gefühle. Aber die Sorge war unbegründet! Bei der Paßkontrolle fühlte man sich in "alte Zeiten" zurück versetzt; es dauerte eine Ewigkeit, bis die lange Schlange der Passagiere die enge Schleuse passiert hatte.

Ein Kleinbus brachte uns in das 20 km entfernte Pjatigorsk. Die zahlreichen Polizeikontrollen unterwegs, martialisch mit schußbereiter Kalaschnikow, waren ein Hinweis auf das nahe Tschetschenien.

Gleich am nächsten Tag absolvierten wir die erste Testbesteigung zur Bestimmung unserer Kondition. Ziel war der Berg Maschuk (1.000 m). Anschließend besuchten wir einen Höhlensee und unternahmen einen Rundgang durch die gut erhaltene Altstadt des Kurortes Pjatigorsk. Bei der Besteigung des Berges Bestau (1.400 m) am folgenden Tage konnten wir in der Ferne den Elbrus sichten. Erstaunlich bei einer Luftlinienentfernung von über 80 km. Zur Fahrt in den Kaukasus stand uns ein Geländewagen mit Allradantrieb zur Verfügung. Die letzten 16 der 260 km Anfahrt sollten eigentlich gelaufen werden, aber der Transporter war Das kaukasische Präbischtor, Sandsteinfelsen südl. Pjatigorsk unverwüstlich. Nur über "Brücken" läßt der Fahrer, ein lebenslustiger Kosake, alle aussteigen. Dieses Risiko trägt er allein! Landschaftlich wird die Fahrt ein Genuß: Sandsteinfelsen sind durch Wind und Wetter phantastisch ausgeformt worden. Am späten Nachmittag bauten wir unser Lager 1 im malerischen Tal Bituktube in 2.600 m Höhe auf.

Mit leichtem Gepäck gings tagsdrauf schon mal richtig zur Sache: wir bestiegen den Oserny- Paß (3.700 m) und erholten uns anschließend in einem Mineralwasserbecken. Der barometrische Höhenmesser zeigte eine stabile Wetterlage, es konnte also losgehen. Der Paß Balkbaschi (3.690 m) war als erstes zu bewältigen und das mit 26 kg auf dem Rücken. Für einen bescheidenen Obolus stellten uns Hirten drei Pferde zur Verfügung; ich konnte wieder lachen. Dafür wurde der Abstieg im unwegsamen Gelände zum Lager 2 auf 2.845 m auch kein Zuckerlecken. Unsere Zelte standen an einem verdammt wilden Gletscherfluß. Ich hielt ihn für nicht passierbar. Unsere russischen Bergführer beruhigten mich: durch die starke Sonneneinstrahlung kommt viel Schmelzwasser zustande, warten wir den Morgen ab. Und tatsächlich, nicht gerade zahm, aber wesentlich schmaler ließ er uns hinüber. Die Füße wurden bis über die Knie puderrot vor Kälte. Zunächst ging es über Matten, später über firnbedeckte Gletscher ständig bergauf, die Gleichmäßigkeit des Geländes sollte sich aber bald ändern. Bald beherrschten 0,5 - 1,0-m-Blöcke aus Lavagestein die Landschaft bis zur Biwakschachtel auf ca. 3.600 m. Ich fühlte die Kräfte förmlich schwinden. Wegen mangelnden Appetits hatte ich wenig gegessen, dazu Durchfall und das Gewicht des Rucksacks, es ging nicht mehr. Die Marscherleichterung durch meine Kameraden gaben mir den seelischen Rest, wo ich doch immer und überall der Größte sein will. Völlig entnervt und entkräftet schleppte ich mich in die Schutzhütte. Meine Kameraden brachten mich dort "zu Bett". Ich war dazu wohl nicht mehr in der Lage.

Aufgetürmtes Vulkangestein nördlich des Elbrus

Am nächsten Tag sah die Welt wieder freundlicher aus, die Wetterlage unverändert stabil. Vormittags gönnten wir uns alle ein paar ruhige Stunden, meine Kameraden Dieter und Rolf kochten für mich mit. Bei unserer einzigen Frau Sabine klappte es auch nicht so recht mit Magen und Darm. Nachmittags war eine leichte Akkli-Tour angesagt. Mit zittrigen Knien und mulmigem Magen stieg ich mit auf. Es ging auf eine Gletschermoräne mit erkennbaren früheren Zeltlagerflächen großer Bergsteiger, die vom Norden aus den Elbrus als einen der Seven Summits bestiegen hatten.

Die nächste Akkli-Tour ging bereits auf Mt. Blanc-Höhe. Die sogen. Lenzfelsen ziehen sich am Ostgipfel etwa von 4.300 m bis auf 5.000 m hoch. Sie bieten verschiedene Möglichkeiten für ein Hochlager. Das gemächliche Aufstiegstempo im Seil und mit Steigeisen auf dem nur etwa 30 Grad ansteigenden Gletscher machte mir keine Probleme. Aber ich spürte keinen inneren Trieb mehr auf eine Gipfelbesteigung, ich wollte mich nicht mehr quälen! Am Abend berieten wir gemeinsam über die Aufstiegsvarianten. Zur Auswahl stand eine Gewalttour von ca. 2.000 Höhenmetern oder eine Zwischenübernachtung im Bereich der Lenzfelsen. Die letztere Variante hatte natürlich den Nachteil des Aufstiegs mit Gewicht! Man entschied sich für einen zweitägigen Aufstieg. Indes gaben sich alle Teilnehmer viel Mühe, mich zum Mitkommen zu überreden. Aber allein die Vorstellung, die gesamte Mannschaft müßte umkehren, wenn ich vor dem Gipfel aufgeben müsste, machte mir Sorgen. Also blieb es dabei, ich klinkte mich aus, wenn auch schweren Herzens.

Gipfel des Elbrus

Bei noch bestem Wetter begann der Aufstieg. Aber schon in den Mittagsstunden bekam der Gipfel eine Wolkenhaube und Sturm kam auf. Die Besteiger hatten eine schwere Nacht zu überstehen. Der Sturm drohte die Zelte zu zerfetzen, an erholsamen Schlaf war nicht zu denken. Das Abkochen machte Mühe. Trotzdem wurde der Gipfelsturm in Angriff genommen, in eisiger Kälte und ohne jede Sicht. Die russischen Bergführer mussten ihnen sagen, dass sie den Gipfel erreicht hatten. Sturm und Eisregen waren gnadenlos, an einen aufrechten Stand war nicht zu denken, auch nicht an ein Gipfelfoto. Macht das Sinn? In der Zwischenzeit saß ich untätig herum und bangte um meine Kameraden, denn man konnte gut erahnen, was sich dort oben abspielte. Die Nachmittagstunden des zweiten Tages vergingen. Mit dem Fernglas suchte ich immer wieder die Lenzfelsen nach Beweglichem ab. Von Stunde zu Stunde rannte ich zunehmend nervöser auf dem kleinen Plateau vor der Biwakschachtel hin und her. Ich kochte für die Bergkameraden eine kräftige Suppe mit Nudeln, Zwiebeln, Knoblauch, Salamistückchen, getrocknetem Brot. Dann, gegen 18:00 Uhr, sah ich frische Spuren und endlich auch ameisengroße Pünktchen im Gletscher. Sie waren es. Völlig sinnlos lief ich ihnen in Turnschuhen auf dem Gletscher entgegen. Umarmungen, Tränen und "Wenn wir das gewusst hätten...". Für die fertige Suppe konnte ich ein dickes Lob einheimsen.

Es gab nach einer ruhigen Nacht keine Blessuren oder andere Probleme. Drei Spalteneinbrüche bis zur Hüfte hinterließen keine Schäden. Es war vollbracht! Wir stiegen ab. In einem Ritt ging es auf 2.600 m hinunter. Unberührte Natur, wunderschöne Landschaftsbilder, prächtige Gesteinsausformungen, wie die Pilzfelsen, die sogen. Sandsteinschlösser und die Narsanquellen ließen den Abschied aus dem Kaukasus schwer werden. Unser "Allroundauto" war pünktlich an Ort und Stelle. Wir sichteten es von weit oben. Neben frischem Obst und Gemüse hatte er auch etliche Flaschen Bier an Bord. Noch einmal wurde ein Lager aufgebaut, eine letzte Nacht im Angesicht des Elbrus. Dann ging es wieder Richtung Pjatigorsk. Den verbleibenden Tag verbrachten wir in der Umgebung, u.a. in Kislovodsk, bis am Abend eine schöne Abschiedsfeier stieg.

Trekking zum Elbrus auf der Nordroute, es war ein großartiges Erlebnis, trotzdem!

Die Alten vom Berge erzählen - Wie ich vor drei Jahrzehnten zum Elbrus kam

Bericht und Foto von Wolfgang Mann

Es gab in Karl-Marx-Stadt die Bezirkstrainingsgemeinschaft Alpinistik, die sich aus guten Kletterern mit alpinen Ambitionen zusammensetzte. Unter Ausnutzung gesellschaftlicher Bedingungen und persönlicher Beziehungen gelang es ihnen im Austausch mit Alpinisten aus Krasnojarsk für 15 Bergsteiger aus dem Bezirk für knapp drei Wochen im Sommer 1974 Plätze im Alpinistenlager Schchelda zu bekommen. Da ich nicht zur BTG gehörte, war es für mich das Glück meines Lebens, in die Mannschaft aufgenommen zu werden. Und damit hatte ich mich an die in der sportlich-politischen Konzeption für die Fahrt festgehaltenen Regeln zu halten. Es wurde vor allem von mir erwartet, durch Erfüllung der hohen sportlichen Zielsetzung und durch parteiliches Auftreten im Sinne der Politik der Partei- und Staatsführung das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und damit im Jahre des 25. Geburtstages der DDR zur Festigung des Ansehens unserer sozialistischen Sportbewegung beizutragen.

Damit ich das tun konnte, war zunächst einmal die Materialfrage zu klären, denn zwischen dem alpinen Angebot in unseren Fachgeschäften seit 1990 und dem der Spowa (HO Sportwaren) von damals liegen Welten. Einen Daunen-Mumienschlafsack erstand ich in Dresden wie auch ein Paar nicht steigeisenfeste Bergschuhe aus der CSSR. Seilmaterial für einen Klettergürtel (Brustgurt) gab es hier. Wir haben uns aber keine gebastelt, da die Meinungen über ihre Zweckmäßigkeit geteilt waren. Mit meinem Bergfreund Dieter E. kauften wir ein neues 9 mm Kernmantelseil. Es musste nach der Fahrt nicht halbiert werden. Wir ließen es für Rubel im Alpinistenlager. Einen Pickel mit Holzstiel lieh ich mir von meiner Sektion bei der BSG Lok und ein Paar Steigeisen aus den 20er Jahren von einem Bergfreund. Zelte für die Biwaks bekamen wir im Lager. Strümpfe und Handschuhe wurden gestrickt. Eine große Tüte getrocknete Aprikosen erstand ich durch Beziehungen zu einem Konsum Verkaufstellenleiter. Nur mit einem Rucksack wollte es nicht klappen, auch nicht in der Tschechei. Schließllich half mir Ernst Pimper aus mit einem Gerät, das heute keiner mehr ins Gebirge tragen würde, vor allem nicht mit dem Gewicht.

Mit dem Zug fuhren wir bis Kiew. Von dort flogen wir nach Mineralni Wodi, wo uns ein Bus des Schchelda-Lagers erwartete. Was ich auf der Reise erlebte, wäre eine eigene Erzählung wert. Da aber Emil Feigl in diesem Heft von seiner 2001er Tour zum Elbrus berichtet, soll hier erzählt werden, was wir damals am Elbrus erlebten.

Wolfgang Mann beim Aufstieg zum Grünen Biwak im Adyl-Su-Tal mit Blick zum Elbrus

Nachdem uns vom Grünen Biwak, vom Deutschen Biwak und vom Biwak Aristowa aus sechs schöne Bergtouren auf Gipfel knapp unter und über 4000 Meter möglich waren, bildete der Elbrus den Abschluss und geografischen Höhepunkt. Versehen mit einem Brief des Lagerleiters gelangtem wir mit einem geländegängigen Fahrzeug durch das obere Baksantal nach Asau und mit der Schwebebahn zum Alten Rundblick in 3000 Meter Höhe. Damals wurde gerade an einer Lifttrasse in Richtung Prijut 11 gebaut. Zu unserem Glück hatte der Lenker eines Raupenfahrzeugs zum Transport von Betonfertigteilen ein paar Rubel nötig. So durfte jeder, der einige Hundert Höhenmeter lieber schlecht fahren als gut laufen wollte, die Ladefläche erklimmen. Zusammengepfercht wie Ölsardinen in der Büchse gelangten wir bei abnehmenden Temperaturen und einsetzendem Schneefall gute 700 Hm höher. Gut, dass wir die wärmende Bergkleidung anhatten und nicht sahen, an welchen Abgründen wir entlang kutschiert wurden. Als wir dann absteigen durften, standen auch zwei Gestalten in sommerlicher dünner Talbekleidung frierend da und einer fragte in schönstem Sächsisch: "Wo gehd's 'n hier zu dr Kneipe?"

Unser Pismo (Brief) verschaffte uns im Prijut gerade noch eine Art Notlager in einer Abstellkammer. Wasser zum Kochen holten wir aus einem gekennzeichneten Loch im Gletscher. In der Nähe lagen auch noch Benzinfässer herum mit dem faschistischen deutschen Hoheitszeichen. Unseren Aufenthalt am Berg planten wir nach guten Ratschlägen erfahrener Elbrusbesteiger, das heißt Aufstieg erst nach einer Akklimatisationstour zum Pastuchowfelsen mit Aufenthalt unterhalb der 5000-m-Grenze. Hätten sich doch alle an diese Regel gehalten! Als wir nach der Tour zur Gewöhnung an die Höhe, die für alle Mitglieder unserer Gruppe persönlichen Höhenrekord bedeutete, zum Prijut zurückkehrten, lag Sonnenschein auf dessen Zinkdach, das damit zum idealen Trockengerät für nasse Kleidung wurde. Wenige Meter hangaufwärts aber begann eine undurchsichtige Wolkenbank, die den ganzen Gipfelaufbau einhüllte. Ich saß gegen 17 Uhr auf dem Dach und wurde von oben und unten gewärmt, da tauchte aus dem Nebel torkelnd eine Gestalt auf. Das war der Anfang vom Ende unserer Gipfelhoffnung. Der Mann rief: "Dieter liegt oben in der Scharte in einer Gletscherspalte. Hilfe!" Dieter Rauchmaul war Leiter einer Dresdner Gruppe und mit zwei Mann gleich am Tag nach der Ankunft im Prijut zum Westgipfel aufgestiegen und beim Abstieg im Nebel in der Scharte zwischen den zwei Gipfeln zu weit nach hinten geraten und dort in eine enge Gletscherspalte über zehn Meter tief eingebrochen, wo er sich so fest verkeilte, dass er auch von seinen Kameraden nicht gerettet werden konnte. Daraufhin stieg einer ab, um Hilfe zu holen. Mehr als 1200 Höhenmeter ohne Sicht kosteten Zeit, viel Zeit. Ich informierte den Hüttenwirt, der im Handumdrehen zum Aufstieg bereit war. Ihm folgten vier Dresdner. Mit der Dunkelheit verzogen sich die Wolken. Bei Sternenschein stieg ich mit zwei Freunden gegen 22 Uhr noch einmal dorthin, wo wir schon am Vormittag waren und noch höher, um der absteigenden Gruppe behilflich sein zu können. Es ging auf Mitternacht, als wir sie etwa in 5000 Meter Höhe erreichten.. Gegen 2 Uhr des neuen Tages wollten wir eigentlich zum Gipfel aufbrechen. So aber krochen wir nur müde in die Schlafsäcke. An diesem Tag gab es nur Erlebnisse bei und in der Hütte, auch mit Reisebürotouristen. Unsere Kontrollfrist im Alpinistenlager lief erst übermorgen ab, also erklärten sich Mike, Herbert und ich bereit,am folgenden Tag mit zu versuchen, den toten Bergfreund Rauchmaul aus seinem eisigen Grab in ca 5400 Meter Höhe zu bergen. Aber es gelang nicht, obwohl wir arbeiteten, bis die Abenddämmerung anbrach.

Als wir wieder einen Tag später ins Baksantal nach Terskol abstiegen, schauten wir schon häufig etwas wehmütig zurück zu den Gipfeln des Elbrus, von denen wir sicher einen geschafft hätten, wenn andere vernünftiger gewesen wären. Sie brauchten ja nur am Seil zu gehen.

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Th. Frank , 15. Juni 2002