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Tourenbericht : Sektionsfahrt zum Nevesjoch ![]()
Sozusagen zum Jubiläum 101 Jahre "Alte Chemnitzer Hütte" wurde der Plan verwirklicht, eine gemeinsame Sektionsfahrt von Wanderern, Bergsteigern und Kletterern zu organisieren. Mehr als 25 Frauen und Männer unserer Sektion waren in der ersten Septemberwoche 96 auf den Spuren unserer Alten von vor 100 Jahren rund um das Nevesjoch unterwegs, wenn auch nicht alle wegen der unterschiedlichen Ziele und Wünsche alle Tage beisammen waren. Eine besondere Freude für Hüttenwirt Burgmann war es, als eines unserer an Jahren ältesten Mitglieder, der 84jährige Heinz Günther, zur Hütte gewandert kam. Da machte es auch nichts aus, daß alle anderen Chemnitzer unterwegs waren. Leider waren die Verhältnisse am Berg wieder nicht optimal, so daß die geplanten Filmaufnahmen auf ein anderes Jahr verschoben werden müssen. Trotzdem wurden mit Hochfeiler, Großer Möseler und Äußerem Sattelnock drei Dreitausender und die im Umfeld der Hütte liegenden Pfaffnock, Weiße Wand, Gamslahnernock, Schaflahnernock und Tristenspitze bestiegen, der Kellerbauer- und Edelrautenweg mehrfach begangen. So waren schließlich alle Teilnehmer durchaus zufrieden, zumal auch die Hüttenabende stimmungsvoll verliefen, nicht zuletzt dank der Benutzung der Hüttengitarre und der vom Hüttenwirt gespendeten Getränke. Da aber wieder einiges offen geblieben ist und nicht alle Vorhaben verwirklicht werden konnten, wird es sicher in den nächsten Jahren einen neuen Anlauf geben.
Erlebnisse auf dem Kellerbauer- und Edelrautenweg sollten an dieser Stelle von denen geschildert werden, die diese Wege als erlebnisreiche Touren begingen. Leider kann ich nun nur kurz mitteilen, daß einige Wanderfreunde mit diesen Wegen eintägige Rundtouren absolvierten. Einige gingen über den Edelrautenweg zur gleichnamigen Hütte, von dort hinunter zum Nevesstausee und wieder hinauf zur Nevesjochhütte. Andere gingen auf dem Kellerbauerweg zum Speikboden, von dort zur Gögealm hinab und wieder zur Chemnitzer Hütte hinauf. Wieder andere hatten sich auf dem Kellerbauerweg auf das Finden von Gamsgerippen und Bergkristallen spezialisiert.
Wieder einmal hatte ich das Wetterglück gepachtet, als ich noch zu Hause für Mittwoch, den 4. September, den Gang auf den Hochfeiler geplant hatte. Nach der Eingehtour am Montag über vier Spitzen des Grates, der zum Turnerkamp führt, und dem Erreichen der Scharte 80 Meter unter der Roßruggspitze , verabschiedeten wir uns für drei Tage von der Chemnitzer Hütte und bummelten am Dienstag gemütlich auf dem Edelrautweg zur gleichnamigen Hütte auf dem Joch unter dem Weißzint und stiegen am späten Nachmittag noch die 400 Höhenmeter zur Unteren Weißzintscharte hinauf, um wenigstens einmal zum Hochfeiler hinüberzuschauen. Aber die tief hängenden Wolken, aus denen es bald nicht nur tröpfelte, gaben den Blick nicht frei, nicht einmal über den Gliderferner hinweg. Als wir am nächsten Tag 9 Uhr wieder in der Scharte standen, konnten wir wiederum nichts von unserem Berg sehen, also auch nicht die von uns geplante Route über den Gliderferner direkt hinauf zum Gipfel. Darum nahmen wir den sichereren Umweg über die Hochfeilerhütte, wobei es bei der geringen Sicht gar nicht so einfach war, den richtigen Weg über den Gletscher zu finden.Von dort aus machten wir uns nach kurzer Rast auf den Normalweg zum Gipfel und nahmen zwei junge Österreicher mit, die so zu ihrem ersten Dreitausender kamen. Mit Bedauern dachten wir an die Sektionsfreunde, die wegen der unsicheren Wetterlage am Tage zuvor der Chemnitzer Hütte Adieu gesagt hatten. Nach einem steilen Stück Klettersteig waren die Verhältnisse durch den schon weit unten liegenden Schnee sehr günstig, wodurch wir weit weniger Zeit für den Aufstieg brauchten als normalerweise üblich. Nicht einmal zwei Stunden reine Gehzeit benötigten wir für die 800 Höhenmeter. Eine absteigende Seilschaft beneidete uns unterwegs darum, daß wir nicht so zeitig dran waren, denn nach und nach rissen die Wolken auf und gewährten immer schönere Rundumblicke, und die Gipfelrast wurde zu einem traumhaften Erlebnis, natürlich in reinster Winterstimmung. Der Grat zum Weißzint wäre nicht begehbar gewesen, jedenfalls nicht von uns. Hemdsärmelig mußten wir uns nach 45 Minuten Gipfelrast regelrecht losreißen und brauchten für den Abstieg zur Hochfeilerhütte nur wenig mehr als eine Stunde. Alte Herren brauchen ihre Mittagsruhe. Also legten wir uns nach einer Jause vor der Hütte im Sonnenschein auf die Bänke, ehe wir nach 16 Uhr aufbrachen, um zum Abendbrot rechtzeitig in der Edelrauthütte zu sein. Über viel Geröll ging es wieder hinunter zum Gliderferner. Der Weg über ihn hinweg hinauf zur Unteren Weißzintscharte wurde für uns an diesem wunderschönen Spätnachmittag zu einem eindruckvollen Erlebnis.
Genau 18 Uhr trafen wir wieder an der Edelrauthütte ein und hatten insgesamt doch wieder 1400 Höhenmeter auf und ab bewältigt, wofür der Hüttenwirt, der schon einmal nach uns Ausschau gehalten hatte, Beifall zollte, vor allem meinem Begleiter Josef Bernard, der in diesem Jahr 70 wurde. Vor 30 Jahren war ich zum ersten Mal im böhmischen Sandstein bei ihm nachgestiegen, und nun war ich endlich auch einmal auf einem größeren Berg mit ihm.
Allein mit diesem Tag hatte sich unsere Sektionsfahrt gelohnt. Doch wegen des noch immer ausstehenden Südgrates am Turnerkamp und der freundlichen Aufnahme in der Alten Chemnitzer Hütte war das sicher noch nicht unser letzter Besuch am Nevesjoch.
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